Diese Arbeit untersucht, inwiefern ein Zusammenhang zwischen der Darstellung des Islam in der Medienlandschaft und der Radikalisierung junger Muslime besteht.
Der Islamismus in Deutschland verzeichnet einen ungebrochenen Zulauf. Besonders stark steigen die Anhängerzahlen beim Salafismus. Ende 2015 belief sich die Zahl der Anhänger auf 8350, während es 7000 im Vorjahr waren. Aktuell soll die Zahl auf 9700 gestiegen sein. Dazu kommen noch viele weitere radikale Strömungen wie die "Hizb Allah" oder die "Hizb ut-Tahrir". Vor allem von Jugendlichen genießen diese Gruppierungen einen großen Zulauf. Angesichts der Tatsache, dass Anschläge durch radikal-islamistische Strömungen seit 9/11 zugenommen haben, spielt die Forschung für die Gründe von Radikalisierungstendenzen eine immer größere Rolle. Extremismusforscher arbeiten unter der Berücksichtigung der Pluralität an möglichen Gründen für Radikalisierung an vielen Ansätzen zur Erklärung und Prävention solcher Phänomene. Auch die Medienlandschaft bildet einen wichtigen Aspekt in der Extremismusforschung, da diese für die deutsche Gesellschaft neben der Informationsfunktion, auch die Integrationsfunktion für Ethnien und Religionen annimmt.
Inwiefern forciert die Darstellung des Islam in der deutschen Medienlandschaft die Radikalisierung junger Muslime in Deutschland? Ziel der Beantwortung dieser Frage ist es ferner, Präventionsmaßnahmen gegen Radikalisierung junger Muslime in Zukunft transparenter skizzieren zu können. Zur Beantwortung der Forschungsfrage bedarf es deshalb einer gezielten Vorgehensweise mit spezifischer themenbasierter Literatur. Auf der Einleitung aufbauend, werden im zweiten und dritten Kapitel zunächst die Gründe für Radikalisierungstendenzen erörtert und elementare Funktionen der Medien dargestellt. Ziel ist es hierbei vorerst eine Basis zu schaffen, auf der die Forschungsfrage bearbeitet werden kann. Anschließend soll skizziert werden, wie der Islam im Mediendiskurs dargestellt wird und inwiefern islamophobe Tendenzen in der Gesellschaft vorzufinden sind. Hierauf aufbauend sollen mögliche Konsequenzen für die Radikalisierung junger Muslime analysiert werden. Im Schlussteil werden letztlich die Kernelemente für die Beantwortung der Forschungsfrage zusammenfasst aufgegriffen, um die Fragestellung abgerundet beantworten zu können.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Radikalisierung junger Muslime
2.1 Begriff der Radikalisierung
2.2 Ursachen für die Radikalisierung junger Muslime
3 Massenmedien - signifikante Funktionen
4 Der Islam in der deutschen Medienlandschaft
4.1 Die Darstellung des Islam
5 Der Islam in der deutschen Gesellschaft
5.1 Dimension fremdenfeindlicher Einstellungen
5.2 Folgen für die Radikalisierung von Muslimen
6 Schluss
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht den potenziellen Zusammenhang zwischen der medialen Darstellung des Islam in Deutschland und der Radikalisierung junger Muslime. Ziel der Forschungsfrage ist es, zu analysieren, inwiefern die negative oder verzerrte Berichterstattung in deutschen Medien zur Entstehung von Radikalisierungstendenzen beiträgt und welche Rolle dabei die Identitätssuche junger Menschen spielt, um langfristig präventive Maßnahmen transparenter gestalten zu können.
- Analyse von Radikalisierungsprozessen und Identitätskrisen bei jungen Muslimen
- Untersuchung der sozialen und informativen Funktionen von Massenmedien
- Kritische Reflexion des Islambildes in den deutschen Print- und elektronischen Medien
- Erörterung islamfeindlicher Einstellungen in der deutschen Mehrheitsgesellschaft
- Bewertung des Einflusses gesellschaftlicher Anerkennung bzw. Ausgrenzung auf die Radikalisierung
Auszug aus dem Buch
2.1 Begriff der Radikalisierung
In der Sozialwissenschaft sind die Begriffe Radikalisierung sowie radikal umstritten und unterschiedlich definiert. Der Grund hierfür ist die Veränderbarkeit und Relativität dieser Bezeichnungen in der Gesellschaft. Radikalismus gilt im Allgemeinen als eine Abweichung vom herkömmlichen Wertekonsens der Mehrheitsgesellschaft, welche dogmatisch ist sowie gewaltbereit sein kann. Wenn die Bereitschaft zur Anwendung von Gewalt vorhanden ist um bestimmte Ziele zu erreichen, wird in den meisten Fällen automatisch von radikalen Einstellungen gesprochen (vgl. Ceylan u.a. 2014: 216). Unter dem Begriff wird ein kompromissloses Beharren auf bestimmte Positionen verstanden, welche gegenüber anderen Positionen intolerant gegenübersteht. Zudem geht mit Radikalisierung die Ablehnung institutionalisierter politischer Verfahrensweisen einher. Im europäischen Diskurs ist beim Begriff Radikalisierung die gleichzeitige Assoziation mit Gewaltbereitschaft häufiger vorzufinden (vgl. Ceylan u.a. 2014: 240). Radikal beziehungsweise Radikalismus leitet sich vom lateinischen „radix“ (die Wurzel) ab. Wer radikal ist, schließt von Grund auf keine Kompromisse mehr. Radikal in den Zielsetzungen ist also diejenige Person, welche die Verhältnisse die er vorfindet von Grund auf, also an der Wurzel ansetzend, in Frage stellt und grundlegend verändern will. Häufig geschieht dies im Namen einer absolut gesetzten Wahrheit. Deshalb sind Radikale im Allgemeinen weder bereit zu differenzieren, noch auf den jeweiligen gesellschaftlichen Kontext ihrer zur Wirkung bringenden Botschaften zu achten oder auf Gegenargumente zu hören. Es gibt auch einen radikalen Modus in der Wahl der Mittel. Radikal in diesem Sinne ist, wer zur Durchsetzung oder auch nur Bekanntmachung seines Anliegens auf unübliche, allgemein nicht anerkannte Methoden bis hin zur Gewaltanwendung zurückgreift (vgl. Waldmann u.a. 2009: 36 f.).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese führt in das Thema ein, skizziert den wachsenden Zulauf radikaler Strömungen wie des Salafismus und stellt die zentrale Forschungsfrage zur Rolle der Medien bei der Radikalisierung junger Muslime.
2 Radikalisierung junger Muslime: Das Kapitel definiert Radikalisierung als gesellschaftlich umstrittenen Begriff und untersucht die psychologischen sowie sozialen Ursachen wie Identitätskrisen und Ausgrenzungserfahrungen.
3 Massenmedien - signifikante Funktionen: Hier werden die Rollen der Medien als Informationsvermittler und Akteure der gesellschaftlichen Realität beleuchtet, insbesondere hinsichtlich ihrer Integrations- und Sozialisationsfunktion.
4 Der Islam in der deutschen Medienlandschaft: Dieses Kapitel analysiert das oft selektive und negativ geprägte Islambild in deutschen Medien, das durch Stereotype und eine starke Fokussierung auf Konfliktthemen gekennzeichnet ist.
5 Der Islam in der deutschen Gesellschaft: Untersuchung der Zunahme islamfeindlicher Einstellungen in der Bevölkerung und deren kritische Rückkoppelung auf die Identitätsbildung und Radikalisierungsgefährdung junger Muslime.
6 Schluss: Zusammenfassung der Kernerkenntnisse, die den Zusammenhang zwischen medialem Islambild, gesellschaftlicher Abwehrhaltung und Radikalisierung unterstreicht und weiteren Forschungsbedarf aufzeigt.
6.1 Literaturverzeichnis: Umfassende Auflistung der für die Arbeit verwendeten wissenschaftlichen Quellen, Studien und Medienanalysen.
Schlüsselwörter
Radikalisierung, Islam, Medienlandschaft, Identitätskrise, Islamfeindlichkeit, Salafismus, Integration, Diskurs, Migrationsforschung, gesellschaftliche Wahrnehmung, Stereotype, soziale Ausgrenzung, Extremismus, Prävention.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht den Zusammenhang zwischen der Darstellung des Islams in den deutschen Medien und der Radikalisierung junger muslimischer Menschen in Deutschland.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die zentralen Felder sind die Definition von Radikalisierung, die Funktionen der Massenmedien, die spezifische mediale Berichterstattung über Muslime sowie die gesellschaftliche Akzeptanz des Islams.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Untersuchung?
Die Forschungsfrage lautet: „Inwiefern forciert die Darstellung des Islam in der deutschen Medienlandschaft die Radikalisierung junger Muslime in Deutschland?“
Welche wissenschaftliche Methode wird zur Bearbeitung genutzt?
Die Arbeit nutzt eine themenbasierte Literaturanalyse, unter Einbeziehung soziologischer Studien, Migrationsforschung sowie Analysen der Medienberichterstattung.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Erörterung von Radikalisierung und Medienfunktionen, eine Analyse des Islams im Mediendiskurs und eine Betrachtung der gesellschaftlichen Islamfeindlichkeit.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung am besten?
Wichtige Begriffe sind Radikalisierung, Islam, Medienlandschaft, Identitätskrise, Islamfeindlichkeit, soziale Ausgrenzung und Integration.
Warum spielen Identitätskrisen eine so entscheidende Rolle bei der Radikalisierung?
Identitätskrisen bei Migranten der zweiten oder dritten Generation entstehen oft durch das Gefühl, weder im Heimatland noch in der Aufnahmegesellschaft vollständig akzeptiert zu sein. Radikale Gruppen bieten in diesem Vakuum eine Ersatzidentität und Zugehörigkeit an.
Welchen Einfluss hat die öffentliche Berichterstattung konkret auf das Islambild?
Die Berichterstattung ist laut Arbeit durch eine negative Konnotation und eine starke Fokussierung auf Themen wie Terrorismus, Zwangsheirat oder religiöse Intoleranz geprägt, was Stereotype verstärkt und Differenzierungen oft vermissen lässt.
- Arbeit zitieren
- Haci Yunus Erdal (Autor:in), 2016, Der Islam in den Medien und die Radikalisierung junger Muslime, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/1453362