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Strukturwandel und Migration: Befunde zur Migrationsgeschichte Deutschlands seit 1880

Title: Strukturwandel und Migration: Befunde zur Migrationsgeschichte Deutschlands seit 1880

Thesis (M.A.) , 2009 , 110 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Tobias Heyer (Author)

Sociology - Politics, Majorities, Minorities

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Summary Excerpt Details

Die Magisterarbeit stellt die Migrationsgeschichte Deutschlands zwischen 1880 und dem Anfang des 21. Jahrhunderts in den Fokus - . Welche Migrationsbewegungen gab es, was waren ihre Motive, wie gingen Politik und die Mächtigen mit ihnen um? Über Landflucht, "Auslandspolen", Zwangsarbeiter im 2. Weltkrieg hin zu "Gastarbeitern" und Aussiedlern führt die Reise durch die jüngste Geschichte bis hin zur Frage, ob Deutschland ein Einwanderungsland sei (was, vorweggenommen, mit "Ja" zu beantworten ist).

In der Analyse werden Geschichts- und Sozialwissenschaften zusammengeführt zu einem verdichteten Überblick zur deutschen (Ein-)Wanderungsgeschichte, der eine Einführung in die Migrationstheorie vorangestellt wird. Mit der interdisziplinären Verschränkung von Sozial- und Geschichtswissenschaften ist es möglich, abseits von Wahlkampf und politischen Machtkämpfen der Frage nachzugehen, ob - oder zu welchem Zeitpunkt - man von einer Einwanderung nach Deutschland sprechen kann, inwieweit Zuwanderung für Deutschland notwendig war oder ist, wie die Politik mit dem sozialen Prozess „Migration“ umging, und wo Fehler im Umgang mit Migration gemacht wurden.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Theoretische Grundlagen

2.1 Theorien zu Migration

2.1.1 Fremdheit und Marginalität

2.1.2 Die Wechselbeziehungen von Aufnahmegesellschaft und Migranten in verschiedenen theoretischen Modellen

2.1.2.1 Die Modelle von Alan Richardson und Ronald Taft

2.1.2.2 Milton M. Gordons Assimilationsmodell und die „ethclass“

2.1.2.3 Hoffmann-Nowotnys Thesen zur Beziehung von gesellschaftlicher und kultureller Dimension

2.1.2.4 Das Assimilationsmodell von Hartmut Esser

2.1.2.5 Ergänzende Bemerkungen zu Migration als sozialem Prozess

2.2 Zur historischen Sozialforschung und zur Migration als deren Forschungsgegenstand

2.3 Zu sozialen Konflikten in der Einwanderungsgesellschaft und der Rolle der staatlichen Politik

3. Zur Migrationsgeschichte Deutschlands im ausklingenden 19. Jahrhundert bis zum Beginn des Ersten Weltkriegs

3.1 Deutsche Überseeauswanderung und Landflucht als Ursachen von „Leute-“ und „Arbeiternot“

3.2 Strukturwandel, kontinentale Zuwanderung und staatliche Migrationspolitik im Kaiserreich vor dem Ersten Weltkrieg

4. Zur Zwangsarbeit im Ersten Weltkrieg

5. Migrationsgeschichte zur Zeit der Weimarer Republik

5.1 Emigration, Flucht, Vertreibung nach dem Ersten Weltkrieg

5.2 „Inländervorrang“ und staatliche Regulierung des Arbeitsmarktes

6. Das Schicksal der „Displaced Persons“ nach dem Zweiten Weltkrieg

7. Arbeitsmigranten im Spannungsfeld zwischen Zu- und Einwanderung in der Bundesrepublik Deutschland

7.1 Neuer Arbeitskräftebedarf - Migranten, Arbeitsmarkt, Politik und Gesellschaft in der BRD bis 1973

7.2 Die Entwicklung seit den 1970er-Jahren hin zum Einwanderungsland und die Nicht-Anerkennung der Einwanderungssituation durch die Politik

8. Strukturveränderungen von Migration und politische Paradigmenwechsel seit den 1980er-Jahren

8.1 Asylbewerber und (Spät-)Aussiedler als neue Herausforderungen für Politik und Gesellschaft in Deutschland

8.2 „Ein unumkehrbarer Zuwanderungsprozess“ - der Regierungswechsel 1998 als Bewusstseinswandel in der Migrationspolitik?

8.3 Migranten und staatliche Integrationsförderung im neuen Jahrtausend

9. Zusammenfassung

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht aus der Perspektive der historischen Sozialforschung die deutsche Migrationsgeschichte seit den 1880er-Jahren. Ziel ist es, die Strukturen und den Wandel von Wanderungsbewegungen sowie die staatliche Migrationssteuerung zu analysieren, um Erkenntnisse über die Entwicklung Deutschlands zum Einwanderungsland und die damit verbundenen politischen sowie gesellschaftlichen Herausforderungen zu gewinnen.

  • Historische Analyse der deutschen Migrationsgeschichte von 1880 bis zur Gegenwart.
  • Wechselspiel zwischen wirtschaftlichem Arbeitskräftebedarf und staatlicher Migrationspolitik.
  • Theoretische Auseinandersetzung mit Migrations- und Assimilationsmodellen.
  • Untersuchung von sozialen Konflikten und Integrationsprozessen in der Einwanderungsgesellschaft.
  • Bewertung politischer Steuerungssysteme und deren Auswirkungen auf die Lebenssituation von Migranten.

Auszug aus dem Buch

3.1 Deutsche Überseeauswanderung und Landflucht als Ursachen von „Leute-“ und „Arbeiternot“

Um die Zuwanderung und die Binnenmigration von Arbeitskräften im deutschen Kaiserreich im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts zu verstehen, ist es nötig, sich zuerst mit den Auswanderungsbewegungen aus Deutschland vor allem in Richtung Nordamerika zu beschäftigen. Denn diese eignen sich als Ausgangspunkt für die Darstellung des Strukturwandels und des Migrationsgeschehens, und trugen auch selbst zu diesem Strukturwandel weiter bei, wobei nicht vergessen werden darf, dass sie selbst als Folge im Kontext des Wandels verschiedener Strukturen in Verkehrs- und Informationswesen, Wirtschaft und Gesellschaft zu verstehen sind.

Die Auswanderung des 19. Jahrhunderts nach Nordamerika ist als Massenauswanderung zu begreifen, die nicht nur Deutschland, sondern den ganzen europäischen Kontinent umfasste. Eine der Ursachen der Überseeauswanderung war der Wachstumsprozess der europäischen Bevölkerung um rund 115 Millionen im Zeitraum eines Jahrhunderts von 1750 bis 1850 auf insgesamt 255 Millionen. Das entspricht einer Zuwachsrate von zirka 130 % (Hansen 1976: 9).

Die Bevölkerungsdichte stieg während dieses Vorgangs stark an, und damit ebenfalls die Konkurrenz um Ressourcen. Immer mehr Menschen strömten auf den Arbeitsmarkt auf der Suche nach Erwerbsmöglichkeiten. Aber Landwirtschaft, Handwerk und die relativ junge und noch nicht besonders breit entfaltete und regional unterschiedlich entwickelte Industrie waren nicht aufnahmefähig genug, um der wachsenden Zahl an Erwerbssuchenden Arbeit und Lohn zu bieten. Die Verarmung breiter Bevölkerungsschichten war die Folge, auch weil die Preise für Grundnahrungsmittel und Kleidung stiegen. Nur eine grundsätzliche Strukturverbesserung hätte diesem Zustand langfristig Abhilfe schaffen können. Die Staatsfürsorge konnte aber nur Symptome lindern, keine Strukturveränderungen herbeiführen, um dem entstehenden sozialen Druck entgegenzutreten (Hansen 1976: 9-12).

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Diese Einleitung führt in das Thema der deutschen Migrationsgeschichte ein und begründet die methodische Herangehensweise der historischen Sozialforschung, um die langfristigen Strukturen und politischen Versäumnisse im Umgang mit Migration zu verstehen.

2. Theoretische Grundlagen: Dieses Kapitel erarbeitet zentrale soziologische Theorien zu Migration, Assimilation und sozialer Marginalität, die als analytisches Werkzeug für das Verständnis der späteren historischen Befunde dienen.

3. Zur Migrationsgeschichte Deutschlands im ausklingenden 19. Jahrhundert bis zum Beginn des Ersten Weltkriegs: Hier wird der Grundstein für die Analyse der deutschen Arbeitswanderung gelegt, indem die Auswirkungen der Überseeauswanderung und der Binnenmigration auf den Arbeitsmarkt und die Gesellschaft im Kaiserreich beleuchtet werden.

4. Zur Zwangsarbeit im Ersten Weltkrieg: Das Kapitel behandelt die Instrumentalisierung ausländischer Arbeitskräfte während des Ersten Weltkriegs, die fast vollständig militärischen und kriegswirtschaftlichen Zielen untergeordnet war.

5. Migrationsgeschichte zur Zeit der Weimarer Republik: Es wird analysiert, wie die Krisenjahre nach dem Ersten Weltkrieg durch Flucht, Vertreibung und eine restriktive, auf den Inländervorrang fokussierte Migrationspolitik geprägt waren.

6. Das Schicksal der „Displaced Persons“ nach dem Zweiten Weltkrieg: Dieses Kapitel beleuchtet die schwierige Lage von ehemaligen Zwangsarbeitern nach dem Krieg und die Strategien der Siegermächte hinsichtlich Repatriierung und Neuansiedlung.

7. Arbeitsmigranten im Spannungsfeld zwischen Zu- und Einwanderung in der Bundesrepublik Deutschland: Es wird die Anwerbung von Gastarbeitern untersucht und aufgezeigt, wie die Nicht-Anerkennung der Realität als Einwanderungsland zu politischen Versäumnissen in der Integration führte.

8. Strukturveränderungen von Migration und politische Paradigmenwechsel seit den 1980er-Jahren: Dieses Kapitel diskutiert den Wandel der Migrationsformen hin zu Flucht- und Asylmigration sowie die späte und politisch umstrittene Anerkennung Deutschlands als Einwanderungsland.

9. Zusammenfassung: Die Arbeit schließt mit einer Synthese der historischen Entwicklungen, die Migration als dauerhafte Konstante der deutschen Geschichte ausweist und die langfristigen Folgen einer vernachlässigten Integrationspolitik unterstreicht.

Schlüsselwörter

Migrationsgeschichte, Einwanderungsland, historische Sozialforschung, Gastarbeiter, Arbeitsmarktpolitik, Assimilation, Zwangsarbeit, Displaced Persons, Inländervorrang, Integration, Strukturwandel, Ausländerpolitik, Polen, Asylrecht, Aussiedler

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Magisterarbeit befasst sich mit der Geschichte der Migration in Deutschland seit den 1880er-Jahren bis in die Gegenwart und analysiert, wie sich Wanderungsbewegungen, Arbeitsmarktstrukturen und die staatliche Politik gegenseitig beeinflusst haben.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Themen sind die Entwicklung der deutschen Arbeitsmigration, der Wandel von der temporären Zuwanderung zur dauerhaften Einwanderung, die Auswirkungen staatlicher Kontrollmechanismen auf Migranten sowie die soziologische Theoriebildung zu Assimilation und Integration.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Die Forschungsfrage untersucht, ob und ab wann man in Deutschland von einer Einwanderung sprechen kann, wie die Politik mit dem sozialen Prozess der Migration umging und inwieweit Zuwanderung für die deutsche Entwicklung notwendig war.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt die Perspektive der historischen Sozialforschung, die soziologische Theorien und Methoden mit geschichtswissenschaftlichen Verfahren verbindet, um komplexe Migrationsprozesse objektiv zu analysieren.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil erstreckt sich chronologisch vom Kaiserreich über die Weimarer Republik und die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg bis zur modernen Bundesrepublik. Dabei werden spezifische Phasen wie die Anwerbung von Gastarbeitern, die Zwangsarbeit in Kriegen und der Umgang mit Asylbewerbern und Aussiedlern detailliert untersucht.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Migrationsgeschichte, Arbeitsmarktpolitik, Gastarbeiter, Einwanderungsland, soziale Integration und politische Steuerung geprägt.

Welche Bedeutung hat das „Legitimationszwang“-System im Kaiserreich?

Dieses System diente dazu, den Zustrom polnischer Saisonarbeiter zu kontrollieren und zu begrenzen, indem Arbeitsverträge an spezielle Dokumente gebunden wurden, die eine Kontrolle durch Behörden ermöglichten und sicherstellen sollten, dass Migranten nicht im Reich sesshaft wurden.

Warum wird die „Substitutionsthese“ in der Arbeit kritisch betrachtet?

Die These, dass arbeitslose Deutsche einfach die Plätze von ausländischen Gastarbeitern einnehmen könnten, wird als unrealistisch zurückgewiesen, da oft ein Qualifikationsgefälle bestand, die Arbeitsbedingungen für Einheimische unattraktiv waren und die Betriebe spezialisierte Strukturen aufgebaut hatten.

Welche Rolle spielten „Displaced Persons“ nach 1945?

Sie stellten die Siegermächte vor die Herausforderung, Millionen Menschen, die während des Krieges ins Reich verschleppt worden waren, zu versorgen und zu repatriieren, wobei ihr Status in Deutschland zwischen Fürsorge und sicherheitspolitischer Kontrolle schwankte.

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Details

Title
Strukturwandel und Migration: Befunde zur Migrationsgeschichte Deutschlands seit 1880
College
Friedrich-Alexander University Erlangen-Nuremberg  (Institut für Soziologie)
Grade
1,3
Author
Tobias Heyer (Author)
Publication Year
2009
Pages
110
Catalog Number
V157542
ISBN (eBook)
9783640705429
ISBN (Book)
9783640705825
Language
German
Tags
Migration MIgrationsgeschichte Gastarbeiter Klaus J. Bade Migrationstheorie Integration Immigration Auswanderung Einwanderer Türken Displaced Persons Vertreibung Große Koalition Merkel Kanzler Innenminister Wirtschaftswunder Weltkrieg Sarrazin USA Auswanderungswelle Theorien Hartmut Esser
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Tobias Heyer (Author), 2009, Strukturwandel und Migration: Befunde zur Migrationsgeschichte Deutschlands seit 1880, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/157542
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