Wir leben in einer Gesellschaft, die durch eine sehr große Medienvielfalt geprägt ist. Das Buch zählt dabei zu den wichtigsten Medien und ist im privaten als auch im beruflichen Alltag fest integriert. Es ist daher unumstritten, dass die Kompetenz Bücher zu lesen eine wichtige Rolle im Privat- und Berufsleben einnimmt.
Im Rahmen meines Studiums für das Lehramt an berufsbildenden Schulen habe ich die Vorlesung „Einführung in die literarische und Lesesozialisationsforschung“, sowie das begleitende Tutorium besucht. Beide Veranstaltungen beschäftigten sich mit der Frage, wie aus Kindern und Jugendlichen Leserinnen und Leser werden.
Im Hinblick auf meinen zukünftigen Beruf als Deutschlehrer, ist es von großer Bedeutung mich mit meiner eigenen Lesegeschichte auseinander zu setzen. Es ermöglicht mir ein Bewusstsein dafür zu entwickeln, welche Weichen für eine erfolgreiche Lesekarriere gestellt werden müssen. Mit dem Wissen über die Abläufe der Lesesozialisation, wird es mir im Berufsleben möglich sein, mich besser in meine Schüler hineinzuversetzen, um sie entsprechend fördern zu können.
In der folgenden wissenschaftlichen Ausarbeitung beschäftige ich mich mit dem Verlauf meiner persönlichen Lesesozialisation. Obwohl es sich um meine eigene Leseautobiografie handelt, werde ich die Analyse in der 3. Person schreiben. Ich glaube so eine größere Distanz zu meiner eigenen Lesegeschichte schaffen zu können.
In meiner Arbeit werde ich mich vorrangig auf die Studien von Werner Graf und Bettina Hurrelmann et al. beziehen. Dabei gehe ich davon aus, dass Torben nach Werner Grafs Studie der Kategorie der „Nicht- bzw. Wenigleser“ zuzuordnen ist. Desweiteren ordne ich ihn nach Bettina Hurrelmann et al. als „unerwarteten Wenig-Leser“ ein. Diese These soll in der folgenden Arbeit anhand der oben angeführten Theorien überprüft werden.
Zunächst möchte ich die beiden verwendeten Studien vorstellen. Daraufhin werde ich den familiären Hintergrund genauer betrachten und die Familie sozialogisch einordnen. Im Anschluss werde ich die Lektüreautobiografie Torbens analysieren. Seine Lesegeschichte werde ich dabei in vier Abschnitte unterteilen, beginnend mit der Vorschulzeit und endend mit seinem heutigen Leseverhalten.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Vorstellung der verwendeten Studien
2.1. Kurzvorstellung der Studie von Werner Graf
2.2. Kurzvorstellung der Studie von Bettina Hurrelmann
3. Familiärer Hintergrund und soziologische Einordnung der Familie
4. Phasen der literarischen Sozialisation
4.1. Vorschulalter und die primäre literarische Initiation
4.2. Alphabetisierung und erste eigene Kinderlektüre
4.3. Lesen in der Pubertät und in der Adoleszenz
4.4. Leseverhalten im Erwachsenenalter
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Das Hauptziel dieser wissenschaftlichen Arbeit besteht in der Analyse der persönlichen Lesesozialisation des Autors Torben Schneider. Anhand der theoretischen Konzepte von Werner Graf und Bettina Hurrelmann wird untersucht, warum sich der Autor nicht zum regelmäßigen Leser von Büchern entwickelt hat und welche Faktoren innerhalb seiner Familie, Schule und Persönlichkeit diese Entwicklung maßgeblich beeinflusst haben.
- Analyse der Lesesozialisation unter Anwendung fachwissenschaftlicher Theorien
- Untersuchung des familiären Einflusses auf das Leseverhalten
- Reflexion der schulischen Instanz und ihrer Wirkung auf die Lesemotivation
- Typisierung des Leseverhaltens nach den Modellen von Graf und Hurrelmann
- Vergleich der individuellen Leseautobiografie mit repräsentativen Studienergebnissen
Auszug aus dem Buch
4.1. Vorschulalter und die primäre literarische Initiation
Torben schreibt in seiner Leseautobiografie, dass ihm und seinem Bruder fast täglich abends von seiner Mutter vorgelesen wird. Aus dem Interview mit seiner Mutter geht hervor, dass sie Torben ab etwa 2 ½ Jahren regelmäßig vor dem Schlafengehen vorliest.
Wie bereits in der Vorstellung der Studie „Fiktionales Lesen und Lebensgeschichte“ von Werner Graf erwähnt, geht dieser davon aus, dass Kinder durch eine „primäre literarische Initiation“ zum Lesen angeregt werden. Diese Initiation erfolgt häufig unter anderem durch das Vorlesen in der Familie, wie es auch bei Torben der Fall ist.
Auffallend ist, dass nur die Mutter für das Vorlesen in der Familie zuständig ist. Sie besitzt in dieser Phase der Leseentwicklung eine besonders wichtige Rolle. Die Mutter erweist sich laut Graf als „die Zentralfigur der frühen literarischen Sozialisation“, denn bereits vor Beginn der Lesekarriere kann das Kind durch das Vorlesen viele Leseanregungen bekommen und die Neugier auf Bücher geweckt werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Thematik der literarischen Sozialisation ein und formuliert die Forschungsfrage bezüglich der eigenen Leseentwicklung.
2. Vorstellung der verwendeten Studien: Hier werden die zentralen Theorien von Werner Graf und Bettina Hurrelmann dargelegt, die als analytisches Fundament für die Leseautobiografie dienen.
3. Familiärer Hintergrund und soziologische Einordnung der Familie: Dieses Kapitel beleuchtet das häusliche Umfeld, den Medienbesitz und die Kommunikationsmuster der Familie Schneider als Einflussfaktoren auf das Leseverhalten.
4. Phasen der literarischen Sozialisation: In vier Unterkapiteln wird der chronologische Verlauf der Lesegeschichte von der Vorschulzeit bis zum Erwachsenenalter detailliert analysiert.
5. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen, bestätigt die in der Einleitung aufgestellte These und reflektiert die Bedeutung der Erkenntnisse für den angehenden Lehrerberuf.
Schlüsselwörter
Lesesozialisation, Leseautobiografie, Leseverhalten, Leseförderung, Familie, Schule, Mediennutzung, Literatur, Lesekrise, Lesemotivation, Lesetyp, Lesekompetenz, Vorlesen, Sozialisationsinstanzen, Biografieforschung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit primär?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der individuellen Lesesozialisation von Torben Schneider im Vergleich zu bestehenden wissenschaftlichen Theorien.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die Arbeit fokussiert sich auf die Rolle der Familie und Schule, das Mediennutzungsverhalten sowie die psychologischen Aspekte der Lesemotivation in verschiedenen Entwicklungsphasen.
Welches wissenschaftliche Ziel verfolgt der Autor?
Das Ziel ist die kritische Auseinandersetzung mit der eigenen Lesehistorie, um als angehender Deutschlehrer ein besseres Verständnis für die Leseförderung von Schülern zu entwickeln.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden angewendet?
Es handelt sich um eine Fallstudie, in der theoretische Modelle der literarischen Sozialisation (insbesondere Graf und Hurrelmann) auf ein empirisches Dokument – die eigene Leseautobiografie und begleitende Interviews – angewendet werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Kindheit, die Schulzeit, die Pubertät und das Erwachsenenalter des Probanden im Hinblick auf seine Entwicklung zum Leser.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren das Dokument?
Wichtige Begriffe sind Lesesozialisation, Familie, Leseförderung, Lesemotivation, Leseautobiografie und Sozialisationsinstanzen.
Warum wird der Autor in den Studien als "unerwarteter Wenig-Leser" eingestuft?
Trotz eines medienorientierten Umfelds und einer hohen allgemeinen Mediennutzung führt die interaktionsarme Familienstruktur und eine mangelnde Lesefreude dazu, dass er sich nicht zu einem begeisterten Bücherleser entwickelt hat.
Welche Rolle spielt der Deutschunterricht für den Autor?
Der Unterricht wird zweigeteilt wahrgenommen: Einerseits löste das verpflichtende Lesen oft Angst und Ablehnung aus, andererseits wurden lebendige Unterrichtsformen und Rollenspiele positiv erinnert.
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- Torben Schneider (Author), 2009, Wissenschaftliche Ausarbeitung zur eigenen Lektüreautobiografie, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/151779