Im Anthropozän geht man davon aus, dass die Menschheit als Gesamtheit eine nachhaltige Veränderung der Erdoberfläche, der Atmosphäre und der Meere verursacht hat. Diese Veränderungen umfassen beispielsweise die globale Verbreitung von Plastik, die Nutzung von Atomwaffen, die Entwaldung, die Umwandlung von Land für Landwirtschaftszwecke und den Anstieg der CO2-Emissionen. Im Gegensatz dazu ist der Begriff "Kapitalozän" spezifischer auf die Rolle des Kapitalismus und der damit verbundenen wirtschaftlichen Systeme fokussiert. Er legt den Schwerpunkt auf die Auswirkungen von kapitalistischen Praktiken auf die Umwelt und die ökologischen Folgen des Wirtschaftswachstums. Das Kapitalozän ist ein hypothetischer Begriff, der verwendet wird, um eine mögliche neue geologische Epoche zu beschreiben. Etymologisch lässt sich feststellen, dass sich der Begriff aus den Worten "Kapital" und "Holozän" zusammensetzt. Er beschreibt ein ökonomisches System, basierend auf der Nutzung von finanziellen Ressourcen zur Produktion von Waren und Dienstleistungen, gekoppelt an ein geologisches Zeitalter, welches geprägt ist durch den Menschen und das Ökosystem.
Inhaltsverzeichnis
Kurze Einführung in den Begriff
Wichtige Akteure des Kapitalozän
Diskussion: Leben wir im Kapitalozän?
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die theoretische Konzeptualisierung des "Kapitalozäns" als Alternative oder Ergänzung zum anthropozentrischen Modell des Anthropozäns, um die spezifische Rolle kapitalistischer Wirtschaftsstrukturen bei der globalen Umweltveränderung und Ressourcenausbeutung kritisch zu hinterfragen.
- Unterscheidung zwischen Anthropozän und Kapitalozän
- Analyse der Rolle des Kapitalismus bei der Ressourcenmobilisierung
- Historische Betrachtung industrieller Akteure seit der "Great Acceleration"
- Kritik am Konzept des "Grünen Kapitalismus"
- Verhältnis von Wirtschaftswachstum, ökonomischem Profit und ökologischer Stabilität
Auszug aus dem Buch
Wichtige Akteure des Kapitalozän
Die industrielle Entwicklung hat in den letzten zwei Jahrhunderten einen enormen Einfluss auf die Umwelt gehabt. Das zugrunde liegende Modell beruht auf der Ausbeutung von fossilen Ressourcen. Dabei handelt es sich hauptsächlich um Öl und Mineralien. Mit diesem System geht auch eine Ausbeutung von menschlichen Ressourcen einher. Kapitalozän Befürworter wie Jason Moore sind der Meinung, dass die Industrialisierung der Menschheit die hauptsächliche Ursache dafür war und ist, dass die geologische Entwicklung des Planeten aus der Bahn geworfen wurde (vgl. Bonneuil; 2015). Für die Beschleunigung dieser Entwicklung lassen sich in der Geschichte der letzten 200 Jahre zwei ausschlaggebende Akteure nennen, die zum einen die Industrialisierung befeuerten und zum anderen den Kapitalismus in weiten Teilen der Welt etablierten. Die Rede ist zum einen von Großbritannien im 18. Und 19. Jahrhundert und von den Vereinigten Staaten von Amerika nach dem zweiten Weltkrieg (vgl. Bonneuil; 2015). Im Verlauf des 19. Jahrhunderts war es Großbritannien, das in der viktorianischen Epoche nicht nur eine umfangreiche Kolonisierung weltweit vorantrieb, sondern auch für die Hälfte der globalen Kohlendioxidemissionen verantwortlich war.
Zusammenfassung der Kapitel
Kurze Einführung in den Begriff: Dieses Kapitel definiert das Kapitalozän als hypothetische neue Epoche, die den Fokus der Umweltveränderung weg vom Menschen als Gesamtheit hin zur kapitalistischen Wirtschaftsweise mit ihrem Streben nach unbegrenztem Wachstum verschiebt.
Wichtige Akteure des Kapitalozän: Hier wird der historische Einfluss Großbritanniens und der USA als maßgebliche Treiber der Industrialisierung und der massiven Ausbeutung natürlicher wie menschlicher Ressourcen seit der "Great Acceleration" analysiert.
Diskussion: Leben wir im Kapitalozän?: Der abschließende Teil setzt sich kritisch mit der Theorie auseinander, ob der Kapitalismus bei aktuellen globalen Umweltproblemen allein verantwortlich gemacht werden kann und plädiert dafür, den Begriff Kapitalozän als sinnvolle Ergänzung zum Anthropozän zu begreifen.
Schlüsselwörter
Kapitalozän, Anthropozän, Kapitalismus, Umweltzerstörung, Great Acceleration, Ressourcenausbeutung, Wirtschaftswachstum, Klimawandel, Industrielle Entwicklung, Fossile Ressourcen, Profit, Treibhausgasemissionen, Weltwirtschaftsordnung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Es geht um die Untersuchung, ob der Begriff des "Kapitalozäns" das anthropozentrische Narrativ der Umweltveränderung präziser ergänzen kann, indem er den Kapitalismus als treibende Kraft hinter den ökologischen Krisen identifiziert.
Welches wissenschaftliche Ziel verfolgt der Autor?
Primäres Ziel ist es, die Zusammenhänge zwischen kapitalistischen Wirtschaftsinteressen, globaler Ressourcenmobilisierung und der ökologischen Transformation der Erde aufzuzeigen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die Schwerpunkte liegen auf der historischen Industrialisierung, der Rolle der USA und Großbritanniens, der Kritik am "Grünen Kapitalismus" und der ethischen Verantwortung von Wirtschaftssystemen.
Welche wissenschaftliche Methode wird zur Argumentation angewandt?
Der Autor stützt sich auf eine theoretische Literaturanalyse und eine historische Betrachtung sozioökonomischer Entwicklungen seit dem 18. Jahrhundert unter Einbeziehung geowissenschaftlicher Daten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden die historischen Akteure, die Bedeutung der "Great Acceleration" nach 1945 sowie die weltweite Abhängigkeit von extraktiven kapitalistischen Produktionsweisen detailliert analysiert.
Welche Schlüsselbegriffe definieren den Kern der Arbeit?
Kernbegriffe sind das Kapitalozän, die Kapitalakkumulation, die ökologische Biokapazität und die Kritik an der profitorientierten, unregulierten industriellen Expansion.
Warum lehnt die Arbeit das Konzept des "Grünen Kapitalismus" ab?
Die Arbeit argumentiert, dass der "Grüne Kapitalismus" nicht realistisch ist, da das Wirtschaftssystem systembedingt auf vier "billigenDingen" (Arbeit, Essen, Energie, Rohmaterial) basiert und diese Expansion fundamental mit ökologischen Grenzen kollidiert.
Wie bewertet der Autor die Beziehung zwischen Anthropozän und Kapitalozän?
Der Autor kommt zu dem Schluss, dass der Begriff Kapitalozän keine bloße Ersetzung, sondern eine notwendige und präzise Spezifizierung des Anthropozän-Begriffs darstellt, um die systemischen Ursachen der Umweltzerstörung deutlicher zu benennen.
- Arbeit zitieren
- Paul Volkert (Autor:in), 2023, Leben wir im Kapitalozän?, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/1401796