Die Arbeit behandelt das Thema bildungspolitischer Strategien auf EU-Ebene und ihrer Auswirkungen auf die deutsche Bildungspolitik im Hochschulsektor. Veranschaulicht wird dies am Beispiel des 1999 initiierten Bologna-Prozesses, der unter der Absicht der Schaffung eines europäischen Hochschulraumes die neue Organisation der deutschen Hochschulen maßgeblich prägen und die Vernetzung der EU festigen soll. Die Hausarbeit basiert thematisch auf dem Referatsthema „Bildungspolitik der EU“ aus dem politikwissenschaftlichen Seminar „Regieren in Europa“.
Ziel des Seminars war das Kennen lernen verschiedener Bereiche des „Projekts Europa“. Den dort unabhängig voneinander behandelten Themengebieten lag die Annahme zu Grunde, dass sich die EU als hochkomplexer Staatenbund derzeit auf einem Scheideweg befindet, dessen Verlauf in Zukunft darüber entscheiden wird, ob das Projekt EU in seinen internationalen Harmonisierungen und politischen Konvergenzen erfolgreich sein wird. Als Augenmerk kommt hinzu, dass sich die EU einer Legitimationskrise ausgesetzt sieht, gespeist aus deren Komplexität (Institut für Sozialwissenschaften Braunschweig: Kommentiertes Vorlesungsverzeichnis SS 2008). Das Seminar befasste sich daher mit den Fragen, woher die Ursachen dieser Probleme Europas stammen und welche Lösungen für das Gelingen der Europäischen Union geeignet sind. Diese Ausarbeitung hat den Bereich der Bildungspolitik zum Thema.
Als zentrale Fragestellung will sich die Arbeit daher damit beschäftigen, wie die Umsetzung der Leitlinien des Bologna-Prozesses in Deutschland strukturiert ist. Außerdem, wie die Leitlinien sich praktisch und ideell in verschiedenen politischen und gesellschaftlichen Gruppen der BRD ausgestalten und ob die wesentlichen Ziele von Bologna aus deren Perspektiven umgesetzt werden konnten.
Als Hypothese dazu soll gelten, dass der Bologna-Prozess bedingt Nutzen schafft. Die allgemeine Vision eines geeinten europäischen Hochschulraumes ist eine gute. Zweifel gibt es dennoch daran, ob dies bis 2010 umgesetzt werden kann und die ersten betroffenen Studenten nicht eher darunter leiden denn profitieren.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Zur Hochschulpolitik: Die Organe der EU
2.1. Das Europäische Parlament
2.2. Der Europarat
2.3. Der Ministerrat
2.4. Die Kommission
3. Geschichte des Bologna-Prozesses
3.1. Abkommen von Lissabon
3.2. Die Sorbonne-Erklärung
3.3. Die Erklärung von Bologna
3.4. Welche europapolitischen und internationalen Akteure sind nun am Bologna-Prozess beteiligt?
4. Pro und Contra zum Bologna-Prozess in Deutschland
4.2. Die SPD
4.3. Die Linkspartei
4.4. Die FDP
5. Der Bologna-Prozess vor Ort
5.1. Was passiert bei den Hochschulen und Fachschaften?
5.2. Weniger Studienabbrecher?
5.3. Flexibilität des Studiums?
5.4. Größere Praxisnähe des Studiums = bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt?
5.5. Bekommt jeder Studierende ein Diploma Supplement?
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Umsetzung bildungspolitischer Strategien der EU, insbesondere des Bologna-Prozesses, im deutschen Hochschulsektor. Die zentrale Forschungsfrage fokussiert sich darauf, wie diese Leitlinien strukturiert sind, wie sie in verschiedenen politischen und gesellschaftlichen Gruppen der BRD aufgenommen werden und ob die angestrebten Ziele aus deren Perspektiven erreicht werden konnten.
- Strukturelle Implementierung des Bologna-Prozesses in Deutschland
- Analyse der Rolle bildungspolitischer EU-Organe
- Politischer Diskurs und Meinungsbilder der Parteien
- Praktische Auswirkungen an Hochschulen und bei Studierenden
- Akzeptanz durch die Wirtschaft und Relevanz des Diploma Supplements
Auszug aus dem Buch
3.3. Die Erklärung von Bologna
Die Erklärung von Bologna fand 1999 durch 29 europäische Bildungsminister in Bologna statt.
Zur Entwicklung der gemeinsamen Vision eröffnet die Erklärung mit den Worten, dass Dank der Fortschritte der letzten Jahre der europäische Prozess für die Union und ihre Bürger zunehmend eine konkrete und relevante Wirklichkeit geworden sei. Sie beruft sich ferner darauf, dass in weiten Teilen der politischen und akademischen Welt sowie in der öffentlichen Meinung ein wachsendes Bewusstsein für die Notwendigkeit der Errichtung eines vollständigeren und umfassenderen Europas geschaffen sei. In Rückbezug auf die Sorbonne-Deklaration wird die Schlüsselrolle der Hochschulen für die Entwicklung europäischer kultureller Dimensionen schließlich betont. Die Forderungen der EU im Wortlaut: “The Bologna Process aims to create a European Higher Education Area by 2010, in which students can choose from a wide and transparent range of high quality courses and benefit from smooth recognition procedures” (http://ec.europa.eu/education/policies-/educ/bologna/bologna_en.htm, eingesehen am 03.03.2009).
Zusammengefasst will die Erklärung von Bologna:
• ein zweistufiges System von Studienabschlüssen (undergraduate/graduate)
• ein Leistungspunktesystem (Credit-System)
• die Mobilität durch Beseitigung von Mobilitätshemmnissen
• die europäische Zusammenarbeit im Bereich der Qualitätssicherung sowie
• die europäische Dimension in der Hochschulausbildung zu fördern.
• ein System leicht verständlicher und vergleichbarer Abschlüsse
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Darstellung der bildungspolitischen Strategien auf EU-Ebene am Beispiel des Bologna-Prozesses sowie Erläuterung der Forschungsfrage und Hypothese.
2. Zur Hochschulpolitik: Die Organe der EU: Überblick über die Funktionsweise und das Zusammenspiel der wichtigsten Institutionen wie Europäisches Parlament, Europarat, Ministerrat und Kommission im Kontext der Hochschulbildung.
3. Geschichte des Bologna-Prozesses: Historischer Abriss der Initiativen von den Römischen Verträgen bis zur Bologna-Erklärung sowie Analyse der beteiligten Akteure.
4. Pro und Contra zum Bologna-Prozess in Deutschland: Gegenüberstellung der politischen Positionen von CDU/CSU, SPD, Linkspartei und FDP zur Umsetzung des Prozesses in Deutschland.
5. Der Bologna-Prozess vor Ort: Untersuchung der praktischen Auswirkungen an den Hochschulen, von Studienabbruchquoten über Flexibilität und Praxisnähe bis hin zur Implementierung des Diploma Supplements.
6. Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Zielerreichung und Reflexion über die komplexen Herausforderungen der Verzahnung von Hochschulpolitik und Wirtschaft.
Schlüsselwörter
Bologna-Prozess, Europäischer Hochschulraum, Bildungspolitik, Europäische Union, Bachelor, Master, Leistungspunktesystem, Diploma Supplement, Studienabbruch, Hochschulreform, Mobilität, Bildungsminister, Studienstruktur, Qualitätssicherung, Arbeitsmarkt.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Auswirkungen bildungspolitischer Strategien auf EU-Ebene, insbesondere des Bologna-Prozesses, auf die deutsche Hochschullandschaft.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der historischen Entwicklung des Bologna-Prozesses, der Rolle der EU-Organe, der politischen Debatte in Deutschland sowie der praktischen Umsetzung und Akzeptanz des neuen Studiensystems.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es zu untersuchen, wie die Bologna-Leitlinien in Deutschland strukturiert sind, wie politische und gesellschaftliche Gruppen darauf reagieren und ob die gesetzten Ziele in der Praxis erreicht wurden.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine politikwissenschaftliche Analyse, die auf Literaturrecherche, Dokumentenauswertung (politische Programme, Deklarationen) und der Einbeziehung statistischer Daten basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil beleuchtet die Geschichte des Prozesses, die Positionen deutscher Parteien und eine Zwischenbilanz der praktischen Umsetzung an den Hochschulen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Bologna-Prozess, Europäischer Hochschulraum, Bachelor, Master, Mobilität, Studienabbruch und Diploma Supplement.
Welche Rolle spielt das Diploma Supplement?
Das Diploma Supplement soll Transparenz über erlangte Qualifikationen schaffen und die akademische Anerkennung sowie die Vergleichbarkeit für Arbeitgeber europaweit verbessern.
Wie bewertet die Arbeit den aktuellen Erfolg des Bologna-Prozesses?
Die Autorin kommt zu dem Schluss, dass der Prozess nach derzeitigem Stand nur bedingt Nutzen schafft und sich die praktische Umsetzung aufgrund der Komplexität und länderspezifischer Besonderheiten schwierig gestaltet.
- Quote paper
- Katharina Richter (Author), 2009, EU-Politik in Deutschland: Der Bologna-Prozess, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/139629