Während für einen Großteil der Menschen der Zugang zu schriftsprachlichen Informationen zu einer selbstverständlichen Handlung gehört, ist für Menschen mit Lese- und Verständnisproblemen (z. B. kognitive Beeinträchtigungen, ältere Menschen, Analphabeten oder Menschen mit einer Hörschädigung) das Verstehen der alltäglichen Schriftsprache erschwert. Die deutsche Behördensprache ist meist alles andere als leicht zu verstehen und jedes Formular, das ausgefüllt werden muss, ist eine Herausforderung. Für leseschwache Menschen ist dies meist ohne Hilfe unmöglich.
Die Forderung von „Mensch zuerst“ gemeinsam mit dem Netzwerk „Leichte Sprache“, alle wichtigen Informationen solle es auch zusätzlich in „Leichter Sprache“ geben, ist unter anderem im Jahr 2009 ein Motto des europäischen Protesttages zur Gleichstellung behinderter Menschen. Viele Personengruppen sind auf eine leicht verständliche Sprache angewiesen, um nicht von Ausgrenzung bedroht zu sein. Nicht nur Menschen mit Lernschwierigkeiten profitieren von einer Barrierefreiheit im schriftsprachlichen Bereich.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung und Problemstellung
1.1 Zu den Interviews
2. Geistige Behinderung
2.1 Suche nach einem neuen Begriff
2.2 Sichtweisen und Einstellungen
3. Partizipation für Menschen mit Lernschwierigkeiten
3.1 Der Begriff Partizipation
3.1.1 Ebenen der Partizipation
3.1.2 Gesetzliche Verankerung – Gleichstellungsgesetze
3.2 Lebensqualität als Leitbegriff für Partizipationsprozesse
3.2.1 Subjektives Wohlbefinden
3.3 Partizipation in Wohneinrichtungen
3.4 Spannungsfeld Partizipation
3.5 Voraussetzungen für Partizipation
3.5.1 Barrierefreiheit
3.5.2 Geschichte der Barrierefreiheit
3.5.3 Von der Barrierefreiheit zum „Design für alle“
3.6 Selbstbestimmung
3.7 Empowerment
3.8 Zusammenfassung
4. Kommunikation als Informationsaustausch
4.1 Sprache und Verstehen
4.2 Kommunikationstheorien
4.3 Theorien der Verständlichkeit und Lesbarkeit
4.3.1 Zur Vorgeschichte
4.3.2 Lesbarkeit
4.3.3 Verständlichkeit
4.4 Bedeutung der Semantik
4.5 Lesen und Verstehen unter erschwerten Bedingungen
5. Konzept der „Leichten Sprache“
5.1 Begriffsklärung
5.2 Ursprung und Verbreitung
5.3 Aktueller Wissensstand
5.4 Kriterien „Leichter Sprache“
5.4.1 Lesermerkmale
5.4.2 Inhalt
5.4.3 Textgestaltung
6. Praktische Umsetzung
6.1 Schritte zur Erstellung eines leicht lesbaren Dokumentes
6.2 Der Formulierungs- und Übersetzungsprozess
6.3 Öffentlichkeitsarbeit
6.4 Eingang in gesetzliche Regelungen
6.5 Schwierigkeiten und Grenzen der Umsetzung
7. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Diplomarbeit untersucht die Situation von Menschen mit Lernschwierigkeiten in Deutschland und analysiert, inwieweit das Konzept der „Leichten Sprache“ die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben fördern kann. Dabei wird der Frage nachgegangen, wie Barrieren durch verständliche Informationsaufbereitung abgebaut und Selbstbestimmung sowie Partizipation in verschiedenen Lebensbereichen – insbesondere in Wohneinrichtungen – gestärkt werden können.
- Partizipation von Menschen mit Lernschwierigkeiten
- Barrierefreie Kommunikation und Informationszugang
- Theorien der Verständlichkeit und Lesbarkeitsforschung
- Konzept und praktische Umsetzung der „Leichten Sprache“
- Empowerment und Selbstbestimmung als Grundlage für Inklusion
Auszug aus dem Buch
3.5.3 Von der Barrierefreiheit zum „Design für alle“
Was bedeutet barrierefreies Planen für alle? Rampen und Aufzüge helfen nicht nur Menschen im Rollstuhl. Auch Eltern mit Kinderwagen, beleibte Menschen oder kleine Erwachsene haben einen Nutzen davon.
„Tastbare Materialien, große Schrift und akustische Zusatzinformationen helfen älteren Menschen und Menschen mit Sehbeeinträchtigungen. „Eine einfache Sprache hilft Menschen mit Lernschwierigkeiten, aber auch Menschen, die nicht lesen können oder die deutsche Sprache nicht so gut beherrschen“ (vgl. Mensch zuerst 2006). Sie kann auch bei der Programmierung technischer Geräte oder beim Verstehen eines Medikamentenbeipackzettels eine Hilfe sein.
Eine Studie des Bundeswirtschaftsministeriums hat ergeben, für wie viel Prozent der Bevölkerung eine barrierefreie Zugänglichkeit von Nutzen sein könnte. Für 10% der Bevölkerung ist Barrierefreiheit zwingend erforderlich, für etwa 30 - 40% notwendig und für 100% komfortabel (vgl. Heiden 2006, S. 205).
Heiden stellt fest, Barrierefreiheit ist die Basis für ein „Universal Design – Design für alle“ (vgl. Heiden 2006, S. 206).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung und Problemstellung: Diese Einleitung thematisiert die Exklusion durch komplexe „schwere Sprache“ und führt in die Problematik ein, dass Menschen mit Lernschwierigkeiten häufig durch mangelnde Barrierefreiheit im Informationsbereich von der Teilhabe am gesellschaftlichen Leben ausgeschlossen sind.
2. Geistige Behinderung: Das Kapitel befasst sich mit dem Begriffswandel in Bezug auf Menschen mit Lernschwierigkeiten und der Kritik an stigmatisierenden Bezeichnungen wie „geistige Behinderung“.
3. Partizipation für Menschen mit Lernschwierigkeiten: Dieses Kapitel erläutert den Partizipationsbegriff und untersucht die gesetzlichen Grundlagen sowie Lebensqualität als Leitbegriff für Inklusion.
4. Kommunikation als Informationsaustausch: Es werden grundlegende Kommunikationstheorien sowie Theorien der Verständlichkeit und Lesbarkeit dargelegt, um das Verständnis von Schriftsprache bei Menschen mit Lernschwierigkeiten zu beleuchten.
5. Konzept der „Leichten Sprache“: Das Kapitel definiert „Leichte Sprache“ als ein Verfahren, um leicht lesbare Dokumente zu erstellen, und beschreibt die Kriterien der Textgestaltung und Inhaltsaufbereitung.
6. Praktische Umsetzung: Dieser Teil widmet sich dem konkreten Prozess der Erstellung leicht lesbarer Dokumente, der Öffentlichkeitsarbeit und den gesetzlichen Regelungen zur Implementierung von „Leichter Sprache“.
7. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse der Arbeit zusammen und bestätigt die These, dass „Leichte Sprache“ ein wichtiges integrierendes Instrument für die Teilhabe behinderter Menschen ist.
Schlüsselwörter
Leichte Sprache, Partizipation, Teilhabe, Barrierefreiheit, Menschen mit Lernschwierigkeiten, Selbstbestimmung, Empowerment, Kommunikation, Inklusion, Lesbarkeit, Verständlichkeit, Schriftspracherwerb, Behindertengleichstellungsgesetz, Lebensqualität.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der vorliegenden Arbeit grundsätzlich?
Die Diplomarbeit befasst sich mit der Situation von Menschen mit Lernschwierigkeiten in Deutschland und untersucht, wie durch das Konzept der „Leichten Sprache“ Barrieren im Informationszugang abgebaut und die gesellschaftliche Partizipation verbessert werden kann.
Welche zentralen Themenfelder behandelt das Werk?
Zentral sind der Begriffswandel bei der Bezeichnung von Behinderung, die rechtlichen Voraussetzungen für Barrierefreiheit, Konzepte der Lebensqualität, die Bedeutung von Kommunikation und die praktische Anwendung der „Leichten Sprache“.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Das Ziel ist aufzuzeigen, wie „Leichte Sprache“ als integrierendes Instrument fungieren kann, um Menschen mit Lernschwierigkeiten eine gleichberechtigte Teilhabe am gesellschaftlichen Leben zu ermöglichen.
Welche wissenschaftlichen Methoden verwendet die Autorin?
Die Arbeit stützt sich auf eine fundierte Literaturrecherche sowie auf qualitative Interviews mit Experten in eigener Sache vom Netzwerk „Mensch zuerst“.
Was steht im inhaltlichen Hauptteil im Fokus?
Der Hauptteil konzentriert sich auf die theoretischen Grundlagen von Partizipation und Kommunikation sowie die systematische Darstellung der Kriterien für „Leichte Sprache“ und deren Umsetzung in die Praxis.
Welche Schlagworte charakterisieren das Dokument?
Leichte Sprache, Partizipation, Barrierefreiheit, Empowerment, Menschen mit Lernschwierigkeiten, Selbstbestimmung und Teilhabe.
Warum lehnt das Netzwerk „Mensch zuerst“ den Begriff „geistige Behinderung“ ab?
Betroffene empfinden diesen Begriff als diskriminierend und stigmatisierend; sie fordern stattdessen die Bezeichnung „Menschen mit Lernschwierigkeiten“, da dies ihre spezifische Lebenslage besser beschreibt.
Welche Rolle spielt das „Design für alle“ für die Barrierefreiheit?
Das Konzept „Design für alle“ (Universal Design) erweitert den Blickwinkel von behindertenspezifischen Sonderlösungen hin zu einer barrierefreien Gestaltung von Umwelt, Produkten und Informationen, die allen Menschen – nicht nur Menschen mit Behinderungen – den Zugang erleichtert.
Inwiefern sind Fachkräfte für die Umsetzung der „Leichten Sprache“ relevant?
Fachkräfte tragen eine entscheidende Verantwortung, da sie Informationen verständlich aufbereiten müssen. Die Arbeit betont, dass Fachkräfte durch Schulungen sensibilisiert werden müssen, um ihre eigene Sprache kritisch zu reflektieren und Macht abzugeben.
- Arbeit zitieren
- Nadine Rüstow (Autor:in), 2009, Partizipation von Menschen mit Lernschwierigkeiten. Die Einführung der „Leichten Sprache“ zur Barrierefreiheit, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/152449