Die Seminararbeit befasst sich mit der Identität der chinesischen Post-1980er Generation, die unter der Ein-Kind-Politik und der wirtschaftlichen Öffnung (One country two systems) aufwuchsen/aufwachsen und sich einer Gesellschaft gegenübersehen, die sich von der ihrer Eltern massiv unterscheidet.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Identität: Ein einleitender Definitionsversuch
3 Die Identität der chinesischen Jungend: Eine Einführung
4 Die verschiedenen Sphären der Identität
4.1 Von der Kommune über die Wirtschaftsreform zum Individualismus
4.2 Individualismus, die Ein-Kind-Politik und der Generationenunterschied
4.3 Konsum und Kultur
4.4 Internationalismus, die patriotische Erziehung und die Relegitimierung der Kommunistischen Partei
4.5 Chinas wachsender Stadt-Land Unterschied
5 Fazit und Ausblick
Zielsetzung und Themen
Die Arbeit analysiert die Identitätsbildung der jungen Generation in der Volksrepublik China, der sogenannten Post-1980er-Generation, vor dem Hintergrund tiefgreifender gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Transformationen. Die zentrale Forschungsfrage untersucht, welche gesellschaftlichen Phänomene – wie die Ein-Kind-Politik, der wirtschaftliche Aufstieg, Patriotismus und Migration – die Selbstwahrnehmung und das soziale Verhalten dieser jungen Menschen prägen.
- Einfluss der wirtschaftlichen Reformen und des Individualismus auf die Jugendidentität.
- Auswirkungen der Ein-Kind-Politik auf familiäre Strukturen und den Generationenkonflikt.
- Die Rolle von Konsumkultur und westlichen Einflüssen als Identitätsersatz.
- Relegitimierung der Kommunistischen Partei durch patriotische Erziehungskampagnen.
- Sozioökonomische Disparitäten zwischen städtischer Jugend und der migrierenden Landjugend.
Auszug aus dem Buch
4.1 Von der Kommune über die Wirtschaftsreform zum Individualismus
Teng Xiaoping nahm nach seiner Rückkehr aus der Verbannung (1973) am Ende der Kulturrevolution – mit der auch die Politik Maos und der Viererbande zu Ende ging – einen Plan zur wirtschaftlichen Entwicklung Chinas auf: Die vier Modernisierungen (Hsü 2000). Sie beinhalteten die Modernisierung der Landwirtschaft, der Industrie, des Militärs und der Technologie. Er errechnete einen Entwicklungsplan und projektierte eine Vervierfachung des Bruttosozialprodukts von US-$ 250 Millionen zu US-$ 1 Milliarde auf das Jahr 2000 hin. Die Ziele des Politprogramms „Sozialismus mit chinesischen Charakteristiken“ waren, die Wahrenproduktion zu steigern, die Arbeitsproduktivität zu erhöhen und die vier Modernisierungen zu erreichen, um Armut und Rückständigkeit zu beseitigen. Die rapide Entwicklung würde die Hingabe des ganzen Landes erfordern und die Absorbierung von ausländischem Kapital und Technologie beinhalten.
Die erste Phase der industriellen Reform beinhaltete die Einführung eines Verantwortlichkeitssystems, das den Unternehmen erlaubte, den Grossteil ihrer Gewinne zu behalten. De facto bedeutete dies ein massiver Abbau der bis anhin zentralisierten Planwirtschaft. Die wohl offensichtlichste Auswirkung der Wirtschaftsreform war die massive Neuentstehung von Privatunternehmen: Waren es 1978 noch 100'000 gewesen, waren 1983 bereits 17 Millionen. Nach dem Besuch von Präsident Nixon 1972 wurden die Handelsbeziehungen zu den USA sukzessive ausgeweitet und die Handelsgewinne aus den Geschäften mit Amerika wuchsen jährlich, von US-$ 92 Millionen 1972 zu US-$ 13.5 Milliarden 1988. Die Parteileitung erhoffte sich durch den Auslandshandel die Modernisierung Chinas schneller vorantreiben zu können.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung stellt die spezifische Gruppe der jungen Erwachsenen in China in den Mittelpunkt der Untersuchung und grenzt den Fokus auf den urbanen Kontext sowie die Bedeutung der Post-1980er-Generation ein.
2 Identität: Ein einleitender Definitionsversuch: Das Kapitel bietet einen theoretischen Rahmen zur Konstruktion von Identität unter Bezugnahme auf Jenkins und Foucault, wobei der Fokus auf sozialer Praxis und Gruppenidentität liegt.
3 Die Identität der chinesischen Jungend: Eine Einführung: Hier werden acht zentrale Charakteristiken der chinesischen Jugend nach Xi dargelegt, die von Bildung und Wirtschaft bis hin zu demografischen Faktoren und dem Einfluss des Internets reichen.
4 Die verschiedenen Sphären der Identität: Dieser Hauptteil beleuchtet detailliert die Einflussfaktoren der Identitätsbildung, darunter wirtschaftliche Reformen, die Ein-Kind-Politik, Konsumkultur, Patriotismus-Kampagnen und die Kluft zwischen Stadt und Land.
4.1 Von der Kommune über die Wirtschaftsreform zum Individualismus: Das Kapitel beschreibt den historischen Wandel Chinas seit den 1970er Jahren hin zur sozialistischen Marktwirtschaft und die damit einhergehende Etablierung des Individualismus.
4.2 Individualismus, die Ein-Kind-Politik und der Generationenunterschied: Hier wird der Zusammenhang zwischen der Ein-Kind-Politik und den veränderten Rollenmodellen innerhalb der chinesischen Familien sowie die daraus resultierende Entfremdung untersucht.
4.3 Konsum und Kultur: Dieses Kapitel thematisiert den Wandel der Idole und die Rolle des Konsums als Ersatz für fehlende Wertesysteme sowie den Einfluss westlicher Kulturgüter.
4.4 Internationalismus, die patriotische Erziehung und die Relegitimierung der Kommunistischen Partei: Das Kapitel analysiert die staatlichen Anstrengungen, durch nationalistische Erziehungsprogramme den Führungsanspruch der Partei nach 1989 zu sichern.
4.5 Chinas wachsender Stadt-Land Unterschied: Hier wird die prekäre Lebenssituation der migrierenden Landjugend dem Lebensstil der städtischen Jugend gegenübergestellt.
5 Fazit und Ausblick: Das Fazit fasst die Transformationen der Post-1980er-Generation zusammen und betont die Herausforderungen, die sich aus der Diskrepanz zwischen wirtschaftlicher Freiheit und politischen Defiziten ergeben.
Schlüsselwörter
Post-1980er-Generation, China, Identitätsbildung, Ein-Kind-Politik, Wirtschaftsreform, Individualismus, Patriotismus, Jugendkultur, Konsum, Migration, hukou, Generationenkonflikt, Sozialisation, Modernisierung, soziale Praxis.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie sich die Identität der sogenannten Post-1980er-Generation in China unter dem Einfluss massiver gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Veränderungen in den letzten Jahrzehnten konstruiert.
Welche sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die Untersuchung konzentriert sich auf die Auswirkungen der Wirtschaftsreform, der Ein-Kind-Politik, der patriotischen Erziehung, westlicher kultureller Einflüsse und der sozioökonomischen Unterschiede zwischen Stadt und Land.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, zu verstehen, welche gesellschaftlichen Phänomene für die Identitätskonstruktion junger Chinesen relevant sind und wie diese in einer sich rasant transformierenden Umwelt agieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt einen ethnologischen Ansatz, der sich auf theoretische Identitätskonzepte stützt und diese durch eine qualitative Analyse von Sekundärliteratur, zeitgenössischer Literatur und Filmen illustriert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden verschiedene Sphären der Identität beleuchtet, insbesondere der ökonomische Wandel, familiäre Dynamiken durch die Ein-Kind-Politik, Konsumverhalten sowie die staatliche Patriotismus-Kampagne.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind die Post-1980er-Generation, Individualismus, Ein-Kind-Politik, wirtschaftliche Transformation, patriotische Erziehung und die wachsende Kluft zwischen Stadt und Land.
Wie beeinflusst die Ein-Kind-Politik das Leben der betroffenen Generation?
Die Politik hat laut der Arbeit zu einer hohen Konzentration an Ressourcen auf das einzelne Kind geführt, was einerseits bessere Bildungschancen ermöglicht, andererseits aber einen enormen Erwartungsdruck und eine Entfremdung von den Eltern erzeugt.
Warum ist das Internet für die jungen Chinesen so bedeutend?
Das Internet fungiert als wichtiges Ventil für Meinungsäußerungen, zur Umgehung von Zensur und als zentraler Raum für die Bildung einer eigenen Jugendkultur sowie für Cyber-Nationalismus.
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- Simon Meier (Author), 2009, Die Identität der chinesischen Post-1980er Generation, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/142816