Es erwirkt den Anschein, dass der Begriff ‘Sozial’ in der Gesellschaft eine Assoziation zur einfachen Hilfeleistung schürt, die keinerlei besondere Fähigkeiten, Fertigkeiten oder fundierte Kenntnisse bedarf. Analog zu dem eher geringfügigen Prestige steigen die beruflichen Anforderungen. Infolge finanzieller Sparmaßnahmen des Staates ergibt sich eine neue Prämisse in der Praxis. Sozialarbeitende müssen ihre Tätigkeiten an die neuen wirtschaftlichen Ressourcen anpassen. Die Hausarbeit befasst sich mit der Frage, inwiefern eine weiterführende Professionalisierung explizit in Bezug auf das professionelle Handeln
anzustreben ist.
Zur Beantwortung der Fragestellung wird zunächst die historische Entwicklung des Berufsfeldes angerissen. Anschließend werden die Termini „Profession“ und „Professionalisierung“ erläutert und die gängigsten Professionstheorien dargelegt. Als Problemstellungen, welche der Sozialen Arbeit zugrunde liegen und die Professionalisierung erschweren, wird nachfolgend das doppelte Mandat, sowie die Heterogenität beschrieben. Folgend wird die Wissenschaft Soziale Arbeit und ihre Theorien aufgezeigt. Die Kompetenzen und Ethik, welche der Arbeit zugrunde liegen, werden nachfolgend angeführt. Abschließend werden die aufgeführten Wissensbestände und Argumentationen zusammengeführt, eine Beantwortung der Frage diskutiert und weiterführende Fragen darauf folgend aufgezeigt.
Inhaltsverzeichnis der Arbeit
1. Einleitung
2. Anfänge und Entwicklung der Sozialen Arbeit
3. Profession Soziale Arbeit
3.1. Definition von Profession und Abgrenzung zu Beruf
3.2. Begriffsbestimmung von Professionalisierung
3.3. Professionstheorien der Sozialen Arbeit
4. Probleme der Sozialen Arbeit
4.1. Doppeltes Mandat der Sozialen Arbeit
4.2. Heterogenität des Berufsfeldes
4.3. Wissenschaft und Theoriebildung in der Sozialen Arbeit
5. Anforderungen an die Beschäftigten
5.1. Kompetenzen des Professionellen
5.2. Berufsethik
6. Fazit
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Das Hauptziel dieser Arbeit ist es, die Notwendigkeit einer weiterführenden Professionalisierung in der Sozialen Arbeit vor dem Hintergrund aktueller gesellschaftlicher und struktureller Anforderungen kritisch zu untersuchen. Im Zentrum steht dabei die Forschungsfrage, inwieweit ein professionelles Handeln unerlässlich ist, um den komplexen Problemstellungen und Spannungsfeldern der Praxis gerecht zu werden.
- Historische Genese und Verberuflichung der Sozialen Arbeit
- Differenzierung zwischen Berufsbild und professionellem Handeln
- Analyse der Spannungsfelder (doppeltes Mandat, Heterogenität)
- Bedeutung von Wissenschaft und Theoriebildung
- Anforderungsprofile: Kompetenzen und Berufsethik
Auszug aus dem Buch
4.1 Doppeltes Mandat der Sozialen Arbeit
Den etlichen Berufsfeldern der Sozialen Arbeit ist das doppelte Mandat gemein. Der Sozialarbeitende muss sowohl die Interessen des einzelnen Klienten vertreten, als auch im Sinne des Gemeinwohls agieren. Die Funktion innerhalb beider gesellschaftlichen Problembereiche tätig zu werden, bildet der Konsens aller Arbeitsfelder (vgl Knoll 2010, S.20). Es wird deutlich, dass die individuelle Hilfeleistung den gesellschaftlichen Kontext miteinbeziehen muss. Funktionalistisch betrachtet wird das Problem des Klienten von der Gesellschaft konstruiert. Somit gerät die Gesellschaft als Adressat in den Mittelpunkt und der Klient dabei zur indirekten Zielgruppe. Kritisch analysiert wird nicht rein im Interesse des Adressaten, sondern zur Sicherung der Gesellschaftsstruktur Hilfeleistungen erbacht. Jede Hilfeleistung korreliert so mit der Kontrolle des Adressaten (vgl. Erath 2006, S.69ff.). Aus den unterschiedlichen Mandaten, die der Sozialen Arbeit zukommen, ergeben sich widersprüchliche Interessen und Anforderungen an die Arbeit. Dieser konträre Anspruch kann zu einem Zwangskontext der Arbeit führen. Der Klient lehnt die Angebote ab, er stellt sich diesen negativ entgegen (vgl. Knoll 2010, S.153). Die Entscheidung, was als hilfsbedürftig gilt, inwieweit soziale Gerechtigkeit und an wen die Dienstleistungen erbracht werden, liegt nicht in der Zuständigkeit des Sozialarbeitenden. Die Autonomie der Sozialen Arbeit steht der Eingebundenheit in sozialstaatlichen Vorgaben gegenüber (vgl. Erath 2006, S.69ff.). Diese Rahmenbedingungen für die Arbeit bringen zwei Ansprüche hervor. Zum Einen muss die Soziale Arbeit die Individualität und zeitgleich die Lebenswelten der Adressaten berücksichtigen. Andererseits bedarf es der Einbettung des Organisationalen zur professionellen Handlung der Akteure (vgl. Müller 2012, S.961).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Vielfältigkeit und Abgrenzungsproblematik der Sozialen Arbeit ein und legt den Fokus auf die Relevanz professionellen Handelns.
2. Anfänge und Entwicklung der Sozialen Arbeit: Das Kapitel zeichnet die historische Entwicklung von der mittelalterlichen Armenpflege bis hin zum modernen, staatlich regulierten Berufsbild nach.
3. Profession Soziale Arbeit: Hier werden theoretische Grundlagen zu den Begriffen Profession und Professionalisierung sowie verschiedene Professionstheorien erörtert.
4. Probleme der Sozialen Arbeit: Das Kapitel beleuchtet zentrale Spannungsfelder wie das doppelte Mandat, die Heterogenität der Arbeitsfelder sowie theoretische Herausforderungen der Disziplin.
5. Anforderungen an die Beschäftigten: Es werden notwendige Kompetenzen und die Bedeutung einer fundierten Berufsethik für das professionelle Handeln in der Praxis dargelegt.
6. Fazit: Das Fazit fasst die Notwendigkeit von Professionalität als ständigen, anpassungsfähigen Prozess zusammen und reflektiert über zukünftige Entwicklungsmöglichkeiten.
Schlüsselwörter
Soziale Arbeit, Professionalisierung, Profession, Handlungskompetenz, Berufsethik, Doppeltes Mandat, Sozialstaat, Theoriebildung, Heterogenität, Fallkompetenz, Systemkompetenz, Selbstkompetenz, Interdisziplinarität, Identitätsentwicklung, Praxis.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die Notwendigkeit der Professionalisierung in der Sozialen Arbeit und hinterfragt, warum ein hohes Maß an Professionalität für das Berufsfeld unabdingbar ist.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Zu den Kernbereichen zählen die historische Entwicklung, die Erläuterung von Professionstheorien, die Bewältigung von Problemfeldern wie dem doppelten Mandat sowie die Anforderungen an die fachliche Kompetenz und ethische Haltung.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Arbeit untersucht, inwiefern eine weiterführende Professionalisierung in Bezug auf das professionelle Handeln der Akteure anzustreben ist, um den Herausforderungen der Praxis gerecht zu werden.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Auseinandersetzung anhand einer Literaturanalyse, die verschiedene Professionstheorien und Debatten zusammenführt und kritisch reflektiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Verortung der Disziplin, die Analyse praktischer Probleme durch Spannungsfelder sowie die Definition notwendiger Kompetenzprofile der Beschäftigten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch die Begriffe Profession, Professionalisierung, Kompetenz, doppeltes Mandat und Soziale Arbeit charakterisiert.
Wie wirken sich staatliche Sparmaßnahmen auf die Professionalität aus?
Der Autor führt an, dass staatliche Sparmaßnahmen den Druck erhöhen, Tätigkeiten an veränderte ökonomische Ressourcen anzupassen, was wiederum die Notwendigkeit unterstreicht, professionell auf diese veränderten Anforderungen zu reagieren.
Warum wird Soziale Arbeit manchmal als Semi-Profession bezeichnet?
Einige Theorien ordnen die Soziale Arbeit lediglich als Semi-Profession ein, da sie im Vergleich zu klassischen Professionen (wie Medizin oder Jura) Statusinteressen verfolgt und oft ein Äquivalenzgrad zu diesen klassischen Modellen vermisst wird.
- Arbeit zitieren
- Kim Ganzenberg (Autor:in), 2022, Die Notwendigkeit der Professionalität in der Sozialen Arbeit, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/1574354