Die internationale Währungsordnung musste nach dem Zweiten Weltkrieg gänzlich reformiert werden. Ausgangspunkt war das Bretton-Woods-System mit dem US-Dollar als Leitwährung, welches nach seinem Scheitern Platz für ein System flexibler und fester Wechselkurse machte. Die Gründe für das Scheitern sind sowohl in der Politik der USA als auch in den den Mitgliedsländern des Bretton-Woods-Systems zu suchen. Auch aktuell erweisen sich internationale Verschuldungen und Währungskrisen keinesfalls als überwunden, beweisen doch Währungskrisen wie die Asienkrise 1997 oder das problematische Leistungsbilanzdefizit der USA gegenteiliges.
Zwar wurde zur Behebung eben dieser Probleme der Internationale Währungsfonds1 gegründet, offenbarten sich allerdings auch hier bald Schwierigkeiten und Kritik bezüglich der vom Fonds durchgeführten Maßnahmen gegen internationale Währungskrisen.
In der vorliegenden Arbeit soll daher zunächst auf das Bretton-Woods-System eingegangen werden. In diesem Zusammenhang wird die Konferenz von Bretton Woods im Jahr 1944 und die dort diskutierten Pläne der Ökonomen John Maynard Keynes und Harry Dexter White eine Rolle spielen. Auch das auf der Konferenz erarbeitete auf einer Leitwährung und festen Wechselkursen basierende System soll dargestellt werden. Hieraus ergeben sich dann die allmählich wachsenden Probleme und schließlich das Scheitern des Systems. Die Entwicklung der internationalen Währungsordnung nach dem Zusammenbruch des Bretton-Woods-Systems soll nur knapp erwähnt werden, würde der Rahmen sonst gesprengt werden.[...]
1 Im Folgenden: Internationaler Währungsfonds = IWF.
Gliederung
1. EINLEITUNG
2. DAS BRETTON-WOODS-SYSTEM
2.1. DIE KONFERENZ VON BRETTON-WOODS
2.2. DER KEYNES-PLAN UND DER WHITE-PLAN
2.3. FUNKTIONSWEISE DES BRETTON-WOODS-SYSTEMS
3. DIE ENTWICKLUNG DES BRETTON-WOODS-SYSTEMS
3.1. DER US-DOLLAR ALS EFFEKTIVE LEITWÄHRUNG
3.2. SCHEITERN DES SYSTEMS FESTER WECHSELKURSE
4. DER INTERNATIONALE WÄHRUNGSFONDS
4.1. ZIELSETZUNG UND AUFGABENBEREICH
4.2. ORGANISATION
4.3. KRITIK UND REFORMVORHABEN
4.3.1. allgemeine Vorwürfe
4.3.2. Der IWF in der Asienkrise
4.4. DER IWF UND DIE AKTUELLE FINANZMARKTKRISE
5. DIE AKTUELLE SITUATION
5.1. FREIE UND GEBUNDENE WÄHRUNGEN
5.2. DAS LEISTUNGSBILANZDEFIZIT DER USA IM ZUSAMMENHANG MIT DEN ASIATISCHEN STAATEN
6. SCHLUSS
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit analysiert die historische Entwicklung der internationalen Währungsordnung vom Bretton-Woods-System bis zur Gegenwart. Dabei liegt ein besonderer Fokus auf der Rolle des Internationalen Währungsfonds (IWF), dessen Organisation, Kritik an seiner Tätigkeit sowie seine Bewältigung aktueller globaler Krisen kritisch beleuchtet werden.
- Historische Konstituierung und Scheitern des Bretton-Woods-Systems.
- Entwicklung, Aufgaben und interne Organisation des Internationalen Währungsfonds (IWF).
- Kritische Auseinandersetzung mit der IWF-Politik, insbesondere im Kontext der Asienkrise.
- Analyse des Leistungsbilanzdefizits der USA und dessen Verflechtung mit asiatischen Währungspolitiken.
- Diskussion aktueller Herausforderungen in der globalen Finanzmarktarchitektur.
Auszug aus dem Buch
3.2. Scheitern des Systems fester Wechselkurse
Schon bald zeigten sich die Schwächen des starren Systems. Die USA hätten, um die festen Wechselkurse nicht zu gefährden, den Dollar dauerhaft als knappe Währung erhalten müssen. Der stark wachsende Welthandel wies allerdings einen hohen Bedarf an Liquidität, also Dollars, auf, welchen die Amerikaner durch umfangreichen Investitionen deckten. Zum Problem wurde hier also die undisziplinierte Geldpolitik der USA, die unter dem Vorwand der benötigten internationalen Liquidität die Dollarmenge erhöhten. Die USA finanzierten somit durch eine Ausweitung der Dollarmenge mehr und mehr ihre umfangreiche Auslandsinvestitionen und verwandten weiterhin enorme Geldmengen auf militärische Einsätze in Vietnam und Korea. 1960 überschritt das Dollarguthaben außerhalb der USA bereits den Wert des Golds der USA, 1971 übertraf sogar die Dollarmenge innerhalb Deutschlands den USA-Goldschatz. und führte somit zu einer Dollarschwemme. So wurde das Bretton-Woods-System ab Mitte der Sechziger instabil und war zu Beginn der Siebziger praktisch gescheitert.
Ursächlich für das Scheitern war, dass das Versagen des Dollars eben allen Mitgliedern offensichtlich war und man immer mehr mit einer Abwertung rechnete und dementsprechend zunehmend gegen den Dollar spekulierte. So war es letztendlich der Markt, der eine Neuordnung der Wechselkurse erzwang. Allen Mitgliedsstaaten war nämlich zu diesem Zeitpunkt klar, dass die Goldeinlösepflicht der USA nicht mehr zu halten war. Das Vertrauen in den Dollar war gänzlich verloren und es kam sowohl zur Kapitalflucht aus dem Dollar als auch zu umfangreichen Goldkäufen. Neben der Investition in Gold wich man auch in andere Währungen wie etwa die D-Mark aus.
Zusammenfassung der Kapitel
1. EINLEITUNG: Diese Einleitung skizziert die Notwendigkeit einer Reform der internationalen Währungsordnung nach 1945 und führt in die zentralen Themen der Arbeit ein, insbesondere das Bretton-Woods-System und den IWF.
2. DAS BRETTON-WOODS-SYSTEM: Dieses Kapitel erläutert die Konferenz von 1944, die konkurrierenden Pläne von Keynes und White sowie die grundlegende Funktionsweise des Systems auf Basis fester Wechselkurse.
3. DIE ENTWICKLUNG DES BRETTON-WOODS-SYSTEMS: Hier wird der Aufstieg des US-Dollars als Leitwährung und der anschließende Prozess des Scheiterns des Systems aufgrund wirtschaftspolitischer Divergenzen dargestellt.
4. DER INTERNATIONALE WÄHRUNGSFONDS: Dieses Kapitel beleuchtet Struktur, Ziele und Kreditvergabepraxis des IWF und diskutiert sowohl allgemeine Kritikpunkte als auch die spezifische Rolle während der Asienkrise und der aktuellen Finanzmarktkrise.
5. DIE AKTUELLE SITUATION: Abschließend werden die Übergänge zu flexiblen Wechselkurssystemen sowie das kritische Leistungsbilanzdefizit der USA in ihrer Verbindung zur asiatischen Währungspolitik analysiert.
6. SCHLUSS: Das Schlusskapitel fasst die wesentlichen Erkenntnisse zusammen und betont die anhaltende Bedeutung von Reformbestrebungen innerhalb der internationalen Währungsordnung.
Schlüsselwörter
Bretton-Woods-System, Internationaler Währungsfonds, IWF, US-Dollar, Leitwährung, Feste Wechselkurse, Asienkrise, Finanzmarktkrise, Leistungsbilanzdefizit, Weltwirtschaft, Geldpolitik, Sonderziehungsrechte, Währungsordnung, Kapitalflucht, Strukturreformen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit im Kern?
Die Arbeit untersucht die historische Entwicklung und das Scheitern der internationalen Währungsordnung sowie die Rolle des Internationalen Währungsfonds bei der Bewältigung globaler wirtschaftlicher Instabilitäten.
Welche Themenfelder stehen im Zentrum?
Zentral sind die Architektur des Bretton-Woods-Systems, die Funktionsweise und Reformproblematik des IWF sowie aktuelle Ungleichgewichte im Welthandel, insbesondere das US-Leistungsbilanzdefizit.
Was ist die primäre Forschungsfrage der Arbeit?
Die Untersuchung zielt darauf ab, die Ursachen für das Scheitern fester Wechselkurssysteme zu identifizieren und die Effektivität sowie die Kritikpunkte an der Arbeit des IWF im Kontext moderner Finanzkrisen zu bewerten.
Welche methodische Herangehensweise wird gewählt?
Es handelt sich um eine theoretisch-analytische Arbeit, die auf einer fundierten Auswertung relevanter Fachliteratur zu internationalen Wirtschaftsbeziehungen und politischer Ökonomie basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die historische Analyse des Bretton-Woods-Systems, die detaillierte Vorstellung der Organisation und Kritik am IWF sowie die Betrachtung der aktuellen globalen wirtschaftlichen Situation.
Welche Schlüsselbegriffe prägen die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Bretton-Woods, Leitwährung, Zahlungsbilanz, IWF-Konditionalität, Asienkrise und Leistungsbilanzdefizit.
Wie bewertet der Autor die Rolle des IWF während der Asienkrise?
Der Autor führt kritisch aus, dass dem IWF mangelnde Weitsicht vorgeworfen wird sowie die Durchsetzung von pauschalen Sparmaßnahmen, die länderspezifische Gegebenheiten teils vernachlässigten und Rezessionen verschärften.
Welchen Zusammenhang sieht die Arbeit zwischen den USA und China?
Die Arbeit sieht ein problematisches Abhängigkeitsverhältnis: China koppelt seine Währung hartnäckig an den Dollar, was zur Unterbewertung des Yuan beiträgt und das amerikanische Leistungsbilanzdefizit sowie globale Ungleichgewichte weiter verschärft.
- Arbeit zitieren
- hanna heller (Autor:in), 2009, Die internationale Währungsordnung im Wandel, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/155514