Aus psychodynamischer Sicht stellt sich mir die Frage, inwiefern ein Traumata zu einer Sucht, beziehungsweise Alkoholsucht beitragen kann und welche Wechselwirkungen sich hier ergeben. Interessant ist für mich hierbei die Rolle der Sozialen Arbeit mit Erkrankten und wie diese zur Genesung beitragen kann. Zuerst möchte ich über die Drogenabhängigkeit generell sprechen. Dahingehend beginne mit dem Alkohol im Allgemeinen und erkläre anschließend verschiedene Theorien zur Entstehung von Sucht und Abhängigkeit. Als nächstes gehe ich auf die alkoholbedingten Folgeschäden ein, welche entstehen können. Schließlich möchte ich Therapiemöglichkeiten von Alkoholkonsument*Innen aufzeigen und zuletzt auf die Rolle der Sozialen Arbeit hinsichtlich der Thematik eingehen. Der andere Themenbereich meiner Hausarbeit bezieht sich auf Traumata im Allgemeinen und dessen Folgestörungen. Danach gehe ich im speziellen auf die Posttraumatische Belastungsstörung ein. Um die Zusammenhänge von Traumata zu erklären, möchte ich weiterhin die Bindungstheorie erklären. Zuletzt spreche ich über die traumatherapeutischen Möglichkeiten und beleuchte anschließend die Rolle der Sozialen Arbeit bezüglich des Traumata. Zuletzt wird ein kritisches Fazit gezogen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Drogenmissbrauch
3. Die häufigste Form der Sucht: Alkoholismus
3.1. Theorien zur Entstehung von Sucht und Abhängigkeit
3.2. Alkoholbedingte Folgeschäden
3.3. Therapie
3.4. Soziale Arbeit
4. Trauma (-folgestörungen)
4.1. Posttraumatische Belastungsstörung
4.2. Die Bindungstheorie
4.3. Traumatherapie
4.4. Soziale Arbeit
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Zusammenhang zwischen Traumata und der Suchtmittelabhängigkeit von Alkohol. Dabei liegt ein besonderer Fokus auf der Rolle der Sozialen Arbeit, um Auswirkungen von Traumata zu verstehen und betroffene Klient*Innen auf ihrem Weg zur Genesung professionell zu begleiten.
- Psychodynamische und neurobiologische Theorien zur Entstehung von Sucht
- Alkoholkonsum, Folgeschäden und therapeutische Ansätze
- Traumafolgestörungen und die Bindungstheorie
- Methoden der Traumatherapie, insbesondere EDMR
- Handlungsfelder und Kompetenzen für die Soziale Arbeit bei Sucht- und Traumaproblematiken
Auszug aus dem Buch
Die häufiste Form der Sucht: Alkoholismus
Übermäßiger Alkoholkonsum wird von den Sozialgerichten als Krankheit erst seit 1968 anerkannt (vgl. Reker, 2022, S.32). Seitdem hat sich zunehmend eine Sichtweise festgesetzt abgrenzbare seelische und körperliche Störungen als Ursache von Suchterkrankungen anzuerkennen und hat damit zu einer Schuldentlastung und einem Anspruch auf Hilfe der Betroffenen geführt (vgl. ebd., S.32). Der ICD-10 unterscheidet den „schädlichen Gebrauch“ und „Abhängigkeitssyndrom“ (vgl. ebd., S.34). Nach dem ICD-11 liegt ein schädliches Konsummuster immer dann vor, wenn das Konsumverhalten zu einer körperlichen oder seelischen Gesundheitsstörung führt oder wenn sich negative soziale Folgen aus dem Konsum entwickelt haben (vgl. ebd., S.44). Die Diagnose einer Abhängigkeit nach dem ICD-11 enthält drei Kriterien, nämlich den Kontrollverlust (Suchtdruck), die Gewöhnung (als 1. Toleranz, 2. Entzugserscheinungen und 3. Wiederholter Konsum) und die Priorisierung (Substanzkonsum wird zur Priorität des Lebens) (vgl. ebd., S.34, 35).
Das Individuum kann zu einer Abhängigkeit in Form von einer Ich-Schwäche, Frühen Störungen und speziellen erlernten Mechanismen zur Angstreduktion, wie einer Art „Selbstbetäubung“, zum Beispiel in einer kritischen Lebenssituation, beitragen (vgl. Zitzmann, S.18, zit. n.: Trost und Schwarzer 2013, S. 273). Trost und Schwarzer (2013, S. 246) zeigen nach Jellinek die Typologie der Alkoholkrankheit auf, welche sich in Alphatrinker (Problem- und Erleichterungstrinker), Betatrinker (Anpassungs- und Gelegenheitstrinker), Gammatrinker (Süchtiger Trinker), Deltatrinker (Spiegeltrinker/ Gewohnheitstrinker), Epsilontrinker („Quartalssäufer) gliedert. Die einzige in Deutschland anerkannte nicht-stoffgebundene Sucht form ist das Glücksspiel, wohingegen der Alkohol als stoffgebundene Sucht in der ICD-10 unter der F.10 - Störungen durch Alkohol eingegliedert wird (vgl. Zitzmann, 2020, S.28).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Verbreitung von Suchtproblematiken in Deutschland, stellt die psychodynamische Fragestellung der Arbeit vor und gibt einen Ausblick auf die behandelten Themengebiete.
2. Drogenmissbrauch: Dieses Kapitel definiert Drogen, grenzt legale von illegalen Substanzen ab und erläutert die krankhafte Komponente sowie Faktoren wie Doppeldiagnosen aus professioneller Sicht.
3. Die häufigste Form der Sucht: Alkoholismus: Es werden die medizinische Klassifikation, Theorien zur Entstehung, körperliche Folgeschäden, Therapiemöglichkeiten und Ansätze der Sozialen Arbeit im Kontext des Alkoholismus detailliert erläutert.
3.1. Theorien zur Entstehung von Sucht und Abhängigkeit: Darstellung verschiedener wissenschaftlicher Theorien (psychoanalytisch, lerntheoretisch, systemisch, neurobiologisch), die das Entstehen von Suchtverhalten erklären.
3.2. Alkoholbedingte Folgeschäden: Auflistung der vielfältigen physischen und psychischen Schäden durch chronischen Alkoholkonsum sowie eine spezifische Betrachtung des Fötalen Alkoholsyndroms.
3.3. Therapie: Überblick über das Versorgungssystem für Suchtkranke, verschiedene Behandlungsformen, Finanzierungsträger sowie moderne Ansätze wie die modulare Kombinationsbehandlung.
3.4. Soziale Arbeit: Fokus auf die Aufgabe der Sozialen Arbeit bei der Früherkennung, Beratung, Krisenintervention und der Befähigung der Klienten zu einem Risikomanagement.
4. Trauma (-folgestörungen): Definition des Traumabegriffs, Erläuterung der psychobiologischen Reaktionen und Überblick über verschiedene Traumafolgestörungen.
4.1. Posttraumatische Belastungsstörung: Genaue Beschreibung der Symptome, Ursachen und Risikofaktoren für die Entwicklung einer PTBS.
4.2. Die Bindungstheorie: Analyse der Bedeutung sicherer Bindungen für die Entwicklung eines Menschen und wie Bindungsstörungen mit Traumata und Sucht korrelieren.
4.3. Traumatherapie: Vorstellung therapeutischer Verfahren, insbesondere der EDMR-Methode, zur Bewältigung von traumatischen Erfahrungen.
4.4. Soziale Arbeit: Darstellung der Anforderungen an professionelles Handeln in der Traumaarbeit, insbesondere Beziehungsgestaltung, Stabilisierung und die Schaffung sicherer Orte.
5. Fazit: Zusammenfassende Betrachtung der engen Kausalzusammenhänge zwischen Bindung, Trauma und Sucht sowie ein Plädoyer für eine stärkere Integration dieser Themen in die Suchttherapie.
Schlüsselwörter
Alkoholismus, Suchtmittelabhängigkeit, Trauma, Posttraumatische Belastungsstörung, PTBS, Bindungstheorie, Soziale Arbeit, EDMR, Prävention, Suchttherapie, Risiko- und Schutzfaktoren, Bindungsstörung, Selbstmedikation, Psychodynamik, Interdisziplinäre Arbeit
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht den engen Zusammenhang zwischen traumatischen Erfahrungen und der Entwicklung einer Alkoholsucht sowie die daraus resultierenden Handlungsanweisungen für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Sozialen Arbeit.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Felder sind Suchtmedizin (mit Fokus auf Alkoholismus), Traumapädagogik und Bindungstheorie, sowie deren Verschränkung in der professionellen sozialpädagogischen Praxis.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es, zu analysieren, inwiefern Traumata zur Entstehung von Sucht beitragen, welche Wechselwirkungen bestehen und wie die Soziale Arbeit zur Genesung der Betroffenen beitragen kann.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Die Autorin nutzt eine fundierte Literaturanalyse, um psychodynamische, lerntheoretische, systemische und neurobiologische Theorien sowie aktuelle Studien und therapeutische Verfahren wie die EDMR-Methode zu synthetisieren.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Auseinandersetzung mit Alkoholabhängigkeit (Theorien, Folgen, Therapie) und eine umfassende Darstellung von Trauma, Bindungsstörungen und deren therapeutischer sowie sozialpädagogischer Behandlung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich am besten durch Begriffe wie Sucht, Trauma, Bindungstheorie, Soziale Arbeit, PTBS und Suchtprävention beschreiben.
Warum ist die Bindungstheorie für das Verständnis von Suchtkranken so wichtig?
Bindungserfahrungen beeinflussen die Fähigkeit zur Affektregulation. Negative Erfahrungen können dazu führen, dass Drogen als Ersatz für fehlende soziale Belohnung oder zur Selbstmedikation bei Bindungsunsicherheit missbraucht werden.
Welche Rolle spielt die Soziale Arbeit bei traumatisierten Suchtkranken?
Die Soziale Arbeit hat die Aufgabe, durch traumasensible Interaktion Bindungssicherheit zu fördern, Ressourcen zu aktivieren und durch niederschwellige Zugänge und Stabilisierung zur Genesung beizutragen.
Was ist das Besondere an der EDMR-Methode im Kontext dieser Arbeit?
EDMR hilft, belastende Erinnerungen so zu verarbeiten, dass sie ihren hoch emotionalen und intrusiven Charakter verlieren, was bei Patienten mit Suchtdruck zur Linderung beitragen kann.
- Arbeit zitieren
- Evelyn Dürhammer (Autor:in), 2023, Der Zusammenhang und die Entstehung von Trauma und Suchtmittelabhängigkeit der legalen Droge Alkohol sowie daraus folgende Handlungsanweisungen für die Soziale Arbeit, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/1459332