Die Doppelbildnisse Gabrielle d’Estrées (1573–1599) und einer ihrer Schwestern im Bad, die allgemein der zweiten Schule von Fontainebleau zugeordnet werden, nehmen durch die Rezeption verschiedener Bildelemente sowohl Bezug auf vorangegangene französische Mätressendarstellungen, als auch Venus-Darstellungen nach Giorgione (1477–1510) und Tizian (um 1488–1576). Vorrangig wurden Françoise Clouets (1510–1572) „A Lady in Her Bath” und Abbilder von Frauen am Toilettentisch zitiert. Die vorliegende Arbeit geht der Analyse der wiederkehrenden Elemente innerhalb dieser Gruppe weiblicher halbfiguriger Aktdarstellungen nach.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Forschungsstand
3. Die Doppelbildnisse der Schwestern d’Estrées im Bad
3.1. Überblick
3.2. Thema 1: Die imaginäre Ringübergabe?
3.3. Thema 2: Allegorie auf Schwangerschaft und Hochzeit?
3.4. Thema 3: Eine Nelke als Sinnbild der Verlobung?
3.5. Thema 4: Gabrielle d’Estrées und eine Schwester?
4. Die Vorläufer der Doppebildnisse der Schwestern d’Estrées im Bad
4.1. Françoise Clouet: „A Lady at Her Bath”
4.2. Damen bei der Toilette
5. Zusammenfassung und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit analysiert die in der Forschung bisher nicht vollständig erfasste Gruppe weiblicher halbfiguriger Aktdarstellungen der zweiten Schule von Fontainebleau, insbesondere die Bildnisse der Schwestern d’Estrées, um deren Entstehungskontext, ikonografische Motive sowie die intertextuelle Beziehung zu Vorläufern wie Françoise Clouets „A Lady in Her Bath“ zu klären.
- Analyse der wiederkehrenden Bildelemente in den Doppelbildnissen der Schwestern d’Estrées.
- Untersuchung der Motive (Ringübergabe, Nelke, Schwangerschaftsallegorien) im Kontext der frühen Neuzeit.
- Kritische Aufarbeitung des kunsthistorischen Forschungsstandes zur Zuschreibung und Deutung.
- Vergleich mit Vorläuferwerken (Clouet, Tizian) und deren Einfluss auf die Komposition.
- Reflektion über die Repräsentationsfunktion von Aktporträts und deren Bedeutung als „normative Phantasmen“.
Auszug aus dem Buch
3.3. Thema 2: Allegorie auf Schwangerschaft und Hochzeit?
Beide Frauen sind als Halbfiguren im Dreiviertelprofil dargestellt und sowohl einander als auch dem Betrachter zugewandt. Die Distanz zwischen beiden weist jeder einen individuellen Bereich im Bild zu. Es entsteht dadurch der Eindruck zweier zusammengeführter Einzelporträts. Zwischen Daumen und Zeigefinger der linken Hand hält die blonde der Badenden auf der rechten Seite einen Ring. Ihr rechtes Handgelenk ist auf dem Wannenrand abgelegt. Die Frau auf der linken Seite, dessen rechter Unterarm auf dem Wannenrand ruht, kneift ihr mit Daumen und Zeigefinger der linken Hand in die rechte Brustwarze.
Im Gegensatz zu den hochformatigen Bildnissen tragen die Badenden Perlenohrringe, die auch in den folgenden beiden Kompositionsthemen wieder auftauchen. Der Hintergrund gibt den Blick auf die hinteren Räumlichkeiten frei, in denen sich eine Kammerfrau einer Handarbeit widmet. Zwischen ihr und einem lodernden Kamin ist an der Zimmerwand ein geschwärzter Spiegel angebracht. Über dem Kaminsims hängt ein Gemälde, das den partiell mit einem Tuch verhüllten Unterleib eines sitzenden Mannes zeigt. Das Bild im Bild ist rechts und nach oben hin abgeschnitten, so dass das Gesicht des Dargestellten verborgen bleibt. Vor dem Kamin befindet sich ein Tisch, der, mit einem grünen Samtstoff überworfen, mit der Farbe der Vorhänge kontrastiert. Zwei weitere offenkundige Kontraste bestehen zwischen der Nacktheit der Badenden und der in rot gekleideten Stickerin im Hintergrund sowie zwischen den hinter dem Wannenrand verborgenen Unterkörpern der Badenden und dem auf dem Gemälde im Hintergrund dargestellten Unterleib des liegenden Mannes.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung steckt den Rahmen der Untersuchung ab, indem sie die Bedeutung der Doppelbildnisse der Schwestern d’Estrées im Kontext der zweiten Schule von Fontainebleau und ihrer Bezüge zu Clouet und Tizian definiert.
2. Forschungsstand: Dieser Abschnitt gibt einen Überblick über die kunsthistorische Diskussion, die von Fragen der Identifizierung über homoerotische Lesarten bis hin zur Analyse des Baderituskörpers reicht.
3. Die Doppelbildnisse der Schwestern d’Estrées im Bad: Es werden die vier Hauptkompositionen der Werkgruppe detailliert analysiert und deren ikonografische Besonderheiten in Bezug auf historische Allegorien untersucht.
4. Die Vorläufer der Doppebildnisse der Schwestern d’Estrées im Bad: Die Analyse konzentriert sich hierbei auf die motivischen Anleihen bei Françoise Clouets „A Lady in Her Bath“ und Tizians „Venus von Urbino“ als konstitutive Grundlagen.
5. Zusammenfassung und Ausblick: Das abschließende Kapitel resümiert die gewonnenen Erkenntnisse über die Kompositionsschemata und deren Einordnung in höfische Repräsentationsstrategien sowie die Bedeutung als Erotik-Kanon.
Schlüsselwörter
Gabrielle d’Estrées, Schule von Fontainebleau, französische Renaissance, Doppelporträt, Aktmalerei, Françoise Clouet, Ikonografie, Motivgeschichte, höfische Porträtkultur, Frühneuzeit, Allegorie, Schwangerschaft, Erotik, Bildzitat, Paragone.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit untersucht die kunsthistorische Herkunft, die ikonografischen Motive und die verschiedenen Deutungen der berühmten Doppelbildnisse der Schwestern d’Estrées im Bad.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zentrale Themen sind die intertextuellen Bezüge zu Vorläuferwerken, die Rolle von Porträtidentifikationen in der Renaissance sowie kulturhistorische Kontexte wie höfische Repräsentationsstrategien.
Was ist das primäre Ziel der Studie?
Das Ziel ist es, in einer systematischen Übersicht die wiederkehrenden Elemente der Werkgruppe zu analysieren, da bisher keine vollständige Übersicht der Motive und deren Ursprünge vorlag.
Welche wissenschaftliche Methode wird primär angewandt?
Die Autorin verwendet eine kunsthistorische Bildanalyse, die den direkten Vergleich von Kompositionsschemata (z. B. Umrisse, Gestik) und eine kritische Auseinandersetzung mit der bestehenden Fachliteratur umfasst.
Was steht im Zentrum des Hauptteils?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von vier spezifischen Themenkompositionen der Schwestern-Bildnisse und deren Abhängigkeit von Clouets „A Lady in Her Bath“.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Forschung?
Wichtige Begriffe sind „Schule von Fontainebleau“, „Aktporträt“, „Bildzitat“, „Mätressenporträt“ sowie die Analyse des „normativen Phantasmas“.
Welche Rolle spielt der Ring in den Darstellungen?
Der Ring wird in der Forschung oft als Allegorie auf ein Eheversprechen zwischen Gabrielle d’Estrées und Heinrich IV. interpretiert, wobei die Authentizität dieser Deutung kritisch hinterfragt wird.
Warum wird in den Bildern oft in die Brustwarze gekniffen?
Das Motiv wird als Indikator für eine Schwangerschaft oder als erotisches bzw. medizinisches Aufmerksamkeitsmerkmal gedeutet, wobei die Autorin Bezüge zu antiken und frühneuzeitlichen Vorbildern herstellt.
- Arbeit zitieren
- Melanie Metzlaff (Autor:in), 2023, Die Doppelbildnisse der Schwestern d'Estrées und ihre Vorläufer, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/1392179