Aufgrund der rasanten Fortschritte der Transplantationsmedizin stellt sich immer weniger die Frage, ob mit Hilfe einer Transplantation das Leben eines Patienten gerettet werden kann, vielmehr ist es fraglich, wer ein Organ erhalten kann. Derzeit warten in Deutschland etwa 12.000 Menschen auf ein Spenderorgan. Beispielsweise ist der Bedarf an Nieren etwa dreimal so hoch, wie derzeit Transplantate zur Verfügung stehen. Es gilt daher ein System zu finden, welches zur Erhöhung der Anzahl der Organe beiträgt, gleichzeitig aber auch individuelle Rechte möglichst gering einschränkt. In der Arbeit wird diskutiert, in wie weit Clublösungen diesen Anforderungen gerecht werden und welche Vor- und Nachteile durch solche Lösungen entstehen könnten. Zudem wird auf die ökonomischen Grundlagen der Clubtheorie eingegangen.
Inhaltsverzeichnis
1. Problemstellung
2. Die Theorie des Clubs
2.1. Entstehung
2.2. Kennzeichen von Clubs
2.3. Eigenschaften von Clubgütern
2.4. Probleme der Theorie
2.5. Zwischenfazit
3. Clublösungen in der Organspende
3.1. Begriff des Clubs
3.2. Vorteile der Alternativlösung
3.3. Private Organisation von Spenderclubs
3.4. Problemfelder der Alternativlösung
3.4.1. Generationenkonflikt
3.4.2. Clubeinführung
3.4.3. Kosten der Transplantation
3.4.4. Mangel und Überschuss an Organen
3.4.5. Weitere Defizite
3.4.6. Umsetzbarkeit der privaten Clublösung
3.5. Öffentlich-rechtlicher Club
3.6. Zwischenfazit
3.7. Club von Lebendspendern
4. Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die ökonomische Theorie von Clublösungen als alternative Strategie zur Bewältigung des akuten Mangels an Spenderorganen. Ziel ist es, zu analysieren, inwieweit durch ein System der Reziprozität – bei dem nur Personen mit einer eigenen Spendebereitschaft einen Prioritätsanspruch auf Organe erhalten – die Spendebereitschaft erhöht und gleichzeitig ein fairer Interessensausgleich zwischen individueller Autonomie und kollektiver Hilfsverpflichtung geschaffen werden kann.
- Ökonomische Grundlagen der Theorie des Clubs
- Anwendung des Clubmodells auf die Organtransplantation
- Vor- und Nachteile privater sowie öffentlich-rechtlicher Cluborganisationen
- Analyse der Gerechtigkeits- und Motivationsaspekte
- Diskussion spezifischer Problemfelder wie Generationenkonflikt und Diskriminierung
Auszug aus dem Buch
3.1 Begriff des Clubs
Es ist darauf hinzuweisen, dass die nachfolgend verwendete Bezeichnung des Modells als `Club´ begrifflich im Sinne der ökonomischen Theorie des Clubs, die der Arbeit zu Grunde liegt, nicht umfassend exakt ist. Mit steigender Mitgliederzahl kommt es nicht zwangsläufig zu einem Anstieg der Konsumrivalität, vielmehr sind sogar Fälle denkbar, in der sich die Situation der Mitglieder durch einen zusätzlichen Eintritt einer Person verbessert. Dies ist etwa dann der Fall, wenn es sich beim Neumitglied um einen jungen, gesunden Menschen handelt, dessen Wahrscheinlichkeit ein Organ zu benötigen gering ist und er gleichzeitig einem hohen Risiko einer Verunglückung (z.B. aufgrund von Risikosportarten) unterliegt.
Im Folgenden wird zur Vereinfachung weiterhin wie in der Literatur der Begriff `Club´ verwendet, wenngleich es sich eigentlich um eine Solidargemeinschaft auf Gegenseitigkeit handelt und die Bezeichnung `Club´ nur in weiterem Sinne zutreffend ist.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Problemstellung: Diese Einleitung beschreibt die durch Organmangel verursachte Rationierungsproblematik in Deutschland und hinterfragt die ethischen sowie ökonomischen Rahmenbedingungen der derzeitigen Organzuteilung.
2. Die Theorie des Clubs: Das Kapitel erläutert die ökonomischen Grundlagen von Clubgütern nach James M. Buchanan, insbesondere die Abgrenzung zu öffentlichen und privaten Gütern sowie die Logik von Ausschlusskriterien.
3. Clublösungen in der Organspende: Hier wird das theoretische Konzept auf die Organspende übertragen, die Vor- und Nachteile einer privaten versus einer öffentlich-rechtlichen Organisation diskutiert und die Herausforderungen einer solchen Implementierung analysiert.
4. Zusammenfassung: Die Arbeit schließt mit einer Bilanzierung der Clubidee, wobei die Unbrauchbarkeit privater Modelle in der Praxis hervorgehoben und ein öffentlich-rechtliches System als diskussionswürdige Alternative gegenübergestellt wird.
Schlüsselwörter
Organspende, Clubtheorie, Reziprozität, Organmangel, Solidargemeinschaft, Gerechtigkeit, Rationierung, Transplantationsmedizin, öffentliche Güter, Clubgüter, Spenderpool, Prioritätslösung, Lebendspende, Selbstbestimmung, Eurotransplant
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert ökonomische Lösungsansätze zur Erhöhung der Spendebereitschaft bei Organen durch das Modell der Clublösung.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Themenfelder umfassen die ökonomische Theorie der Clubgüter, das aktuelle System der Organspende sowie die ethischen und praktischen Herausforderungen einer auf Gegenseitigkeit basierenden Organvergabe.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die Erforschung, ob durch ein Clubmodell ein Anreizsystem geschaffen werden kann, das die Spendebereitschaft steigert und die Zuteilung von Organen unter Gesichtspunkten der Fairness optimiert.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine konstitutionenökonomische Analyse, die bestehende Theorien auf die spezifische Problematik der Transplantationsmedizin anwendet.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst die theoretischen Grundlagen der Clubökonomie gelegt und diese anschließend kritisch auf private und staatliche Organisationsmodelle der Organspende übertragen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich maßgeblich durch Begriffe wie Reziprozität, Clubgüter, Organmangel und Solidargemeinschaft charakterisieren.
Wie unterscheidet sich die "Clublösung" von der aktuellen Regelung?
Im Gegensatz zur aktuellen Regelung, die Organe weitgehend als Gemeingut betrachtet, ist die Clublösung an das Prinzip der Reziprozität gebunden: Nur wer selbst bereit ist zu spenden, erhält bei Bedarf eine Priorität bei der Zuteilung.
Warum wird die rein private Clublösung als unpraktikabel eingestuft?
Die Arbeit zeigt auf, dass eine Vielzahl privater Clubs den großen, notwendigen Organpool zersplittern würde, was volkswirtschaftlich ineffizient wäre und hohe Transaktionskosten verursacht.
Welche Rolle spielt der "Generationenkonflikt" im Modell?
Der Konflikt besteht darin, dass junge Menschen für Clubs attraktiv sind, während der Bedarf an Organen meist im Alter steigt, was Anreizprobleme hinsichtlich des Ein- und Austritts in solche Gemeinschaften schafft.
- Arbeit zitieren
- Prof. Dr. Gerald Schmola (Autor:in), 2010, Spendergemeinschaften auf Gegenseitigkeit in der Organspende, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/156756