[...] Dies änderte sich schlagartig am 11.September 2001. Als Terroristen an jenem Tag Flugzeuge kaperten und diese, zu Projektilen umfunktioniert, gegen das World Trade Center und das Pentagon richteten, wurde der Welt – insbesondere dem Westen - unmittelbar klar gemacht, dass die Sicherheit, in der sie sich wog, nur eine Illusion war. Mit 9/11 fand ein Paradigmenwechsel statt: Die größte Bedrohung, der es nun zu trotzen galt, war der transnationale Terrorismus. So wenig dies zu Beginn seiner Amtszeit von Relevanz war, so nachdrücklich stellte sich George W. Bush diesem Problem und focht nach 9/11 seinen war on terror.
Im Rahmen dieser Facharbeit möchte ich auf genau diesen Kampf gegen den Terror eingehen. In einem ersten Schritt werde ich zunächst mit dem transnationalen Terrorismus eine Beschreibung des Problems geben. Dazu werde ich nach einer Abgrenzung des Terrorismus von anderen Formen nichtstaatlicher Gewalt die Entstehungsgründe und Typen sowie Kalkül und die Methodik des Terrorismus beleuchten. Daraufhin konzentriere ich mich auf die Charakteristika des transnationalen Terrorismus, ohne davor seine notwendigen Vorstufen – den ‚nationalen‘ bzw. den ‚international agierenden‘ Terrorismus zu vergessen. In einem zweiten Schritt werde ich die wichtigsten Punkte der Strategie der Bush-Administration im Kampf gegen den transnationalen Terrorismus untersuchen. Nachdem ich kurz die innenpolitische Ausgangssituation für George W. Bush skizziert habe, werde ich anhand von programmatischen Reden und Dokumenten – wie zum Beispiel der National Security Strategy – die Verbreitung freiheitlich-demokratischer Werte als die allgemeine Ziele der Regierung behandeln und bewerten, um daraufhin auf die konkreten Objektive des war on terror einzugehen. Ein weiterer Fokus wird auf der in der NSS neu definierten Taktik der Präemption mit ihren Implikationen für den Kampf gegen den Terrorismus liegen. Schließlich werde ich noch einen Überblick über die operative Umsetzung der Agenda in Afghanistan und insbesondere im Irak geben, um im Schlusspart mit den gewonnen Erkenntnissen George W. Bushs war on terror einer abschließenden Bewertung zu unterziehen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Der transnationale Terrorismus
2.1 Abgrenzung des Terrorismus gegenüber anderen Formen nichtstaatlicher Gewalt
2.2 Entstehungsgründe und Typen des Terrorismus
2.3 Terroristisches Kalkül – Methodik und Terrorismus als ‚Kommunikationsstrategie‘
2.4 Der ‚nationale‘ und ‚international agierende‘ Terrorismus als Vorstufen
2.5 Anatomie des transnationalen Terrorismus
3 Die Reaktion der Bush-Administration: der ‚war on terror‘
3.1 Die amerikanische Nation nach 9/11: Schock und ‚rallye around the flag‘
3.2 Agenda des ‚war on terror‘
3.2.1 Allgemein: Verbreitung freiheitlich-demokratischer Werte
3.2.2 Kampf gegen den transnationalen Terrorismus als neue Bedrohung der Welt
3.3 Präemption als adäquates Mittel der Wahl?
3.4 Afghanistan und Irak: der ‚war on terror‘ in der operativen Umsetzung
4 Synthese
Zielsetzung und Themen
Diese Arbeit untersucht die außenpolitische Reaktion der US-Administration unter George W. Bush auf den transnationalen Terrorismus nach den Anschlägen vom 11. September 2001. Dabei wird analysiert, inwieweit die neu definierte Strategie des "war on terror", einschließlich präemptiver Militärschläge und der Verbreitung demokratischer Werte, effektiv auf die Bedrohung durch transnationale Terrornetzwerke reagiert hat und welche Konsequenzen dieses Handeln für die internationale Politik nach sich zog.
- Charakterisierung und Anatomie des transnationalen Terrorismus
- Die psychologische und politische Reaktion der USA nach 9/11 (Rallye around the flag)
- Analyse der offiziellen Sicherheitsstrategien (NSS, NSCT, NSHS) der Bush-Administration
- Diskussion der völkerrechtlichen und strategischen Implikationen der Präemptionsdoktrin
- Kritische Bewertung der operativen Umsetzung des "war on terror" in Afghanistan und Irak
Auszug aus dem Buch
2.5 Anatomie des transnationalen Terrorismus
„Es wäre ein Wunder, wenn einzig und allein er es unterlassen hätte, global zu operieren.“20 Der transnationale Terrorismus ist die letzte der 3 Formen des Terrorismus. Typischerweise wird dieses Stadium in einem relativ linearen Vorgang aufeinanderfolgend auf die ersten beiden erreicht: „Dabei durchlaufen diese [Terrororganisationen, d. Autor] stets einen evolutionären Prozess, bei dem eine zunächst lokal begrenzt operierende Gruppe zunehmend international agiert und sich transnational organisiert.“21 Zur Charakterisierung der letzten Stufe des Terrorismus zieht Schneckener im Wesentlichen 4 Kritikpunkte heran, deren Ausprägung in der jeweiligen Gruppierung als transnational bezeichnet werden können muss: Agenda, Ideologie, Mitgliedschaft und Netzwerkstruktur. All diesen ist prinzipiell gemeinsam, dass sich für jede der Komponenten keine (im geographischen Sinne) festen lokalen Bezugspunkte mehr identifizieren lassen. Es gibt keine strikte Bindung an einen bestimmten Ort. Die Organisation ist stattdessen hochgradig flexibel und mobil und hat dadurch im Vergleich zu den anderen Formen des Terrorismus ein weniger greifbares, amorphes Gesicht.
Folglich bewegt sich der transnationale Terrorist, wie Schneckener beschreibt, nicht innerhalb staatlicher Grenzen, sondern innerhalb von diffusen transnationalen sozialen Räumen, auf die wiederum die vier genannten zentralen Elemente der Terrororganisation angepasst sind. Dementsprechend trägt auch die Agenda22 einer solchen Organisation transnationale Attribute. Sie zeigt sich losgelöst von nationalstaatsfokussierter Interessenorientierung; vielmehr ist sie nun genuin übernational orientiert und will eine vorherrschende (z.B. Gesellschafts-, Werte- oder Wirtschafts-) Ordnung auf globaler, mindestens aber regionaler Ebene verändern. Am Beispiel des militanten Islams erklärt Schneckener folgende Adressaten: „[…] auf globaler Ebene geraten vor allem die USA bzw. das westliche Modell, auf regionaler Ebene je nach Kontext Russland, Israel, Indien oder Australien in das Visier.“23
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in das Thema ein, skizziert den Paradigmenwechsel in der amerikanischen Außenpolitik nach dem 11. September 2001 und legt das Ziel der vorliegenden Arbeit fest.
2 Der transnationale Terrorismus: In diesem Kapitel werden die theoretischen Grundlagen des Terrorismus, seine Abgrenzung von anderen Gewaltformen sowie die spezifischen Merkmale des transnationalen Terrorismus analytisch erarbeitet.
3 Die Reaktion der Bush-Administration: der ‚war on terror‘: Dieser Abschnitt untersucht detailliert die strategischen und operativen Maßnahmen der Bush-Administration, einschließlich der Präemptionsdoktrin sowie der Einsätze in Afghanistan und Irak, im Zuge des "war on terror".
4 Synthese: Das letzte inhaltliche Kapitel bewertet kritisch die Wirksamkeit der Strategie der Bush-Administration und zieht ein Fazit über die Auswirkungen des "war on terror" auf die USA und die internationale Sicherheit.
Schlüsselwörter
Transnationaler Terrorismus, Bush-Administration, war on terror, 9/11, Nationale Sicherheitsstrategie, Präemption, Schurkenstaaten, Al-Qaida, Außenpolitik USA, Demokratieexport, asymmetrische Kriegsführung, Internationale Sicherheit, Terrorismusbekämpfung, Geopolitik, Naher Osten.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Reaktion der US-Regierung unter George W. Bush auf die Herausforderung des transnationalen Terrorismus nach den Anschlägen vom 11. September 2001.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zentrale Themen sind die Definition und Anatomie des transnationalen Terrorismus, die amerikanische Sicherheitsagenda nach 9/11 sowie die kritische Analyse militärischer und politischer Strategien wie der Präemption.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, die Strategie der Bush-Administration im „war on terror“ zu analysieren und deren Erfolg bei der Bekämpfung des internationalen Terrorismus zu bewerten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin oder der Autor stützt sich auf eine Analyse einschlägiger wissenschaftlicher Literatur sowie auf die Auswertung offizieller programmatischer Regierungsdokumente, wie der National Security Strategy.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst die theoretischen Grundlagen des Terrorismus beleuchtet, anschließend die politische Reaktion der USA nach 9/11 untersucht, die neue Sicherheitsagenda analysiert und die operative Umsetzung in Afghanistan und Irak kritisch diskutiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Transnationaler Terrorismus, war on terror, Präemption, Bush-Administration, Nationale Sicherheitsstrategie und Schurkenstaaten.
Inwiefern beeinflusste das Phänomen „rallye around the flag“ die US-Politik?
Das Phänomen beschreibt die kurzfristige, aber massive Zunahme der öffentlichen Unterstützung für den Präsidenten und die Politik nach nationalen Krisen, was Bush nach 9/11 einen erheblichen politischen Spielraum bei der Umsetzung seiner Sicherheitsagenda verschaffte.
Warum wird die US-Strategie der Präemption im Text kritisiert?
Die Präemptionsstrategie wird kritisiert, da sie nach Ansicht vieler Experten die Schwelle zu völkerrechtswidrigen Angriffskriegen senkt, das Risiko von Instabilität erhöht und diplomatische Lösungswege untergraben kann.
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- Jan Hefter (Author), 2010, Der transnationale Terrorismus und die Reaktion der Administration George W. Bush: der 'war on terror', Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/156164