Forschungsgegenstand dieser Arbeit ist das berufliche Selbstverständnis von Ashwin
Raman. Er versteht sich als Journalist und als Dokumentarfilmer, daher soll auch bei
diesen Untersuchungen zunächst eine getrennte Betrachtung von Ashwin Raman als
Journalist und als Dokumentarfilmer erfolgen.
Kernfrage wird sein, ob er seinem beruflichen Selbstverständnis in seiner täglichen
Arbeit gerecht werden kann.
Im theoretischen Teil dieser Arbeit wird zunächst der Forschungsgegenstand im Allgemeinen
vorgestellt und untersucht, also der Forschungsstand zum Selbstverständnis
von Journalisten und Dokumentarfilmern beschrieben und analysiert.
Es wird sich zeigen, dass es im Bereich des Journalismus bereits konkrete Studien
und Modelle zum beruflichen Selbstverständnis gibt, während dieses Themengebiet
für den Dokumentarfilm noch nicht umfangreich behandelt wurde. Teil dieser Arbeit
soll es daher auch sein, ein Rollenmodell für Dokumentarfilmer herzuleiten. Ausgegangen
wird dabei zum einen von den Erkenntnissen und Kriterien, die die Journalistik,
allen voran Siegfried Weischenberg, liefert. Zum anderen wird eine Umfrage, in
der sich eine Reihe von Dokumentarfilmern in der Debatte positionieren, Rückschlüsse
auf das Selbstverständnis von Dokumentarfilmern zulassen. Ich trage
die verschiedenen Ansätze und Gedanken zusammen und ein entwickle ein eigenes Modell, das den Ansprüchen an die Vielfältigkeit des Dokumentarfilms
gerecht wird.
Ashwin Raman wird basierend auf dem Leitfadeninterview in die verschiedenen Rollenmodell eingeordnet. Diese Einordnung wird anschließend anhand einer umfassende Filmanalyse von "Somalia - Land ohne Gesetz" überprüft und ggf. korrigiert.
Ashwin Raman erhielt im Oktober 2010 für seinen Film "Somalia - Land ohne Gesetz" den Deutschen Fernsehpreis in der Kategorie Beste Reportage.
Inhaltsverzeichnis
0. Einleitung
1. Forschungsfrage und Methode
2. Kontext
2.1. Ashwin Raman
2.1.1. Biografie
2.1.2. Arbeitsweise
2.2. Journalistisches Selbstverständnis
2.2.1. Journalismus in Deutschland
2.2.2. Berichterstattungsmuster
2.2.3. Der Journalist
2.2.4. Berufliches Selbstverständnis
2.2.5. Journalistisches Selbstverständnis
2.3. Selbstverständnis Dokumentarfilmer
2.3.1. Dokumentarfilm
2.3.2. Dokumentarfilmstile nach Nichols
2.3.3. Der Dokumentarfilm als Autorenfilm
2.3.4. Rollenmodell Dokumentarfilmer
2.4. Zusammenfassung
3. Auswertung des Leitfadeninterviews
3.1. Berufsauffassung und Motivation
3.2. Arbeitsweise
3.3. Einordnung in die Rollenmodelle
3.3.1. Rollenmodell der Journalisten
3.3.2. Rollenmodell der Dokumentarfilmer
4. Filmanalyse
4.1. Methoden
4.2. Begründung der Filmauswahl
4.3. Daten zu „Somalia - Land ohne Gesetz“
4.4. Inhaltsangabe
4.5. Dramaturgie
4.6. Tonebene
4.6.1. Kommentar
4.6.2. Musik und Atmo
4.7. Bildebene
4.8. Dramatisierungsstrategien
4.9. Sequenzanalyse
4.9.1. Auswahl der Sequenz
4.9.2. Analyse von Sequenz 11
4.10. Zusammenfassung und Bewertung
4.10.1. Objektivität
4.10.2. Bedeutung des Kommentars
4.10.3. Zusammenfassung
4.11. Genreeinordnung
5. Abgleich mit dem Selbstverständnis Ashwin Ramans
5.1. Abgleich mit dem Leitfadeninterview
5.2. Überprüfung der Rollenbilder
5.3. Fazit
Zielsetzung & Themen
Ziel der Arbeit ist es, das berufliche Selbstverständnis des Journalisten und Dokumentarfilmers Ashwin Raman zu analysieren und zu prüfen, ob er diesem in seiner täglichen Arbeit, insbesondere bei der Kriegsberichterstattung, gerecht wird.
- Journalistisches Selbstverständnis und Rollenkonzepte nach Weischenberg
- Entwicklung eines Rollenmodells für Dokumentarfilmer
- Qualitative Filmanalyse am Beispiel „Somalia - Land ohne Gesetz“
- Abgleich des theoretischen Selbstverständnisses mit der filmischen Praxis
Auszug aus dem Buch
2.3.1. Dokumentarfilm
Versuche, den Begriff des Dokumentarfilms zu definieren, gibt es zwar viele, was wohl als Indiz dafür zu werten ist, wie schwierig sich dieses Unterfangen gestaltet. Peter Kerstan umschreibt die Situation sehr treffend: „Kaum dass man eine Definition wagt, wissen alle anderen sofort, dass sie falsch ist. Meistens allerdings haben sie selbst keinen besseren Vorschlag.“ Und tatsächlich lassen sich für die meisten Definitionen Dokumentarfilme finden, die per Definition ausgeschlossen werden müssten.
In der 7. Auflage seines Standardwerks „Fernsehjournalismus“ definiert Axel Buchholz den Dokumentarfilm wie folgt: „Dokumentarfilme unterscheiden sich von Spielfilmen dadurch, dass sie Sachverhalte abbilden, die unabhängig von der Vorstellung ihrer Autoren existieren. Genauso wie fernsehjournalistische Filme sind auch Dokumentarfilme nicht fiktionale Filme. Dokumentarfilmer verstehen sich aber kaum als journalistische Berichterstatter, sie haben den Anspruch, sich mit der vorgefundenen Wirklichkeit künstlerisch kreativ auseinander zu setzen. So wird die Haltung des Filmemachers – ein Begriff, bei dem ästhetische und ethische Gesichtspunkte ineinander übergehen – zum entscheidenden Kriterium für die Gestaltung eines Dokumentarfilms. Eine moralische und politische Auseinandersetzung mit dem Thema ist daher für Dokumentarfilmer genauso wichtig wie Überlegungen zur Darstellungsweise, zur technischen Ausrüstung und zur Organisation der Dreharbeiten.“
Zusammenfassung der Kapitel
0. Einleitung: Motivation und Zielsetzung der Arbeit, Einleitung in das Thema der Berichterstattung aus Krisengebieten durch Ashwin Raman.
1. Forschungsfrage und Methode: Formulierung der Kernfrage bezüglich der Übereinstimmung von Selbstverständnis und Arbeit sowie Erläuterung der angewandten qualitativen Methoden wie Leitfadeninterviews und Filmanalyse.
2. Kontext: Darstellung des biografischen Hintergrunds von Ashwin Raman und theoretische Einbettung in bestehende Rollenkonzepte des Journalismus und Dokumentarfilms.
3. Auswertung des Leitfadeninterviews: Analyse der persönlichen Berufsauffassung und Motivation Ramans basierend auf einem geführten Experteninterview.
4. Filmanalyse: Exemplarische Untersuchung des Films „Somalia - Land ohne Gesetz“ hinsichtlich Dramaturgie, Tonebene, Bildebene und Objektivität.
5. Abgleich mit dem Selbstverständnis Ashwin Ramans: Synthese der Ergebnisse aus Interview und Filmanalyse zur Beurteilung, inwieweit der Autor seinem beruflichen Selbstverständnis gerecht wird.
Schlüsselwörter
Ashwin Raman, Dokumentarfilm, Journalismus, Kriegsberichterstattung, Rollenmodell, Selbstverständnis, Filmanalyse, Somalia, Leitfadeninterview, Handlungsrelevanz, Dokumentarfilmstile, Medienethik, One-Man-Team, Kriegsgebiet, Krisenregion.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das berufliche Selbstverständnis des Kriegsberichterstatters und Dokumentarfilmers Ashwin Raman und vergleicht dieses mit seiner tatsächlichen Arbeitsweise in seinen Filmen.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die zentralen Felder sind die Journalismusforschung, die Theorie des Dokumentarfilms, die Analyse des Berufsalltags in Krisengebieten sowie die kritische Filmanalyse.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Hauptziel ist zu ermitteln, ob Ashwin Raman in der täglichen Arbeit den hohen moralischen und ethischen Ansprüchen gerecht wird, die er in einem Leitfadeninterview an sich selbst stellt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine Kombination aus qualitativer Forschung angewendet, insbesondere Leitfadeninterviews zur Erhebung des Selbstbildes und eine detaillierte Filmanalyse zur Überprüfung der filmischen Umsetzung.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung (Kontext), eine qualitative Auswertung des Interviews mit Raman sowie eine detaillierte Filmanalyse seines Werkes über Somalia.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen gehören Kriegsberichterstattung, Dokumentarfilm, Selbstverständnis, Medienethik und das Rollenmodell nach Weischenberg.
Welche Rolle spielt die „One-Man-Team“-Arbeitsweise für das Ergebnis?
Die Arbeitsweise als Einzelkämpfer führt laut Arbeit zu einer sehr subjektiven, aber authentischen Sichtweise, die Ramans Rollenmodell als „Beobachter“ prägt, jedoch im Widerspruch zu seinem Anspruch auf objektive Dokumentation stehen kann.
Wie bewertet der Autor Ashwin Ramans Umgang mit der Objektivität?
Der Autor stellt fest, dass Raman zwar den Anspruch auf Objektivität erhebt, seine Filme jedoch stark durch seine persönliche Perspektive und den Kommentar geprägt sind, was ihn eher in die Rolle eines „Erklärers“ rückt.
- Arbeit zitieren
- Moritz Ortmann (Autor:in), 2010, One-Man-Team im Kriegsgebiet, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/156461