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Das Ende der Diglossie? - Soziolinguistische Beobachtungen auf La Réunion

Title: Das Ende der Diglossie? - Soziolinguistische Beobachtungen auf La Réunion

Bachelor Thesis , 2010 , 42 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Anonym (Author)

French Studies - Linguistics

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Die vorliegende Arbeit dient dem Abschluss des Studienganges „Romanische Studien“ an der Universität Leipzig mit dem akademischen Grad „Bachelor of Arts“ (B.A.). Sie entstand als Weiterführung der initialen Auseinandersetzung des Verfassers mit dem französischen Überseedepartement Île de la Réunion im Rahmen des Seminars „Französische Varietätenlinguistik“ im Wintersemester 2008/2009.
Die Ausführungen verfolgen das Ziel, die sich gegenwärtig auf La Réunion als ehemalige Kolonie und heutiger Teil Frankreichs darstellende sprachliche Wirklichkeit zu beschreiben und derzeitige soziolinguistische Entwicklungen anhand der Ergebnisse der umfänglichen jüngeren Forschungsarbeit zu beleuchten. Dazu soll nach einem kurzen, in die bemerkenswerte gesellschaftliche Struktur der Insel einleitenden Kapitel (2) die heutige linguistische Situation zunächst aus ihrem historischen Werden heraus erschlossen und in aktuelle gesamtgesellschaftliche Entwicklungen eingebettet werden (Kapitel 3).
Im Anschluss (Kapitel 4) wird mit dem Modell des Kontinuums der sich in der Linguistik nunmehr seit längerem durchgesetzte Beschreibungsansatz für die heutige reunionesische Sprachrealität vorgestellt. Als eigentlicher Schwerpunkt der Arbeit folgt daraufhin eine ausführliche Diskussion verschiedener, hauptsächlich im Rahmen der Forschung an der Université de la Réunion durchgeführten Untersuchungen zu jüngeren Entwicklungen und Veränderungen hinsichtlich der Einstellungen wie auch des Sprachverhaltens der Reunionesen. Dabei soll das Hauptaugenmerk auf der alltäglich-nähesprachlichen bzw. informellen Kommunikation liegen; als besonders im Fokus stehende Zielgruppe wird sich die jugendliche Generation der Insel erweisen, da sie den wesentlichen Träger des sprachlichen Wandels darstellt. Die Betrachtungen münden schließlich in einer Debatte um eine perspektivische Neubewertung des bislang etablierten Konzepts der Diglossie.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. VORWORT

2. LA RÉUNION – FRANKREICH 10.000 KILOMETER FERNAB VON PARIS

3. DIE ENTWICKLUNG DER HEUTIGEN REUNIONESISCHEN GESELLSCHAFT ALS SCHAUPLATZ EINER DIGLOSSISCHEN SPRACHREALITÄT

3.1 Von den Anfängen bis zum Ende der Kolonialzeit

3.1.1 La société d’habitation

3.1.2 La société de plantation

3.1.3 Von der kreolischen Diglossie zur klassischen kolonialen Diglossie

3.2 La Réunion im Spannungsfeld von Assimilierung und Identitätssuche

3.2.1 Entwicklungsschub und Anpassungsdruck

3.2.2 Jüngere und gegenwärtige gesellschaftliche Entwicklungen

4. SPRACHLICHE WIRKLICHKEIT IM WANDEL

4.1 Das Kontinuum als theoretische Grundlage

4.2 Das français régional réunionnais

4.3 Sprachvermischung und Interlekt als zunehmende sprachliche Phänomene

4.4 Lokale Medien als Instanzen der Verbreitung und Legitimation üblichen Sprachverhaltens

4.4.1 Beobachtungen im Bereich der Presse

4.4.2 Beobachtungen im Hörfunk

4.5 Jugendliche Nähekommunikation oder Hybridisierung im Fokus

4.5.1 Kreolisch in französischen Kontexten

4.5.2 Französisch in kreolischen Kontexten

4.5.3 Zusammenschau

4.6 Das Ende der Diglossie?

5. RÜCKBLICK UND AUSBLICK

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die Arbeit untersucht die gegenwärtige soziolinguistische Situation auf La Réunion. Ziel ist es, die sprachliche Realität – geprägt durch das Spannungsfeld zwischen dem Standardfranzösischen der ehemaligen Kolonialmacht und dem Réunion-Kreolischen – im Kontext aktueller gesellschaftlicher Wandlungsprozesse bei der jüngeren Generation zu beschreiben.

  • Historische Genese der diglossischen Sprachsituation auf La Réunion.
  • Analyse des theoretischen Modells des sprachlichen Kontinuums.
  • Untersuchung von Sprachvermischung und Interlekt im Alltag.
  • Die Rolle lokaler Medien als Instanzen der sprachlichen Legitimation.
  • Der Einfluss der Identitätssuche der jungen Generation auf den Sprachwandel.

Auszug aus dem Buch

4.4.2 Beobachtungen im Hörfunk

Mit der Öffnung der medialen Landschaft ab 1976 entstanden auf La Réunion zahlreiche unabhängige Radiosender wie beispielsweise Radio FreeDOM25, die seither durch das Angebot interaktiver Sendungen dem Kreolischen bzw. alltäglichem reunionesischem Sprachverhalten einen öffentlichen Raum verleihen. Waren noch Ende der 70er-Jahre das Kreolische und Sprachwechsel- bzw. Sprachmischungs-Phänomene ganz dem Familienkreis bzw. der privaten Umgangssprache vorbehalten (cf. Ledegen 2004: 121), so gehören sie heute zum üblichen Klangbild der besonders unter Jugendlichen äußerst beliebten Radioprogramme, in denen sich die Hörer per Telefon zu einem vorgegebenen oder frei wählbaren Thema äußern können. Die enorme Resonanz erklärt sich Ledegen in der gleichzeitigen Berührung zweier gegensätzlicher Bedürfnisse innerhalb der heutigen Inselgesellschaft, nämlich das des (bis Ende der 60er Jahre üblichen) traditionellen nahen Kontakts und mündlichen Austauschs mit dem Nächsten einerseits, sowie die zunehmende Distanz und Anonymität der modernen Gesellschaft anderseits (cf. Ledegen 2004: 122).

So suggerieren jene Sendekonzepte ihrer treuen Hörerschaft eine gewisse Vertrautheit und Nähe zum Moderator, die die Hemmschwelle für eine aktive Teilnahme sinken lässt. Gleichzeitig gewährt die ausschließlich auditive Verbindung über das Telefon eine ausreichende Anonymität; die vertraute Umgebung der eigenen Wohnung gibt Sicherheit. Eine Atmosphäre der Toleranz und Gleichbehandlung (Hautfarbe, Ethnienzugehörigkeit, Bildungsgrad usw. spielen scheinbar keine Rolle) schließlich sorgt dafür, dass sich jeder Hörer akzeptiert und ernstgenommen fühlt – kurz, all diese Faktoren versuchen das weithin beobachtbare ungezwungene Sprachverhalten ohne diglossiegeschuldete sprachliche Unsicherheit zu erklären.26

Zusammenfassung der Kapitel

1. VORWORT: Einleitung in die Entstehungsgeschichte der Bachelorarbeit und Überblick über die methodische Vorgehensweise.

2. LA RÉUNION – FRANKREICH 10.000 KILOMETER FERNAB VON PARIS: Darstellung der geografischen, demografischen und politischen Gegebenheiten der Insel als französisches Überseedepartement.

3. DIE ENTWICKLUNG DER HEUTIGEN REUNIONESISCHEN GESELLSCHAFT ALS SCHAUPLATZ EINER DIGLOSSISCHEN SPRACHREALITÄT: Historische Herleitung der Diglossie aus der kolonialen Geschichte und Analyse der gesellschaftlichen Entwicklungen.

4. SPRACHLICHE WIRKLICHKEIT IM WANDEL: Zentrale Analyse des linguistischen Kontinuums, der Sprachvermischungsphänomene und der Rolle von Medien und Jugendkommunikation.

5. RÜCKBLICK UND AUSBLICK: Zusammenfassung der Ergebnisse und Reflexion über die künftige Entwicklung des Verhältnisses zwischen Französisch und Kreolisch.

Schlüsselwörter

La Réunion, Réunion-Kreolisch, Französisch, Diglossie, Sprachkontinuum, Sprachvermischung, Interlekt, Identität, Soziolinguistik, Hybridisierung, Sprachwandel, Medien, Jugendkommunikation, Akkulturation, Code-Switching

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die sprachliche Situation auf der Insel La Réunion, insbesondere das Spannungsfeld zwischen dem Französischen als Amtssprache und dem Réunion-Kreolischen als Alltagssprache.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Themen sind die historische Entwicklung der Diglossie, aktuelle soziolinguistische Trends, die Rolle der Medien bei der Legitimation von Sprachvarietäten sowie die sprachlichen Gewohnheiten der jungen Generation.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Ziel ist es, zu beschreiben, wie sich die sprachliche Wirklichkeit auf La Réunion aktuell darstellt und inwieweit soziolinguistische Entwicklungen das etablierte Diglossie-Konzept verändern.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit stützt sich primär auf die Auswertung umfangreicher soziolinguistischer Forschungsarbeiten, Studien zu Sprachkorpora sowie eine Analyse der reunionesischen Medienlandschaft.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Im Hauptteil werden das Modell des Kontinuums, die Phänomene der Sprachvermischung (Interlekt), die Rolle von Presse und Hörfunk sowie spezifische Untersuchungen zur jugendlichen Nähekommunikation diskutiert.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind unter anderem La Réunion, Diglossie, Sprachkontinuum, Interlekt, Hybridisierung und Identitätssuche.

Was ist unter dem Begriff "Interlekt" in diesem Kontext zu verstehen?

Der Interlekt beschreibt kreative sprachliche Mischformen, die sich nicht eindeutig dem Französischen oder dem Kreolischen zuordnen lassen und die durch die Interferenz beider Sprachen im reunionesischen Sprachalltag entstehen.

Warum spielt die junge Generation eine so wichtige Rolle?

Die jüngere Generation ist laut der Arbeit der wesentliche Träger des sprachlichen Wandels, da sie Sprachvermischung als Teil ihrer Identität begreift und damit das traditionelle diglossische System aufbricht.

Welche Bedeutung haben die lokalen Medien für die Sprache?

Die Medien wirken als Instanzen der Legitimation, indem sie das alltagsnahe, gemischte Sprachverhalten widerspiegeln und es dadurch aus der Privatsphäre in den öffentlichen Raum heben.

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Details

Title
Das Ende der Diglossie? - Soziolinguistische Beobachtungen auf La Réunion
College
University of Leipzig  (Institut für Romanistik)
Grade
1,0
Author
Anonym (Author)
Publication Year
2010
Pages
42
Catalog Number
V155377
ISBN (eBook)
9783640683956
Language
German
Tags
Französisch Sprachwissenschaft Linguistik La Réunion Romanistik
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Anonym (Author), 2010, Das Ende der Diglossie? - Soziolinguistische Beobachtungen auf La Réunion, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/155377
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