Je komplexer ein Problem, je differenzierter ist die Handlungsweise des Herangehens an eine brauchbare, vertretbare wie auch realitätsnahe Lösung. Anhand der von Dörner entwickelten Computersimulation "Tanaland-Experiment" wird das Verhalten von Probanden in komplexen Situationen untersucht und vorgestellt. Es wird der Versuch unternommen, das real existierende Großprojekt "Stuttgart 21" in dem Sinne zu untersuchen und Erklärungen zu finden, inwiefern hier ein Scheitern trotz Expertenwissen vorauszusehen war bzw. eingetreten ist.
Das Ziel der Arbeit ist es, die Abläufe des Großprojektes „Stuttgart 21“ zu analysieren, Probleme aufzuzeigen und den Versuch zu unternehmen, die identifizierten Fehler mit den Erkenntnissen [des Scheiterns] aus dem „Tanaland-Experiment“ zu erklären.
Gliederung
1. Einführung
1.1 Problemstellung
1.2 Ziel der Arbeit
1.3 Aufbau der Arbeit
2. Grundlagen
2.1 Begriffserklärung „Systemtheorie“
2.2 Begriffserklärung „Komplexität“
2.3 Begriffserklärung „Computersimulation“
2.4 Begriffserklärung „Projektmanagement“
3. Das „Tanaland-Experiment“
3.1 „Tanaland“
3.2 Erkenntnisse aus „Tanaland“
4. Großprojekte
4.1 „Stuttgart 21“
4.2 Erkenntnisse aus „Stuttgart 21“
5. „Tanaland“ vs. „Stuttgart 21“
6. Fazit
6.1 Reflektion
6.2 Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Ursachen für das Scheitern von Großprojekten, indem sie die theoretischen Erkenntnisse aus Dietmar Dörners „Tanaland-Experiment“ auf das reale Infrastrukturprojekt „Stuttgart 21“ anwendet.
- Systemtheoretische Grundlagen komplexer Entscheidungsprozesse
- Analyse des Tanaland-Experiments und typischer Fehlerbilder beim Umgang mit Komplexität
- Detaillierte Untersuchung des Großprojekts Stuttgart 21
- Vergleichende Analyse von simulierten und realen Projektverläufen
- Ableitung von Erfolgskriterien für das Management komplexer Großprojekte
Auszug aus dem Buch
3.1 „Tanaland“
„Tanaland“ ist ein frei erfundenes Gebiet in Ostafrika, in dem zwei Stämme leben. Zum einen leben die Tupis mittig um die fruchtbare Landschaft um den Ort Lamu herum. Der durch das Land fließende Owanga-Fluss und der Mukwa-See erlauben hier Ackerbau und Gartenwirtschaft zu betreiben. Zum anderen leben die als Hirtennomaden bekannten Moros im Norden, im Bereich der Ortschaft Kiwa und im Süden, ebenfalls Steppengebiet. Sie züchten Rinder und Schafe, leben von der Jagd und dem Hirseanbau.
Die Aufgabe der zwölf Versuchspersonen bestand darin, das Wohlergehen für die gesamte Region und seiner Bewohner signifikant zu verbessern. Zur Erfüllung dieser Aufgabe konnten drastische bis zu diktatorischen Eingriffen und Vorgaben angewendet werden. Technischer Art, wie z.B. Bewässerungssysteme anlegen und betreiben, Staudämme bauen, Elektrifizierung in der Region einführen und Mechanisierung vorantreiben, z.B. durch Traktorkäufe. Soziologischer Art, wie z. B. Maßnahmen der Geburtenkontrolle und Verbesserung der medizinischen Versorgung einführen. Ökologischer Natur, wie z. B. Jagdmaßnahmen durchführen oder Düngemaßnahmen zur Ertragsverbesserung der Felder und Plantagen veranlassen.
Als Fixpunkte der Simulation waren den Probanden vorgegeben, dass die Laufzeit der Gesamtmaßnahme zehn Jahre beträgt, sechs Eingriffszeitpunkte zur Informationssammlung, Maßnahmenplanung und Entscheidungsfindung frei wählbar waren und die Inhalte der Eingriffe, wie z. B. die Anzahl der Maßnahmen, die Rücknahme von Maßnahmen der vorherigen Eingriffe und das Modifizieren der Entscheidungen möglich und selbst bestimmbar waren.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einführung: Hinführung zur Thematik der Komplexität in Entscheidungsprozessen und Definition der Forschungsfrage sowie des Arbeitsaufbaus.
2. Grundlagen: Erläuterung systemtheoretischer Konzepte, der Definition von Komplexität, Computersimulation und den Grundsätzen des Projektmanagements.
3. Das „Tanaland-Experiment“: Vorstellung der Simulationsumgebung Tanaland und der daraus gewonnenen Erkenntnisse über menschliches Fehlverhalten bei der Steuerung komplexer Systeme.
4. Großprojekte: Untersuchung des Großprojekts Stuttgart 21 sowie der spezifischen Herausforderungen und Probleme dieses Vorhabens.
5. „Tanaland“ vs. „Stuttgart 21“: Vergleichende Gegenüberstellung der im Experiment gewonnenen Erkenntnisse mit den realen Vorkommnissen bei Stuttgart 21.
6. Fazit: Zusammenfassende Reflektion der Ergebnisse und Ausblick auf notwendige Voraussetzungen für den Erfolg zukünftiger Großprojekte.
Schlüsselwörter
Systemtheorie, Komplexität, Tanaland-Experiment, Großprojekt, Stuttgart 21, Projektmanagement, Dynamik, Fehlentscheidungen, Situationsanalyse, Systemisches Denken, Infrastrukturprojekt, Bürgerbeteiligung, Vernetzung, Entscheidungsprobleme, Risikomanagement.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert, warum komplexe Großprojekte häufig scheitern, indem sie die Erkenntnisse aus der systemtheoretischen Computersimulation „Tanaland“ auf ein reales Beispiel überträgt.
Welche zentralen Themenfelder behandelt die Studie?
Die Schwerpunkte liegen auf Systemtheorie, Komplexitätsmanagement in Großprojekten, der psychologischen Komponente von Fehlentscheidungen und dem Projekt Stuttgart 21.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die spezifischen Fehler und Probleme bei der Umsetzung von Stuttgart 21 durch die systemtheoretischen Erkenntnisse aus Dörners Tanaland-Experiment zu erklären.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt Literaturanalysen zu den Themenbereichen Systemtheorie und Projektmanagement sowie eine vergleichende Einzelfallanalyse zwischen einer Computersimulation und einem realen Großprojekt.
Was steht im inhaltlichen Hauptteil im Fokus?
Im Hauptteil werden zunächst die theoretischen Grundlagen (Kapitel 2) und die Simulation (Kapitel 3) vorgestellt, bevor diese auf das Fallbeispiel Stuttgart 21 angewendet werden (Kapitel 4).
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich der Kern der Arbeit beschreiben?
Zentrale Begriffe sind Komplexität, Systemtheorie, Großprojekte, Fehlentscheidungen, vernetztes Denken und Projektmanagement.
Wie unterscheidet sich die Situation in Tanaland von Stuttgart 21?
Während Tanaland eine kontrollierte, fiktive Computersimulation zur Erforschung von Fehlern ist, handelt es sich bei Stuttgart 21 um ein hochkomplexes, reales Infrastrukturprojekt unter realem politischem und gesellschaftlichem Druck.
Welche Rolle spielt die „Komplexität“ dabei?
Komplexität ist die Hauptursache für das Scheitern, da in beidem Fällen die Intransparenz der kausalen Zusammenhänge und die Wechselwirkungen (Fernwirkungen) bei der Entscheidungsfindung oft ignoriert werden.
Was ist das Hauptergebnis bezüglich des Scheiterns?
Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass sowohl in Simulationen als auch in realen Projekten ein Mangel an detaillierter Situationsanalyse und eine Flucht in eine „projektmacherei“ („Machen statt Nachdenken“) zu fatalen Fehlern führt.
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- Anonym (Author), 2021, Untersuchung der Ursachen des Scheiterns von Großprojekten anhand der Erkenntnisse aus dem Tanaland-Experiment, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/1457330