1. Einleitung
Der Deutsche Presserat versteht sich als Kontrollinstanz der Presse. Als moralische Instanz könnte man ihn das Gewissen der Printmedien nennen. In der Bundesrepublik Deutschland, als demokratischer Staat, liegen daher die Aufgaben des Presserates unter anderem in Kontrolle und Kritik an Staat und Gesellschaft, sodass im Volksmund als Vierte Gewalt die Rede sein kann. Allerdings sind oftmals die Arbeiten unter Journalisten sehr umstritten, sodass der Presserat einschreiten muss. Mit den publizistischen Grundsätzen, dem sogenannten Pressekodex, haben sich die Publikationsorgane zwar einer freiwilligen Selbstkontrolle unterzogen. Dennoch klaffen häufig Theorie und Praxis weit auseinander. Aus diesem Grund stellt sich die Frage, inwiefern die publizistischen Grundsätze in den Printmedien Achtung geschenkt werden – Moral vs. Realität? Und aus welchem Anlass es überhaupt zur Gründung des Deutschen Presserates und seinen publizistischen Grundsätzen für die tägliche Arbeit von Journalistinnen und Journalisten kam?
In der vorliegenden Seminararbeit wird demnach ein Einblick in die organisatorische Struktur und den Aufgabenbereich des Deutschen Presserates gegeben. Zuvor wird allerdings noch die historische Entstehung und Notwendigkeit zur Gründung eines Presserates in Deutschland erläutert. Anschließend werden die vom Deutschen Presserat entwickelten publizistischen Grundsätze (Pressekodex), also die für die journalistische Sorgfaltspflicht wichtigen Richtlinien vorgestellt, welche die Regeln für die tägliche Arbeit von Journalisten sind. Darüber hinaus werden die rechtliche Verbindlichkeit und der Anwendungsbereich des Pressekodex in den Printmedien in Augenschein genommen. Auf Grundlage der publizistischen Grundsätze wird kurz die Wirksamkeit der die Verstöße nach sich ziehenden Konsequenzen untersucht und inwiefern die journalistische Berufsethik in der Praxis zur Anwendung kommt. Zu Schluss wird der Aufgabenbereich und die Arbeit des Presserates unter kritischen Gesichtspunkten hinterfragt. Hierbei werden insbesondere die Effektivität der Selbstkontrolle der Presse und deren Sanktionsmöglichkeiten durch den Presserat thematisch behandelt, der gerne als zahnlosen Tiger darstellt wird.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Deutscher Presserat
2.1 Geschichte
2.2 Struktur und Organisation
2.3 Aufgaben und Ziele
3. Publizistische Grundsätze
3.1 Geschichte
3.2 Rechtsnatur und Anwendungsbereich des Pressekodex
3.3 Der Pressekodex
4. Moral und Realität: Die Leistungen des Berufsethos
5. Kritik am Deutschen Presserat
6. Fazit
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die Arbeit untersucht das Spannungsfeld zwischen dem ethischen Anspruch des Deutschen Presserates und der praktischen Umsetzung journalistischer Standards. Dabei wird analysiert, inwiefern die freiwillige Selbstkontrolle der Presse in der Realität effektiv zur Qualitätssicherung beitragen kann und warum die publizistischen Grundsätze häufig mit der beruflichen Praxis kollidieren.
- Historische Entwicklung und Notwendigkeit des Deutschen Presserates
- Struktur, Aufgaben und rechtliche Grundlagen der Selbstkontrolle
- Inhaltliche Analyse des Pressekodex und der journalistischen Sorgfaltspflicht
- Kritische Reflexion der Wirksamkeit und Sanktionsmöglichkeiten
- Diskussion über das Image des Presserates als "zahnloser Tiger"
Auszug aus dem Buch
3.2 Rechtsnatur und Anwendungsbereich des Pressekodex
Der Pressekodex wird als Konkretisierung der Berufsethik der Presse verstanden. Die Beachtung dieser Berufsethik verlangt, „im Rahmen der Verfassung und der verfassungskonformen Gesetze das Ansehen der Presse zu wahren und für die Freiheit der Presse einzustehen.“ Der Deutsche Presserat übt keinesfalls staatliche oder sonstige öffentliche Gewalt aus, somit die publizistischen Grundsätze lediglich rechtlich unverbindliche Empfehlungen für Verlage und Journalisten darstellen.
Der Pressekodex richtet sich an alle im Pressebereich tätigen Personen und umfasst in erster Linie ausschließlich gedruckte Presseerzeugnisse. Ein besonderes Augenmerk wird dabei grundsätzlich auf periodische Publikationen gerichtet. Ausgenommen hiervon sind Annoncen und Anzeigeblätter. Neben den Printmedien fallen seit dem 1. Januar 2009 auch die im Internet verbreiteten Publikationen der verlagseigenen Online-Dienste in den Regelungsbereich des Pressekodex. Diese sind „journalistische Beiträge, die von Zeitungs-, Zeitschriftenverlagen oder Pressediensten in digitaler Form verbreitet wurden und zeitungs- oder zeitschriftenidentisch sind.“ Damit erweitert der Deutsche Presserat seinen Anwendungsbereich über die Printmedien hinaus. Somit bleiben Druckerzeugnisse, die gegen den Pressekodex verstoßen nicht als Online-Publikation gleichen Inhalts ungerügt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Aufgaben des Presserates als Kontrollinstanz ein und thematisiert die Diskrepanz zwischen moralischem Anspruch und journalistischer Praxis.
2. Deutscher Presserat: Das Kapitel beschreibt die Entstehung, die organisatorische Struktur und die offiziellen Aufgaben des Presserates als Gremium der freiwilligen Selbstkontrolle.
3. Publizistische Grundsätze: Hier werden die historische Entwicklung des Pressekodex, seine Rechtsnatur als ethische Richtlinie sowie sein aktueller Anwendungsbereich erläutert.
4. Moral und Realität: Die Leistungen des Berufsethos: Dieses Kapitel hinterfragt die praktische Wirksamkeit ethischer Normen und diskutiert, ob moralische Selbstverpflichtungen ohne rechtliche Sanktionsmacht tatsächlich greifen können.
5. Kritik am Deutschen Presserat: Der Autor beleuchtet die Defizite des Presserates, insbesondere die mangelnde Akzeptanz bei Medienhäusern und die eingeschränkten Sanktionsmöglichkeiten bei Verstößen.
6. Fazit: Das Fazit fasst die Problematik des Freiwilligkeitsprinzips zusammen und fordert mehr Publizität und kritische Selbstkontrolle unter Journalisten, um das Image des „zahnlosen Tigers“ zu überwinden.
Schlüsselwörter
Deutscher Presserat, Pressekodex, Journalismus, Pressefreiheit, Selbstkontrolle, Berufsethik, Publizistische Grundsätze, Medienethik, Sorgfaltspflicht, Rügenabdruck, Medienkultur, Sanktionen, Printmedien, Redaktionsdatenschutz, Meinungsbildung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Rolle des Deutschen Presserates als moralische Kontrollinstanz und untersucht, wie erfolgreich die freiwillige Selbstkontrolle innerhalb der deutschen Presselandschaft funktioniert.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Entwicklung und rechtliche Einordnung des Pressekodex, die Struktur der Selbstkontrolle sowie die kritische Reflexion über die Wirksamkeit von Sanktionen bei journalistischem Fehlverhalten.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, den Gegensatz zwischen dem ethischen Anspruch an den Journalismus und der gelebten Realität („Moral vs. Realität“) aufzuzeigen und die Effektivität des Presserates kritisch zu hinterfragen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse sowie einer inhaltlichen Untersuchung der Satzung, des Pressekodex und der bisherigen Kritik an der Arbeit des Presserates.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Vorstellung des Presserates, die Analyse der publizistischen Grundsätze, die Diskussion über die praktische Wirksamkeit der Berufsethik sowie eine kritische Betrachtung der Kompetenzen des Gremiums.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Deutscher Presserat, Pressekodex, Berufsethik, Selbstkontrolle und Pressefreiheit geprägt.
Warum wird der Deutsche Presserat oft als "zahnloser Tiger" bezeichnet?
Der Begriff resultiert aus den mangelnden rechtlichen Sanktionsmöglichkeiten des Presserates; öffentliche Rügen hängen von der freiwilligen Kooperation der Medien ab, was in der Praxis oft zu einer geringen Umsetzung führt.
Wie unterscheidet sich die Rolle des Presserates von der von Gerichten?
Während der Presserat als moralische Instanz direkt auf Grundlage von Beschwerden tätig wird, agieren Gerichte indirekt, indem sie Verstöße gegen den Pressekodex als Anhaltspunkt für sorgfaltswidriges Verhalten in laufenden Prozessen werten.
Welchen Einfluss hatte der Nationalsozialismus auf die Selbstkontrolle?
Die Erfahrung der staatlich gelenkten Presse unter den Nationalsozialisten führte dazu, dass Journalisten und Verleger nach dem Krieg jegliche staatliche Reglementierung ablehnten und bewusst auf ein System der freiwilligen Selbstkontrolle setzten.
Welche Rolle spielt der "Rügenabdruck"?
Der Rügenabdruck ist eine zentrale, wenn auch oft missachtete Sanktion. Er dient der öffentlichen Wiedergutmachung und soll das betroffene Publikationsorgan sowie die Branche zur Einhaltung der ethischen Regeln ermahnen.
- Quote paper
- Benedikt Breitenbach (Author), 2010, Die publizistischen Grundsätze - Moral vs. Realität, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/145626