Die Kompetenz, mehrere Sprachen zu beherrschen, ist eine wichtige Ressource, die in vielen Regionen der Welt vertreten ist, während hingegen Einsprachigkeit eher die Ausnahme darstellt. Gesellschaftliche Veränderungen wie Migration und eine große Anzahl mehrsprachig aufwachsender Schüler stellt sowohl die Gesellschaft als auch das Bildungssystem in Deutschland vor neue Herausforderungen.
Sprachkontrastivität stellt ein viel diskutiertes Thema in der Fremdsprachenforschung dar, während in der Unterrichtspraxis kaum Sprachvergleiche vorhanden sind, weder im Deutschunterricht noch im Fremdsprachenunterricht. Daraus resultiert die Frage, welche Bedeutung dem Bildungsziel 'Mehrsprachigkeit im (Deutsch)-Unterricht' gewährt werden sollte. Um sprachliches Lernen einsprachiger und mehrsprachiger Schüler zu fördern, empfiehlt es sich, alle Ressourcen mehrsprachiger Schüler in den Unterricht zu partizipieren. Schüler mit divergenten Spracherfahrungen sind in der Lage, zu vertiefender Sprachkompetenz und hohem Sprachbewusstheit beizutragen.
Der Einbezug mehrsprachiger Ressourcen drückt nicht nur Wertschätzung aus, sondern es findet auch eine gezielte Vernetzung der verschiedenen Sprachen statt. Die aufgrund Migration entstehende Mehrsprachigkeit im deutschen Bildungssystem nimmt immer noch einen zu geringen Stellenwert ein. Für mehrsprachige Schüler ergeben sich dadurch Nachteile in Bezug auf ihre Bildungslaufbahn. Bildung jedoch ist essentiell - nicht nur für eine individuelle erfolgreiche Entwicklung, sondern auch für den wirtschaftlichen Erfolg eines Landes und den sozialen Zusammenhalt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Definitionen
2.1. Definitionen Sprachen
2.1.1. Muttersprache - Erstsprache
2.1.2. Zweitsprache - Fremdsprache
2.2. Definitionen Sprachbewusstheit und Sprachbewusstsein
2.3. Definition Mehrsprachigkeit
2.4. Definition Migrationshintergrund
3. Sprachgeschichte und Sprachforschung
4. Zweitspracherwerb und Fremdspracherwerb
5. Sprachbewusstsein und Mehrsprachigkeit
6. Mehrsprachigkeit und Migration in Bezug auf Bildung
7. Mehrsprachigkeitsdidaktik
7.1. Mehrsprachigkeitsdidaktik in der Sekundarstufe I
7.2. Sprachtypologien, Language Awareness und Translanguaging
7.2.1. Sprachtypologien
7.2.2. Language Awareness (LA)
7.2.3. Translanguaging
7.3. Deutschunterricht in heterogenen Gruppen
8. Fazit
Zielsetzung und Themenbereiche
Die Arbeit untersucht die Bedeutung und Einbindung von Mehrsprachigkeit im (Deutsch-)Unterricht der Sekundarstufe I. Ziel ist es, Möglichkeiten aufzuzeigen, wie Sprachbiografien mehrsprachiger Schüler als Ressource für einen wertschätzenden und effizienten Deutschunterricht genutzt werden können, um bestehende Bildungsdisparitäten zu überwinden.
- Grundlagendefinitionen zu Sprache, Mehrsprachigkeit und Migration.
- Historischer Kontext der Sprachforschung und Sprachtypologien.
- Differenzierung von Zweit- und Fremdspracherwerb.
- Bildungspolitische Herausforderungen und Bildungsstandards.
- Didaktische Konzepte wie Language Awareness und Translanguaging.
Auszug aus dem Buch
2.1.2. Zweitsprache - Fremdsprache
Jung und Günthers Aussage hierzu ist, dass jede Sprache, die nach der Erstsprache erlernt wird, als Zweitsprache zu verstehen ist (vgl. Jung & Günther, 2016, S. 57). Schnitzer ist der Ansicht, dass der Unterschied zwischen Zweitsprache und Fremdsprache durch die Umgebung bestimmt wird, in der die Sprache kommuniziert wird. Für Zweitsprache wird auch die Abkürzung L2 (language 2) oder S2 (Zweitsprache) verwendet (vgl. Schnitzer, 2020, S. 25-26). Rösch et al. definieren Deutsch als Zweitsprache (DaZ), Deutsch als Fremdsprache (DaF) und Deutsch als Muttersprache (DaM). DaZ bezieht sich auf Erwerb, Gebrauch und Vermittlung der deutschen Sprache in deutschsprachiger Umgebung. DaF dagegen beruht auf entsprechenden Situationen in nicht-deutschen Sprachumgebungen (vgl. Rösch et al., 2017, S. 10). Mit der nachfolgenden Grafik werden die wesentlichen Unterschiede von DaZ, DaF und DaM in Bezug auf die Kategorien ‚Funktionen des Deutschen‘, ‚Spracherwerbssituation‘, ‚Lernsituation‘ und ‚Rahmenbedingungen‘ aufgezeigt:
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Thematik der Sprachenvielfalt ein und stellt die zentrale Frage nach der Bedeutung des Bildungsziels Mehrsprachigkeit für das deutsche Bildungssystem.
2. Definitionen: Dieses Kapitel klärt grundlegende Begriffe wie Erst- und Zweitsprache, Sprachbewusstheit, Mehrsprachigkeit und den Migrationshintergrund.
3. Sprachgeschichte und Sprachforschung: Es wird ein historischer Abriss der Sprachphilosophie und der Entwicklung der Sprachtypologien, von der Antike bis zur modernen kontrastiven Linguistik, gegeben.
4. Zweitspracherwerb und Fremdspracherwerb: Hier werden Unterschiede und Stadien beim Erlernen weiterer Sprachen bei Kindern und Erwachsenen erörtert und erwerbstheoretische Hypothesen diskutiert.
5. Sprachbewusstsein und Mehrsprachigkeit: Das Kapitel beleuchtet die Rolle des Sprachbewusstseins als fachdidaktische Schlüsselkategorie und seine positive Auswirkung auf den Lernprozess.
6. Mehrsprachigkeit und Migration in Bezug auf Bildung: Hier werden die bildungspolitischen Folgen von Migration und die soziale Benachteiligung schulsprachlich-heterogener Gruppen analysiert.
7. Mehrsprachigkeitsdidaktik: Dieses Kernkapitel stellt didaktische Ansätze wie Language Awareness, Translanguaging und Interkomprehension für die Sekundarstufe I vor.
8. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und fordert eine stärkere Implementierung der Mehrsprachigkeitsdidaktik in die Lehrkräfteausbildung und Unterrichtspraxis.
Schlüsselwörter
Mehrsprachigkeit, Deutsch als Zweitsprache (DaZ), Sprachbewusstsein, Sprachdidaktik, Migration, Bildungserfolg, Sprachbiografie, Sprachentwicklung, Sekundarstufe I, Language Awareness, Translanguaging, Kontrastive Linguistik, Interkulturelles Lernen, Heterogenität, Sprachvergleich.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Hausarbeit befasst sich mit der Rolle der Mehrsprachigkeit im Deutschunterricht der Sekundarstufe I und dem Umgang mit sprachlicher Heterogenität.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Zentrale Themen sind die Begriffsdefinitionen, der Zweitspracherwerb, die historische Forschung, bildungspolitische Rahmenbedingungen und spezifische didaktische Konzepte wie Language Awareness.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist es, den Nutzen von Mehrsprachigkeit als Ressource im Unterricht hervorzuheben und Unterrichtskonzepte zu benennen, die zur Förderung der Schüler beitragen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Arbeit, die auf Literaturanalyse, der Sichtung didaktischer Modelle und dem Vergleich von Sprachforschungsergebnissen basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden sowohl theoretische Definitionen als auch konkrete didaktische Ansätze (Language Awareness, Translanguaging) und der Einfluss von Migration auf den Bildungserfolg diskutiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe umfassen Mehrsprachigkeit, Deutsch als Zweitsprache, Sprachbewusstsein, Sprachdidaktik und interkulturelles Lernen.
Welche Rolle spielt die Erstsprache im Deutschunterricht laut Autor?
Die Erstsprache wird nicht als Defizit, sondern als wertvolle Ressource gesehen, deren bewusste Einbindung (z. B. durch Sprachvergleiche) den Lernerfolg und die Sprachkompetenz im Deutschen fördert.
Warum wird die aktuelle Ausbildung von Lehrkräften kritisiert?
Die Arbeit kritisiert, dass Mehrsprachigkeit politisch und in der Ausbildung oft nur als Pflichtschulbereich (DaZ) und nicht als allgemeine sprachliche Bildung wahrgenommen wird.
- Arbeit zitieren
- Anonym (Autor:in), 2022, Sprachenvielfalt im Deutschunterricht in der Sekundarstufe I, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/1390383