Im Mittelalter war die Erhebung zum König ein fundamentaler Akt politischer und sozialer Konstitution, welcher die Legitimation und Autorität eines Herrschers manifestierte. Im Hinblick auf Friedrich Barbarossa, einen der markantesten Herrscher dieses Zeitalters, ist das Thema der Königserhebung besonders interessant, da über diese von differenten Chronisten divergent berichtet wird.
Die vorliegende Arbeit widmet sich einer kritischen Übersetzung und Analyse der Darstellung der Königserhebung Friedrich Barbarossas aus der Chronicon Hanoniense von Gislebert von Mons. Im Fokus dieser Arbeit steht die Untersuchung der Darstellung ebendieser durch Gislebert von Mons. Der dabei aufwendigste Part wird eine eigenständige deutsche Übersetzung des 54. Kapitels darstellen, die bisher noch nicht existiert. Als Grundlage wird dafür die textkritische Edition von Léon-Albert-Victor-Joseph Vanderkindere dienen. Dabei liegt ein besonderes Augenmerk auf einer sorgfältigen Übersetzung, die den Stil und die Intentionen des ursprünglichen Autors respektiert und dennoch eine verständliche und flüssige Lesbarkeit in der heutigen Zeit gewährleistet. Neben der Übersetzung wird diese Arbeit auch einen kritischen Kommentar mit textkritischem Apparat enthalten, um einen umfassenden Einblick in die historische Bedeutung dieser Ereignisse zu ermöglichen. Im Kommentar sollen dabei alle Realien und notwendigen Sachinformationen erläutert werden. Die für die Darstellung relevanten Aspekte aus dem Leben Gisleberts sollen in Form einer Kurzbiographie – eher noch eines Biogrammes - angeführt werden. Sprachlich stilistische Besonderheiten des lateinischen Textes und deren Interpretation werden einen Teil der Analyse bilden. Im Rahmen der Kommentierung sollen zudem vergleichende Quellen und andere zeitgenössische Chroniken herangezogen werden, um die Glaubwürdigkeit und Genauigkeit der Ereignisse in der Chronik von Gislebert von Mons zu hinterfragen. Weiterhin soll in der Arbeit eine Einordnung der Passage in den Gesamtkontext seiner Chronik und ein Rekurs auf relevante Forschungsliteratur Platz finden.
Diese Hausarbeit soll somit dazu beitragen, die Lücken in der Forschung zu schließen und die Darstellung der Königserhebung Friedrich Barbarossas aus einer kritischen Perspektive zu betrachten. Durch die Kombination aus eigener Übersetzung, kritischer Kommentierung und textkritischem Apparat wird ein fundierter Beitrag zur Erforschung dieses historischen Ereignisses geleistet.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Hauptteil
2.1 Die Übersetzung
2.1.1 Die Textgrundlage
2.1.2 Eigenständige Übersetzung
2.1.3 Realienapparat
2.2 Kommentierung
2.2.1 Textkritischer Kommentar
2.2.2 Kurzbiogramm sowie biographische Einflüsse
2.2.3 Vergleich mit der Darstellung von Otto von Freising
3. Fazit
Zielsetzung und Forschungsgegenstand
Die vorliegende Arbeit hat zum Ziel, das 54. Kapitel des Chronicon Hanoniense von Gislebert von Mons kritisch zu übersetzen und die darin enthaltene Darstellung der Königserhebung Friedrich Barbarossas historisch sowie literarisch zu analysieren. Dabei wird der Frage nachgegangen, wie Gislebert von Mons die politischen Wirren und Machtverhältnisse des 12. Jahrhunderts in seiner Chronik reflektiert und welche parteiischen Einflüsse seine Schilderung prägen.
- Kritische Übersetzung des lateinischen Originaltextes ins Deutsche
- Analyse des Realienapparats zur historischen Einordnung
- Untersuchung der biographischen und regionalen Einflüsse auf den Chronisten
- Vergleich der Darstellung mit der Gesta Federici von Otto von Freising
Auszug aus dem Buch
2.1.2 Eigenständige Übersetzung
Auch in den Tagen des oft genannten Grafen, nachdem Konrad, der König der Römer, verstorben war, kamen die Fürsten Deutschlands, wie es Gesetz und Sitte ist, in einer Stadt über dem Fluss Main, welche Frankfurt genannt wird, zum Wählen ihres Herrschers zusammen. Weil aber über die Wahl einer so großen Ehre so viele und so große Fürsten uneins sind, trafen sie im gemeinsamen Beschluss und Beratung ein Übereinkommen für vier sehr mächtige Fürsten über diese Wahl, von denen einer Friedrich, der vorher genannte Herzog der Schwaben, war, der Neffe des oben erwähnten Königs Konrad, der im Vergleich zu den Übrigen im Krieg und im Mut blühte. Aber jeder Einzelne jener Vier, denen die Wahl zur Ordnung der Kaiserlichen anvertraut worden war, lechzte selbst nach dem Gipfel der Majestät. Friedrich jedoch, verschlagen und lebhaft, sprach verschwiegen zu jedem seiner Gefährten und veranlasste jeden Einzelnen derer, nach der Herrschaft zu streben und versprach jedem von ihnen das Reich, wenn von diesen Dreien ihm allein die gesamte Wahl anvertraut würde. Also legten die drei die ganze Wahl in den vierten [Mann], Friedrich, den Herzog der Schwaben, nachdem Sicherheiten durch Treue und Eid gegeben worden waren.
Nachdem alle anderen Fürsten versammelt worden waren, die für jene Vier ein Übereinkommen getroffen hatten und somit Treue hervorbrachten, verkündeten die Drei, dass sie die gesamte Wahl allein dem Herzog der Schwaben überlassen hatten. Als alle zuhörten und nicht widersprachen, sprach Friedrich, dass er vom Blut der Kaiser abstammte und dass er zur Kaiserherrschaft niemand Besseren kenne, und deshalb habe er sich selbst zur Würde der so großen Kaiserherrschaft erwählt. Daher jubelten viele, die ihn wertgeschätzt hatten, mit noch größerer Freude, gewisse [Männer] jedoch litten aus Neid und Gier, aber sie hatten sich der Wahl nicht widersersetzen können.
Kapitelzusammenfassungen
1. Einleitung: Die Einleitung steckt das Forschungsfeld ab und definiert das Ziel der kritischen Übersetzung und Analyse der Barbarossa-Königserhebung aus Gisleberts Chronik.
2. Hauptteil: Der Hauptteil gliedert sich in eine philologische Übersetzung durch den Verfasser, einen ausführlichen Realienapparat, eine textkritische Kommentierung sowie den Vergleich mit der zeitgenössischen Perspektive von Otto von Freising.
3. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse der Analyse zusammen und betont die parteiische Färbung sowie den hohen historischen Quellenwert von Gisleberts Werk.
Schlüsselwörter
Gislebert von Mons, Friedrich Barbarossa, Königserhebung, Chronicon Hanoniense, Mittelalter, Otto von Freising, Gesta Federici, Historiographie, politische Macht, Kaiserwahl, 12. Jahrhundert, historische Analyse, Quellenkritik, deutsche Übersetzung, Machtbalancen
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Analyse der Königserhebung von Friedrich Barbarossa, basierend auf dem 54. Kapitel des Chronicon Hanoniense von Gislebert von Mons.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Im Zentrum stehen die philologische Übersetzung, die biographische Einordnung des Chronisten, die historische Kommentierung der Ereignisse und der Vergleich mit anderen zeitgenössischen Chroniken.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, eine bisher nicht existierende eigenständige deutsche Übersetzung des Textes zu liefern und die parteiische Darstellung Gisleberts kritisch zu hinterfragen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine historisch-philologische Arbeit, die Quellentexte übersetzt, kontextualisiert und vergleichend analysiert.
Was umfasst der Hauptteil der Arbeit?
Der Hauptteil gliedert sich in eine präzise Übersetzung, einen Realienapparat, eine textkritische Analyse von Gisleberts Schreibstil sowie einen Vergleich mit Ottos Darstellung.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Zu den Schlüsselbegriffen gehören Gislebert von Mons, Friedrich Barbarossa, Chronicon Hanoniense, Machtpolitik, Kaiserwahl und Historiographie.
Wie bewertet der Autor die Rolle von Gislebert von Mons?
Der Autor ordnet Gislebert als einen durch seine regionale Herkunft und kirchliche Bindungen geprägten Chronisten ein, der die Geschehnisse subjektiv und teils tendenziös darstellt.
Worin liegen die Unterschiede zu Otto von Freising?
Während Otto von Freising die Darstellung der Königswahl stärker objektiviert und demokratischer zeichnet, betont Gislebert von Mons eher die manipulativen Aspekte und politischen Intrigen um Friedrich Barbarossa.
- Quote paper
- Timothy Sowka (Author), 2023, Die Königserhebung Friedrich Barbarossas, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/1416833