Dass Thomas Manns Erzählung „Der Tod in Venedig“ zahlreiche Anspielungen auf Antikes
– insbesondere antik Griechisches – enthält, zeigt sich bereits bei einer ersten Lektüre
des Textes. Dem Leser, der diesem Phänomen nähere Beachtung schenkt, wird rasch
deutlich, dass der Autor sich hier unterschiedlicher Versatzstücke bedient, die – ihrer Art
wie ihrer Herkunft nach – heterogenen Charakter haben.
Diese (überwiegend) altgriechischen Bezüge in Thomas Manns „Der Tod in Venedig“ sollen
im Zuge der vorliegenden Arbeit identifiziert, benannt und in ihrer Funktion für den
Text interpretiert werden. Im Anschluss folgen – anhand der Fachliteratur – nähere Erläuterungen
zu der von Thomas Mann angewandten Methode der Textgestaltung sowie die
Auseinandersetzung mit einer in der Sekundärliteratur gegebenen inhaltlichen Interpretation
zentraler Textpassagen aus „Der Tod in Venedig“ und ihrer altgriechischen Bezüge.
Ein echter Nachweis der von Thomas Mann tatsächlich herangezogenen Quellen kann im
Rahmen dieser Hausarbeit naturgemäß nicht erfolgen. Anders als z.B. Lehnert, der im
Hinblick auf eine Anspielung im Text den Umstand hervorhebt, dass Thomas Mann „die
humanistische Berufung auf Cicero […] seiner Lektüre der Briefe Flauberts verdankt, wie
aus den Notizbuchaufzeichnungen hervorgeht“, muss die vorliegenden Hausarbeit sich
darauf beschränken, die Dichte der Bezüge zur (griechischen) Antike aufzuzeigen, ihre
Art zu belegen oder wenigstens zu plausibilisieren3 sowie die Methode ihrer Verwendung
zu diskutieren.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1 Textanalyse und Deutung der Funktion altgriechischer Bezüge
1.1 Altgriechische Elemente der Textgestaltung
1.1.1 Altgriechische Elemente in der Darstellung von Landschaften und Bauwerken
1.1.2 Altgriechische Elemente in der Darstellung von Personen und Personengruppen
1.1.3 Sonstige Anspielungen auf die Antike
1.2 Intertextuelle Bezüge
1.2.1 Verwendung Platonischer Dialoge
1.2.2 Bezugnahme auf andere antike Texte
1.3 Zusammenfassung
2 Interpretationen anderer Autoren
2.1 Zur Methode der Textgestaltung
2.2 Zur inhaltlichen Bedeutung der altgriechischen Bezüge
Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die vielfältigen altgriechischen Bezüge sowie intertextuellen Referenzen in Thomas Manns Erzählung „Der Tod in Venedig“ und analysiert deren funktionale Bedeutung für die Textstruktur und die erzählte Handlung.
- Identifikation und Kategorisierung altgriechischer Gestaltungselemente
- Analyse der intertextuellen Einbindung Platonischer Dialoge (Phaidros, Gastmahl, Apologie)
- Untersuchung der Montagetechnik als zentrales literarisches Verfahren
- Bewertung der Rolle des Mythos für die Charakterisierung der Hauptfigur Aschenbach
- Diskussion der Ambivalenz von Künstlertum, Schönheit und Untergang
Auszug aus dem Buch
1 Textanalyse und Deutung der Funktion altgriechischer Bezüge
Die altgriechischen Bezüge in Thomas Manns „Der Tod in Venedig“ lassen sich unterteilen in Einzelelemente auf der einen und kompakte intertextuelle Bezüge ganzer Passagen der Erzählung auf der anderen Seite. Kriterium der Unterteilung bei der Untersuchung der Phänomene ist hier das Vorliegen bzw. Nichtvorliegen einer nachweisbaren Referenz auf vorhandene Texte anderer Autoren; was eine solche Referenz nicht aufweist, ist ‚Element der Textgestaltung’.
Während bei den Einzelelementen in manchen Fällen – insbesondere bei ‚Typischem’ – Bezüge nur angezeigt werden (können), erfolgt im Hinblick auf die intertextuellen Referenzen einer strenger Beleg.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Einleitung umreißt das Vorhaben, die altgriechischen Anspielungen in der Erzählung zu identifizieren und deren Funktion für den Text zu interpretieren.
1 Textanalyse und Deutung der Funktion altgriechischer Bezüge: Dieses Kapitel klassifiziert und untersucht die einzelnen altgriechischen Elemente der Textgestaltung sowie intertextuelle Bezüge zu klassischen antiken Texten.
2 Interpretationen anderer Autoren: Hier setzt sich die Arbeit kritisch mit bestehenden Interpretationsansätzen zur Montagetechnik und zur inhaltlichen Bedeutung der antiken Bezüge auseinander.
Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und kommt zu dem Schluss, dass Thomas Mann das antike Material durch virtuose Montage für seine Erzählintention funktionalisiert.
Schlüsselwörter
Thomas Mann, Der Tod in Venedig, Altgriechische Bezüge, Intertextualität, Platon, Phaidros, Gastmahl, Mythologie, Montagetechnik, Künstlertum, Ästhetizismus, Aschenbach, Antike, Apollinisch, Dionysisch
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der vorliegenden Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Bedeutung und Funktion der zahlreichen Anspielungen auf das antike Griechenland in Thomas Manns Erzählung „Der Tod in Venedig“.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Im Zentrum stehen die Textanalyse von Einzelmotiven, der Vergleich mit platonischen Dialogen sowie die Untersuchung der literarischen Montagetechnik.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist es, die Dichte und die spezifische Funktion der altgriechischen Bezüge aufzuzeigen und zu diskutieren, wie diese den Entwicklungsgang der Hauptfigur Aschenbach unterstützen.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Die Autorin verwendet eine textnahe Analyse und vergleicht Passagen aus „Der Tod in Venedig“ mit den antiken Originalquellen, ergänzt durch eine Auseinandersetzung mit existierender Sekundärliteratur.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Textanalyse der Bezüge sowie eine kritische Reflexion bestehender Interpretationen zu Thomas Manns künstlerischem Verfahren.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?
Zu den zentralen Begriffen gehören insbesondere Intertextualität, Montage, Platonismus, Ästhetizismus sowie die mythologische Dichotomie von Apollinischem und Dionysischem.
Wie bewertet die Autorin die Rolle des Platonischen Dialogs „Phaidros“?
Der „Phaidros“ dient als wesentliche Referenz, um die erotische Ergriffenheit Aschenbachs und das Verhältnis von Lehrer und Schüler im Kontext des Schönen zu beleuchten.
Wie steht die Arbeit zur These einer „Platon-Parodie“ in der Erzählung?
Die Arbeit widerspricht der These einer „Platon-Parodie“, da die Einbindung der antiken Texte eher der Nobilitierung und atmosphärischen Vertiefung der Erzählung dient.
- Quote paper
- Monica Blümle (Author), 2005, Altgriechische Bezüge in Thomas Manns 'Der Tod in Venedig', Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/157447