Wie zeigt sich das Subsidiaritätsprinzip in der Sozialen Arbeit und welchen Vorteil hat dies für die Betroffenen von sozialen Dienstleistungen?
Zu Beginn der Hausarbeit soll mit einer Begriffserklärung ein gemeinsamer Kenntnisstand erlangt werden. Erklärt werden die Begriffe: Sozialstaatsprinzip und Subsidiaritätsprinzip. Um dieses Prinzip besser zu verstehen, wird dies anhand der Sozialen Arbeit mit dem Schwerpunkt Kinder- und Jugendhilfe genauer erläutert. Im letzten Punkt wird auf die Vor- und Nachteile des Subsidiaritätsprinzips eingegangen.
Die Arbeit endet mit einem Fazit.
Subsidiarität wird immer wieder in den unterschiedlichsten Zusammenhängen gelesen. Dieses Prinzip zeigte sich in Deutschland schon im 19. Jahrhundert als eine Reaktion auf die Soziale Frage. Durch die Verkündung von Papst Leo XIII gab es ein „revolutionäres Sozialenzyklika“ (Serup-Bilefeldt, 2016). Mit dem Rerum Novarum wendete sich der Papst gegen die Unterdrückung der Arbeiterschaft und gegen den Sozialismus. Prof. Dr. Stein machte deutlich, dass die gesellschaftliche Einheit dann aktiv wird, sobald eine Krise eintritt und dann eine Daseinsfürsorge benötigt wird. (Stein, 2009)
Der Papst wählte den Weg, der die Kriterien des Liberalismus sowie des Sozialismus miteinander vereint. Nicht nur die Garantie des Privateigentums, sondern auch die Pflichten des Landes, gesetzlich die Interessen der Betroffenen zu schützen, kommt in dieser Angelegenheit Anerkennung.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Begriffsdefinition
2.1 Sozialstaatsprinzip
2.2 Subsidiaritätsprinzip
3. Soziale Arbeit als Dienstleistung mit dem Schwerpunkt Kinder- und Jugendhilfe
4. Vor- und Nachteile des Subsidiaritätsprinzips
5. Fazit
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht die Bedeutung und praktische Anwendung des Subsidiaritätsprinzips aus der Perspektive der Produzenten von sozialen Dienstleistungen. Dabei wird insbesondere auf den Bereich der Kinder- und Jugendhilfe fokussiert, um die Auswirkungen dieses Ordnungsprinzips auf die Qualität der Versorgung, die Rollenverteilung zwischen öffentlichen und freien Trägern sowie den Nutzen für die Betroffenen zu analysieren.
- Historische Herleitung und konzeptionelle Grundlagen des Subsidiaritätsprinzips
- Vergleichende Analyse des Sozialstaats- und Subsidiaritätsprinzips
- Charakteristiken Sozialer Arbeit als immaterielle Dienstleistung
- Rollenverständnis und Verantwortungsbereiche öffentlicher sowie freier Träger
- Kritische Bewertung der Vor- und Nachteile innerhalb von Hilfesystemen
Auszug aus dem Buch
4. Vor- und Nachteile des Subsidiaritätsprinzips
Das Subsidiaritätsprinzip beschreibt die Vorrangigkeit von kleinen Einheiten. Die freien Träger hat mit dem Subsidiaritätsprinzip enorme Vorteile. Sie haben eine bestimmte Sonderposition, da die öffentlichen Träger nur dann eingreifen, wenn es für die freien Träger keine ausreichenden Angebote sowie Institutionen gibt (SGB VIII §4 Abs. 2). Hinzukommend müssen die öffentlichen Träger die freien Träger bei ihren Aufgaben unterstützend zur Seite stehen (SGB VIII §4 Abs. 3). „Solange die freien Träger ihre Aufgaben angemessen erfüllen, werden sie von staatlichen Übergriffen geschützt und ihre Eigenständigkeit geachtet“ (Griep, von Kries,2017, S.5).
„Die Förderungen sind allerdings abhängig davon, ob die freien Träger ihre Angebote nach den vorgegebenen Grundsätzen gestalten, was sie wiederum in ihrer Eigenständigkeit einschränken könnte“ (§9 und § 80 Abs. 2 SGB VIII). Sollte in einer Kommune ein Bedarf an neuen Kindergartenplätzen entstehen, sollte als erstes überprüft werden, ob die freien Träger eine Erweiterung durch bereits bestehende Institutionen schaffen kann. Bei Hilfe muss der Staat dem Träger unterstützend zur Seite stehen.
„Durch das Subsidiaritätsprinzip wird außerdem ein Fortbestehen der Freien Wohlfahrtspflege gesichert und ein Übermaß an öffentlichen Angeboten verhindert, da die Erbringung der Leistungen nicht automatisch in die Hand des Staates gehen“ (Griep & von Kries, 2017, S.5 und S.16).
Insbesondere für Religiöse Institutionen spielt das Subsidiaritätsprinzip eine wichtige Rolle, dies ist auch ein klarer Vorteil, denn nur deswegen haben solche Einrichtungen die Möglichkeit zu existieren. Die Gesamt- und Planungsverantwortung liegt dabei grundlegend in der Kinder- und Jugendhilfe. Die öffentlichen Träger sind somit für „das Vorhandensein von Dienstleistungen und Einrichtungen verantwortlich“ (§79 SGB VIII). Dies ist ein klarer Vorteil für die freien Träger, da diese nicht dazu angewiesen sind Leistungen anzubieten dennoch könnten sie Vorrang haben, dies bringt allerdings Nachteile für die öffentlichen Träger. „Dieser muss zudem, bevor er Maßnahmen ergreifen kann, prüfen, ob es nicht Möglichkeiten gibt den Bedarf auf der Ebene der Freien Träger zu decken“ (Kempen, 2016, S. 12). Laut SGB VIII §80 Abs. 4 heißt es, dass die freien Träger überall mit eingeplant sowie mit einbezogen werden sollten.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die historische Entwicklung des Subsidiaritätsprinzips und führt in die zentrale Fragestellung zur Relevanz des Prinzips für Betroffene in der Sozialen Arbeit ein.
2. Begriffsdefinition: In diesem Kapitel werden das Sozialstaatsprinzip sowie das Subsidiaritätsprinzip theoretisch erläutert und in den Kontext der katholischen Soziallehre eingeordnet.
3. Soziale Arbeit als Dienstleistung mit dem Schwerpunkt Kinder- und Jugendhilfe: Das Kapitel differenziert Soziale Arbeit als immaterielle Dienstleistung und erläutert die Strukturen von öffentlichen und freien Trägern.
4. Vor- und Nachteile des Subsidiaritätsprinzips: Hier werden die Chancen und Risiken des Prinzips, insbesondere für die Eigenständigkeit von Trägern und die staatliche Planungsverantwortung, kritisch diskutiert.
5. Fazit: Das Fazit stellt zusammenfassend fest, dass das Subsidiaritätsprinzip trotz potenzieller Nachteile wesentliche Vorteile in der Unterstützung Bedürftiger bietet und die Vielfalt der Trägerlandschaft sichert.
Schlüsselwörter
Subsidiaritätsprinzip, Soziale Arbeit, Kinder- und Jugendhilfe, Sozialstaatsprinzip, Freie Träger, Öffentliche Träger, SGB VIII, Wohlfahrtsstaat, Dienstleistung, Eigenverantwortung, Hilfe zur Selbsthilfe, Gemeinnützigkeit, Solidarität, Sozialfürsorge, Trägerlandschaft
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der vorliegenden Hausarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt das Subsidiaritätsprinzip und dessen Anwendung und Bedeutung im Bereich der Sozialen Arbeit, insbesondere innerhalb der Kinder- und Jugendhilfe.
Was sind die zentralen Themenfelder dieser Arbeit?
Die zentralen Themen umfassen die rechtlichen und theoretischen Grundlagen des Sozialstaats- und Subsidiaritätsprinzips, die Rolle der freien und öffentlichen Träger sowie deren Interaktion.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Untersuchung?
Die Arbeit fokussiert auf die Frage, wie sich das Subsidiaritätsprinzip in der Sozialen Arbeit darstellt und welche spezifischen Vorteile dies für die Betroffenen von Dienstleistungen bietet.
Welche wissenschaftliche Methode wurde für die Ausarbeitung verwendet?
Die Ausarbeitung basiert auf einer fundierten Literaturanalyse unter Einbeziehung von Fachliteratur, Gesetzestexten (SGB VIII, GG) und ergänzenden Quellen aus dem Bildungsmodul.
Was wird im Hauptteil der Arbeit primär behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Begriffsklärung, die Charakterisierung Sozialer Arbeit als Dienstleistungssektor sowie eine detaillierte Abwägung der Vor- und Nachteile des Subsidiaritätsprinzips.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren das vorliegende Werk am besten?
Besonders prägend sind die Begriffe Subsidiaritätsprinzip, Soziale Arbeit, Kinder- und Jugendhilfe, freie/öffentliche Träger sowie Eigenverantwortung und Solidarität.
Wie unterscheidet die Arbeit zwischen verschiedenen Trägerarten in der Kinder- und Jugendhilfe?
Die Arbeit unterscheidet zwischen öffentlichen Trägern, die gesetzliche Pflichtaufgaben wahrnehmen und steuern, und freien Trägern, die in eigener Verantwortung tätig sind, jedoch eng in die Planung einbezogen werden.
Welche Schlussfolgerung zieht die Autorin bezüglich der staatlichen Ausschreibungen?
Die Autorin weist darauf hin, dass staatliche Ausschreibungen zur Qualitätssicherung ein zweischneidiges Schwert sein können, da der Fokus auf günstigen Angeboten die Qualität gefährden kann.
- Quote paper
- Isabelle Giesel (Author), 2023, Das Subsidiaritätsprinzip in der Sozialen Arbeit. Produzent:innenperspektive und Auswirkungen auf die Kinder- und Jugendhilfe, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/1502777