In dieser Hausarbeit möchte ich zuerst die Krankheit Amyotrophe Lateralsklerose (ALS) aus
medizinischer und sozialer Sicht schildern und versuchen zu klären, warum gerade hier der
Wunsch nach Lebensverkürzung so eklatant ist. Danach gehe ich auf die rechtlichen Aspekte
ein und im dritten Teil geht es um Voraussetzungen für Selbstbestimmung am Lebensende,
die Rolle eines Begleiters und wie man selbstbestimmt vorsorgen kann. Das Fallbeispiel von
Frau X. soll die Problematik noch verdeutlichen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Amyotrophe Lateralsklerose (ALS)
2.1 Das Krankheitsbild
2.2 Situation von ALS – Patienten und deren Angehörigen
2.3 Der Wunsch nach einem selbstbestimmten Ende
3 Teil B Beihilfe zum Suizid
3.1 Rechtliche Situation in Deutschland
3.2 Rechtliche Situation in der Schweiz
3.2.1 Die Arbeit von DIGNITAS
4 C Voraussetzungen für Selbstbestimmung
4.1 Was braucht die ALS – PatientIn, um selbstbestimmt entscheiden zu können?
4.2 Wie sieht eine angemessene Begleitung aus?
4.3 Möglichkeiten der selbst bestimmten Vorsorge
5 Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Wunsch nach Lebensverkürzung bei Patienten mit der Diagnose Amyotrophe Lateralsklerose (ALS) vor dem Hintergrund der Möglichkeiten und Grenzen der Selbstbestimmung am Lebensende. Dabei wird der Frage nachgegangen, welche Faktoren diesen Wunsch beeinflussen und wie eine angemessene palliativmedizinische und psychosoziale Begleitung aussehen kann.
- Medizinische Grundlagen der Erkrankung ALS
- Die psychische und soziale Belastung von Patienten und Angehörigen
- Rechtliche Rahmenbedingungen für Suizidbeihilfe in Deutschland und der Schweiz
- Möglichkeiten der Vorsorge durch Patientenverfügungen
- Die Rolle der Hospizbegleitung im Sterbeprozess
Auszug aus dem Buch
2.1 Das Krankheitsbild
Die ALS ist eine degenerative Erkrankung des Zentralnervensystems. Es handelt sich um eine Schädigung der motorischen Nervenzellen (Motoneurone) im Gehirn und im Rückenmark. Diese zeigt sich bei Patienten in erster Linie durch progrediente Lähmungen, Muskelschwund (Atrophie), unwillkürliches Zucken der Muskulatur (Faszikulationen), Steifigkeit (Spastik) und Schluckstörungen (Dysphagie).
Zu den ersten Symptomen zählen in ca. 40% der Fälle eine Gangunsicherheit, Schwäche der Beine – manche Patienten fallen mitten im Langlauf oder beim Joggen einfach um – und Wadenmuskelkrämpfe. Bei weiteren ca. 40% fällt die Erkrankung durch eine Ungeschicklichkeit der Hände auf. Von Kind auf vertraute, selbstverständliche Handgriffe funktionieren plötzlich nicht mehr. In den restlichen ca. 20% beginnt die Erkrankung mit einer Sprech- und Schluckstörung (bulbärer Krankheitsbeginn).
Die Körperwahrnehmung, das Herz – Kreislauf – System und die Verdauung (sensorisches und autonomes Nervensystem) bleiben von der Lähmung ausgespart.
Die amyotrophe Lateralsklerose hat sehr unterschiedliche Verlaufsformen und es lässt sich schwer voraussagen, welche Symptome in welchem zeitlichen Rahmen auftreten werden. Innerhalb von wenigen Wochen oder vielen Monaten schreitet die Lähmung der Extremitäten voran. Die Funktionsbeeinträchtigung der Zungen- und Gaumenmuskulatur führt zu Schwierigkeiten bei der Nahrungsaufnahme, Kauen und Schlucken werden bei den meisten Patienten unmöglich bzw. sehr gefährlich wegen des Aspirationsrisikos. Zudem wird die Kommunikation zunehmend beeinträchtigt, zuerst ist die Sprache nur „verwaschen“, eine unterschiedlich lange Zeit können nahe stehende Menschen noch verstehen oder erfragen, was der Angehörige sagen will. Später ist dann oft gar keine verbale Kommunikation mehr möglich.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Autorin reflektiert ihre persönliche Auseinandersetzung mit Sterbehilfe und Hospizarbeit, motiviert durch die Begleitung einer ALS-Patientin.
2 Amyotrophe Lateralsklerose (ALS): Dieses Kapitel beschreibt das Krankheitsbild, die massive Belastung für Betroffene und Angehörige sowie den häufigen Wunsch nach Lebensverkürzung aufgrund des Autonomieverlusts.
3 Teil B Beihilfe zum Suizid: Es werden die rechtlichen Rahmenbedingungen in Deutschland und der Schweiz gegenübergestellt sowie die Dienstleistungen von DIGNITAS erläutert.
4 C Voraussetzungen für Selbstbestimmung: Der Fokus liegt auf der palliativen Betreuung, der Bedeutung von Patientenverfügungen und der Notwendigkeit psychosozialer Begleitung durch Hospizdienste.
5 Zusammenfassung: Die Autorin zieht Bilanz über das Spannungsfeld zwischen Autonomie und Fürsorge und betont die Notwendigkeit besserer Rahmenbedingungen für die letzte Lebensphase.
Schlüsselwörter
Amyotrophe Lateralsklerose, ALS, Beihilfe zum Suizid, Sterbehilfe, Selbstbestimmung, Patientenverfügung, Palliativmedizin, Hospizarbeit, Autonomieverlust, Lebensqualität, Lebensende, Ethik, Menschenwürde, DIGNITAS, Palliative Care
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die ethischen und rechtlichen Fragestellungen rund um den Wunsch nach Suizidbeihilfe bei schwerstkranken ALS-Patienten.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit fokussiert sich auf die medizinische Prognose von ALS, die soziale Belastung der Angehörigen, die aktuelle Rechtslage zur Sterbehilfe und die Vorsorgemöglichkeiten für das Lebensende.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, die Beweggründe für den Wunsch nach Lebensverkürzung bei ALS-Patienten zu verstehen und aufzuzeigen, wie durch Palliative Care und professionelle Begleitung Selbstbestimmung gewahrt werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin stützt sich auf eine fundierte Literaturrecherche sowie auf ihre praktischen Erfahrungen als Hospizmitarbeiterin und ein konkretes Fallbeispiel.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden das Krankheitsbild, die rechtlichen Situationen in Deutschland und der Schweiz sowie die konkreten Voraussetzungen und Hilfestellungen für eine selbstbestimmte Lebensentscheidung analysiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind ALS, Selbstbestimmung, Sterbehilfe, Patientenverfügung, Palliative Care und Hospizbegleitung.
Wie unterscheidet sich die Rechtslage in Deutschland von der in der Schweiz?
Während in Deutschland die ärztliche Beihilfe zum Suizid faktisch durch berufsrechtliche Hindernisse und das Betäubungsmittelgesetz erschwert ist, erlaubt die Schweiz die Suizidbeihilfe durch Organisationen, sofern sie uneigennützig erfolgt.
Welche Rolle spielt die "Patientenverfügung" in diesem Kontext?
Sie dient als wichtiges Instrument, um den eigenen Willen bezüglich medizinischer Maßnahmen oder deren Unterlassung für den Fall festzulegen, dass man nicht mehr selbst entscheiden kann.
Welche Herausforderung ergibt sich für die Hospizbegleitung bei ALS?
Die Hospizmitarbeiter stehen vor der Herausforderung, empathisch zu sein, Distanz zu wahren und den Patienten bei der Sinnfindung zu unterstützen, während sie gleichzeitig mit dem Wunsch der Betroffenen nach Lebensverkürzung konfrontiert werden.
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- Helvi Geiger (Author), 2007, Selbstbestimmung bis zuletzt oder tödliches Mitleid?, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/141492