Diese Schrift skizziert die fundamental-ontologische Bestimmung Heideggers, um sie ins Verhältnis mit einer kommuniktiven Funktionsbestimmung der Sprache zu setzen, in der der Mensche als das vorausgesetzt wird, als was er innerhalb der Fundamentalontologie Heideggers nicht erscheint, nämlich als ein Bewusstseinswesen, das sprachlich denkt und kommuniziert und sich mithilfe der Sprache auf Dinge in der Welt bezieht.
Inhaltsverzeichnis
Zum Gegenstand des Referats
Das methodische Vorgehen Heideggers
Der Satz in seiner Grundstruktur
Der Aspekt der Intentionalität
Strukturmomente der Aussage
Bedingungen der Möglichkeit für das Wahr- oder Falschsein des Satzes
Bedingungen der Möglichkeit des Satzes selbst
Das be-deutende Verhalten des Menschen
Bedingungen der Möglichkeit für das Wahr- oder Falschsein-können des Satzes
Welterschließung und Referenz
Kommunikation als ein Modus des Besorgens
Referenz im Kontext von Wahr- oder Falschsein-können des Satzes
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht Heideggers fundamental-ontologische Sprachbestimmung und setzt diese in Bezug zur klassischen Bezeichnungsfunktion der Sprache sowie zur kommunikationstheoretischen Perspektive von Christina Lafont, um eine mögliche Verknüpfung dieser Ansätze zu eruieren.
- Heideggers ontologische Fundierung der Sprache
- Die Analyse der Satzstruktur als Aufzeigen, Bestimmen und Mitteilen
- Das hermeneutische und apophantische Als
- Verhältnis von Wahrsein (Entdecktheit) und Sprechen
- Diskussion von Referenz und Welterschließung
- Integration kommunikationstheoretischer Aspekte in das ontologische Modell
Auszug aus dem Buch
Strukturmomente der Aussage
Heidegger ermittelt drei funktionale Bezugsgrößen der Aussage, die im lebendigen Reden als ein einheitliches Phänomen auftreten:
1. die Aussage als eine Aufzeigung
2. die Aussage als eine Bestimmung und
3. die Aussage als eine Mitteilung.
Die substantivierten Verben deuten hier schon die Modi an, in denen sich die Aussage jeweils funktional zu bewegen vermag.
Aussage im Modus des Aufzeigens meint: "Gesagtes von der Sache selbst her sagen, so daß in dieser Rede ihr Worüber sichtbar, zugänglich für das Erfassen wird ..." (Bd.21, S.133).
Aussage im Modus des Bestimmens meint: die "... Aussage eines Prädikats von einem Subjekt ..." (Bd.21, S.133).
Im ersteren Modus benennt die Rede die gegebene Faktizität, ohne eine definitive Bestimmung derselbigen zu liefern, z.B.: "Die Tafel in ihrem Schwarzsein". Der Begriff des Aufzeigens deutet auch an, dass in diesem Modus der Rede die Gestik des Zeigens eine Schlüsselfunktion einnimmt. Im zweiten Modus hingegen konzentriert sich die Aussage auf das Prädikat, das im Satz die Bestimmung seines Subjekts bewerkstelligt, z.B. das "Schwarzsein" eben der Tafel.
Aussage im Modus der Mitteilung schließlich meint: "... die Mitteilung einer Sache als einer aufgewiesenen. Die Heraussage der Aussage (Aufzeigung), das Ausgesagte, ist jetzt weder nur die Tafel in ihrem Schwarzsein, das Aufgewiesene, zu Gesicht Gebrachte, noch das Schwarzsein, das prädizierte Prädikat, sondern das Schwarzsein der Tafel als Gesagtes, die Ausgesprochenheit des Aufgezeigten (als das Ergebnis des ersten Modus) und in der Weise der Prädikation Aufgezeigten (als das Ergebnis des zweiten Modus der Aussage) ..." (Bd. 21, S.134).
Zusammenfassung der Kapitel
Zum Gegenstand des Referats: Einführung in die Fragestellung, wie kommunikative Momente das Wissen als System veränderbar machen, und Vorstellung des Vergleichs zwischen Heidegger und Christina Lafont.
Das methodische Vorgehen Heideggers: Beschreibung der Abkehr von bewusstseinsphilosophischen Traditionen zugunsten einer ontologisch fundierten Sprachkonzeption durch die Rückkehr zu griechischen Texten.
Der Satz in seiner Grundstruktur: Analyse des Satzes ausgehend von der "Entdecktheit" (Wahrsein) und der Umkehrung klassischer Wahrheitsbestimmungen.
Der Aspekt der Intentionalität: Untersuchung der Absicht des Entdeckens als tragende Funktion der Rede und Abgrenzung täuschender Rede.
Strukturmomente der Aussage: Differenzierung der Aussage in die drei Modi des Aufzeigens, Bestimmens und Mitteilens.
Bedingungen der Möglichkeit für das Wahr- oder Falschsein des Satzes: Betrachtung der synthetischen und diairetischen Eigenschaften der Rede als Basis für ihre Wahrheitsfähigkeit.
Bedingungen der Möglichkeit des Satzes selbst: Herleitung der Sprachstruktur aus dem vorsprachlichen, hermeneutischen Umgang mit Entitäten ("Als-Struktur").
Das be-deutende Verhalten des Menschen: Erläuterung des menschlichen Verhaltens als ein ständiges Zurückkommen auf Begegnendes innerhalb des Besorgens.
Bedingungen der Möglichkeit für das Wahr- oder Falschsein-können des Satzes: Zusammenführung von Seinsfrage und Wahrheitsfrage unter Einbeziehung aristotelischer Kategorien von Vorhandenem.
Welterschließung und Referenz: Einordnung von Heideggers Sprachauffassung in den Kontext der linguistischen Wende und Kontrastierung mit referenziellen Sprachmodellen.
Kommunikation als ein Modus des Besorgens: Versuch der Synthese zwischen ontologischen und kommunikationstheoretischen Sprachmodellen.
Referenz im Kontext von Wahr- oder Falschsein-können des Satzes: Kritische Reflexion über die Grenzen von Heideggers Modell in Bezug auf argumentative Kommunikationsprozesse und die Möglichkeit von Innovation.
Schlüsselwörter
Heidegger, Sprachbestimmung, Ontologie, Referenz, Aussagestruktur, Intentionalität, Welterschließung, hermeneutisches Als, apophantisches Als, Kommunikation, Besorgen, Wahrsein, Falschsein, Christina Lafont, Aristoteles
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit Martin Heideggers fundamental-ontologischer Bestimmung der Sprache und hinterfragt, wie diese mit klassischen Modellen der Bezeichnungsfunktion und modernen kommunikationstheoretischen Ansätzen in Einklang gebracht werden kann.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Themen sind das ontologische Verständnis von Sprache bei Heidegger, die Struktur der Aussage (Aufzeigen, Bestimmen, Mitteilen), das hermeneutische und apophantische "Als" sowie die Schnittstelle zwischen der Erschließung von Welt und der referenziellen Funktion von Sprache.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, das Spannungsfeld zwischen Heideggers fundamental-ontologischer Sprachbestimmung und der klassischen Bezeichnungsfunktion zu beleuchten und zu prüfen, ob sich diese Standpunkte im Hinblick auf eine dynamische Kommunikationspraxis sinnvoll verknüpfen lassen.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?
Der Autor stützt sich primär auf eine textnahe Analyse der Heidegger'schen Vorlesungen (insbesondere zur Logik, Bd. 21) sowie auf die Auseinandersetzung mit Christina Lafonts Schrift "Welterschließung und Referenz", um Heideggers Konzepte systematisch zu rekonstruieren und zu hinterfragen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden methodische Grundlagen, die Strukturmomente der Aussage, die Bedingungen der Möglichkeit von Wahrheit im Satz, die Rolle der Intentionalität sowie das vorsprachliche und theoretische Verhalten des Menschen im Umgang mit der Welt detailliert analysiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Schlüsselwörter sind Heidegger, Sprachbestimmung, Ontologie, Aussage, Intentionalität, Welterschließung, Hermeneutik, Referenz und Kommunikation.
Inwiefern unterscheidet sich das hermeneutische vom apophantischen "Als"?
Das hermeneutische "Als" beschreibt das vorsprachliche, alltägliche Verstehen von Entitäten im Modus des Gebrauchs, während das apophantische "Als" eine sekundäre, abstrakte und theoretische Modifikation darstellt, die der expliziten Aussage zugrunde liegt.
Kann Heideggers Modell moderne Kommunikationsprozesse erklären?
Der Autor argumentiert, dass Heideggers ursprüngliches Modell Schwierigkeiten hat, den argumentativen Charakter der Kommunikation (wie die Kritik an Behauptungen) abzubilden, es sei denn, man erweitert das Modell um eine referenzielle Dimension.
- Quote paper
- Magister Artium (M.A.) Arnold Wohler (Author), 1994, Heideggers fundamental-ontologische Sprachbestimmung im Verhältnis zur klassischen Bezeichnungsfunktion der Sprache, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/146315