In dieser Arbeit gilt es zu untersuchen, inwiefern Rassismus durch den Ich-Erzähler Ishmael und dessen Begegnung mit der Figur des ‚Wilden‘ Queequeg reflektiert wird, welche impliziten Rassismen eventuell vorhanden sind und welchen Einfluss der Handlungsraum des Schiffes auf die Dynamik der Figurenentwicklung nimmt. Um diese Fragestellung zu untersuchen, wird zunächst im ersten Kapitel der Begriff ‚Rassismus‘ definiert, dieser anschließend historisch eingeordnet und zuletzt die zeitgenössischen rassistischen Darstellungsweisen in der Literatur dargelegt. Im darauffolgenden Kapitel wird der Ich-Erzähler Ishmael, der Handlungsraum der Pequod sowie die Figur Queequeg einer Analyse unterzogen, um Transparenz hinsichtlich der Fragestellung zu schaffen.
Zu Beginn wird der Leser durch den Ich-Erzähler Ishmael in die Geschichte eingeführt, welcher zur See fahren möchte, da er sich zu dieser Zeit auf dem Land nicht mehr wohlfühlt. Als er daraufhin in einem Gasthaus übernachten möchte, ist dies nur möglich, wenn er sich mit dem polynesischen Harpunier Queequeg ein Bett teilt. Während Ishmael anfänglich noch große Angst vor dem Harpunier hat, u.a aufgrund seiner dunklen Hautfarbe, freunden sich die beiden Figuren letztendlich an. In den folgenden Kapiteln nimmt die Beziehung zwischen Ishmael und Queequeg einen zentralen Bestandteil der Handlung ein, verblasst allerdings sobald diese mit der Pequod in See stechen.
Die Figuren Ishmael und Queequeg sowie der Handlungsraum des Schiffes scheinen also in einem Verhältnis zueinander zu stehen. Zudem macht es zunächst den Anschein, als ob Ishmael rassistische Vorurteile gegenüber Queequeg besitzt, welche sich nach der Begegnung aber wieder relativieren.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Rassismus
2.1 Begriffsdefinition
2.2 Rassismus im historischen Kontext des 17., 18. und 19. Jahrhundert
2.3 Rassistische Darstellungsformen in der Literatur
3. Analyse
3.1 Ishmael
3.2 Pequod – Die Rolle des Schiffs als Handlungsraum
3.3 Queequeg
3.4 Schlussfolgerungen
4. Fazit
5. Literaturverzeichnis
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht Herman Melvilles Roman Moby-Dick im Hinblick auf die Beziehung zwischen dem Ich-Erzähler Ishmael und dem polynesischen Harpunier Queequeg sowie die Reflexion von Rassismus in diesem Zusammenhang. Dabei wird insbesondere analysiert, inwiefern der Handlungsraum des Schiffes Pequod einen Einfluss auf die Dynamik der Figurenentwicklung nimmt und ob dort eine Gesellschaft abseits rassistischer Hierarchien möglich ist.
- Analyse des Rassismusbegriffs und dessen historischer Kontextualisierung.
- Untersuchung rassistischer Stereotypisierungen in der Literatur des 19. Jahrhunderts.
- Dekonstruktion der rassistischen Denkweise des Protagonisten Ishmael.
- Anwendung des Heterotopie-Modells nach Michel Foucault auf den Handlungsraum des Schiffes.
- Beurteilung der Entwicklung der Beziehung zwischen Ishmael und Queequeg.
Auszug aus dem Buch
3.1 Ishmael
Mit den Worten „Nennt mich Ishmael“ stellt Melville den zunächst autodiegetischen Erzähler im Roman vor, welcher anführt, seine eigene Geschichte zu erzählen. Der Lesende bekommt somit Einblick in die Wahrnehmung und Gedankenwelt von Ishmael und ist zudem in der Lage das Begegnungsszenario von ihm und dem polynesischen Harpunier Queequeg allumfassend nachzuvollziehen, was, wie im weiteren Verlauf ersichtlich werden wird, eine wichtige Eigenschaft darstellt.
Auch Queequeg ist für die Fragestellung der Arbeit insofern von zentraler Bedeutung, da durch die Begegnung der beiden Figuren, ein intrinsisch motivierter Wandel Ishmaels hinsichtlich seiner vorhandenen Vorurteile und Stereotype von ‚Wilden‘ ausgelöst wird. Denn als Ishmael erfährt, dass er mit einem „dunkelfarbigen“ (MD, S. 52) Harpunier in einem Bett schlafen muss, ist ihm das zunächst nicht geheuer. (Vgl. MD, S. 54) Nervös denkt er zunehmend über den Harpunier und die Schlafsituation nach, bis er sich dazu entschließt doch nicht mit diesem in einem Bett zu schlafen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die Thematik des Rassismus in Moby-Dick und Darstellung der zentralen Forschungsfrage zur Dynamik der Figuren und des Handlungsraums.
2. Rassismus: Theoretische Fundierung des Rassismusbegriffs, dessen historische Einordnung ins 19. Jahrhundert sowie die Analyse gängiger rassistischer Darstellungsmuster in der Literatur.
3. Analyse: Untersuchung der Entwicklung von Ishmael, der Funktion der Pequod als kritischer Handlungsraum nach Foucault und der Rolle von Queequeg im Erzählverlauf.
4. Fazit: Zusammenfassende Betrachtung der Ergebnisse, insbesondere der aktiven Dekonstruktion rassistischer Denkmuster durch die Figurenkonstellation und den Raum des Schiffes.
5. Literaturverzeichnis: Auflistung der verwendeten Quellen und Forschungsliteratur.
Schlüsselwörter
Herman Melville, Moby-Dick, Rassismus, Ishmael, Queequeg, Pequod, Heterotopie, Michel Foucault, edler Wilder, Literaturanalyse, Sklaverei, Stereotype, Dekonstruktion, 19. Jahrhundert, Figurenentwicklung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht Herman Melvilles Roman Moby-Dick unter besonderer Berücksichtigung rassistischer Diskursstrukturen und deren Reflexion durch die Hauptfigur Ishmael.
Welche Themenfelder werden zentral behandelt?
Zentrale Themen sind die historische Sicht auf Rassismus im 19. Jahrhundert, literarische Stereotypisierungen wie der „edle Wilde“ und die Machtstrukturen auf einem Walfangschiff.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Es soll geklärt werden, wie Rassismus durch die Interaktion der Charaktere Ishmael und Queequeg reflektiert wird und welchen Einfluss das Schiff als Raum auf diese Dynamik hat.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zur Anwendung?
Die Arbeit nutzt literaturwissenschaftliche Analysemethoden und stützt sich unter anderem auf das Heterotopie-Modell von Michel Foucault.
Was steht im inhaltlichen Hauptteil im Fokus?
Der Hauptteil analysiert die Entwicklung von Ishmaels Urteilsvermögen, die Charakterisierung Queequegs sowie die Rolle des Schiffes als Ort jenseits gesellschaftlicher Konventionen.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Zu den Kernbegriffen zählen Rassismus-Dekonstruktion, Heterotopie, Moby-Dick, koloniale Wissensordnungen und die Figur des „edlen Wilden“.
Wie vollzieht sich Ishmaels Sinneswandel gegenüber Queequeg?
Ishmael beginnt zunächst mit tief sitzenden Vorurteilen aufgrund von Queequegs Äußerem, dekonstruiert diese jedoch durch die direkte zwischenmenschliche Begegnung und erkennt in ihm ein moralisches, gleichwertiges Individuum.
Warum spielt die Pequod eine so zentrale Rolle in der Argumentation?
Das Schiff wird als Heterotopie interpretiert, in der traditionelle rassistische Hierarchien des vom Land bekannten Diskurses ihre Gültigkeit verlieren und neue Perspektiven auf das Leben entstehen.
Welche Bedeutung kommt dem Kapitel „3.4 Schlussfolgerungen“ zu?
Dieses Kapitel synthetisiert die Analyseergebnisse und betont, dass der Dekonstruktionsprozess rassistischer Muster vor der Reise abgeschlossen ist, um auf dem Schiff Raum für andere zentrale Fragen zu schaffen.
- Arbeit zitieren
- Anonym (Autor:in), 2021, Dekonstruktion von Rassismen in Melvilles "Moby-Dick oder Der Wal", München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/1449036