Die Arbeit untersucht Krisenmanagement und Entbürokratisierung in der Berliner Verwaltung, fokussiert auf die Herausforderungen und Chancen von Reformen. Sie beleuchtet, wie durch Entbürokratisierung die Effizienz und Resilienz der öffentlichen Verwaltung gesteigert werden kann, insbesondere in Krisenzeiten. Dabei wird auf theoretische Grundlagen von Max Weber eingegangen und durch aktuelle Beispiele aus der Praxis ergänzt. Ziel ist es, einen umfassenden Überblick über Strategien und Maßnahmen zur Verbesserung der Verwaltungsarbeit zu geben und zugleich kritisch die Grenzen und Möglichkeiten von Entbürokratisierungsprozessen zu diskutieren.
Die Coronapandemie, das Hochwasser 2021 in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen oder der Krieg in der Ukraine sind komplexe Situationen. Die Gesellschaft erwartet, dass Verwaltung und Politik auf Krisen vorbereitet sind und durch ein entsprechendes Management Schaden abwenden. Werden tatsächliche oder vermeintliche Friktionen im Krisenmanagement wahrgenommen, führt dies zu öffentlichen Diskussionen. Ausnahmesituationen und die Notwendigkeit, sie erfolgreich zu bewältigen, sind auf allen Ebenen anzutreffen. Beispielhaft seien hier die seit Jahren öffentlich geführten Diskussionen über den vermeintlich schlechten Service der Berliner Verwaltung genannt. Je nach Interessenlage wird von den Diskursteilnehmern ein schlechtes (Krisen-)Management der Verwaltung angeführt oder argumentiert, dass die Entbürokratisierungsversuche die Organisations- und Widerstandsfähigkeit der Verwaltung nachhaltig geschwächt hätten. So stellt sich z.B. die Frage, ob Terminengpässe in Berliner Behörden auf ein schlechtes (Krisen-)Management der Verwaltung selbst oder auf Entbürokratisierungsversuche zurückzuführen sind.
Bürgerinnen und Bürger, die ihren Personalausweis verlängern lassen müssen, weil der Gesetzgeber dies vorschreibt, aber keinen zeitnahen Termin für die Vorsprache im Amt erhalten, nehmen die Verwaltung als ineffizient und bürgerunfreundlich wahr. Die in der Gesellschaft beobachteten Probleme führen zu einem hohen Handlungsdruck auf Politik und Verwaltung.
Die zuverlässige Erfüllung der Aufgaben der Verwaltung erfordert eine effiziente Organisation. Dies gilt insbesondere für vom Normalfall abweichende Situationen. Ein gutes Management setzt eine materiell und personell gut ausgestattete Verwaltung voraus, um auf die Resilienz Einfluss nehmen zu können.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Hauptteil
2.1. Begriffsbestimmung
2.1.1. Politik
2.1.1.1. Politikwissenschaft
2.1.1.2. Politiker*in
2.1.2. Staat
2.1.2.1. Staatsvolk
2.1.2.2. Bürger
2.1.2.3. Staatsgebiet
2.1.2.4. Staatsgewalt
2.1.3. Gewaltenteilung
2.1.4. Krisenmanagement
2.1.4.1. Krise
2.1.4.2. Management
2.1.4.3. Definition -Krisenmanagement
2.1.5. Entbürokratisierung
2.1.5.1. Bürokratie – nach Max Weber
2.1.5.2. Bürokratie – ein überholtes Organisationskonzept -
2.1.5.3. Definition Entbürokratisierung
2.1.6. Resilienz
2.1.7. Korrelation
2.2. Korrelation von Politik und Verwaltung
2.2.1. Beispiele aus der Berliner Verwaltung
2.2.1.1. Krise im Land Berlin in den 2000ern
2.2.1.2. Bürgerämter
2.2.1.3. Fahrerlaubnisbehörde
2.2.1.4. Kfz-Zulassungsstelle
2.3. Analyse der Beispiele
2.3.1. Bürgeramt
2.3.2. Fahrerlaubnisbehörde
2.3.3. Kfz-Zulassungsstelle
2.4. Erkenntnisse zur Korrelation
2.4.1. Entbürokratisierung als Euphemismus
2.4.2. Humanressourcen und strategische Planung als Korrelationsfaktoren
2.4.3. Beziehung von Digital Era Governance und Politik
3. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Spannungsverhältnis zwischen Krisenmanagement und Entbürokratisierung in der Berliner Verwaltung und analysiert dabei die Korrelation von Politik und Verwaltung anhand ausgewählter Beispiele.
- Wechselwirkungen zwischen politischer Steuerung und Verwaltungshandeln.
- Einfluss von Entbürokratisierungsmaßnahmen auf die Resilienz öffentlicher Organisationen.
- Fallstudien zu Bürgerämtern, Fahrerlaubnisbehörden und Kfz-Zulassungsstellen.
- Strategische Planung, Personalmanagement und die Rolle von Digitalisierung (E-Government).
- Herausforderungen der Krisenbewältigung unter Bedingungen politischer Einflussnahme.
Auszug aus dem Buch
2.4.2. Humanressourcen und strategische Planung als Korrelationsfaktoren
Der Personalabbau insbesondere im Dienstleistungsbereich der öffentlichen Verwaltung, das Bevölkerungswachstum in Berlin, das zu einer zusätzlichen Nachfrage nach Dienstleistungen geführt hat, und die zunehmende Kritik an der Verwaltung scheinen miteinander zu korrelieren. Eine Wechselwirkung zwischen dem Verhältnis der Anzahl der Bediensteten in der Verwaltung und der steigenden Nachfrage nach Dienstleistungen, also quasi Mehrarbeit pro Bediensteten, und der Tatsache, dass der Krankenstand in der öffentlichen Verwaltung (Berlin) dreimal so hoch ist wie im Durchschnitt der Privatwirtschaft, kann nicht ausgeschlossen werden.
Dieser Zusammenhang ist den Akteuren in Politik und Verwaltung bewusst. Doch selbst wenn Personal eingestellt werden soll oder kann, weil finanzielle Mittel zur Verfügung stehen, geht dem ein zeit- und arbeitsintensives Einstellungsverfahren mit verschiedenen beteiligten Akteuren (u.a. Personal-, Frauen-, Schwerbehindertenvertretung) voraus. Auch der Arbeitsmarkt und seine Veränderungen sind einer zeitnahen Personalrekrutierung in der öffentlichen Verwaltung nicht förderlich. Die Verfügbarkeit von geeignetem Fachpersonal ist begrenzt.
Sind geeignete Fachkräfte auf dem Markt verfügbar und interessiert, so ist insbesondere im IT-Bereich und im gehobenen Management die höhere Vergütung in privaten Unternehmen ein Hemmnis für die Aufnahme einer Tätigkeit in der öffentlichen Verwaltung.
Die Personalrekrutierung wird auch durch die Außenwirkung der Verwaltung beeinflusst. Einerseits erleben die Bürger*innen den Andrang in den Behörden, der von den Mitarbeiter*innen bewältigt werden muss, andererseits werden z.B. massive Wartezeiten schon beim Wählen der Servicetelefone, also noch bevor ein Mitarbeiter das Gespräch annimmt, als Kaffeekränzchen der Beamten interpretiert oder es wird eine schlechte Organisation unterstellt. Entsprechend ist dann auch die individuelle Motivation, für einen solchen Arbeitgeber tätig zu werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Beleuchtet die Relevanz des Themas Krisenmanagement und Entbürokratisierung im Kontext der Berliner Verwaltung und definiert die Forschungsfrage.
2. Hauptteil: Führt eine tiefgehende Begriffsbestimmung durch und analysiert mittels Fallbeispielen (Bürgerämter, Fahrerlaubnisbehörde, Zulassungsstelle) die Wechselwirkungen zwischen Politik und Verwaltung.
2.1. Begriffsbestimmung: Definiert die zentralen Fachbegriffe Politik, Staat, Krisenmanagement, Entbürokratisierung und Resilienz als theoretisches Fundament der Arbeit.
2.2. Korrelation von Politik und Verwaltung: Untersucht die praktische Interaktion zwischen politischen Vorgaben und der Umsetzung durch die Verwaltung anhand konkreter Berliner Beispiele.
2.3. Analyse der Beispiele: Reflektiert die Motivationen und Interessen der beteiligten Akteure (Politik, Verwaltung, Bürger, Medien) in den untersuchten Behörden.
2.4. Erkenntnisse zur Korrelation: Leitet aus den Fallanalysen zentrale Erkenntnisse zu den Auswirkungen von Entbürokratisierung, Personal- und Ressourcenmanagement ab.
3. Fazit: Fasst die Ergebnisse zusammen und bewertet die Interdependenz zwischen politischer Zielsetzung und der Resilienz sowie Handlungsfähigkeit der öffentlichen Verwaltung.
Schlüsselwörter
Krisenmanagement, Entbürokratisierung, Berliner Verwaltung, Politik, Verwaltungshandeln, Resilienz, Korrelation, Personalmanagement, New Public Management, Digital Era Governance, Bürgerämter, Fahrerlaubnisbehörde, Kfz-Zulassungsstelle, staatliche Steuerung, Verwaltungsreform.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht das Zusammenspiel von politischer Steuerung und Verwaltungspraxis in Berlin unter dem speziellen Fokus auf Krisenbewältigung und Maßnahmen zum Bürokratieabbau.
Welche zentralen Themenfelder behandelt die Publikation?
Die zentralen Felder umfassen das Krisenmanagement, Entbürokratisierungsprozesse, Public Management-Ansätze, Personalengpässe in Behörden sowie die Rolle der Digitalisierung.
Was ist das primäre Forschungsziel?
Das Ziel ist die Beantwortung der Frage, wie Entbürokratisierung die Fähigkeit der Berliner Verwaltung beeinflusst, schwierige Organisationssituationen ohne nachhaltige Beeinträchtigung für die Bürger zu bewältigen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Der Autor nutzt eine qualitative Inhaltsanalyse sowie die Gegenüberstellung von Fachdefinitionen und praktischen Fallbeispielen aus dem Berliner Landesdienst.
Was steht im inhaltlichen Hauptteil im Fokus?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Begriffsbestimmung und eine empirische Betrachtung spezifischer Behörden, um Ursache-Wirkungs-Zusammenhänge in der Verwaltungsführung aufzuzeigen.
Welche Keywords charakterisieren die Arbeit am besten?
Wichtige Schlagworte sind Krisenmanagement, Berliner Verwaltung, Entbürokratisierung, Resilienz und strategische Verwaltungsplanung.
Wie bewertet der Autor die Rolle des "Bürokratieabbaus"?
Der Autor sieht Bürokratieabbau als Instrument, das bei dogmatischer Anwendung die Resilienz einer Organisation schwächen kann, anstatt die intendierte Effizienz zu steigern.
Welche Bedeutung haben die Fallbeispiele der Bürgerämter?
Die Bürgerämter dienen als Beispiel für eine kritische Überlastungssituation, in der mangelnde Personalplanung und politischer Entscheidungsdruck auf die Dienstleistungsqualität für die Bürger wirken.
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- Lars Hecht (Author), 2023, Krisenmanagement und Entbürokratisierung in der Berliner Verwaltung. Die Korrelation von Politik und Verwaltung, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/1448697