Zu allen Zeiten gab es Menschen, welche die Welt verbessern wollten. Schon die größten antiken Denker bemühten sich darum, die gesellschaftliche Ordnung zu entwerfen und damit zum Wohl ihres Volkes beizutragen. In seinem bekannten Werk „Politeia“ behauptete der griechische Philosoph Platon , der Staat wäre eine „Erziehungsanstalt der menschlichen Gesellschaft“ und somit der Garant sozialer Ordnung.
Die Theorie eines idealen Staates verliert nicht im Geringsten ihre Attraktivität auch später. Ganz im Gegenteil sie begeht eine große Zeitreise über das Mittelalter und Renaissance hinaus und landet in die Aufklärungsphilosophie des 18. Jahrhunderts, um ihre Wiedergeburt zu feiern. Die Zeit der revolutionären Veränderungen und der großen Erwartungen begehrt diese utopische Idee der ‚erziehbaren’ Gesellschaft, welche die „wirklichen Staatsbürger hervorbringt.“ Der Erziehungskonzept wird vom Nationalstaat legitimiert: „Das öffentliche Wohl und die Ehre der Nation verlangen, dass jede heranwachsende Generation darauf vorbereitet wird, die verschiedenen im Staate notwendigen Berufe auszuführen.“ Die Idee der ‚vernünftigen’ Pädagogik weckt die edlen Affekte des europäischen Bürgertums.
Auf diesem fruchtbaren Grund eines ‚neupädagogischen’ Gedankenguts entwickelt sich der Philanthropismus , eine Lehre von der Erziehung zur Natürlichkeit, Vernunft und Menschenfreundschaft. Johann Bernhard Basedow gründete 1774 in Dessau die erste Erziehungs- und Unterrichtsanstalt, die nach den Grundsätzen der Philanthropie eingerichtet wurde. Joachim Heinrich Campe schließt sich 1774 der philanthropischen Richtung an und gelangt mit dem pädagogischen Konzept zu Anerkennung. Der Grundgedanke der Schule war die Förderung der körperlichen und der geistlichen Entwicklung der Kinder durch Veranschaulichung im Unterricht. 1779 erobert Campe junge Herzen vollkommen, als er seinen Roman „Robinson der Jüngere“ veröffentlichen lässt.
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- Aufklärungspädagogik von Joachim Heinrich Campe
- Campe als Volksaufklärer
- Das "pädagogische Jahrhundert"
- Roman "Robinson der Jüngere"
- Campe's ostentative Darstellung der Erziehung
- Eintracht
- Arbeitsamkeit
- Frömmigkeit
- Literarische Implikationen der robinson'schen Lebensphilosophie
- Herrschaftsprinzip
- Rassenideologie
- Kriegswesen
- Zusammenfassung
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Die Arbeit zielt darauf ab, das literarische Werk von Joachim Heinrich Campe aus pädagogischer Perspektive zu analysieren und zu ergründen, welche Erziehungsideen durch den freien, erzählenden und unterhaltsamen Stil des Romans "Robinson der Jüngere" repräsentiert werden. Da der Roman für junge Leser konzipiert wurde, richtet sich der Fokus der Arbeit auf die stilistische und gestaltbildende Schreibweise des Autors.
- Die Darstellung von Campes pädagogischem Konzept im Roman "Robinson der Jüngere"
- Die Analyse der literarischen Implikationen von Campes Robinsonade
- Die Erörterung der Rolle von Eintracht, Arbeitsamkeit und Frömmigkeit in Campes Erziehungsphilosophie
- Die Untersuchung der Beziehung zwischen Campes Werk und den zeitgenössischen Diskurssen zu Erziehung und Geschlecht
- Die Relevanz von Campes Erziehungsphilosophie für die heutige Zeit
Zusammenfassung der Kapitel
Die Einleitung führt in die Thematik der Aufklärungspädagogik ein und stellt Joachim Heinrich Campe als Vertreter dieser Strömung vor. Es wird kurz auf die Geschichte der Pädagogik im Kontext des 18. Jahrhunderts eingegangen und die Relevanz von Campes Werk "Robinson der Jüngere" für die damalige Zeit hervorgehoben.
Das erste Kapitel widmet sich dem Leben und Werk des Pädagogen Campe. Es werden seine Biographie, seine Rolle als Volksaufklärer und seine Bedeutung für die Philanthropie beleuchtet.
Das zweite Kapitel analysiert Campes Roman "Robinson der Jüngere" und stellt die pädagogischen Intentionen des Autors dar. Es werden die wichtigsten Elemente der Robinsonade, wie Eintracht, Arbeitsamkeit und Frömmigkeit, analysiert und in Bezug auf Campes Erziehungskonzept gesetzt.
Schlüsselwörter
Aufklärungspädagogik, Joachim Heinrich Campe, "Robinson der Jüngere", Philanthropie, Erziehungsideen, Literaturanalyse, Eintracht, Arbeitsamkeit, Frömmigkeit, Lebensphilosophie, Herrschaftsprinzip, Rassenideologie, Kriegswesen
Häufig gestellte Fragen
Welches Erziehungskonzept vertritt Joachim Heinrich Campe in „Robinson der Jüngere“?
Campe vertritt den Philanthropismus, eine Lehre der Aufklärung, die auf Natürlichkeit, Vernunft, Arbeitsamkeit und Menschenfreundschaft basiert.
Wie unterscheidet sich Campes Robinsonade von Defoes Original?
Campes Werk ist explizit als Erziehungsroman für Kinder konzipiert, bei dem der Fokus auf der moralischen und praktischen Unterweisung durch den Erzähler liegt.
Welche Tugenden stehen im Mittelpunkt des Romans?
Die zentralen Pfeiler der Erziehung sind Eintracht, Arbeitsamkeit und Frömmigkeit, um die Kinder zu „nützlichen Staatsbürgern“ heranzubilden.
Was ist das „pädagogische Jahrhundert“?
Damit ist das 18. Jahrhundert gemeint, in dem die Erziehung als zentrales Mittel zur Verbesserung der Gesellschaft und zur Formung vernünftiger Bürger entdeckt wurde.
Welche kritischen Aspekte werden in Campes Werk analysiert?
Die Arbeit untersucht auch problematische Implikationen wie das Herrschaftsprinzip, Rassenideologien und die Darstellung des Kriegswesens im Roman.
Wer war Johann Bernhard Basedow?
Basedow gründete 1774 das Philanthropin in Dessau, die erste Schule nach philanthropischen Grundsätzen, der sich auch Campe anschloss.
- Arbeit zitieren
- Maria Syromolotova (Autor:in), 2007, Literarische Darstellung eines Erziehungskonzepts von Joachim Heinrich Campe im Roman "Robinson der Jüngere", München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/156974