In der vorliegenden Hausarbeit soll ein Einblick in die historische Entwicklung des Sozialen Dienstes gegeben werden. In diesem Zusammenhang wird das Spannungsfeld von individueller Hilfe und gesellschaftlicher Kontrolle in den verschiedenen Entwicklungsphasen beleuchtet, um daraus resultierend Veränderungen zu prüfen und zu skizzieren. Um dieses komplexe Thema einzugrenzen, wird sich in dieser Arbeit ausschließlich auf die nationale historische Entwicklung der Gesundheits-, Alten-, und Armenfürsorge bezogen.
Das Ziel der Arbeit ist die Beantwortung der folgenden Fragestellung: Inwieweit findet sich das Spannungsfeld von Hilfe und Kontrolle in der historischen Betrachtung/ Entwicklung der Sozialen Dienste wieder?
Inhaltsverzeichnis des Werkes
1 Historische Entwicklung des Sozialen Dienstes
1.1 Entwicklung der Armutshilfe vom Mittelalter bis zur Neuzeit
1.2 Entstehung sozialer Dienste im Deutschen Kaiserreich
1.3 Weiterentwicklung sozialer Dienste in der Weimarer Republik
1.4 Soziale Dienste im Nationalsozialismus
1.5 Soziale Dienste in der Bundesrepublik
2 Das Spannungsfeld von Hilfe und Kontrolle
2.1 Definitionen zentraler Begrifflichkeiten
2.2 Historische Entwicklung von Hilfe und Kontrolle
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht die historische Entwicklung des Spannungsverhältnisses zwischen individueller Hilfe und gesellschaftlicher Kontrolle im Sozialen Dienst und prüft, inwieweit sich dieses Verhältnis in unterschiedlichen gesellschaftlichen Epochen widerspiegelt.
- Historische Genese der Armenfürsorge und Sozialen Dienste.
- Das Konzept des "doppelten Mandats" in der Sozialen Arbeit.
- Wandlungsprozesse von Hilfe- und Kontrollmechanismen.
- Die Bedeutung von Menschenrechten als professionelle Orientierung.
- Aktuelle Bezüge zur Sozialpolitik, wie beispielsweise das Bürgergeld.
Auszug aus dem Buch
2.1 Definitionen zentraler Begrifflichkeiten
Der Begriff der „Hilfe“ wird im alltäglichen Sprachgebrauch vieldeutig verwendet. In der wissenschaftlichen Debatte kann der Begriff jedoch nicht eindeutig beschrieben werden.
Einerseits wurde der Hilfebegriff in älteren Theorien der Sozialen Arbeit im Kontext des Erziehungsbegriffs formuliert und hat (nicht nur deshalb) eine lange sozialpädagogische Tradition. Andererseits wird mit dem Begriff der Hilfe immer auch das „doppelte Mandat“ in der Sozialen Arbeit angetippt, das zugleich dem Hilfebegriff das Problem der „Kontrolle“ zuweist. Diese öffentlich organisierte Hilfe „wird nicht nur als Hilfe, sondern auch als Kontrollmechanismus, als Entmündigung der Hilfesuchenden begriffen. Die professionellen Helfer werden als Träger eines „doppelten Mandats“ identifiziert: Als Anwälte der Hilfsbedürftigen einerseits, als Kontrolleure im Auftrag des Staates andererseits“ (Gängler 2001, S. 772). (Bock 2012, S.443).
Das bedeutet also, dass die sozialpädagogische Arbeit einerseits darauf abzielt, die Interessen und Bedürfnisse des Individuums zu verwirklichen, andererseits müssen die Erwartungen des Staates und der Gesellschaft erfüllt werden (Hamburger 2008, S.16). Nach Wendt sind die Begriffe der Hilfe und Kontrolle wie folgt zu verstehen.
Unter dem Begriff der Hilfe ist die Begleitung und Förderung zum Beispiel in Form von erzieherischer Hilfe nach dem SGB VIII zu verstehen. Zudem zählen darunter auch die Ermächtigung und Befähigung, durch Beratung, Beistand oder Anerkennung der Klienten. Auch Unterstützung z. B. durch Anwaltschaftlichkeit ist mit der Hilfefunktion gemeint (Wendt, 2021, S.182).
Unter Kontrolle ist die Wahrnehmung eines „Wächteramtes“ zu verstehen, womit SozialarbeiterInnen und SozialpädagogInnen unter anderem die Verantwortung haben die physische und psychische Unversehrtheit Minderjähriger zu überwachen. Zudem meint Kontrolle die Begrenzung von Miss- bzw. Fehlgebrauch, die Ausübung von Zwang sowie die Verhinderung oder Korrektur abweichenden Verhaltens (Wendt, 2021, S.183).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Historische Entwicklung des Sozialen Dienstes: Dieser Abschnitt zeichnet die Genese des Sozialen Dienstes vom Mittelalter bis zur Gegenwart nach, wobei die spezifischen Anforderungen und Rahmenbedingungen der jeweiligen Epochen analysiert werden.
2 Das Spannungsfeld von Hilfe und Kontrolle: Dieses Kapitel widmet sich der theoretischen Fundierung des Spannungsfeldes und beleuchtet anhand historischer Beispiele, wie Hilfeleistungen stets mit Kontrollfunktionen des Staates korreliert sind.
Schlüsselwörter
Soziale Arbeit, Hilfe, Kontrolle, Sozialer Dienst, Armenfürsorge, doppeltes Mandat, Wohlfahrtstaat, historische Entwicklung, Menschenrechte, Professionalisierung, Sozialpolitik, Bürgergeld, Disziplinierung, soziale Sicherung, professionelles Handeln.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die historische Entwicklung der Sozialen Dienste in Deutschland und untersucht dort insbesondere das inhärente Spannungsverhältnis zwischen helfenden und kontrollierenden Aspekten staatlicher Fürsorge.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Neben der historischen Perspektive auf die Armenfürsorge und die Entwicklung des Wohlfahrtsstaates stehen die theoretischen Begriffe der Hilfe und Kontrolle sowie die professionelle Identität der Sozialen Arbeit im Vordergrund.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie sich das Spannungsfeld von Hilfe und Kontrolle durch die Zeit verändert hat und wie dieses Mandat die heutige sozialpädagogische Praxis beeinflusst.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturrecherche und einer historischen Analyse relevanter Quellen zur Sozialen Arbeit.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die chronologische Betrachtung der sozialen Dienste sowie in eine theoretische Auseinandersetzung mit dem "doppelten Mandat", welches die Rolle der Fachkräfte als Helfer und Kontrolleure definiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind das Spannungsfeld von Hilfe und Kontrolle, die Professionalisierung der Sozialen Arbeit, das doppelte Mandat und die Ausrichtung an Menschenrechten.
Wie hat sich die Rolle der Kontrolle im Laufe der Geschichte gewandelt?
Von expliziten Zwangsmitteln in Arbeitshäusern der Neuzeit bis hin zu modernen, subtileren Kontrollinstrumenten wie Sanktionen bei der Bürgergeldvergabe zeigt die Arbeit eine Evolution der Steuerung, die jedoch immer im Kontext einer "Aktivierung" der Klienten steht.
Was bedeutet das "dritte Mandat" nach Staub-Bernasconi?
Es beschreibt die Soziale Arbeit als Menschenrechtsprofession, die sich nicht nur dem Auftrag des Staates oder den Bedürfnissen des Klienten unterwirft, sondern ethisch verpflichtet ist, Menschenrechte einzuhalten und bei Missständen aktiv zu werden.
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- Antonia Maier (Author), 2023, Eine historische Analyse des Spannungsverhältnisses von Hilfe und Kontrolle im Sozialen Dienst, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/1458085