„Wenn wir unsere Partner auch weiter dazu bewegen wollen, ehrgeizige Ziele für die erneuerbaren Energien festzulegen, müssen wir beweisen, dass wir unsere eigenen Ziele erreichen werden, und sollten vor unserer eigenen Tür kehren.“
(Loyola de Palacio, ehemalige Vizepräsidentin der EU-Kommission von 1999 bis 2004, Zuständigkeitsbereich Verkehr und Energie, auf der Ratstagung „Energie“ am 14.05.2003, EU 2003a: 2)
Mit der Richtlinie vom 27. September 2001 (EU 2001a, 2001/77/EG) hat die Europäische Union erstmals einen Rahmen zur Förderung der Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien (EE) verabschiedet. Die EE-Stromrichtlinie ist somit die maßgebliche legislative Grundlage zur Förderung erneuerbarer Energiequellen auf der europäischen Ebene, mit entsprechenden Rückwirkungen auf die nationale Ebene.
In der Richtlinie werden die Mitgliedstaaten dazu aufgefordert, Maßnahmen zu ergreifen, um die Stromgewinnung auf Basis der erneuerbaren Energiequellen am gesamten Bruttostromverbrauch der EU15 von 13,9 Prozent im Jahr 1997 auf 22,1 Prozent bis 2010 zu steigern. Ein wichtiger Ausgangspunkt für die Umsetzung der EE-Stromrichtlinie war die Zustimmung der Europäischen Union zum Kyoto-Protokoll im Jahr 1997. In diesem Rahmen ging sie die
Verpflichtung ein, ihre jährlichen Treibhausgasemissionen bis 2010 um 8 Prozent zu senken und bis zum Jahr 2010 bei den erneuerbaren Energien einen Anteil von 12 Prozent am
Primärenergieverbrauch zu erreichen.
Die Richtlinie beinhaltet unterschiedliche nationale Referenzwerte für die Regenerativstromerzeugung in allen EU-Mitgliedstaaten. Nach der EU-Erweiterung in den Jahren 2004 und 2007 wurden für die Beitrittstaaten ebenso nationale Richtziele festgeschrieben. Nach der Ergänzung der EE-Stromrichtlinie um die nationalen Richtziele der Beitrittsländer beträgt das Gesamtausbauziel der EU27 beim Regenerativstrom 21 Prozent bis zum Jahr 2020. Für die Zeit nach 2010 wird ein weiterer Ausbau der erneuerbaren Energien
zur Stromerzeugung angestrebt. Dies wird am Beschluss des Rates der Europäischen Union im März 2007 deutlich. Darin wird ein verbindliches Ziel in Höhe von 20 Prozent als Anteil der erneuerbaren Energien am Gesamtenergieverbrauch der EU bis 2020 festgeschrieben (Rat der Europäischen Union 2007: 21).
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Aufbau der Arbeit
2. Förderung regenerativer Stromerzeugung in der Europäischen Union
2.1 Entwicklung der Förderung erneuerbarer Energien in der EU
2.2 EU-Richtlinie zur Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien
3. Modellüberblick verschiedener Förderinstrumente
3.1 Klassifizierung verschiedener Förderinstrumente
3.2 Einspeisevergütungsmodell
3.2.1 Funktionsweise der Einspeisevergütung
3.2.2 Ausgestaltungsmöglichkeiten der Einspeisevergütung
3.2.3 Zusammenfassung
3.3 Quotenmodell mit Zertifikatshandel
3.3.1 Funktionsweise eines Quotenmodells
3.3.2 Zertifizierung im Quotenmodell
3.3.3 Ausgestaltungsmöglichkeiten eines Quotenmodells mit Zertifikatshandel
3.3.4 Zusammenfassung
4. Kriterien für die Bewertung von Förderpolitiken und -instrumenten
4.1 Effizienz, Effektivität und Wirkungen im EU-Binnenmarkt
4.2 Nationale Richtziele
4.3 Förderregelungen und Berichtspflicht
4.4 Verwaltungsverfahren
4.5 Netzanschluss
4.6 Herkunftsgarantie für Strom
5. Förderinstrumentarien
5.1 Institutionelle Ausgestaltung der EE-Förderung zur Stromerzeugung in Deutschland
5.1.1 Das Stromeinspeisegesetz (StrEG)
5.1.2 Das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG)
5.1.3 Novellierung des EEG
5.1.4 Funktionsweise des EEG
5.1.5 Vergütung nach dem EEG
5.2 Institutionelle Ausgestaltung der EE-Förderung zur Stromerzeugung in Großbritannien
5.2.1 Die Non-Fossil-Fuel-Obligation (NFFO; SRO; NI NFFO)
5.2.2 Funktionsweise des NFFO-Systems
5.2.3 Die Renewables Obligation (RO; ROS; NIRO)
5.2.4 Funktionsweise der Renewables Obligation (RO) mit Zertifikatshandel (ROCs)
5.2.5 Vergütung nach der Renewables Obligation
5.2.6 Einführung von Technologiebändern und Reformansätze
6. Evaluierung und Vergleich der Förderinstrumentarien
6.1 Zielsetzungen und Förderinstrumente im europäischen Überblick
6.2 Verwaltungstechnische und netzspezifische Hemmnisse in den Mitgliedstaaten
6.3 Kriterienüberprüfung
6.3.1 Effizienz
6.3.2 Effektivität
6.3.3 Wirkungen im EU-Binnenmarkt
7. Schlussfolgerungen
Zielsetzung & Themen
Das primäre Ziel dieser Arbeit ist der Vergleich der beiden in der Europäischen Union am weitesten verbreiteten Fördersysteme für erneuerbare Energien, um zu ermitteln, welches nationale Fördermodell zu den besten Ergebnissen ("best practice") bei der regenerativen Stromerzeugung führt.
- Vergleich der Fördersysteme Einspeisevergütung (Deutschland) und Quotenmodell mit Zertifikatshandel (Großbritannien)
- Analyse der EU-Richtlinie 2001/77/EG als Rahmenbedingung für nationale Förderpolitiken
- Bewertung der Instrumente anhand der Kriterien Effizienz, Effektivität und Wirkungen im EU-Binnenmarkt
- Untersuchung der nationalen Ausgestaltungen und ihrer Auswirkungen auf den Ausbau erneuerbarer Energien
- Diskussion über eine mögliche Harmonisierung der Förderpolitik auf EU-Ebene
Auszug aus dem Buch
3.2.1 Funktionsweise der Einspeisevergütung
Das Einspeisevergütungsmodell wird auch synonym für das Festpreismodell verwendet. Einspeisevergütungssysteme haben zwei grundlegende Kriterien: die Abnahmeverpflichtung und die Vergütungsverpflichtung. Die Abgabeverpflichtung beinhaltet die Garantie, dass den Produzenten erneuerbarer Energien die von ihnen erzeugte Strommenge vom lokalen Energieversorgungsunternehmen (EVU) oder dem Netzbetreiber abgenommen wird. Das zweite Kriterium besagt, dass dem Produzenten ein Abnahmepreis garantiert wird (Bliem 2000: 52). Somit muss der Regenerativstromerzeuger selbst keine Verhandlungen mit Energieversorgungsunternehmen führen (Körner 2005: 229). In der Regel liegen die Gestehungskosten von Strom aus erneuerbaren Energien (EE) allerdings über dem Marktpreis für konventionelle Energiegewinnung. Deshalb wird die Vergütung höher liegen als der durchschnittliche Marktpreis von Strom (Schweighofer et al. 2006: 24).
Der Modellmechanismus kann anhand von Abbildung 1 nachvollzogen werden. Ein vorgegebener höherer Preis für RE-Strom kann keine zielgenaue Menge garantieren.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Vorstellung des Problems der Förderung erneuerbarer Energien im europäischen Kontext und Definition der zentralen Forschungsfrage.
2. Förderung regenerativer Stromerzeugung in der Europäischen Union: Darstellung der historischen Entwicklung und der energiepolitischen Rahmenbedingungen der EU.
3. Modellüberblick verschiedener Förderinstrumente: Theoretische Klassifizierung und Funktionsweise der Einspeisevergütung sowie des Quotenmodells mit Zertifikatshandel.
4. Kriterien für die Bewertung von Förderpolitiken und -instrumenten: Erarbeitung eines Kriterienkatalogs zur systematischen Bewertung, basierend auf EU-Richtlinien.
5. Förderinstrumentarien: Detaillierte Analyse der institutionellen Ausgestaltung in Deutschland und Großbritannien als Fallbeispiele.
6. Evaluierung und Vergleich der Förderinstrumentarien: Anwendung der Bewertung auf die Praxis und Vergleich der Effizienz und Effektivität der beiden Systeme.
7. Schlussfolgerungen: Synthese der Ergebnisse und Diskussion möglicher Anknüpfungspunkte für zukünftige politische Strategien auf EU-Ebene.
Schlüsselwörter
Erneuerbare Energien, Einspeisevergütung, Quotenmodell, Zertifikatshandel, EU-Richtlinie, Stromerzeugung, Deutschland, Großbritannien, Effizienz, Effektivität, Netzanschluss, Technologieförderung, Klimaschutz, Regenerativstrom, Energiepolitik
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht und vergleicht die zwei in der EU am häufigsten eingesetzten Fördersysteme für erneuerbare Energien: die Einspeisevergütung und das Quotenmodell mit Zertifikatshandel.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Ausgestaltung nationaler Fördersysteme, die europäische Energiepolitik, ökologische und ökonomische Bewertungskriterien sowie der Vergleich der Erfahrungen in Deutschland und Großbritannien.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es zu klären, welches nationale Fördersystem zu den besten Ergebnissen ("best practice") bei der regenerativen Stromerzeugung führt, um daraus Empfehlungen für eine zukünftige EU-weite Harmonisierung abzuleiten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine vergleichende Analyse, die auf einer theoretischen Modellbetrachtung sowie der Evaluierung der praktischen Erfahrungen anhand von zwei Fallbeispielen basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Modellübersicht, die Festlegung von Bewertungskriterien, die detaillierte Darstellung der nationalen Umsetzung in Deutschland und Großbritannien sowie eine vergleichende Evaluierung der Ergebnisse.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Einspeisevergütung, Quotenmodell, Zertifikatshandel, Erneuerbare Energien, EU-Richtlinie, Effizienz und Effektivität charakterisieren.
Warum wurden Deutschland und Großbritannien als Fallbeispiele gewählt?
Diese Auswahl ist ideal, da Deutschland das Einspeisevergütungssystem anwendet, während in Großbritannien das Quotenmodell mit Zertifikatshandel als zentrales Instrument eingesetzt wird.
Welche Rolle spielt die EU-Richtlinie 2001/77/EG?
Sie bildet die maßgebliche legislative Grundlage für die Förderung erneuerbarer Energien in der EU und liefert die Basis für den Bewertungsschema der Arbeit.
- Quote paper
- Ulf Roßegger (Author), 2008, Die Förderung erneuerbarer Energien in der Europäischen Union, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/148268