In einem fiktiven, jedoch sehr realitätsbezogenen Szenario sollen Ansätze dargestellt werden, die Inklusion im Rahmen politischer Teilhabe für Menschen mit Behinderung möglich machen. Dabei wird Diskussionspotenzial sichtbar, jedoch auch positive Ausblicke für eine praktische Umsetzung. Kann eine Demokratie ohne Inklusion überhaupt eine echte Demokratie sein?
Der Beauftragte der Bundesregierung für die Belange von Menschen mit Behinderung erklärt im Laufe des Gesprächs, dass soziale Gerechtigkeit, als Grundwert unserer Gesellschaft, geltend gemacht wird, indem jeder Bürger Rechte nutzen, ausleben und einfordern kann – und manchmal auch muss, da Demokratie nicht selbstverständlich sei. Inklusion geschieht nicht rein aus Fürsorgeprinzipien, sondern weil alle Menschen in einer demokratischen Gesellschaft leben wollen, in der jedem dieselben Rechte und Chancen zustehen. Die Theorie erscheint einleuchtend, doch in welchem Maß exkludiert unsere Gesellschaft noch diejenigen, die von der allgemeinen Norm abweichen? Blicken wir auf unsere gesetzgebende Staatsgewalt, den Bundestag, erkennt man die Misslage: Rund 9,3 Prozent der deutschen Bevölkerung haben eine Behinderung, im Bundestag sitzen nur 3,3 Prozent solcher Menschen. Damit stellt die Süddeutsche Zeitung bei Ihrer Datenerhebung fest, dass 43 Abgeordnete fehlen, um die erforderliche Repräsentativität dieser Gesellschaftsmitglieder zu erreichen. Wenn wir uns von staatlicher Ebene wegbewegen, bleibt die Frage, wie wir Demokratie im kleineren Rahmen trotzdem fördern können. Dies soll Grundlage für folgende Arbeit sein.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Eine Einordnung des Begriffs „Inklusion“
2.1 Allgemeine Begriffserklärung
2.2 Rechtliche Einordnung
3. Die Erarbeitung eines Konzepts
3.1 Situationsbeschreibung der Ausgangslage
3.2 Zielsetzung der Einrichtung
3.2.1 Sozialethische Theorien als Anspruchsgrundlage
3.2.2 Zielsetzung der Einrichtung auf Grundlage der Anerkennungstheorie
3.3 Beispiele der Umsetzung
4. Rekapitulation und Abschluss
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit zielt darauf ab, Möglichkeiten der politischen Teilhabe für Menschen mit Behinderung in einer stationären Wohneinrichtung zu explorieren und ein Konzept zur Förderung von Inklusion im kommunalen Kontext unter Einbeziehung sozialethischer Anerkennungstheorien zu erarbeiten.
- Theoretische Einordnung des Inklusionsbegriffs und dessen rechtliche Grundlagen
- Analyse sozialethischer Anerkennungstheorien als Basis für ein inklusives Konzept
- Konzeptionelle Ansätze zur Förderung politischer Partizipation in Wohneinrichtungen
- Praktische Implementierung von Selbstvertretungsstrukturen und Beiratsmodellen
- Integration digitaler Formate (E-Partizipation) zur Überwindung von Zugangsbarrieren
Auszug aus dem Buch
3.3 Beispiele der Umsetzung
In einem Bericht zu politischer Partizipation von Menschen mit Behinderung in der Bundeshauptstadt Berlin erklärt das Deutsche Institut für Menschenrechte die Bedeutsamkeit der von diesen Mitgliedern der Gesellschaft eingebrachten Perspektiven für die Weiterentwicklung von politischen Entscheidungsprozessen (2021, S. 10). Politische Teilhaberechte allein auf Wahlrechte zu beschränken wird den Anforderungen des Artikel 29 der UN-BRK nicht gerecht: Politische Teilhabe bedeutet vielmehr Menschen mit Behinderung gleichberechtigt mit Anderen an der Gestaltung öffentlicher Angelegenheiten zu begünstigen (zitiert nach Deutsches Institut für Menschenrechte, 2021, S. 11).
Unser Wohnheim soll auf Ebene der kommunalen Gemeinschaft funktionierende Vereins- und Organisationsstrukturen etablieren, die vor allem der lokalen Selbstvertretung unserer Bewohner dienen sollen. Dafür müssen wir die Gründe der bisherigen Hürden der demokratischen Teilhabe identifizieren und daran anknüpfende Lösungsansätze konzipieren.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Notwendigkeit von Inklusion in der Demokratie und führt in die Thematik der politischen Teilhabe von Menschen mit Behinderung ein.
2. Eine Einordnung des Begriffs „Inklusion“: Dieses Kapitel definiert den Begriff der Inklusion theoretisch sowie rechtlich und grenzt ihn explizit von der Integration ab.
3. Die Erarbeitung eines Konzepts: Das Kernkapitel entwickelt ein praktisches Konzept zur Umsetzung inklusiver Maßnahmen in einer Wohneinrichtung unter Zuhilfenahme sozialethischer Theorien.
4. Rekapitulation und Abschluss: Das Fazit fasst die Lösungsansätze zusammen und verweist auf die Bedeutung des Community Organizing für die zukünftige Gestaltung von Partizipationsprozessen.
Schlüsselwörter
Inklusion, politische Teilhabe, Sozialethik, Anerkennungstheorie, Wohneinrichtung, Menschen mit Behinderung, UN-Behindertenrechtskonvention, Selbstvertretung, Gemeinwesen, Partizipation, Barrierefreiheit, E-Partizipation, Community Organizing, Demokratie, soziale Gerechtigkeit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie demokratische Teilhabe und Inklusion für Menschen mit kognitiven und körperlichen Behinderungen innerhalb einer stationären Wohneinrichtung gefördert werden können.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder umfassen die rechtliche Einordnung von Inklusion, die Anwendung sozialethischer Anerkennungstheorien nach Hegel und Spieß sowie praktische Ansätze für politische Partizipation.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist die Erstellung eines praxisorientierten Konzepts, das durch lokale Strukturen und technische Unterstützung die politische Mitgestaltung der Heimbewohner ermöglicht.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt Literaturanalysen zu Inklusionsdiskursen und überträgt diese mittels eines fiktiven, aber realitätsbezogenen Szenarios auf ein konkretes Organisationsmodell.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil widmet sich der Situationsanalyse, der sozialethischen Begründung von Inklusion und der Entwicklung konkreter Maßnahmen für politische Mitbestimmung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich maßgeblich durch die Begriffe Inklusion, politische Teilhabe, Anerkennungstheorie, Partizipation und Community Organizing beschreiben.
Welche Rolle spielt die Anerkennungstheorie von Hegel im Konzept?
Sie bildet die theoretische Basis, um durch eine Anerkennung auf institutioneller und sittlicher Ebene Menschen mit Behinderung als gleichwertige politische Akteure zu bestärken.
Wie kann E-Partizipation konkrete Barrieren abbauen?
Digitale Formate dienen als ergänzendes Instrument, um transportbedingte oder gesundheitliche Hürden zu umgehen und den Austausch bei aktuellen kommunalen Themen niederschwellig zu ermöglichen.
- Arbeit zitieren
- Lara Collini (Autor:in), 2022, Politische Teilhabe für Menschen mit Behinderung im Wohnheim. Ein inklusiver Ansatz, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/1393901