„Bild dir deine Meinung“ , so wirbt eine große deutsche Tageszeitung seit Jahren. Ein solcher Slogan vermittelt den Eindruck, dass die Leser ausschließlich Informationen ohne Wertung zur Verfügung gestellt bekämen. Die Medien erfüllten nur die Rolle der Informationsquelle. Doch eine große Mehrheit der Menschen sieht das anders. Laut einer Umfrage aus den neunziger Jahren glauben 80% der Befragten , dass der Einfluss der Medien auf die politische Meinungsbildung stark oder sehr stark ist. Ungefähr 75% glauben sogar, dass die Wahlentscheidungen von den Medien beeinflusst werden. Im gleichen Artikel wird jedoch dargelegt, dass es wissenschaftlich dafür keine Bestätigung gibt. Und genau an dieser Stelle setzt die Problematik an. Auch aus den Reihen der Politiker habe ich schon oft Kritik an den Medien gehört. In meinen zwei Jahren in der Kommunalpolitik wurde mir oft von dem Gefühl berichtet, die Medienvertreter seien politisch festgelegt und würden durch gezielte Auswahl und Ausführungen von Themen versuchen, Einfluss auf die Meinung der Medienkonsumenten zu nehmen. Diese Diskrepanz zwischen der Forschung, den subjektiven Wahrnehmungen von (Kommunal-) Politikern und den Bürgern habe ich zum Anlass genommen, mich näher mit dem Thema zu befassen. Dabei stehen folgende Fragen im Mittelpunkt der Arbeit:
• In welchem Verhältnis stehen Medien und Politik zueinander?
• Wie sehr beeinflussen die Medien die Politik?
• Wie sehr beeinflusst die Politik die Medien?
• Bildet sich der Medienkonsument noch eine Meinung, oder wird seine Meinung gebildet?
• Warum gibt es bei der Frage der Einflussnahme der Medien auf die Meinungsbildung eine scheinbare Diskrepanz zwischen der Forschung und der subjektiven Wahrnehmung?
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1. Das Thema und seine Grundproblematik
1.2. Die Thesen
2. Hauptteil
2.1. Frames, Framing und Framing-Effekte
2.2. Die Mediendemokratie
2.3. Die Medien im Zusammenspiel
2.3.1. Politikvermittlung durch die Medien: Ein historischer Überblick
2.3.2. Die Rolle der Medien
2.3.3. Erich Böhme: Ein Beispiel für die subjektive Sicht der Dinge
2.4. Die Politik im Zusammenspiel
2.4.1. Die Rolle der Politik
2.4.2. Die subjektive Wahrnehmung eines Politikers: Interview
2.5. Interdependenzen von Medien und Politik
3. Fazit und Ausblick
3.1. Interpretation
3.2. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das wechselseitige Abhängigkeitsverhältnis zwischen Politik und Medien, mit einem besonderen Schwerpunkt auf der Diskrepanz zwischen wissenschaftlicher Forschung und der subjektiven Wahrnehmung von Akteuren aus beiden Bereichen.
- Wechselseitige Abhängigkeit und Interdependenz von Medien und Politik
- Die Rolle journalistischer Framing-Prozesse und deren Wirkung auf Rezipienten
- Mediendemokratie und die Entertainisierung politischer Kommunikation
- Bedeutung von persönlichem Kontakt und Dialog als Korrektiv im professionellen Alltag
- Unterschiede in der Medienbeeinflussung zwischen regionaler und nationaler Ebene
Auszug aus dem Buch
2.3.2. Die Rolle der Medien
Schockenhoff spricht den Medien eine Doppelrolle zu. Zunächst erfüllten sie eine Dienstfunktion. Die Medien bilden eine öffentliche Meinung heraus, die nach demokratischem Selbstverständnis Grundlage der Politik ist. Dabei seien Missbrauchsmöglichkeiten medialer Freiheit durchaus denkbar. Diesen Missbräuchen ist der Mediennutzer hilflos ausgeliefert. Die öffentliche Meinung, die durch die Medien herausgebildet wird, ist dabei kein Reflex, sondern Produkt aktiven Interesses und Meinungspflege. Um die öffentliche Meinung konkurrieren staatliche Institutionen genauso wie nichtstaatliche Lobbyisten und Einzelakteure. Dabei spiegeln die Medien die verschiedenen Interessen, Standpunkte und Argumentationen nicht nur wider, sondern sind Katalysator des demokratischen Meinungsbildungsprozesses. Gleichzeitig kommen den Medien nach Klier drei zentrale Funktionen zu:
1. Die Informationsfunktion. Die Medien informieren über das politische Geschehen und dessen Hintergründe.
2. Die Überwachungsfunktion. Die Medien überwachen die politische Machtausübung der Regierungen und Parlamente.
3. Die Förderfunktion. Die Medien fördern den politischen Prozess durch aktive Einflussnahme auf die Meinungsbildung.
Daraus wird deutlich, dass die mediale Berichterstattung nicht nur die Vorstellungen über Wichtigkeit und Richtigkeit vermittelt, sondern durch unvermeidliche Selektion mittels Frames und Definition politischer Themen das Denken der gesellschaftlichen Mehrheit zu einem Thema beeinflusst. Anders ausgedrückt nehmen die Medien Einfluss auf die individuelle Meinung der Menschen. Schließlich existieren Nachrichten, Ereignisse und Personen nur dadurch, dass sie in den Medien erscheinen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die Problematik der wechselseitigen Beeinflussung von Politik und Medien sowie Darlegung der zentralen Forschungsfragen.
2. Hauptteil: Theoretische Auseinandersetzung mit Framing-Ansätzen, dem Begriff der Mediendemokratie sowie Analyse der Akteursrollen und Interdependenzverhältnisse.
3. Fazit und Ausblick: Interpretation der Ergebnisse und Zusammenführung der Erkenntnisse zur gegenseitigen Abhängigkeit der Systeme sowie Ausblick auf zukünftige Entwicklungen.
Schlüsselwörter
Politik, Medien, Mediendemokratie, Interdependenz, Framing, Politikvermittlung, Kommunalpolitik, Journalismus, öffentliche Meinung, Politainment, Unterhaltungsformate, Meinungsbildung, Symbiose, Macht der Medien, Korrektiv
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert das Zusammenspiel zwischen Politik und Medien und hinterfragt, ob eine einseitige Beeinflussung stattfindet oder ob eine gegenseitige Abhängigkeit besteht.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den Kernpunkten gehören Framing-Effekte in der Berichterstattung, die Mediendemokratie und die veränderte Art der Politikvermittlung durch Unterhaltungsformate.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die Diskrepanz zwischen wissenschaftlichen Erkenntnissen zur Medienwirkung und der subjektiven Wahrnehmung von Politikern und Bürgern zu ergründen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine theoretische Literaturanalyse sowie ein qualitatives Experteninterview mit einem Kommunalpolitiker zur Einordnung in die Praxis.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen des Framings, die Rolle der Medien und der Politik, sowie eine Analyse der Interdependenzen beider Systeme.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Interdependenz, Mediendemokratie, Framing, Politikvermittlung und das Spannungsfeld zwischen Information und Unterhaltung.
Wie beurteilt der interviewte Kommunalpolitiker das Verhältnis zur lokalen Presse?
Er sieht das Verhältnis als ein tägliches Miteinander, bei dem persönlicher Dialog und Ehrlichkeit wesentliche Faktoren sind, um Missverständnisse zu vermeiden.
Gibt es laut der Arbeit eine "Vierte Macht im Staat"?
Der Autor und der Interviewpartner verneinen dies, da die Medienlandschaft zu vielfältig und zerstückelt ist, um als einheitliche Macht mit eigener Meinung zu agieren.
- Arbeit zitieren
- Matthias Domke (Autor:in), 2009, Politik und Medien, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/155059