Mit dieser Arbeit wollte man einen Blick auf wichtige Themen der Existenzphilosophie und zentrale Gedanken des französischen Existentialismus werfen und deren Ausgangsthese vom Entwurfscharakter der Existenz, mit Hilfe einer Unterscheidung der Begriffe Wesen und Existenz verständlich machen. Anhand ausgewählter Zitate konnten einige wesentliche Aussagen von Camus und Satre nebeneinander gestellt und erläutert werden. Abschließend sollte am Beispiel von de Beauvoir und feministischen Ansätzen aus deren Erbe gezeigt werden, dass Existenzphilosophie der konkreten Existenz des Menschen nicht nur nachdenken will, sondern sich immer auch dem Anspruch stellt, dass die existenzphilosophische Haltung gelebt werden muss.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Begriffsklärung
3. Zentrale Themen existenzphilosophischen Denkens
3.1 Angst als Grundbefindlichkeit des Menschen
3.2 Freiheit und Freitod
3.3 Die Sinnfrage
3.4 Tod als Zuspitzung der Sinnfrage
4. Feministische Konsequenzen existenzphilosophischen Denkens
5. Zusammenfassung
6. Literaturangaben
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die zentralen Konzepte der Existenzphilosophie, insbesondere die Unterscheidung zwischen Existenz und Essenz, und analysiert, wie diese Denkweise auf konkrete menschliche Grenzsituationen sowie feministische Diskurse angewendet werden kann.
- Grundlagen und Abgrenzung der Begriffe Existenz und Essenz
- Existenzielle Grundbefindlichkeiten wie Angst und Freiheit
- Die Auseinandersetzung mit Sinnlosigkeit und der philosophischen Sinnfrage
- Die Relevanz des Todes als existenzielle Zuspitzung
- Anwendung existenzphilosophischer Ansätze auf feministische Theorien
Auszug aus dem Buch
3.1 Angst als Grundbefindlichkeit des Menschen
Das Thema Angst spielt schon bei Kierkegaard5 eine wichtige Rolle und wird später auch für Heidegger den Ausgangspunkt für seine Daseinsanalysen darstellen.
Heidegger nennt Angst „die Grundbefindlichkeit des Menschen“6 und spricht von einer „Geworfenheit des Menschen“7. Ungefragt ist der Mensch in die Welt geworfen und muss sich in dieser der Unausweichlichkeit des Todes stellen, denn der Tod ist nicht bloß ein Ereignis am Ende des Lebens, sondern als potentielle Gefahr und Last dem Leben ständig aufgegeben.
Kierkegaard geht von drei Stadien unserer Existenz aus, die jeder Mensch zu durchlaufen kann, bzw. sollte (das ästhetische, das ethische und das religiöse – worauf ich hier nicht näher eingehen möchte). Insofern könnte man einwenden, dass es bei Kierkegaard immer noch ein allen Menschen zugrunde liegendes Wesen des Menschen gäbe, eben ein dreistadiges. Doch dieser Einwand würde dazu führen, dass es gänzlich unmöglich wird, nicht von einem Wesen zu sprechen, da damit auch die Existenz, das Entwurf-Dasein des Menschen, wieder als ein Wesensbegriff funktionieren würde.
In Kierkegaards Text „Die Krankheit zum Tode“8 wird Angst als Folge der Unbestimmtheit menschlichen Daseins und als Ursache für Bedürftigkeit und Fähigkeit zur Erlösung gesehen. Kierkegaard geht davon aus, dass die Angst dadurch entsteht, dass der Mensch immer zwischen mehreren Möglichkeiten zu wählen hat, wodurch er immer wieder in Krisen geraten kann. Schließlich ist es aber auch die Angst, die dem Menschen überhaupt die Möglichkeit der Freiheit eröffnet.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung steckt den Rahmen der Arbeit ab und erläutert die thematische Abgrenzung der Existenz- von der Essenzphilosophie sowie die geplante Untersuchung feministischer Implikationen.
2. Begriffsklärung: Dieses Kapitel definiert die zentralen philosophischen Begriffe Existenz und Essenz und zeigt die historische Unterordnung der Existenz unter das Wesen auf.
3. Zentrale Themen existenzphilosophischen Denkens: Hier werden die Kernaspekte der Existenzphilosophie wie Angst, Freiheit, die Sinnfrage und der Tod als existenzielle Grenzsituationen analysiert.
3.1 Angst als Grundbefindlichkeit des Menschen: Dieses Kapitel expliziert die Rolle der Angst bei Kierkegaard und Heidegger als fundamentale Erfahrung menschlicher Existenz.
3.2 Freiheit und Freitod: Die Untersuchung befasst sich mit der menschlichen Verantwortung und der ethischen Debatte um den Freitod aus existenzialistischer Sicht.
3.3 Die Sinnfrage: Dieses Kapitel widmet sich der Absurdität der Welt nach Camus und der Notwendigkeit, sich dieser durch eine ständige Revolte zu stellen.
3.4 Tod als Zuspitzung der Sinnfrage: Hier wird die existenzielle Bedeutung des Todes für das menschliche Dasein und die daraus resultierende Notwendigkeit der Selbstvergewisserung reflektiert.
4. Feministische Konsequenzen existenzphilosophischen Denkens: Das Kapitel verknüpft existenzialistische Prinzipien mit den Ansätzen von Simone de Beauvoir und diskutiert deren Relevanz für den Feminismus.
5. Zusammenfassung: Die Arbeit resümiert die gewonnenen Erkenntnisse über den Entwurfscharakter der Existenz und die Forderung nach einer gelebten existenzphilosophischen Haltung.
6. Literaturangaben: Eine Auflistung der verwendeten Quellen zur Existenzphilosophie und zum französischen Existentialismus.
Schlüsselwörter
Existenzphilosophie, Essenz, Existenzialismus, Angst, Freiheit, Sinnfrage, Absurdität, Tod, Freitod, Simone de Beauvoir, Feminismus, Entwurf, Geworfenheit, Selbstbestimmung, Subjektivität.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Seminararbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit den Grundlagen der Existenzphilosophie und beleuchtet insbesondere, wie der Mensch als eigenverantwortliches Wesen seine Existenz selbst entwirft.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Felder sind die Definition von Existenz vs. Essenz, die Erfahrung von Angst und Freiheit sowie der Umgang mit der Sinnlosigkeit und dem Tod.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, durch die Gegenüberstellung von Existenz und Essenz das existenzialistische Denken verständlich zu machen und dessen praktische Anwendung, etwa im Feminismus, aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine phänomenologisch geprägte Analyse und vergleichende Literaturarbeit, um die Aussagen bekannter Existenzphilosophen wie Camus und Sartre zu beleuchten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine begriffliche Fundierung und eine tiefergehende Untersuchung existenzialistischer Kernthemen wie Freiheit, Angst und Sinn sowie deren Auswirkung auf feministische Theorien.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Existenz, Essenz, Absurdität, Freiheit, Angst, Sinnfrage und Selbstentwurf.
Inwieweit spielt die Philosophie von Camus eine besondere Rolle?
Camus wird herangezogen, um das Konzept des Absurden und die Revolte als Bewältigungsstrategie des Menschen in einer grundsätzlich sinnlosen Welt zu erklären.
Warum bezieht die Autorin Simone de Beauvoir in die Arbeit ein?
De Beauvoir dient als Beispiel dafür, wie existenzialistische Grundgedanken – dass man nicht als Frau geboren, sondern dazu gemacht wird – genutzt werden können, um gesellschaftliche Rollen kritisch zu hinterfragen.
Welche Bedeutung kommt dem Suizid im Kontext der Arbeit zu?
Der Suizid wird als eine zentrale philosophische Grenzfrage diskutiert, wobei insbesondere der Gegensatz zwischen christlichem Verbot und existenzialistischer Ablehnung des Absurden aufgezeigt wird.
- Arbeit zitieren
- Mag. Renate Enderlin (Autor:in), 2010, Themen und Konsequenzen der Existenzphilosophie, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/154980