Im Verlauf dieser Arbeit soll skizziert werden, inwieweit die Streitkräfte einen ganz erheblichen Einfluss auf den Verlauf der Etablierung der nationalsozialistischen Diktatur hatten. Dabei sollen zuerst einige Aspekte aus der Vorgeschichte der Wehrmacht näher erläutert werden, um dann beispielhaft ausgewählte gemeinsame Interessen von Militär und NSDAP herauszustellen. Im letzten Abschnitt werden dann die daraus resultierenden Konsequenzen der Rolle der Streitkräfte gegenübergestellt. Insgesamt soll gezeigt werden, dass die Wehrmacht sowohl zur Errichtung der nationalsozialistischen Herrschaft als auch deren Festigung erheblich beigetragen hat.
Inhaltsverzeichnis
I. Mythos „saubere“ Wehrmacht
II. Wohlwollende Neutralität
1. Selbstverständnis der „apolitischen“ Reichswehr
1.1 Die Folgen der Niederlage und der Versailler Vertrag
1.2 Die Reichswehr als Staat im Staat?
1.3 Wegbereiter der Machtübernahme
2. Gemeinsame Interessen und die Folgen
2.1 Wehrhaftigkeit des Volkes
2.1.1 Primat des Militärs
2.1.2 Die Reichswehr als nationales Volksheer
2.1.3 Außenpolitik
2.2 Konsequenzen der Kooperation
2.1.1 Eine ungleiche Partnerschaft
2.1.2 Allgemeine Wehrpflicht
2.1.3 Gemeinsame Expansion
III. Die Wehrmacht als Spiegel der Gesellschaft
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht das Ausmaß der Beteiligung der deutschen Streitkräfte an der Errichtung und Festigung der nationalsozialistischen Herrschaft. Die zentrale Forschungsfrage fokussiert dabei auf die Rolle der Reichswehr und späteren Wehrmacht als aktiver oder passiver Akteur innerhalb des NS-Staates und analysiert, inwieweit die institutionellen Interessen des Militärs eine Kooperation mit der NSDAP begünstigten.
- Historische Analyse des Selbstverständnisses der Reichswehr in der Weimarer Republik.
- Untersuchung der strukturellen und ideologischen Schnittmengen zwischen Militär und Nationalsozialismus.
- Darstellung der Rolle des Militärs als Wegbereiter der Machtübernahme und bei der Etablierung des NS-Regimes.
- Analyse der Konsequenzen der Kooperation, insbesondere durch die allgemeine Wehrpflicht und die Entmachtung der Militärführung.
Auszug aus dem Buch
1.3 Wegbereiter der Machtübernahme
Die letzten Regierungen der Weimarer Republik konnten nur durch die Autorität Hindenburgs, der sich wiederum auf die Machtbasis der Reichswehr stützte, aufrechterhalten werden. Nach den nicht dauerhaft tragfähigen Präsidialkabinetten, eröffnete die Kanzlerschaft Hitlers die Bildung einer rechtsnationalen Regierung, die sowohl die Interessen der Reichswehr berücksichtigen würde, als auch ihr erlauben würde sich wieder aus dem unmittelbaren politischen Umfeld zurückzuziehen. Für die Reichswehrspitze stellte die Ernennung Hitlers zum Reichskanzler die „beste Lösung für die Reichswehr“ dar. Allerdings war die Kanzlerschaft Adolf Hitlers, und damit der Beginn des so genannten Prozesses der Machtergreifung der Nationalsozialisten, nur möglich durch die oben bereits angesprochene ‚wohlwollende Neutralität’ der Reichswehr. Für Hermann Graml läuft „die bewußte Ermöglichung der Etablierung nationalsozialistischer Herrschaft“ nicht nur auf eine Mittäterschaft, sondern geradezu auf eine Partnerschaft hinaus. Kurz nach der Ernennung Hitlers als Reichskanzler erklärte der Chef des Ministeramts im Reichswehrministerium, Oberst v. Reichenau, „daß wir in einer Revolution stehen. Morsches im Staat muß fallen, das kann nur mit Terror geschehen. Die Partei wird gegen Marxismus rücksichtslos vorgehen. Aufgabe der Wehrmacht: Gewehr bei Fuß. Keine Unterstützung, falls Verfolgte Zuflucht bei der Truppe suchen“.
Die Reichswehrführung hatte dementsprechend keine Bedenken die Verfolgung der politischen Linken und die Ausschaltung des parlamentarischen Systems zuzulassen. Abgesehen von der anfänglichen Hilfestellung durch Nichteinmischung förderte die Reichswehr die nationalsozialistische Festigung der Macht auch aktiv, indem sie Hitler in der so genannten ‚Röhm-Affäre’ logistisch unterstützte. Die Mordaktionen, der auch zwei Mitglieder der Reichswehr angehörten, wären ohne die billigende Unterstützung der Reichswehr gar nicht durchführbar gewesen. Dadurch machte sich die Reichswehr zum Erfüllungsgehilfen Hitlers, nahm ihre eigene moralische Herabsetzung in Kauf und legt den Kurs für die kommenden Jahre fest.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Mythos „saubere“ Wehrmacht: Das Kapitel thematisiert die historischen Debatten um die Rolle der Wehrmacht während des Nationalsozialismus und widerlegt die These einer unbeteiligten oder neutralen Institution.
II. Wohlwollende Neutralität: Hier wird das komplexe Verhältnis der Reichswehr zur NSDAP untersucht, wobei die politische Orientierung, das Selbstverständnis und die strategischen Interessen des Militärs im Zentrum stehen.
III. Die Wehrmacht als Spiegel der Gesellschaft: Der abschließende Teil fasst zusammen, wie sich die Wehrmacht durch Opportunismus und Interessenidentität selbst korrumpierte und zum integralen Bestandteil des totalitären Systems wurde.
Schlüsselwörter
Wehrmacht, Reichswehr, Nationalsozialismus, Machtergreifung, Militär, Volksgemeinschaft, Versailler Vertrag, Aufrüstung, NS-Regime, Korruption, politischer Soldat, ideologische Indoktrination, Kooperation, Hindenburg, Machtübernahme.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert die historische Rolle der Streitkräfte (Reichswehr/Wehrmacht) in der Übergangsphase vom Ende der Weimarer Republik bis zur Festigung der nationalsozialistischen Diktatur zwischen 1933 und 1939.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Zu den Schwerpunkten gehören das Selbstverständnis des Militärs, die Folgen der militärischen Niederlage von 1918, die Ideologie der "wohlwollenden Neutralität" und die Konsequenzen der zunehmenden Kooperation zwischen Militär und NSDAP.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die Arbeit untersucht, inwieweit und zu welchem Ausmaß die Streitkräfte aktiv zur Errichtung und Etablierung der nationalsozialistischen Herrschaft in Deutschland beigetragen haben.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es handelt sich um eine historische Analyse, die auf der Auswertung relevanter Fachliteratur, zeitgenössischer Dokumente und strukturgeschichtlicher Ansätze basiert.
Was steht im inhaltlichen Fokus des Hauptteils?
Der Hauptteil befasst sich detailliert mit den gemeinsamen Interessen von Militär und NS-Regime, wie etwa der allgemeinen Wehrpflicht, der Außenpolitik und der systematischen Ideologisierung der Armee.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Wesentliche Begriffe sind "wohlwollende Neutralität", "Reichswehr als Staat im Staat", "Volksgemeinschaft" und die Selbstkorruption des Militärs durch Opportunismus.
Wie bewertet der Autor das Verhältnis zwischen Reichswehr und Hitler?
Der Autor argumentiert, dass das Militär keineswegs nur von außen gleichgeschaltet wurde, sondern durch eine bewusste eigene Entscheidung und aufgrund von Interessenidentitäten (wie dem Kampf gegen Versailles) den Weg in das nationalsozialistische Fahrwasser einschlug.
Welche Bedeutung hatte die „Röhm-Affäre“ für die Position der Reichswehr?
Die Unterstützung Hitlers während der Röhm-Affäre wird als entscheidender Punkt gewertet, an dem die Reichswehr ihre Rolle als Erfüllungsgehilfe Hitlers festigte und ihre moralische Integrität endgültig verlor.
Was ist das zentrale Fazit zur Rolle der Wehrmacht?
Die Wehrmacht wird als ein Abbild der deutschen Gesellschaft beschrieben, das sich unter dem Druck und der Dynamik des Nationalsozialismus nicht entgegengestellt hat, sondern durch ihre eigene politische Ausrichtung zur tragischen Entwicklung des Regimes beitrug.
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- MIR, MA Sebastian Plappert (Author), 2005, Die Wehrmacht 1933-1939, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/154256