Wie wird im Film erzählt? Gibt es eine Stimme, einen Erzähler? Erzählen die Figuren? In dieser Arbeit soll analysiert werden, auf welche Art und Weise im Film erzählt wird und inwiefern sich dies zur Erzählweise im Buch unterscheidet. Dafür wurden zwei Theoretiker herangezogen, die sich mit der Art der Fokalisierung im Buch, als auch mit der Erzähltheorie im Film auseinandergesetzt haben.
Erzähltheorie, Erzählanalyse sind Begriffe, die man mit aufgeschriebenen Erzählungen, Romanen und Texten in Verbindung bringt. Erzählte Geschichten kommen aber auch abseits von Büchern in anderen Medien vor wie der DVD oder im Streaming,
Daher stellt sich die Frage, wie insbesondere der Film erzählt wird.
Grundlage für die Erzählanalyse des WIE im Film im Vergleich zum Buch soll "Pünktchen und Anton" sein, hierfür wurde die 2. Auflage aus dem Jahr 2019 verwendet.
Der Kinderroman von Erich Kästner ist 1931 erschienen und handelt von Luise, die mit ihren wohlhabenden Eltern zusammenlebt. Luises Spitzname ist Pünktchen, nachfolgend wird in dieser Arbeit entweder Pünktchen oder Luise verwendet. Sie hat sich noch nie darum Sorgen gemacht, dass sie genug zu essen bekommt. Ganz anders als ihr Freund Anton, der sich gemeinsam mit seiner Mutter eine kleine Wohnung teilt und jeden Cent umdrehen muss, damit er warme Kleider und abends eine warme Mahlzeit hat. Luise und Anton kümmern sich darum, dass es Anton und seiner Mutter besser geht und sie nicht mehr in Not sind.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Der Fokalisierungsbegriff
2.1 Fokalisierung nach Gérard Genette
2.2 Fokalisierung im Film nach Markus Kuhn
3. Pünktchen und Anton – Szene im Buch
4. Die Szenen im Film
4.1 Wie wird im Film dargestellt?
4.2 Die Szene im Film 1999
4.3 Die Szene im Film 1953
5. Vergleich
5.1 Vergleich zwischen der Buchszene und der Szene im Film 1999
5.2 Vergleich zwischen den beiden Filmszenen 1953 und 1999
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die erzähltheoretische Umsetzung von medialen Adaptionen, indem sie die Fokalisierung von Erich Kästners Roman „Pünktchen und Anton“ mit den filmischen Umsetzungen aus den Jahren 1953 und 1999 vergleicht. Forschungsleitend ist die Frage, wie die Erzählperspektive und Informationssteuerung von der literarischen Vorlage in die filmsprachlichen Mittel der Kameraführung und Inszenierung übersetzt werden.
- Narratologische Analyse der Fokalisierung nach Genette
- Anwendung des filmanalytischen Modells nach Markus Kuhn
- Vergleichende Untersuchung von Literatur und Verfilmung
- Analyse filmischer Einstellungsgrößen und Kameraperspektiven
Auszug aus dem Buch
2.1 Fokalisierung nach Gérard Genette
Um einen Erzähltext zu analysieren, nutzt man die Erzähltextanalyse. Eine bedeutende Person der Erzähltheorie ist der französische Literaturwissenschaftler Gérard Genette. Genette nutzte den neu geprägten Begriff Fokalisierung und grenzte sich damit von seinen Vorgängern ab. Als Vergleichsmaßstab setzt er die Allwissenheit des Autors. Genettes Modell ist von Vorteil für Erzähltextanalysen, da man für die Analyse einzelner Szenen oder Sequenzen keine gesamte Analyse des Werkes braucht.
Gérard Genette unterscheidet drei Fokalisierungstypen. Jeder dieser drei Typen wird definiert über das quantitative Verhältnis zwischen zwei Wahrnehmungspositionen und den ihnen jeweils zugeordneten Wissensmengen: auf der einen Seite das Wissen des Erzählers, auf der anderen Seite das Wissen der erzählten Figur. Die narrative Perspektivierung bezieht sich auf die Darstellung der Charaktere einer erzählten Welt. Zudem erwähnt Genette nicht, dass einzelne Kategorien nicht miteinander kompatibel sind, im Gegenteil.
Die erste Form der Fokalisierung nach Genette ist die Nullfokalisierung. In diesem Typus der Fokalisierung ist der Erzähler allwissend, er weiß mehr als alle anderen Figuren in der Erzählung. Dies wird auch Über- oder Allsicht bezeichnet.
Des Weiteren unterscheidet Genette den Typus der externen Fokalisierung, die sogenannte Außensicht. Man betrachtet hier den Erzähler als jemand, der weniger weiß als die Figur, um die es in der Erzählung geht. Der Erzähler sieht von außen zu, kann über Aktivitäten der Figuren berichten, aber nicht über das, was sie denken und fühlen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in das Thema der Erzähltheorie und die Fragestellung des Vergleichs zwischen dem Kinderrroman und seinen Verfilmungen.
2. Der Fokalisierungsbegriff: Erläuterung der narratologischen Grundlagen nach Gérard Genette und des filmanalytischen Ansatzes von Markus Kuhn.
3. Pünktchen und Anton – Szene im Buch: Analyse der Fokalisierung und Erzählweise innerhalb einer ausgewählten Szene des literarischen Textes.
4. Die Szenen im Film: Untersuchung der filmischen Mittel wie Einstellungsgrößen und Kameraperspektiven zur Darstellung der fokalen Ebene in den Verfilmungen.
5. Vergleich: Gegenüberstellung der literarischen Vorlage und der Filme sowie ein direkter Vergleich der filmischen Umsetzungen von 1953 und 1999.
6. Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Unterschiede und Gemeinsamkeiten in der narrativen Gestaltung der untersuchten Medien.
Schlüsselwörter
Erzähltheorie, Fokalisierung, Nullfokalisierung, Externe Fokalisierung, Interne Fokalisierung, Erich Kästner, Pünktchen und Anton, Filmanalyse, Okularisation, Aurikularisation, Kameraperspektive, Erzähltextanalyse, Mediale Adaption, Literaturverfilmung, Narratologie
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der erzähltheoretischen Analyse von Romanen und deren filmischer Umsetzung anhand des Beispiels „Pünktchen und Anton“.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder sind die narratologische Fokalisierung (nach Genette), die filmwissenschaftliche Analyse (nach Kuhn) und der medienübergreifende Vergleich.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, herauszuarbeiten, wie Informationen und Wahrnehmungsperspektiven sowohl in Texten als auch in Filmen gesteuert werden und wie sich dies im Vergleich unterscheidet.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Es werden die Erzähltextanalyse zur Untersuchung des Buchtextes sowie die filmanalytische Methode zur Betrachtung von Perspektiven und Kameraführung angewendet.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden sowohl theoretische Definitionen von Fokalisierung als auch konkrete Szenenanalysen aus dem Buch und den Filmen von 1953 und 1999 durchgeführt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind insbesondere Fokalisierung, Okularisation, Narratologie, Filmanalyse und die Untersuchung der Adaption von Literatur in das Bewegtbild.
Warum wird gerade der Roman „Pünktchen und Anton“ für diese Analyse gewählt?
Als zeitloser Kinderbuchklassiker mit zwei sehr unterschiedlichen Verfilmungen bietet er eine ideale Grundlage, um die Entwicklung der medialen Erzählweisen über Jahrzehnte hinweg zu vergleichen.
Wie unterscheidet sich die Fokalisierung im Roman von der im Film?
Während der Roman stark auf Dialogen basiert und eine vom Erzähler gesteuerte Wahrnehmung nutzt, greift der Film auf visuelle Mittel wie Einstellungsgrößen und Kamerabewegungen zurück, um die Fokalisierung zu visualisieren.
Welchen Stellenwert nimmt die Kameraführung ein?
Die Kameraführung ist entscheidend, da sie im Film die Rolle des Erzählers übernimmt, indem sie bestimmt, was der Zuschauer aus welcher Perspektive wahrnehmen kann.
Welches Fazit zieht der Autor in Bezug auf die Medien?
Der Autor stellt fest, dass beide Medien, Text und Film, eigene spezifische Werkzeuge nutzen, um den Rezipienten in die Geschichte eintauchen zu lassen, wobei das Erlebnis der Fokalisierung im Film oft durch visuelle Nähe (wie „close-ups“) verstärkt wird.
- Arbeit zitieren
- Anonym (Autor:in), 2024, Erzählweisen im Vergleich. Fokalisierung in Erich Kästners "Pünktchen und Anton" und dessen Filmadaptionen, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/1522772