Seit Mitte der 90er Jahre hat sich der Handel zwischen der VR China und den afrikanischen Staaten rasant entwickelt. Allein im Zeitraum von 2000 bis 2007 wuchs der chinesische Handel mit Afrika von ca. 11 Mrd. USD auf ca. 74 Mrd. USD an.
Der Export aus Afrika in die VR steigerte sich zwischen 2000 und 2005 um durchschnittlich 48% pro Jahr und ist in erster Linie auf den Anstieg chinesischer Rohstoffimporte zurückzuführen, wobei der Import von Erdöl mit Abstand die wichtigste Rolle spielt. Zudem haben chinesische Ölkonzerne ihre Direktinvestitionen in den afrikanischen Ölsektor in den letzten Jahren stark ausgeweitet. Während die chinesischen Nationalen Ölkonzerne 1995 in Afrika noch so gut wie keine Präsenz hatten, sind sie mittlerweile in einer Vielzahl von Projekten auf dem Kontinent aktiv.
Seitdem China 1993 ein Nettoimporteur von Erdöl geworden ist, verstärkten chinesische NOC ihre Suche nach neuen Bezugsquellen und nach Investitionsmöglichkeiten in den Ölsektor anderer Staaten. Bei diesem Bestreben spielt Afrika eine besondere Rolle, da die Ölproduktion in Afrika weltweit am schnellsten wächst. Zudem gibt es dort noch viele unerschlossene Ölquellen und viele afrikanische Staaten heißen, im Unterschied zu den meisten Öl exportierenden Staaten im Nahen Osten und in Lateinamerika, ausländische Investoren willkommen.
Da auch für andere Akteure afrikanische Ölressourcen eine immer wichtigere Rolle spielen sowie aufgrund des weltweiten Trends hin zu einem Energie- und Ressourcennationalismus erscheinen Konflikte unausweichlich. Seit einigen Jahren wird Chinas Öldiplomatie in westlichen Staaten zunehmend mit Sorge betrachtet. Diese Arbeit verfolgt deshalb im Wesentlichen zwei Ziele: Erstens will sie ergründen, wie sich das Interesse an der Erdölsicherung in Afrika in der Außenpolitik der VR niederschlägt und zweitens die Auswirkungen auf die Beziehung zu anderen Akteuren analysieren.
Relevant ist dieses Thema vor allem, da Energiesicherung eine immer wichtigere Rolle für die Außenpolitikformulierung der VR spielt und ihre Beziehungen zu anderen Staaten stark beeinflusst. Ein ausreichender Zugang zu Erdöl ist außerdem notwendig, um das Wirtschaftswachstum Chinas aufrecht zu erhalten. Wirtschaftswachstum wiederum ist die Grundlage für soziale Stabilität in China und für das Überleben der KPCh.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung - Bedeutung und Abgrenzung des Themas
1.1 Gang der Arbeit
1.2 Forschungsstand und Literaturlage
2. Chinas Erdölsicherungsstrategie
2.1 Der chinesische Ölsektor
2.2 Chinas wachsende Nachfrage nach Erdöl
2.3 Erdölsicherung als Bestandteil von Chinas Energiesicherungsstrategie
3. China und die afrikanische Erdölindustrie
3.1 Die Bedeutung afrikanischer Ölquellen für China
3.2 Investitionen chinesischer Ölkonzerne in den afrikanischen Erdölsektor
3.2.1 Sudan
3.2.2 Angola
3.2.3 Nigeria
4. Die Bedeutung chinesischer Diplomatie für die Erdölgeschäfte
4.1 Entwicklungshilfe
4.2 Angola Mode – Verknüpfung von Kreditvergabe und Erdöllieferungen
4.3 Staatsbesuche und diplomatische Rhetorik
4.4 Politische Unterstützung
4.5 Waffenverkäufe und militärische Kooperation
4.6 Langfristige Strategie oder rationales Agieren am Markt?
5. Auswirkungen des chinesischen Engagements auf die Entwicklung Afrikas
5.1 Auswirkungen auf die Menschenrechtssituation in Afrika
5.2 Verschärfung des Ressourcenfluchs oder Förderung von Entwicklung?
5.2.1 Positive und negative Effekte für Afrikas wirtschaftliche Entwicklung
5.2.2 Auswirkungen auf die Transparenz im Ölsektor
5.3 Strategien zur besseren Nutzung des Entwicklungspotentials
6. Auswirkungen auf die Beziehung zu anderen Staaten
6.1 Herausforderungen für die Energieversorgung westlicher Staaten?
6.2 Auswirkungen auf die Beziehungen zu anderen Schwellenländern
6.3 Implikationen für die westliche Afrikapolitik und die Beziehungen zwischen China und dem Westen
7. Zusammenfassung und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Rolle Chinas im afrikanischen Erdölsektor seit 1995. Ziel ist es zu ergründen, wie sich das Interesse an der Erdölsicherung in Afrika in der Außenpolitik der Volksrepublik China niederschlägt und welche Auswirkungen dieses Engagement auf die Beziehungen zu anderen internationalen Akteuren hat.
- Die chinesische Erdölsicherungsstrategie und der Einfluss staatlicher Ölkonzerne.
- Diplomatische Instrumente zur Absicherung des Zugangs zu afrikanischen Erdölressourcen.
- Sozioökonomische Auswirkungen und ökologische Folgen für den afrikanischen Kontinent.
- Konfliktpotentiale und Kooperationsmöglichkeiten mit westlichen Staaten und anderen Schwellenländern.
Auszug aus dem Buch
1. Einleitung - Bedeutung und Abgrenzung des Themas
Seit Mitte der 90er Jahre hat sich der Handel zwischen der VR China und den afrikanischen Staaten rasant entwickelt. Allein im Zeitraum von 2000 bis 2007 wuchs der chinesische Handel mit Afrika von ca. 11 Mrd. USD auf ca. 74 Mrd. USD an (Siehe Abb. 1). Das von der chinesischen Regierung ausgegebene Ziel, das Handelsvolumen bis 2010 auf 100 Mrd. USD auszuweiten, wurde bereits 2008 übertroffen.
Der Export aus Afrika in die VR steigerte sich zwischen 2000 und 2005 um durchschnittlich 48% pro Jahr und wuchs somit zweieinhalbmal so schnell wie der Export in die USA und viermal so schnell wie in die EU Staaten. Der verstärkte Export nach China ist in erster Linie auf den Anstieg chinesischer Rohstoffimporte zurückzuführen, wobei der Import von Erdöl mit Abstand die wichtigste Rolle spielt. Dies wird auch an der regionalen Konzentration der Importe deutlich. 85% aller chinesischen Importe stammen aus den Öl exportierenden Staaten Angola, Äquatorial Guinea, Nigeria, der Republik Kongo und dem Sudan. Gleichzeitig haben chinesische Ölkonzerne ihre Direktinvestitionen in den afrikanischen Ölsektor in den letzten Jahren stark ausgeweitet. Während die chinesischen Nationalen Ölkonzerne (NOC) 1995 in Afrika noch so gut wie keine Präsenz hatten, sind sie mittlerweile in einer Vielzahl von Projekten auf dem Kontinent aktiv.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung - Bedeutung und Abgrenzung des Themas: Diese Einleitung führt in die rasante Entwicklung der sino-afrikanischen Handelsbeziehungen ein und definiert die beiden zentralen Forschungsziele hinsichtlich der Außenpolitik und internationaler Beziehungen.
2. Chinas Erdölsicherungsstrategie: Hier werden der chinesische Ölsektor, die wachsende Nachfrage nach Erdöl und die Integration der Erdölsicherung in die nationale Energiesicherheitsstrategie analysiert.
3. China und die afrikanische Erdölindustrie: Dieses Kapitel erläutert die Bedeutung afrikanischer Quellen für China sowie die Investitionsaktivitäten chinesischer Konzerne im Sudan, in Angola und Nigeria.
4. Die Bedeutung chinesischer Diplomatie für die Erdölgeschäfte: Der Abschnitt diskutiert, wie diplomatische Mittel wie Entwicklungshilfe, Kredite, Staatsbesuche und Waffenverkäufe gezielt zur Unterstützung der Ölgeschäfte eingesetzt werden.
5. Auswirkungen des chinesischen Engagements auf die Entwicklung Afrikas: Hier werden Chancen und Risiken analysiert, insbesondere im Hinblick auf Menschenrechte, den Ressourcenfluch sowie Strategien zur besseren Nutzung des Entwicklungspotentials.
6. Auswirkungen auf die Beziehung zu anderen Staaten: Dieser Teil betrachtet die Herausforderungen für die westliche Energieversorgung und die Beziehungen zu anderen Schwellenländern in einem globalen Kontext.
7. Zusammenfassung und Ausblick: Diese abschließende Sektion fasst die Ergebnisse zusammen und bewertet die Möglichkeiten einer zukünftigen Kooperation bei der Energiesicherung.
Schlüsselwörter
China, Afrika, Erdöl, Energiesicherheit, Ölkonzerne, NOC, Diplomatie, Entwicklungshilfe, Angola, Sudan, Nigeria, Ressourcenfluch, Infrastruktur, Auslandsinvestitionen, internationale Beziehungen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Diplomarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert das verstärkte Engagement der Volksrepublik China im afrikanischen Erdölsektor seit Mitte der 1990er Jahre und dessen Auswirkungen auf die Außenpolitik Chinas sowie das internationale Machtgefüge.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Zentrale Felder sind die chinesische Energiesicherungsstrategie, die Rolle staatlicher Ölkonzerne (NOC), der Einsatz diplomatischer und wirtschaftlicher Instrumente in Afrika sowie die Auswirkungen auf die Entwicklung des Kontinents.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Arbeit untersucht einerseits, wie sich das Interesse an der Erdölsicherung in Afrika in der Außenpolitik Chinas widerspiegelt, und analysiert andererseits die Auswirkungen dieses Engagements auf die Beziehungen zu anderen Akteuren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine tiefgehende Analyse westlicher Sekundärliteratur, fachwissenschaftlicher Studien, offizieller politischer Papiere sowie einer intensiven Auswertung von Wirtschaftsdaten und Berichten zur Investitionstätigkeit chinesischer Ölkonzerne.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung des chinesischen Ölsektors, die Darstellung der Investitionen in afrikanischen Ländern, die Rolle diplomatischer Mittel (z. B. Entwicklungshilfe, Kreditvergabe) sowie die Analyse der Chancen und Risiken für die afrikanische Entwicklung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Energiesicherheit, chinesische Ölkonzerne (NOC), Infrastrukturentwicklung, Ressourcenfluch, diplomatischer Einfluss sowie die spezifischen Länderstudien zu Angola, Sudan und Nigeria.
Wie unterscheidet sich die chinesische "Angola Mode" von westlichen Krediten?
Die "Angola Mode" zeichnet sich durch eine direkte Verknüpfung von staatlichen Infrastrukturkrediten mit der langfristigen Lieferung von Erdöl an chinesische Unternehmen aus, oft ohne die strengen politischen Auflagen, die westliche Finanzinstitutionen (wie der IWF) üblicherweise fordern.
Welches Fazit zieht der Autor bezüglich des "Ressourcenfluchs"?
Das Fazit ist zwiespältig: Während Infrastrukturinvestitionen einen wirtschaftlichen Impuls geben können, werden durch die Kooperation mit teils autoritären Regimen politische Risiken und Intransparenz gefördert, was den "Ressourcenfluch" in den betroffenen Ländern tendenziell verstärken kann.
- Arbeit zitieren
- Andreas Dittrich (Autor:in), 2009, Chinas Erdölsicherung in Sub-Sahara Afrika seit 1995, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/144531