Diese Hausarbeit beschäftigt sich mit der Frage, ob empirische Experimente der Sozialpsychologie gegen die Grundsätze der Ethik verstoßen. Grundsätzlich können wir alle verstehen, wenn den Versuchspersonen nicht den wahren Grund des Experiments mitgeteilt werden, damit keine Verfälschung/Verzerrung wie z. B. soziale Erwünschtheit auftreten kann. Fraglich ist jedoch: Wo soll die Grenze bei dem Thema Aufklärung liegen? Welche Persönlichkeitsrechte der Versuchspersonen darf man außer Kraft setzen? Und wie weit dürfen Forscher in einem Experiment gehen?
Für mich stellt diese Thematik einen ganz anderen, spannenden Blickwinkel auf die Forschung und deren Experimente da, den ich weiter mit dieser Arbeit beleuchten möchte. In der Sozialpsychologie geht es um den Einfluss vom sozialen Umfeld auf das jeweilige Verhalten, Erleben und Gefühle des Individuums und deren Interdependenzen.
Konkret geht es in der Teildisziplin der Psychologie darum, wie eine Person sich in Situationen mit Anderen verhält, was er dabei fühlt oder welche Auswirkung alleine der Gedanke an eine spezifische Person auf das Verhalten hat. Die Sozialpsychologie erforscht folgende Hauptthemen: Psychologie innerhalb einer Gruppe, Einstellungen, Sozialisationsprozess, soziale Wahrnehmung, sowie Kommunikation und Interaktion.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Begriff Sozialpsychologie
3. Methode: Experiment
4. Ethik
4.1 Der Mensch als Individuum
4.2 Tierwohl
4.3 Ethikkommission
5. Milgram Experiment
6. Little-Albert-Experiment
7. Kritik
8. Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die ethische Vertretbarkeit empirischer Experimente in der Sozialpsychologie und analysiert anhand historischer Fallbeispiele, inwieweit wissenschaftliche Forschung die Würde und psychische Unversehrtheit von Versuchspersonen sowie Tieren gefährden kann.
- Ethikrichtlinien in der wissenschaftlichen Forschung
- Methodische Grundlagen psychologischer Experimente
- Ethische Analyse des Milgram-Experiments
- Ethische Analyse des Little-Albert-Experiments
- Bedeutung von Ethikkommissionen und Standards
Auszug aus dem Buch
3. Methode: Experiment
Die Soziologie wendet viele unterschiedliche, kontextabhängige Methoden an, um die Menschen in ihrem Verhalten zu untersuchen. Gängige Verfahren sind zu einem die Feld-Laborforschung, Beobachtung (z. B. Ethnografie), Korrelationsmethode (Vorhersage) und Experimente (Erklärung) (Stürmer, 2009, S.19ff.). Bei einem Experiment sind Kontrolle und Manipulation die entscheidenden Hauptfaktoren (Stürmer, 2009, S.21). Es existiert immer eine unabhängige Variable, die vom Forscher bewusst manipuliert wird, da sie angeblich einen Einfluss auf die abhängige Variable hat (Stürmer, 2009, S.21f.). Diese durch die Beeinflussung resultierende Veränderung/Beobachtung ist dann schlussendlich das Ergebnis des Experiments (Stürmer, 2009, S.21f.).
Um sicherzugehen, dass die Veränderung kein Ergebnis einer anderen Ursache ist, sondern wirklich der unabhängigen Variablen verschuldet ist, werden zusätzlich Kontrolltechniken angewandt (Stürmer, 2009, S.22.). Randomisierung gehört zu den bedeutungsvollsten Kontrolltechniken, denn sie stellt z. B. sicher, dass die beiden Personengruppen (Kontroll-Versuchsgruppe), die an einem Experiment teilnehmen, gleich stark sind (Stürmer, 2009, S.22.). In der Kontrollgruppe wird im Gegensatz zu der Experimentalgruppe die unabhängige Variable nicht manipuliert (Werth, et al., 2020, S.9).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit führt in die Fragestellung ein, ob sozialpsychologische Experimente systematisch gegen ethische Grundsätze verstoßen.
2. Begriff Sozialpsychologie: Dieses Kapitel definiert den Forschungsgegenstand der Sozialpsychologie als Untersuchung des Einflusses des sozialen Umfelds auf das Individuum.
3. Methode: Experiment: Hier werden die wissenschaftlichen Grundlagen und Kontrollmechanismen experimenteller Forschung, wie Randomisierung und Validität, erläutert.
4. Ethik: Die Grundlagen der Forschungsethik und der Schutz von Individuen sowie Tieren werden dargestellt, ergänzt durch die Rolle von Aufsichtsgremien.
4.1 Der Mensch als Individuum: Dieser Abschnitt thematisiert Grundanforderungen wie Aufklärung, Einverständniserklärung und den Schutz der Privatsphäre.
4.2 Tierwohl: Es wird erörtert, unter welchen restriktiven Auflagen Tiere in der Forschung bei mangelnden Alternativen eingesetzt werden dürfen.
4.3 Ethikkommission: Die Funktion von Ethikkommissionen zur Prüfung und Genehmigung von Forschungsvorhaben wird beschrieben.
5. Milgram Experiment: Das Gehorsamkeitsexperiment wird hinsichtlich seines Aufbaus und der fragwürdigen psychologischen Belastung der Probanden analysiert.
6. Little-Albert-Experiment: Die Untersuchung befasst sich mit Watsons Konditionierungsexperiment an einem Säugling und dessen ethischer Problematik.
7. Kritik: Die ethische Kritik an Milgram und Watson wird zusammengefasst, wobei schwerwiegende psychische Folgen hervorgehoben werden.
8. Fazit: Die Arbeit zieht das Resümee, dass moderne Ethikstandards essenziell sind, um die in der Vergangenheit begangenen Fehlkonstruktionen zu verhindern.
Schlüsselwörter
Sozialpsychologie, Forschungsethik, Experiment, Milgram-Experiment, Little-Albert-Experiment, Ethikkommission, Gehorsam, Konditionierung, Laborexperiment, Versuchspersonenschutz, Validität, Tierwohl, Humanexperimente, wissenschaftliche Standards, psychische Gesundheit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Hausarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die ethische Vertretbarkeit von Experimenten in der Sozialpsychologie und analysiert, wie Forschungsmethoden die Rechte und das Wohlbefinden von Menschen und Tieren beeinflussen können.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Themen sind Forschungsethik, experimentelle Methodik in der Psychologie sowie die kritische Aufarbeitung historischer Studien wie dem Milgram- oder Little-Albert-Experiment.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es zu beurteilen, ob empirische Experimente der Sozialpsychologie gegen grundlegende ethische Normen verstoßen und warum strenge Kontrollinstanzen heute unverzichtbar sind.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Autorin?
Es handelt sich um eine theoretische Analyse, bei der vorwiegend Fachliteratur ausgewertet und mit dokumentierten Fallstudien kritisch in Bezug gesetzt wird.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die methodischen Grundlagen, eine detaillierte Erörterung ethischer Rahmenbedingungen und die Analyse konkreter, ethisch diskussionswürdiger Experimente.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist insbesondere durch Begriffe wie Forschungsethik, Gehorsam, Konditionierung und Versuchspersonenschutz geprägt.
Wie bewerten aktuelle Ethikkommissionen heute das Vorgehen von Milgram?
Aus heutiger Sicht gilt das Milgram-Experiment als Beispiel für erhebliche ethische Mängel, insbesondere hinsichtlich der psychischen Belastung und Täuschung der Probanden ohne adäquate Nachbereitung.
Warum war das Little-Albert-Experiment besonders kritisch zu betrachten?
Die Kritik fokussiert sich darauf, dass ein Säugling bewusst einer angstauslösenden Situation ausgesetzt wurde, ohne seine psychische Gesundheit zu schützen oder die Konditionierung rückgängig machen zu können.
- Arbeit zitieren
- Christin Mahr (Autor:in), 2022, Ethik in der Forschung. Wie weit dürfen Forscher in einem Experiment gehen?, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/1387720