Das Interesse, über dieses Thema eine Hauptseminararbeit zu schreiben, entstand während eines Seminars über Jesus von Nazareth. Die Abhandlung des Unterthemas „Familie Jesu“ weckte verschiedene Fragen, wie z.B., wie die Argumentation für oder gegen Geschwister Jesu begründet ist. Vieles, wie auch die Existenz leiblicher Geschwister Jesu, habe ich selten kritisch hinterfragt, sondern als selbstverständlich angenommen. Das Nachforschen in Literatur verschiedener Art, sei es in katholischen, evangelischen, fachwissenschaftlichen oder missionarisch angelegten Auslegungen gestaltete sich als spannendes Erkennen und Lernen. Die Argumentation der evangelischen und katholischen Theologen ist zumeist gegensätzlich. Dies wird auch in der vorliegenden Hauptseminararbeit deutlich werden.
Maria ist aufgrund ihrer Bedeutung in der katholischen Kirche stärker in das öffentliche Bewusstsein gelangt als die Geschwister Jesu, darum liegt der inhaltliche Schwerpunkt der Hausarbeit auf ihnen. Dennoch kann weder sie noch Josef nicht übergangen werden, wenn es um die Familie Jesu geht, da sie als Eltern doch eine zentrale Rolle innehaben.
Zuerst wird es um die Eltern Jesu gehen. Dies wird durch eine Einzelbetrachtung von Maria und Josef geschehen. Dann werden die Geschwister Jesu betrachtet. Hierbei geht es zuerst um die verschiedenen Ansichten zur Frage, ob Jesus überhaupt Geschwister hatte, anschließend werden diese vorgestellt. Als letzten Punkt möchte werden noch ein paar Hinweise auf andere Verwandte Jesu aufgegriffen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Familie Jesu
2.1 Die Eltern: Maria und Josef
2.2 Die Brüder und Schwestern
3. Schlussbetrachtung und Ausblick
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Diese Hauptseminararbeit untersucht das familiäre Umfeld Jesu von Nazareth, mit einem besonderen Fokus auf die Frage der leiblichen Geschwister und die Rolle der Eltern, Maria und Josef. Ziel ist es, die gegensätzlichen theologischen Argumentationsmuster – insbesondere zwischen katholischen und evangelischen Auslegungen – aufzuzeigen und kritisch zu hinterfragen, ob die in den Evangelien genannten Personen als leibliche Verwandte zu verstehen sind.
- Analyse der biblischen Berichte zur Familie Jesu
- Untersuchung der Rolle und Bedeutung Marias und Josefs
- Diskussion der Geschwisterfrage unter Berücksichtigung des griechischen Urtexts
- Gegenüberstellung konfessioneller Sichtweisen zur leiblichen Verwandtschaft
- Kritische Würdigung historischer und exegetischer Forschungsansätze
Auszug aus dem Buch
2.1 Die Eltern: Maria und Josef
Die Person, deren Verwandtschaft mit Jesus unbestritten bleibt, ist Maria, seine Mutter. Doch was ist über sie bekannt? Zunächst ist festzustellen, dass Maria die latinisierte Form des hebräischen Namens Mirjam ist. Diese Änderung ist nach Roloff auf christliche Überlieferungen zurückzuführen, die daraus den Namen Maria machten, welcher bis heute der gebräuchlichste Name der Mutter Jesu ist. Mirjam ist ein bekannter biblischer Name, der mit dem Auszug aus Ägypten verbunden ist. Eine Frage, die im Zusammenhang mit Maria häufig gestellt wird, ist die nach dem Alter Marias. Nach Deiss war es üblich junge Mädchen zu verheiraten, sobald sie in der Pubertät waren und Kinder bekommen konnten. Dies würde bedeuten, dass Maria zwischen zwölf und dreizehn Jahre alt war, als sie Josef heiratete. Nach Gnilka dürfte Maria zur Zeit der Geburt Jesu zwischen fünfzehn und siebzehn Jahren gewesen sein.
Ein weiterer Punkt, der immer wieder für Diskussionen sorgt, ist die Jungfrauengeburt. Tatsächlich findet sich im Matthäusevangelium die erfüllte Prophezeiung von Jesaja, die von einer Jungfrau spricht, welche einen Sohn gebären wird und ihn Immanuel nennen wird. Nach Roloff spricht der hebräische Urtext jedoch nur von einer „jungen Frau“ und nicht von einer „Jungfrau“. Ebenso spricht Paulus nicht von einer Jungfrau, als er den Hinweis auf die Geburt Jesu im Galaterbrief aufzeigt. Er nennt jedoch keinen Namen, sondern spricht nur von einer Frau. Daraus schließt Bienert, dass der Apostel Paulus kein besonderes Interesse an der menschlichen Abstammung Jesu zeigt. Es gehört jedoch zur Grundüberzeugung des Apostels, dass Jesus als Sohn Gottes von einer Frau zur Welt gebracht wurde, um zur Gemeinschaft der Juden zu gehören.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung erläutert die Motivation für die Arbeit, das Ziel einer Untersuchung der familiären Verhältnisse Jesu sowie die methodische Herangehensweise durch den Vergleich verschiedener theologischer Standpunkte.
2. Die Familie Jesu: Dieses Kapitel analysiert detailliert die Rolle von Maria und Josef sowie die kontroverse Frage nach der Existenz leiblicher Geschwister Jesu durch eine Auswertung biblischer Texte und Forschungsmeinungen.
3. Schlussbetrachtung und Ausblick: Der abschließende Teil fasst die konfessionell geprägten Unterschiede in der theologischen Betrachtung der Heiligen Familie zusammen und identifiziert weiteren Forschungsbedarf.
Schlüsselwörter
Jesus von Nazareth, Maria, Josef, Geschwister Jesu, Familie Jesu, Theologie, Exegese, Matthäusevangelium, Markusevangelium, Jungfrauengeburt, leibliche Verwandtschaft, Kirchengeschichte, Hermeneutik, biblische Forschung, Konfessionen
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt das familiäre Umfeld Jesu, insbesondere die Rolle seiner Eltern Maria und Josef sowie die Frage nach seinen Geschwistern.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die zentralen Felder sind die biblische Exegese, die historische Einordnung der Personen im Umfeld Jesu und der konfessionelle Diskurs über diese Themen.
Welches primäre Ziel verfolgt die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, die wissenschaftliche Argumentation für oder gegen die Existenz leiblicher Geschwister Jesu nachzuvollziehen und die verschiedenen theologischen Perspektiven darauf zu beleuchten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse und ein Vergleich verschiedener theologischer und exegetischer Positionen zur biblischen Überlieferung angewandt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden Maria, Josef und die Brüder sowie Schwestern Jesu unter Einbeziehung von Fachliteratur und dem griechischen Urtext intensiv analysiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich primär über Begriffe wie Jesus von Nazareth, Geschwisterfrage, Exegese und theologische Konfessionsunterschiede charakterisieren.
Warum wird Maria im Matthäusevangelium anders dargestellt als im Lukasevangelium?
Die Arbeit weist darauf hin, dass Lukas Maria eine zentrale Rolle zuschreibt, während Matthäus das Augenmerk stärker auf Josef und die juristische Vaterschaft legt.
Welche Bedeutung kommt der Namensgebung für die Vaterschaft Josefs zu?
Die Namensgebung wird als ein Akt angesehen, der im alten Israel einer Adoption gleichkam und somit die rechtliche Eingliederung Jesu in den Stammbaum Davids über Josef ermöglichte.
Wie begründet die Arbeit die Existenz leiblicher Geschwister?
Die Arbeit stützt sich auf die wörtliche Verwendung des griechischen Begriffs „adelphos“ im Neuen Testament und verweist auf Argumente gegen die bloße Deutung als „Vetter“.
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- Tanja Steiner (Author), 2007, Die Familie Jesu, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/154728