Am Beispiel Polynesiens lässt sich sehr anschaulich zeigen, welche Rolle Feste für den Erhalt
oder den Erwerb von Status und Prestige spielen. Dies soll in der vorliegenden Arbeit
versucht werden. Nach einer sehr kurzen, allgemeinen Darstellung Polynesiens, möchte ich
einen Aspekt seiner Kultur etwas genauer beleuchten, den gesellschaftlichen Aufbau und die
Vorstellungen von Status und Prestige. Im Anschluss daran folgt eine ausführliche Einführung
in die ethnologische Betrachtung von Festen im Allgemeinen, in der die Verbindung
von Festen zu Status und Prestige eher theoretisch-abstrakt gezogen wird. In der daran anschließenden
Darstellung von Festen in Polynesien wird diese Verbindung dann konkret
veranschaulicht. Als polynesische Beispielgesellschaften habe ich Tikopia und die Marquesas
ausgewählt, auf die ich mich immer wieder bei einzelnen detailierten Betrachtungen
beziehen werde. Eine ausführlichere Vorstellung von Tikopia und den Marquesas erfolgt
am Ende der Arbeit.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Polynesien
2.1 Status und Gesellschaft
2.1.1 Drei Typen von polynesischen Gesellschaftssystemen
3 Feste
3.1 Definition
3.2 Feste und Status
3.3 Feste und soziale Evolution
4 Feste in Polynesien
4.1 Tikopia
4.2 Marquesas
5 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Rolle von Festen in polynesischen Gesellschaften als Instrument zur Sicherung oder Erlangung von Status und Prestige. Dabei wird analysiert, wie unterschiedliche soziale Strukturen die Art und Durchführung von Festen beeinflussen und ob diese als Ausdruck gesellschaftlicher Stratifikation verstanden werden können.
- Soziale Stratifikation und Statuskonzepte in Polynesien
- Ethnologische Betrachtung der Funktion von Festen
- Wechselwirkung zwischen Nahrungskonsum und sozialem Prestige
- Vergleichende Analyse: Tikopia (traditionell) vs. Marquesas (offen/stratifiziert)
- Kritische Auseinandersetzung mit kulturmaterialistischen Ansätzen
Auszug aus dem Buch
3.1 Definition
Doch zuerst stellt sich die Frage, was Feste eigentlich sind, wie sie sich definitorisch fassen lassen. Bereits in unserer Kultur gibt es so viele verschiedene Arten von Festen, dass der Versuch einer allgemeinen Definition fast aussichtslos erscheinen muss: Das Wort Fest bezeichnet eine sehr breitgefächerte Kategorie kultureller Aktivitäten. In der ethnographischen Praxis scheint das große Spektrum des Wortes Fest jedoch kaum Schwierigkeiten zu bereiten, jedenfalls stimmen verschiedene Feldforscher meistens gut darin überein, welche kulturellen Phänomene als Feste zu bezeichnen sind (Dietler & Hayden, 2001, S. 3f). Ein gemeinsames Element vieler Versuche, die Kategorie Fest genauer einzugrenzen, ist das gemeinschaftliche Essen und Trinken, das sich sowohl von der alltäglichen Nahrungsaufnahme wie auch von einfachem Nahrungsaustausch unterscheidet (Dietler & Hayden, 2001, S. 3).
Obwohl diese Definition bereits sehr weit gefasst und entsprechend schwach ist, deckt sie nicht alle Formen von Festen ab: So ist z.B. bei den Tikopia das gemeinsame Essen nicht Teil des Festes, sondern lediglich das Aufteilen der Nahrung; der Verzehr findet dann ‘zu Hause’ statt. Was die Feste der Tikopia vom alltäglichen Nahrungsaustausch unterscheidet, ist hingegen die Menge und Art der Nahrung. In einer abgewandelten Definition versucht Hayden diesen Aspect der special foods aufzunehmen, ohne allerdings auf den gemeinsamen Verzehr zu verzichten: a feast be any sharing between two or more people of special foods (i.e. foods not generally served at daily meals) in a meal for a special purpose or occasion (Hayden, 2001, S. 28).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Einführung in das Thema der polynesischen Feste als Ausdruck von Status und Prestige und Vorstellung der untersuchten Beispielgesellschaften Tikopia und Marquesas.
2 Polynesien: Darstellung der kulturellen Homogenität Polynesiens sowie Analyse der Konzepte von Status, Mana, Tapu und der Einteilung in drei spezifische Gesellschaftstypen.
3 Feste: Ethnologische Untersuchung der Definition von Festen sowie deren theoretische Einordnung als soziale Technologie zur Festigung von Beziehungen und Status.
4 Feste in Polynesien: Konkrete Anwendung der theoretischen Überlegungen auf die Beispiele Tikopia und Marquesas, inklusive einer Analyse unterschiedlicher Festtypen und deren sozialer Funktion.
5 Fazit: Zusammenfassende Betrachtung der Ergebnisse, welche die Korrelation zwischen gesellschaftlicher Stratifikation und der Ausprägung von Festen bestätigt, jedoch die Grenzen evolutionistischer Interpretationen aufzeigt.
Schlüsselwörter
Polynesien, Status, Prestige, Feste, Mana, Tapu, Stratifikation, Tikopia, Marquesas, Soziale Technologie, Nahrungsaustausch, Rites-de-passage, Häuptlingssystem, Kulturmaterialismus, Ethnologie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die ethnologische Bedeutung von Festen in polynesischen Gesellschaften und analysiert, wie diese Feierlichkeiten genutzt werden, um sozialen Status und Prestige innerhalb der Gemeinschaft zu erwerben oder zu festigen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Zentrum stehen die soziale Schichtung in Polynesien, Konzepte wie Mana und Tapu sowie die Rolle von Festen als Instrumente zur Demonstration von Erfolg und Macht.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das primäre Ziel ist es, den Zusammenhang zwischen der gesellschaftlichen Struktur – von traditionellen bis hin zu stratifizierten Systemen – und der Durchführung von Festen aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor stützt sich auf eine Literaturanalyse ethnographischer Berichte und theoretischer Modelle, insbesondere von Autoren wie Hayden, Sahlins und Goldman, um polynesische Gesellschaften vergleichend zu betrachten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Einführung in das Phänomen „Fest“, die spezifische Anwendung auf polynesische Kulturen und den detaillierten Vergleich zwischen Tikopia und den Marquesas.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Status, Prestige, Feste, Stratifikation und soziale Technologie in einem polynesischen Kontext charakterisiert.
Warum unterscheidet der Autor zwischen Tikopia und den Marquesas?
Diese beiden Inselgruppen dienen als gegensätzliche Fallbeispiele: Während Tikopia eine eher traditionelle, wenig stratifizierte Gesellschaft repräsentiert, stellen die Marquesas ein Beispiel für ein offenes, stratifiziertes System dar.
Welche Schlussfolgerung zieht der Autor im Fazit?
Der Autor kommt zu dem Schluss, dass Feste tatsächlich dem Ausdruck von Status dienen und deren Intensität mit dem Grad der gesellschaftlichen Stratifikation korreliert, warnt jedoch davor, diese Beobachtungen vorschnell als universellen Beleg für eine lineare soziale Evolution zu werten.
- Arbeit zitieren
- Peter Baumann (Autor:in), 2008, Polynesische Feste als Ausdruck von Status und Prestige, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/145053