Zunächst liefere ich in der folgenden Facharbeit etwas Vorwissen zu dem Thema Rechtsextremismus im Allgemeinen, bevor ich versuche, die AfD mit Hilfe einer Studie des Deutschen Instituts für Menschenrechte, des Bremer Verfassungsschutzberichtes 2022 und des Urteils des Verwaltungsgerichts Köln nach Klage der AfD gegen Einstufung als Verdachtsfall einer politischen Ausrichtung zuzuordnen beziehungsweise Merkmale des Rechtsextremismus nachzuweisen.
Rechtsextremismus ist heutzutage wieder ein sehr präsentes Thema. Auch im Bundestag, der Vertretung der Deutschen, die über die Zukunft unseres Landes entscheidet, gibt es Personen, die der rechtsextremen Richtung zugeordnet werden können und somit auch auf hoher politischer Ebene rechtsextreme Einflüsse mit sich bringen.
Während ältere Menschen bereits ein eigenes Weltbild, eine eigene politische Meinung und einen kritischen Blick entwickelt haben, befinden sich diese Dinge bei Jugendlichen gerade noch in der Entwicklungsphase. Somit sind sie diejenigen, die besonders von mitreißenden Parolen oder simplifizierten Lösungen und Anschauungen mitgerissen werden. Da diese Jugendlichen in Zukunft unsere Gesellschaft abbilden und damit auch die politische Führung wählen, stellen rechtsextreme Einflüsse eine Gefahr für unsere Demokratie dar.
Die Geschichte über die Entstehung und Entwicklung der Alternative für Deutschland zeugt von mehreren großen Meinungsverschiedenheiten, die, als Folge von Machtkämpfen, schließlich zu zahlreichen Austritten der gemäßigteren Schichten der Partei führten. Dadurch verlagerte sich der politische Themenfokus von einer euroskeptischen Wirtschafts- und Finanzpolitik hin zu einer rechtskonservativen bis national-völkischen Asylpolitik.
So ist es derzeit möglich, der Alternative für Deutschland als Gesamtpartei, aber auch parteinahen Strukturen, wie dem „Flügel“, oder Teilstrukturen, wie z. B. Landesverbänden, Eigenschaften nachzuweisen, die potenziell als rechtsextremistisch angesehen werden können. [...]
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Begriffsdefinitionen
3. Begriffstrennung: „Rechtsradikalismus“ & “Rechtsextremismus“
4. Geschichte des Rechtsextremismus in Deutschland (1945-2005)
5. Entstehung und Entwicklung der AfD
6. Einordnung der AfD
7. Strategien der AfD
8. Wie zugänglich sind Jugendliche für Aussagen der AfD?
8.1 These
8.2 Methodik
8.3 Ergebnis
8.4 Auswertung
8.5 Interpretation
9. Fazit
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Facharbeit untersucht mittels einer Umfrage unter Jugendlichen die Empfänglichkeit für zentrale Forderungen und rechtsextremistisch konnotierte Aussagen der Alternative für Deutschland (AfD). Ziel ist es, den potenziellen Einfluss populistischer und rechtsextremer Narrative auf eine Altersgruppe in der Identitätsfindungsphase zu analysieren.
- Analyse des Einflusses von AfD-Aussagen auf Jugendliche.
- Historische und inhaltliche Einordnung der AfD im rechtsextremen Spektrum.
- Untersuchung von Strategien der AfD zur Verschiebung des Sagbaren.
- Einsatz einer empirischen Umfrage zur Identifikation von Zustimmungsmustern.
- Interpretation der Ergebnisse hinsichtlich der Wirkung plakativer vs. komplexer Botschaften.
Auszug aus dem Buch
8.2 Methodik
Um diese These zu überprüfen, wurde eine Umfrage erstellt. Hier wurden den Befragten fünf Aussagen von Wahlplakaten der AfD vorgelegt, die sich nicht direkt der AfD zuordnen lassen („Deutschland braucht Identität“, „Berliner Wohnungen sind für Berliner da. Verdrängung stoppen“, „Hol dir dein Land zurück“, „Grundrechte vor der Regierung schützen“, „Alle Macht geht vom Volke aus. Wann bei uns?“). Die Aussagen wurden danach ausgewählt, dass sie rechtsextremistische Aspekte aufweisen:
Die Aussage „Deutschland braucht Identität“ kann als Ablehnung der Vermischung von der deutschen Kultur oder dem „Volk“ mit der Kultur oder den „Völkern“ anderer Nationen gesehen werden, die über die Einwanderung von Migranten passiert. Dies würde dann auf eine national-völkische Sichtweise hindeuten.
„Berliner Wohnungen sind für Berliner da. Verdrängung stoppen“ könnte sowohl auf die fortschreitende Gentrifizierung („Verdrängung einkommensschwächerer Haushalte durch wohlhabendere Haushalte“42) als auch auf den hohen Anteil der Ausländer (fehlende deutsche Staatsangehörigkeit), die in Berlin leben, der sich 2021, zur Zeit der Verwendung der entsprechenden Aussage auf Wahlplakaten der AfD, auf rund 20,1% belief.43 Somit würde impliziert, dass Ausländer nicht das Recht hätten, Wohnungen in Berlin zu bewohnen, die sonst von Berlinern mit deutscher Staatsangehörigkeit genutzt werden könnten. Eine derartige Benachteiligung von Ausländern zeugt von einer rassistischen, fremdenfeindlichen Einstellung, da allein die Tatsache einer fehlenden deutschen Staatsbürgerschaft Ausländern geringere Rechte einräumt als „deutschen“ Berlinern.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in das Thema Rechtsextremismus als präsente Gefahr und die Relevanz der Untersuchung für die politische Sozialisation Jugendlicher.
2. Begriffsdefinitionen: Klärung zentraler Begriffe wie „Flügel“, „Junge Alternative“ sowie der Kategorien „Prüffall“ und „Verdachtsfall“ des Verfassungsschutzes.
3. Begriffstrennung: „Rechtsradikalismus“ & “Rechtsextremismus“: Erörterung der schwierigen begrifflichen Abgrenzung und der verfassungsschutzrechtlichen Einordnung der beiden Phänomene.
4. Geschichte des Rechtsextremismus in Deutschland (1945-2005): Rückblick auf die Entwicklung rechtsextremer Parteien und deren Bedeutungsschwankungen in der Bundesrepublik.
5. Entstehung und Entwicklung der AfD: Historische Herleitung der Parteigründung sowie die interne Radikalisierung durch Machtkämpfe zwischen liberalen und völkischen Flügeln.
6. Einordnung der AfD: Analyse der inhaltlichen Programmatik der Partei hinsichtlich rassistischer und national-völkischer Tendenzen.
7. Strategien der AfD: Untersuchung rhetorischer und strategischer Methoden wie der Grenzverschiebung des Sagbaren und der bewussten Inszenierung als Protestpartei.
8. Wie zugänglich sind Jugendliche für Aussagen der AfD?: Empirischer Teil mit Methodik, Ergebnissen und Interpretation einer Umfrage zur Wirkung spezifischer Wahlplakat-Aussagen.
9. Fazit: Zusammenfassende Einschätzung des Einflusses der AfD auf die Jugend und deren Anfälligkeit für mehrdeutige, interpretierbare politische Parolen.
Schlüsselwörter
Rechtsextremismus, Alternative für Deutschland, AfD, Jugendliche, Umfrage, Politische Sozialisation, National-völkisch, Populismus, Verfassungsschutz, Radikalisierung, Wahlplakate, Identitätspolitik, Politische Bildung, Demokratie, Migration.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Facharbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht, inwieweit Jugendliche affin für bestimmte Aussagen der AfD sind, die rechtsextremistische Merkmale aufweisen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die Arbeit beleuchtet die Geschichte des Rechtsextremismus, die Entwicklung der AfD, ihre Einordnung durch Sicherheitsbehörden und die Anwendung populistischer Strategien.
Welches primäre Ziel verfolgt die Forschungsfrage?
Es soll analysiert werden, ob Jugendliche mehrdeutigen Statements der AfD zustimmen und ob eine solche Zustimmung auf eine generelle Anfälligkeit für die Ideologie der Partei schließen lässt.
Welche wissenschaftlichen Methoden finden Anwendung?
Der Autor führt eine Online-Umfrage durch, bei der Probanden im Alter von 9 bis 18 Jahren mittels einer Likert-Skala ihre Zustimmung zu fünf ausgewählten Aussagen von AfD-Wahlplakaten bewerteten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Aufarbeitung der Begriffe und Parteigeschichte sowie den empirischen Teil, der die Auswertung und Interpretation der Umfrageergebnisse umfasst.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen zählen Rechtsextremismus, Populismus, Identitätspolitik, die Einordnung durch das Bundesamt für Verfassungsschutz sowie die Strategie der Grenzüberschreitung des Sagbaren.
Welches spezifische Ergebnis liefert die Umfrage zur Aussage „Hol dir dein Land zurück“?
Die Umfrage ergab eine sehr deutliche Ablehnung dieser Aussage bei den befragten Jugendlichen, wobei fast die Hälfte der Teilnehmenden angab, der Aussage in keiner Weise zuzustimmen.
Warum zeigt die Aussage „Grundrechte vor der Regierung schützen“ eine höhere Zustimmung?
Der Autor interpretiert dies als Zeichen für die Mehrdeutigkeit der Aussage, die Jugendliche eher als Unterstützung der Verfassung wahrnehmen, da der Kontext der populistischen Regierungsfeindlichkeit ohne Hintergrundwissen nicht unmittelbar erkennbar ist.
- Arbeit zitieren
- Anonym (Autor:in), 2023, Rechtsextremismus in Deutschland. Die Rolle der AfD in der Jugend, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/1470305