Wie schafft man es, neues Wissen in eine Organisation zu holen? Und wenn das Wissen einmal da ist, gibt es eine Möglichkeit, dieses zu festigen und der Allgemeinheit zur Verfügung zu stellen? Muss man Mitwirkende dazu zwingen, oder kann es sogar zu einem Selbstläufer werden?
Diese und ähnliche Fragen stellen sich Fachleute seit ungefähr 30 Jahren. Zahlreiche Theorien und Thesen fanden insbesondere Mitte der 90er Jahre des letzten Jahrhunderts Einzug in den Diskurs und wurden unter einem gemeinsamen Nenner zusammengefasst, dem sogenannten Wissensmanagement. Die Zielrichtung war klar, nämlich nicht nur die Prozesse zu verstehen, sondern den Wissenstransfer gezielt lenken zu können. Besonders interessant ist das für Unternehmen, doch auch andere Organisationen habe ein Interesse daran, durch gezieltes Bedienen der richtigen Stellschrauben möglichst effektiv zu einem Wissensziel zu gelangen. Als praktisches Beispiel zur besseren Darstellbarkeit wurde in dieser Ausarbeitung die Freiwillige Feuerwehr ausgewählt.
Diese ist dem Verfasser vertraut und eignet sich aufgrund ihrer Struktur sowie der heterogenen Zusammenstellung ihrer Akteure besonders gut zur Veranschaulichung. Zunächst soll jedoch erläutert werden, was Wissensmanagement genau ist. In einem weiteren Schritt werden exemplarisch Modelle des Wissensmanagements kurz vorgestellt sowie eines – das sogenannte SECI Modell – ausführlich behandelt. Der zweite Teil dieser Ausfertigung stellt die Freiwillige Feuerwehr vor und zeigt, ob das SECI Modell auch dort bei der Wissensgenerierung praktisch angewandt werden kann.
Inhaltsverzeichnis
1 Exposé
2 Wissensmanagement
2.1 Was ist Wissensmanagement
2.2 Modellbegriff und Vorstellung exemplarischer Modelle
2.2.1 Bausteinmodell nach Probst, Raub und Romhardt
2.2.2 Wissenstreppe nach North
2.2.3 SECI Modell nach Nonaka und Takeuchi
3 SECI Modell in der Praxis
3.1 Vorstellung der Organisation Freiwillige Feuerwehr NRW
3.2 Übertragung des SECI Modells auf die Feuerwehr
3.2.1 Ontologische Betrachtung
3.2.2 Epistemologische Betrachtung
4 Resümee
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Anwendbarkeit und Funktionsweise des SECI-Modells ("Wissensspirale") von Nonaka und Takeuchi innerhalb einer nicht-kommerziellen Organisation, konkret der Freiwilligen Feuerwehr in Nordrhein-Westfalen. Ziel ist es, zu analysieren, wie individuelles Erfahrungswissen in kollektives Wissen transformiert wird und welche Rolle Hierarchieebenen sowie der Wissensaustausch in diesem Prozess spielen.
- Grundlagen des Wissensmanagements und Definition des „Wissensbegriffs“.
- Vergleich verschiedener Wissensmanagement-Modelle (Bausteinmodell, Wissenstreppe, SECI-Modell).
- Analyse der Wissensgenerierungsprozesse (Sozialisation, Externalisierung, Kombination, Internalisierung) innerhalb der Feuerwehr.
- Betrachtung ontologischer und epistemologischer Ebenen des Wissenstransfers.
- Untersuchung der bidirektionalen Dynamik von Wissenstransfer (top-down und bottom-up) in hierarchischen Strukturen.
Auszug aus dem Buch
3.2 Übertragung des SECI Modells auf die Feuerwehr
Um den Wissensmanagement Prozess anhand des SECI Modells in der Freiwilligen Feuerwehr zu untersuchen ist zunächst ein Grundverständnis über den Wissenserwerb in der Organisation notwendig. Die Feuerwehr ist streng hierarchisch organisiert. Angefangen beim Truppmann/-frau als niedrigster Dienstgrad, welcher auf kommunaler Ebene ausgebildet wird. Die nächsthöhere Ebene und zeitgleich erster Führungsdienstgrad, der Truppführer, erhält seine Ausbildung auf Landkreisebene. Gleiches gilt für funktionale Ausbildungsgänge, etwa die Atemschutz-, Sprechfunker- oder Maschinistenausbildung. Um auf kommunaler und Kreisebene ausbilden zu dürfen, ist mindestens die die Ausbildung zum Gruppenführer sowie eine Ausbilderqualifikation erforderlich. Der Gruppenführer selber sowie alle darauf aufbauenden Schulungen - Zugführer, Verbandsführer sowie Leiter der Feuerwehr und Stabsmitarbeiter - qualifizieren bereits für die Führungsebene und werden wiederum am Institut der Feuerwehr abgehalten, somit also auf Landesebene (vgl. FwDV 2 2012, S. 8-15). Als Überblick ist dies noch einmal in Abbildung 6 dargestellt.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Exposé: Das Kapitel führt in die Problemstellung ein, wie neues Wissen in eine Organisation gelangt und dort dauerhaft als kollektives Gut verankert werden kann, wobei die Freiwillige Feuerwehr als Fallbeispiel gewählt wird.
2 Wissensmanagement: Hier werden theoretische Grundlagen des Wissensmanagements dargelegt und bekannte Modelle wie das Bausteinmodell, die Wissenstreppe und das SECI-Modell vorgestellt.
3 SECI Modell in der Praxis: Dieses Kapitel überträgt die Theorie des SECI-Modells auf die reale Struktur der Freiwilligen Feuerwehr in NRW und analysiert den Wissensfluss auf ontologischer und epistemologischer Ebene.
4 Resümee: Das Fazit bestätigt, dass das SECI-Modell auf die Feuerwehr anwendbar ist und Wissensströme sowohl top-down als auch bottom-up zwischen den Hierarchieebenen fließen.
Schlüsselwörter
Wissensmanagement, SECI-Modell, Freiwillige Feuerwehr, Wissensspirale, implizites Wissen, explizites Wissen, Wissenstransfer, Organisationale Strategien, Kollektive Intelligenz, Erfahrungswissen, Sozialisation, Externalisierung, Kombination, Internalisierung, Wissensgenerierung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der vorliegenden Arbeit?
Die Arbeit analysiert die Funktionsweise des Wissensmanagements, insbesondere des SECI-Modells, anhand des praktischen Beispiels der Freiwilligen Feuerwehr in Nordrhein-Westfalen.
Welche Themenfelder werden zentral behandelt?
Zentrale Themen sind die theoretische Abgrenzung von Wissen und Management, die Vorstellung verschiedener Wissensmodelle sowie die Transformation von individuellem impliziten Wissen in organisationales explizites Wissen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es zu belegen, dass Wissensmanagement kein rein betriebswirtschaftliches, rein mechanisches Konstrukt ist, sondern maßgeblich von menschlicher Interaktion und Freiwilligkeit lebt, wie es im Umfeld der Feuerwehr beispielhaft sichtbar wird.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit nutzt eine Literaturanalyse zur theoretischen Fundierung der Begriffe und Modelle sowie eine transferorientierte Anwendung des SECI-Modells auf die bestehende Hierarchiestruktur der Feuerwehr.
Was bildet den inhaltlichen Schwerpunkt des Hauptteils?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Einführung in das Wissensmanagement und eine darauf aufbauende operative Analyse der Wissensprozesse innerhalb der Löschgruppen und Führungsebenen der Freiwilligen Feuerwehr.
Welche Keywords charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Wissensspirale, Wissensebenen, implizites sowie explizites Wissen und die spezifischen Phasen des SECI-Modells charakterisiert.
Inwiefern beeinflussen die Hierarchien der Feuerwehr den Wissenstransfer?
Die Hierarchien dienen als Rahmen, durch den Wissen von der lokalen kommunalen Ebene bis zur Landesebene (Institut der Feuerwehr) und wieder zurück transportiert wird, wobei sowohl bottom-up als auch top-down Prozesse stattfinden.
Welche Rolle spielt die "Sozialisation" in der Feuerwehr?
Da die Feuerwehr durch regelmäßige gemeinsame Einsätze, Übungen und Veranstaltungen geprägt ist, bietet sie ideale Bedingungen für den ersten Schritt des SECI-Modells: den impliziten Austausch von Erfahrungen zwischen Individuen.
Wie unterscheidet sich das SECI-Modell im Feuerwehralltag von klassischen Ansätzen?
Im Gegensatz zu klassischen, oft rein unternehmenszentrierten Modellen, legt das SECI-Modell in diesem Kontext den Fokus auf die Individuen, das implizite Wissen und das Ausbleiben einer rein mechanischen Ausrichtung auf wirtschaftliche Ziele.
- Arbeit zitieren
- Thorsten Weber (Autor:in), 2022, Die Funktionsweise des SECI-Modells am Beispiel der Freiwilligen Feuerwehr NRW. Was ist Wissensmanagement und welche Modelle gibt es?, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/1523002