I. Einleitung
II. Hauptteil
1.Grundlagen
1.1 Doing Gender
1.2 Theorie der Männlichkeitsinszenierung
2.Interaktion in der Schule
2.1. Gleichgeschlechtliche Peer-Group
2.2. Gemischtgeschlechtliche Interaktion
2.3 Interaktion mit LehrerInnen
3. Jungenarbeit
III. Schluss
IV. Literaturverzeichnis
I. Einleitung
Im der Diskussion um Geschlechterbenachteiligung in den Bildungsinstitutionen hat sich in den letzten 20 Jahren eine drastische Wende vollzogen. Die Ergebnisse aktueller Studien verweisen nicht mehr auf die Benachteiligung von Mädchen sondern stellen den Misserfolg der Jungen hervor. Ein Beleg für den Misserfolg der Jungen ist der hohe Anteil von männlichen Schulbesuchern an Haupt- und Sonderschulen . Entgegengesetzt verhält es sich an Gymnasien. Hier stellen die Mädchen die Mehrzahl der Schüler dar. Unabhängig davon, beenden auch wesentlich mehr Männer ihre Schullaufbahn ohne Abschluss. Gleichzeitig müssen weniger Mädchen eine Klasse wiederholen.
So stieg also in den letzten 30 Jahren der Anteil an Jungen in gering qualifizierenden Bildungseinrichtungen und sank drastisch im Hinblick auf den Besuch des Gymnasiums. Entsprechend wollte ich mich in dieser Arbeit mit der Benachteiligung von Jungen in unserem Bildungssystem und mit Möglichkeiten der Förderung von Jungen in Schulen beschäftigen. Allerdings zeigte sich schnell, dass es hierzu einer genaueren Analyse der Geschlechterverhältnisse an Schulen bedürfte. Im Laufe meiner Recherchen fand dabei mehr und mehr die Konstruktion von Männlichkeit in der in der Institution Schule mein Interesse. Als Konsequenz daraus beschäftige ich mich in dieser Arbeit zunächst mit den Theorien zur Erklärung von „Männlichkeit“, versuche dann anhand der Doing Gender Theorie zu erklären welche Rolle hierbei die Schule spielen kann und werde abschließend noch Denkansätze zur Jungenarbeit vorstellen.
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
II. Hauptteil
1. Grundlagen
1.1.Doing Gender
1.2 Theorie der Männlichkeitsinszenierung
2. Interaktion in der Schule
2.1. Gleichgeschlechtliche Peer-Group
2.2. Gemischtgeschlechtliche Interaktion
2.3 Interaktion mit LehrerInnen
3. Jungenarbeit
III. Schluss
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht die Konstruktion von Männlichkeit im schulischen Kontext unter besonderer Berücksichtigung der "Doing Gender"-Theorie, um zu verstehen, wie Geschlechterverhältnisse in Bildungseinrichtungen produziert und stabilisiert werden.
- Analyse der sozialen Konstruktion von Geschlecht in der Schule
- Untersuchung von Interaktionsmustern in gleichgeschlechtlichen und gemischtgeschlechtlichen Gruppen
- Reflektion des Einflusses von Lehrkräften auf geschlechtsspezifische Rollenbilder
- Diskussion theoretischer Ansätze zur modernen Jungenarbeit
Auszug aus dem Buch
1.2 Theorie der Männlichkeitsinszenierung
Bei der Analyse der Frage „was ist Männlichkeit?“ bin ich immer wieder auf den Theoretischen Ansatz des „Systems der hegemonialen Männlichkeit“ nach Conell gestoßen. Sowohl Budde als auch Faulstich-Wieland und Flaake operieren mit diesem Begriff, deshalb werde ich diesen Erklärungsansatz kurz umreißen.
Zunächst geht Conell davon aus, dass sich Aufgrund der geschichtlichen Entwicklung das Geschlechterverhältnis als ein hierarchisches Verhältnis etabliert hat. Damit wird Geschlecht also auch als ein soziales Konstrukt und damit als wandelbar aufgefasst. Allerdings weist auch der Begriff der Hegemonie auf die Veränderbarkeit der Verhältnisse hin, denn:“Die Dominanz resultiert also nicht (nur) aus materiellen Strukturen, sondern vor allem aus der ideologischen Vormacht, die eine gesellschaftliche Gruppe ermächtigt, ihre Interpretation und Interessen durchzusetzen. Die jeweilige hegemoniale Gruppe besitzt die Macht nicht, sie verfügt lediglich darüber in dem Maße, indem sie diese einzusetzen und zu behaupten vermag“ (Budde 2005, S.32).
Macht geht also nicht von bestimmten Gruppen aus, sondern konstituiert sich anhand verschiedener Handlungsmuster und Strukturen, die ihrerseits die Kriterien für die Entwicklung mächtiger Gruppierungen darstellen. Gleichzeitig impliziert Hegemonie auch ein „Geschehen lassen“ durch die Beherrschten. (vgl. Budde 2005 S.32-38)
Männlichkeit definiert sich dabei durch Abgrenzung von allem weiblichen. Da Weiblichkeit seinerseits ebenfalls in Abgrenzung zu allem Maskulinem definiert wird, entsteht hier eine wechselseitige Beziehung. Sowohl Männlichkeit als auch Weiblichkeit ist damit kein starres, abgeschlossenes Konstrukt sondern immer Teil eines dynamischen Aushandlungsprozesses. Wobei männlich konnotierte Attribute als Überlegen eingestuft werden müssen, um die Geschlechter-Hierarchie aufrecht zu erhalten. Dieser Prozesse bezieht sich nicht auf einzelne Personen sondern auf soziale Strukturen und Handlungsmuster, die auch Bedeutung für den Umgang in gleichgeschlechtlichen Gruppen haben. Hier unterscheidet Conell 4 Formen, die hegemoniale, komplizenhafte, untergeordnete und marginalisierte Männlichkeit.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Diese Einleitung beleuchtet die Verschiebung der bildungspolitischen Diskussion weg von der Benachteiligung von Mädchen hin zum schulischen Misserfolg von Jungen und begründet das Interesse an der Konstruktion von Männlichkeit.
II. Hauptteil: Der Hauptteil analysiert theoretische Grundlagen zum Thema Geschlecht als soziale Konstruktion sowie Interaktionsformen im schulischen Alltag und Ansätze der Jungenarbeit.
1. Grundlagen: Hier wird Geschlecht als sozial und kulturell konstruiert definiert und das Konzept des "Doing Gender" sowie das "System der hegemonialen Männlichkeit" erläutert.
2. Interaktion in der Schule: Dieses Kapitel untersucht, wie sich Geschlechterrollen durch Peers, im gemischtgeschlechtlichen Umgang sowie im Kontakt mit Lehrkräften in der Schule manifestieren.
3. Jungenarbeit: Es werden Ansätze und Modelle der Jungenarbeit vorgestellt, die eine reflexive Auseinandersetzung mit Männlichkeit und Geschlechterrollen fordern, statt bloße Defizite aufzuarbeiten.
III. Schluss: Das Fazit stellt fest, dass Schule gesellschaftliche Geschlechterkonstruktionen sowohl verstärken als auch aufbrechen kann, wofür ein gesamtgesellschaftlicher Diskurs notwendig ist.
Schlüsselwörter
Doing Gender, Männlichkeitsinszenierung, Hegemoniale Männlichkeit, Geschlechterkonstruktion, Schule, Sozialisation, Koedukation, Peer-Group, Jungenarbeit, Geschlechterverhältnis, Machtstrukturen, Habitus, Identitätsbildung, Gender, Bildungsbenachteiligung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit im Kern?
Die Arbeit thematisiert die soziale Konstruktion von Männlichkeit im schulischen Umfeld und untersucht, wie Geschlechterrollen durch Interaktionen und gesellschaftliche Erwartungen in der Schule geprägt werden.
Welche zentralen Themenfelder werden in der Arbeit behandelt?
Im Fokus stehen die theoretischen Grundlagen des "Doing Gender", die hegemoniale Männlichkeit, das Interaktionsverhalten innerhalb der Schule sowie moderne Ansätze der Jungenarbeit.
Was ist das primäre Ziel oder die zentrale Forschungsfrage?
Ziel ist es, den schulischen Misserfolg von Jungen vor dem Hintergrund gesellschaftlicher Geschlechterrollen zu verstehen und zu analysieren, wie Männlichkeit in der Institution Schule aktiv hergestellt und inszeniert wird.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden angewandt?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Aufarbeitung aktueller erziehungswissenschaftlicher Studien, Fachliteratur und theoretischer Ansätze wie denen von Connell und Bourdieu.
Was wird im Hauptteil der Arbeit konkret thematisiert?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung der Geschlechterkonstruktion, die Untersuchung von Interaktionsmustern in Peer-Groups und gegenüber Lehrkräften sowie eine Auseinandersetzung mit der Jungenarbeit.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Publikation am besten?
Wesentliche Begriffe sind Doing Gender, hegemoniale Männlichkeit, schulische Sozialisation, Jungenarbeit und Geschlechterhierarchie.
Welche Rolle spielt die Peer-Group bei der Identitätsbildung von Jungen?
Die Peer-Group fungiert laut der Arbeit als Resonanzboden, in dem durch Abgrenzung und Solidarität hegemoniale Männlichkeitsideale normgebend für das Verhalten innerhalb der Gruppe definiert werden.
Warum wird im Kontext der Jungenarbeit das Konzept der reflexiven Koedukation betont?
Das Konzept wird betont, weil es Geschlecht explizit zum Gegenstand der pädagogischen Reflexion macht und fordert, dass sich sowohl Schüler als auch Pädagogen mit eigenen Geschlechtsidentitäten auseinandersetzen, um dichotome Strukturen aufzubrechen.
- Quote paper
- Bernd Kugler (Author), 2008, „Doing Gender“ - Männlichkeitsinszenierung im Kontext Schule, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/139409