Die Arbeit versucht die Problematik des historischen Begriffs „aufgeklärter Absolutismus“ näher zu erläutern. Es stellt sich die Frage, inwiefern der Begriff des „aufgeklärten Absolutismus“ historisches Nutzungspotenzial aufweist. Hierfür werden verschiedene Perspektiven und Positionen um den Begriff nähergebracht und im zweiten Schritt für ein Verständnis des Begriffs argumentiert. Die ausgeführten Positionen sollen exemplarisch die Tiefe der Debatte und die Breite der Meinungen um den Begriff demonstrieren.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Der Begriff des „aufgeklärten Absolutismus“
2.1 Die Aufklärung als Instrument des Absolutismus
2.2 Zweckbündnis absoluter Herrschaft und aufklärerischen Ideen
3. Das historische Nutzungspotenzial des aufgeklärten Absolutismus
4. Schlussbetrachtungen
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die wissenschaftliche Debatte um den historischen Begriff des „aufgeklärten Absolutismus“. Das Ziel ist es, die Problematik der Begriffsbestimmung zu erläutern und zu analysieren, inwiefern der Terminus ein valides historisches Nutzungspotenzial besitzt, um die komplexe Epoche zwischen dem Siebenjährigen Krieg und dem Ersten Koalitionskrieg zu charakterisieren.
- Historische Herleitung und Begriffsgenese des „aufgeklärten Absolutismus“
- Die Aufklärung als Instrument zur Machtausdehnung absoluter Monarchen
- Die These eines Zweckbündnisses zwischen Herrschaft und aufklärerischen Ideen
- Methodische Reflexion über die Angemessenheit historiographischer Epochenbegriffe
- Abgrenzung zum reinen Machtabsolutismus und Reformabsolutismus
Auszug aus dem Buch
2. Der Begriff des „aufgeklärten Absolutismus“
Die Ursprünge des Begriffs „aufgeklärter Absolutismus“ sind in der physiokratischen Literatur des 18. Jahrhunderts zu suchen. Die Physiokraten vertraten die Ansicht, dass ein unumschränkter Fürst am besten dazu geeignet ist die Ideale des Physiokratismus umzusetzen. Dies wird als „despotisme éclaire“ bezeichnet, wobei „éclaire“ keine Nähe zu den Ideen der Aufklärung ausdrücken muss. Nach Sellin wird hiermit nur eine „besonders denkwürdige Ausprägung des legitimen Monarchen“ beschrieben. Darüber hinaus schätzt man grundsätzlich den Einfluss des „despostisme éclaire“ auf den Begriff und das Konzept des „aufgeklärten Absolutismus“ sehr gering ein. Vielmehr ist die Einführung des Begriffs dem deutschen Nationalökonom Wilhelm Roscher anzurechnen. Bei Roscher taucht der Begriff 1847 als Forschungsterminus erstmals auf und steht für die letzte und machtvollkommenste von drei Stufen des Absolutismus. In dieser Stufe instrumentalisierten die Monarchen und Fürsten die Ideen der Aufklärungsphilosophie, um ihre Macht stetig auszubauen. Meyer charakterisiert die Konzeption Roschers vom aufgeklärten Absolutismus als ein „Vorgang des komplexen Machtausbaus, dem die Aufklärung als herrschaftsstabilisierende Ideologie diente.“ Dieser Auffassung des aufgeklärten Absolutismus als „eine entschiedene Steigerung monarchischer Macht“ durch die Vereinnahmung der Aufklärung haben sich viele im Grundtenor angeschlossen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung diskutiert die Notwendigkeit historischer Periodisierung und führt in die wissenschaftliche Kontroverse um den Begriff des aufgeklärten Absolutismus ein.
2. Der Begriff des „aufgeklärten Absolutismus“: Dieses Kapitel zeichnet die Entstehung des Begriffs von der physiokratischen Literatur bis zu Wilhelm Roscher nach und hinterfragt die Instrumentalisierung der Aufklärung.
2.1 Die Aufklärung als Instrument des Absolutismus: Hier wird analysiert, wie Monarchen aufklärerische Ideale nutzten, um ihre Macht auf einer neuen Legitimationsbasis, dem Gesellschaftsvertrag, zu zementieren.
2.2 Zweckbündnis absoluter Herrschaft und aufklärerischen Ideen: Dieser Abschnitt thematisiert die Gegenposition, die eine Symbiose und ein gegenseitiges Zweckbündnis zwischen Aufklärern und Monarchen postuliert.
3. Das historische Nutzungspotenzial des aufgeklärten Absolutismus: Das Kapitel reflektiert kritisch die retrospektive Sichtweise der Forschung und bewertet die Eignung des Begriffs zur Kennzeichnung der Epoche.
4. Schlussbetrachtungen: Das Fazit fasst zusammen, dass der aufgeklärte Absolutismus trotz historiographischer Debatten ein sinnvoller Begriffsrahmen für das Verständnis der Staatsbildung im 18. Jahrhundert bleibt.
Schlüsselwörter
Aufgeklärter Absolutismus, Aufklärung, Absolute Monarchie, Herrschaftslegitimation, Wilhelm Roscher, Gesellschaftsvertrag, Zweckbündnis, Machtausbau, Reformabsolutismus, Historische Periodisierung, Staatsmodernisierung, Politische Philosophie, Souveränität, Rationalität, Machttheorie
Häufig gestellte Fragen
Was ist das zentrale Thema dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit analysiert die historische Debatte über den Begriff des "aufgeklärten Absolutismus" und die verschiedenen wissenschaftlichen Deutungsversuche dieses Konzepts.
Welche Themenfelder stehen im Mittelpunkt der Untersuchung?
Im Zentrum stehen die Begriffsgenese, die Instrumentalisierung aufklärerischer Ideen durch absolute Herrscher sowie die Frage nach einem möglichen Zweckbündnis zwischen Aufklärung und Monarchie.
Was ist das primäre Forschungsziel?
Das Ziel ist es, das historische Nutzungspotenzial und die wissenschaftliche Berechtigung des Begriffs "aufgeklärter Absolutismus" kritisch zu hinterfragen.
Welche wissenschaftliche Methodik wird angewandt?
Es handelt sich um eine systematische Literaturanalyse, die verschiedene historiographische Perspektiven und Thesen einander gegenüberstellt und diskutiert.
Welche Aspekte werden im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die historische Herleitung des Begriffs, die Analyse als Instrument monarchischer Macht sowie die Prüfung der Thesen eines Zweckbündnisses.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich der Inhalt am besten charakterisieren?
Die Arbeit lässt sich primär über die Begriffe Aufgeklärter Absolutismus, Machtlegitimation, Aufklärungsideale, Staatsbildung und historiographische Debatte definieren.
Wie unterscheidet sich der "aufgeklärte Absolutismus" vom klassischen Despotismus laut dem Text?
Der Text arbeitet heraus, dass der aufgeklärte Absolutismus eine stärkere Anlehnung an rechtliche und institutionelle Normen aufweist, während der Despotismus durch uneingeschränkte Willkürherrschaft gekennzeichnet ist.
Welche Rolle spielt Wilhelm Roscher bei der Definition des Begriffs?
Wilhelm Roscher gilt als derjenige, der den Begriff 1847 als Forschungsterminus einführte, um eine spezifische Steigerungsform des Absolutismus zu beschreiben.
Gibt es einen Konsens in der Geschichtswissenschaft über diesen Begriff?
Nein, der Text zeigt auf, dass der Begriff aufgrund der unterschiedlichen Interpretationen des Wechselverhältnisses zwischen Herrschaft und Aufklärung stark umstritten ist.
Wie lautet Friedrich II. bekanntes Zitat zum aufgeklärten Herrscherbild?
Friedrich II. prägte den Satz „Le roi c’est le premier serviteur de l’état“, was den Herrscher als ersten Diener des Staates definiert.
- Arbeit zitieren
- Melih Kemerli (Autor:in), 2023, Der historische Begriff des "Aufgeklärten Absolutismus", München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/1482194