Bedingt durch die Globalisierung ist eine Vielzahl der kleinen und mittelständischen Unternehmen nicht mehr ausschließlich auf dem heimischen Markt tätig. Sie agieren ebenfalls auf den internationalen Märkten und weiten ihre Bemühungen, auch global gut aufgestellt zu sein, weiter aus.1 Um auf diesen Märkten tätig zu sein, bedarf es hoher Investitionen und folglich ist eine hohe Menge an Kapital erforderlich. Um die hierfür benötigen Investoren zu gewinnen, ist es unabdingbar, eine Rechnungslegung zu betreiben, die internationale Vergleichbarkeit gewährleistet und zugleich möglichst viele Informationen für die externen Bilanzadressaten, vor allem potenzielle Investoren, bietet. Der Gesetzgeber reagierte auf die veränderten Anforderungen mit einem weitestgehend modifizierten Gesetzeswerk. Mit der Verabschiedung des Bilanz-modernisierungsgesetzes2 (BilMoG) durch den Bundesrat am 03.04.2009 und der Veröffentlichung im Bundesgesetzblatt am 28.05.2009 ist die tiefgreifendste Änderung der deutschen Bilanzregeln seit mehr als zwanzig Jahren in Kraft getreten. Das BilMoG wird die deutsche Bilanzierungslandschaft grundlegend verändern und hat nach dem Bilanzrichtliniengesetz zu den meisten und wichtigsten Änderungen geführt.3 Kaum ein wesentlicher Paragraph des Dritten Buches des HGB ("Handelsbücher") ist von der Reform ausgenommen. So sprachen Teile der Fachliteratur bereits nach Veröffentlichung des Referentenentwurfes4 Ende 2007 und auch nach Veröffentlichung des Regierungsentwurfes5 Mitte 2008 von einem Paradigmenwechsel und der Neuinterpretation der Grundsätze ordnungsmäßiger Buchführung (GoB).6
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Problemstellung und Zielssetzung
1.2 Erkenntnisziel und Gang der Untersuchung
1.3 Abgrenzung zentraler Begriffe
1.3.1 Bilanzmodernisierungsgesetz (BilMoG)
1.3.2 Mittelständische Unternehmen in Deutschland (KMU)
2 Übergreifende Neuregelungen
2.1 Befreiung von der Buchführungs- und Bilanzierungspflicht
2.2 Anhebung der Schwellenwerte
2.3 Umgekehrte Maßgeblichkeit
3 Wesentliche Änderungen der Rechnungslegung im HGB Einzelabschluss durch das BilMoG
3.1 Änderungen mit übergreifender Bedeutung
3.1.1 Wirtschaftliche Zurechnung
3.1.2 Stetigkeitsgrundsatz
3.1.3 Herstellungskosten
3.1.4 Außerplanmäßige Abschreibungen und Wertaufholung
3.1.5 Bewertungseinheiten
3.1.6 Währungsumrechnung
3.2 Änderungen der Bilanzierung (Ansatz und Bewertung) einzelner Vermögensgegenstände und Schulden
3.2.1 Selbst geschaffene immaterielle Vermögensgegenstände des AV
3.2.2 Latente Steuern
3.2.3 Rückstellungen
3.2.3.1 Sonstige Rückstellungen
3.2.3.2 Pensionsrückstellungen
3.2.4 Eigenkapital
4 Ergebnisse aus der Sicht des Mittelstands
4.1 Pro BilMoG im Einzelabschluss
4.1.1 Deregulierung
4.1.2 Informationswert
4.1.3 Vergleichbarkeit von Jahresabschlüssen
4.1.4 Harmonisierung des internen/externen Rechnungswesen (Controlling)
4.1.5 Realistische Abbildung der Vermögens,- Finanz- und Ertragslage
4.1.6 Besseres Gesamtrating zur Finanzierung
4.1.7 Verbesserung der Wettbewerbsposition
4.2 Contra BilMoG im Einzelabschluss
4.2.1 Abkehr von der Einheitsbilanz
4.2.2 Abkehr vom Vorsichtsprinzip
4.2.3 Komplexität
4.2.4 Wahlrechte und Ermessensspielräume
4.3 Merkmale der Rechnungslegung mittelständischer Unternehmen in Deutschland
5. Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die Diplomarbeit analysiert die Auswirkungen des Bilanzrechtsmodernisierungsgesetzes (BilMoG) auf die Jahresabschlusserstellung mittelständischer Unternehmen in Deutschland. Das zentrale Ziel ist das Herausarbeiten wesentlicher Vor- und Nachteile der neuen Regelungen im Vergleich zum bisherigen Handelsgesetzbuch.
- Deregulierung und Entlastung für kleine Einzelkaufleute
- Anpassung von Bewertungsvorschriften und Schwellenwerten
- Auswirkungen der Abkehr von der umgekehrten Maßgeblichkeit
- Analyse des Einflusses auf Bilanzierung und Rating
- Herausforderungen der Komplexität für den Mittelstand
Auszug aus dem Buch
3.1.1 Wirtschaftliche Zurechnung
Der Grundsatz der Vollständigkeit verlangt u. a., dass der Jahresabschluss sämtliche Vermögensgegenstände zu enthalten hat. Fraglich in diesem Zusammenhang ist die Vorgehensweise bei Fällen, in denen das zivilrechtliche und das wirtschaftliche Eigentum an einem Vermögensgegenstand auseinanderfallen. Bisher ergaben sich diesbezüglich nur in einzelnen Fällen in Form von richterlicher Rechtsprechung explizite Regelungen, z. B. für Eigentumsvorbehalt, Verpfändung und Sicherungsübereignung.
Durch das BilMoG wurde hinsichtlich der Zuordnung von Vermögensgegenständen in der handelsrechtlichen Rechnungslegung eine Klarstellung vorgenommen. Die bis dahin in der Praxis übliche Vorgehensweise wurde somit auch im Gesetz kodifiziert. Erstmals wird ausdrücklich der Grundsatz der wirtschaftlichen Zurechnung als eine Art Generalnorm und entscheidendes Kriterium zur Aufnahme aktivierungsfähiger Vermögensgegenstände in die Bilanz als Regelung eingefügt. Der umgestaltete § 246 Abs. 1 HGB regelt nunmehr ausdrücklich, dass Vermögensgegenstände grundsätzlich in die Bilanz des (zivilrechtlichen) Eigentümers aufzunehmen sind. Der Gesetzgeber bestimmt im Zuge dieser Neuregelung, dass im (Ausnahme-) Fall eines vom zivilrechtlichen Eigentümer abweichenden wirtschaftlichen Eigentümers nicht der zivilrechtliche, sondern der wirtschaftliche Eigentümer zur Bilanzierung dieses Vermögensgegenstandes verpflichtet ist. Demnach setzt sich beim Auseinanderfallen von rechtlichem und wirtschaftlichem Eigentum grundsätzlich die Zurechnung anhand des wirtschaftlichen Eigentums gegenüber der Zurechnung nach dem zivilrechtlichen Eigentum durch. Der rechtliche Eigentumsbegriff ist subsidiär.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Darstellung der Problemstellung, Zielsetzung sowie Abgrenzung der zentralen Begriffe BilMoG und Mittelstand.
2 Übergreifende Neuregelungen: Überblick über Erleichterungen bei der Buchführungspflicht, angepasste Schwellenwerte und die Aufgabe der umgekehrten Maßgeblichkeit.
3 Wesentliche Änderungen der Rechnungslegung im HGB Einzelabschluss durch das BilMoG: Detaillierte Untersuchung der neuen Ansätze bei Herstellungskosten, Abschreibungen, Bewertungseinheiten sowie Bilanzierung von Rückstellungen und Eigenkapital.
4 Ergebnisse aus der Sicht des Mittelstands: Analyse der Vor- und Nachteile des BilMoG für mittelständische Unternehmen sowie Charakterisierung der spezifischen Anforderungen an deren Rechnungslegung.
5. Fazit und Ausblick: Zusammenfassende Einschätzung der Reformauswirkungen und Ausblick auf die zukünftige Entwicklung der Rechnungslegung für den Mittelstand.
Schlüsselwörter
BilMoG, HGB, Mittelstand, KMU, Jahresabschluss, Rechnungslegung, Bilanzpolitik, Maßgeblichkeitsprinzip, Rückstellungen, Herstellungskosten, Bilanzierung, Bewertung, Wirtschaftliche Zurechnung, Informationsfunktion, Eigenkapital
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Diplomarbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht, wie das Bilanzrechtsmodernisierungsgesetz (BilMoG) die Erstellung von Jahresabschlüssen in deutschen mittelständischen Unternehmen beeinflusst.
Welche zentralen Themenfelder stehen im Fokus?
Die Themen umfassen die Deregulierung, die Annäherung an internationale Standards (IFRS), Änderungen bei den Bewertungsgrundsätzen sowie die Auswirkungen auf das Rating von Unternehmen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die spezifischen Vor- und Nachteile der neuen handelsrechtlichen Vorschriften für mittelständische Unternehmen detailliert herauszuarbeiten.
Welche wissenschaftliche Methode findet Anwendung?
Die Arbeit basiert auf einer normativen Betrachtung und Analyse der geltenden Gesetzesänderungen sowie der fachwissenschaftlichen Literatur zum BilMoG.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert wesentliche Neuregelungen wie die wirtschaftliche Zurechnung, die Änderung der Herstellungskosten, neue Abschreibungsregeln und die geänderte Bewertung von Rückstellungen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?
Die wichtigsten Begriffe sind BilMoG, Mittelstand, Rechnungslegung, Einheitsbilanz, Gläubigerschutz und Informationsfunktion.
Wie wirkt sich die Abkehr von der Einheitsbilanz konkret aus?
Sie führt dazu, dass steuerliche und handelsrechtliche Bilanzansätze stärker auseinanderfallen, was für mittelständische Unternehmen oft einen erhöhten administrativen Aufwand zur Dokumentation mit sich bringt.
Welche Rolle spielt das Rating für mittelständische Unternehmen bei der Reform?
Da Mittelständler stark auf Fremdkapital durch Banken angewiesen sind, beeinflussen die Bilanzänderungen (z.B. bei Rückstellungen oder Eigenkapital) die ratingrelevanten Kennzahlen und damit die Finanzierungsmöglichkeiten.
- Arbeit zitieren
- Daniel Kampik (Autor:in), 2010, Vor- und Nachteile für die Erstellung des Jahresabschlusses eines mittelständischen Unternehmens nach dem Bilanzmodernisierungsgesetz (BilMoG), München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/155603