Obwohl man die Theodizee schon vor Leibniz kannte, war er mit seinem Werk, „Essais de théodicée sur la bonté de Dieu, la liberté de l’homme et l’origine du mal“ (1710), der Erste, der die Begrifflichkeit für die Zukunft prägte.
Leibniz geht davon aus, dass das Übel auf dieser Welt teilweise von Gott erschaffen wurde. Gott hat sich dennoch für die bestmögliche Welt entschieden und das ist die, in der wir leben. Gott konnte gar nicht anders als die bestmögliche Welt erschaffen, denn hätte er eine andere Möglichkeit erkennen können, würde das heissen er wäre nicht allwissend. Hätte er sie erkannt, konnte sie aber nicht umsetzen, so wäre er nicht allmächtig. Hätte Gott die Möglichkeit erkannt, und hätte sie auch umsetzen können, wollte es aber nicht, so wäre er kein guter Gott.
Leibniz unterscheidet drei Klassen des Übels: malum morale (das moralische Übel) wie z.B. die Sünden, malum physicum (das physikalische Übel) wie z.B. das Leiden und das malum metaphysicum (das metaphysische Übel). Wobei die ersten zwei Klassen bereits bei Augustinus auftauchten. Das moralische Übel und das physikalische Übel ergeben sich zwangsläufig aus dem metaphysischen Übel, welches auf die Unvollkommenheitsfrage des Menschen abzielt. Der Schöpfer (Gott) ist vollkommen und hat die Welt mit Absicht nicht vollkommen erschaffen. Hätte er das getan, wäre jedes Streben und somit jedes menschliche Handeln überflüssig. Zudem wäre das Schaffen einer Identität, (etwas Vollkommenes schafft etwas Vollkommenes), nicht das Ziel Gottes gewesen. Er wollte etwas völlig Neues schaffen, so Leibniz.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Theodizee nach Gottfried Wilhelm Leibniz
2.1 Die Welt von Leibniz
2.2“Essais de théodicée“
2.3 Nachwirkungen von Leibniz’ Theodizee
3. Theodizee heute
3.1 Definition
3.2 Theologischer und katholischer Umgang mit der Theodizee
4. Fazit
Zielsetzung und Themenfelder
Die vorliegende Arbeit untersucht die historische Theodizee-Definition von Gottfried Wilhelm Leibniz und stellt diese heutigen theologischen und religiösen Perspektiven gegenüber, um die Veränderung im Umgang mit der Frage nach der Gerechtigkeit Gottes angesichts des Leidens zu analysieren.
- Historische Einordnung der Theodizee nach G.W. Leibniz
- Klassifizierung der Übel nach metaphysischen, moralischen und physikalischen Aspekten
- Gegenüberstellung von Leibniz' philosophischem Ansatz mit zeitgenössischer Theologie
- Die Rolle des Leidens und die Frage nach dem Handeln Gottes
- Der Umgang der Kirche, exemplarisch durch Papst Benedikt XVI., mit dem Leid
Auszug aus dem Buch
2.2 „Essais de théodicée“ (1710)
Obwohl man die Theodizee schon vor Leibniz kannte, war er mit seinem Werk, „Essais de théodicée sur la bonté de Dieu, la liberté de l’homme et l’origine du mal“ (1710), der Erste, der die Begrifflichkeit für die Zukunft prägte.
Leibniz geht davon aus, dass das Übel auf dieser Welt teilweise von Gott erschaffen wurde. Gott hat sich dennoch für die bestmögliche Welt entschieden und das ist die, in der wir leben. Gott konnte gar nicht anders als die bestmögliche Welt erschaffen, denn hätte er eine andere Möglichkeit erkennen können, würde das heissen er wäre nicht allwissend. Hätte er sie erkannt, konnte sie aber nicht umsetzen, so wäre er nicht allmächtig. Hätte Gott die Möglichkeit erkannt, und hätte sie auch umsetzen können, wollte es aber nicht, so wäre er kein guter Gott.
Leibniz unterscheidet drei Klassen des Übels: malum morale (das moralische Übel) wie z.B. die Sünden, malum physicum (das physikalische Übel) wie z.B. das Leiden und das malum metaphysicum (das metaphysische Übel). Wobei die ersten zwei Klassen bereits bei Augustinus auftauchten. Das moralische Übel und das physikalische Übel ergeben sich zwangsläufig aus dem metaphysischen Übel, welches auf die Unvollkommenheitsfrage des Menschen abzielt. Der Schöpfer (Gott) ist vollkommen und hat die Welt mit Absicht nicht vollkommen erschaffen. Hätte er das getan, wäre jedes Streben und somit jedes menschliche Handeln überflüssig. Zudem wäre das Schaffen einer Identität, (etwas Vollkommenes schafft etwas Vollkommenes), nicht das Ziel Gottes gewesen. Er wollte etwas völlig Neues schaffen, so Leibniz.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Darstellung der persönlichen Motivation des Autors zur Auseinandersetzung mit der Theodizee-Frage und Formulierung der zentralen Forschungsfrage.
2. Theodizee nach Gottfried Wilhelm Leibniz: Biografische Skizze des Philosophen und detaillierte Erläuterung seines Werkes „Essais de théodicée“ sowie dessen historische Wirkungsgeschichte.
3. Theodizee heute: Diskussion zeitgenössischer Definitionen des Begriffs und Untersuchung des theologischen Umgangs mit Leid, insbesondere durch das Beispiel von Papst Benedikt XVI. in Auschwitz.
4. Fazit: Zusammenfassender Vergleich zwischen dem leibnizschen Ansatz, das Übel theoretisch zu lösen, und der modernen theologischen Sichtweise, die den Fokus auf den Umgang mit Leid legt.
Schlüsselwörter
Theodizee, Gottfried Wilhelm Leibniz, Leid, Gottesfrage, malum morale, malum physicum, malum metaphysicum, christliche Theologie, Freiheit, gerechter Gott, Dorothee Sölle, Papst Benedikt XVI., Auschwitz, Übel, Schöpfungsplan.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das philosophische Konzept der Theodizee von G.W. Leibniz im Vergleich zu heutigen religiösen und theologischen Ansichten.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Zentrum stehen die Begriffsprägung durch Leibniz, die Klassifizierung des Übels sowie die praktische Auseinandersetzung mit Leid aus zeitgenössischer theologischer Perspektive.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die Arbeit fragt danach, inwiefern die Definition der Theodizee nach Leibniz mit modernen theologischen oder religiösen Sichtweisen verglichen werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine literatur- und diskursanalytische Vorgehensweise, die historische Schriften mit aktueller theologischer Literatur und medialen Dokumentationen verknüpft.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung von Leibniz' Theodizee-Verständnis, eine Analyse der heutigen Begriffsdefinition sowie die Untersuchung des kirchlichen Umgangs mit der Theodizee-Problematik.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den zentralen Begriffen zählen Theodizee, Leibniz, das moralische/physikalische/metaphysische Übel, Leid, Gottesgerechtigkeit und die menschliche Freiheit.
Warum spielt die Person Dorothee Sölle eine Rolle für den Einstieg?
Sölle dient als persönlicher Anknüpfungspunkt des Autors, um über die Theodizee-Frage nachzudenken, insbesondere in Bezug auf ihre Kritik an einem allmächtigen Gott nach dem Holocaust.
Wie geht die Arbeit mit dem Beispiel von Papst Benedikt XVI. um?
Der Besuch des Papstes in Auschwitz dient als Fallbeispiel für die heutige, theologische Notwendigkeit, angesichts massiven Leids nicht bei intellektuellen Erklärungen stehen zu bleiben, sondern als Akt des Glaubens zu Gott zu "schreien".
Was unterscheidet den Ansatz von Leibniz von modernen Ansichten?
Leibniz versuchte primär, das Problem des Übels theoretisch zu lösen und Gott zu rechtfertigen, während moderne Ansichten stärker darauf fokussieren, wie Menschen mit dem Leid umgehen und wie man dieses bekämpft.
- Arbeit zitieren
- Tobias Hoenger (Autor:in), 2008, Die Theodizee nach Gottfried Wilhelm Leibniz, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/139786