Bereits der erste Satz der Ekphrasis (Catull 64, 52–57) zeichnet die Gesamtsituation der verlassenen Ariadne. Die auffällige Häufung visueller Verben in diesen Versen ist forschungsgeschichtlich unerkannt. Man ist sich weitestgehend darüber einig, dass über das Wortfeld ‚Sehen‘ die Gefühle Ariadnes visualisiert werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Hauptteil
a) Einordnung in Werk und Kontext
b) Übersetzung Cat. 64, 52–57
c) Analyse und Interpretation von Cat. 64, 52–57
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Ekphrasis der verlassenen Ariadne in Catulls Carmen LXIV, insbesondere die Verse 52–57, um zu klären, inwiefern das dort verwendete Wortfeld „Sehen“ als Spiegelbild dynamischer emotionaler Prozesse interpretiert werden kann. Dabei wird analysiert, wie visuelle Verben in der Eingangsszene die Wahrnehmung Ariadnes prägen und zur Charakterisierung ihrer inneren emotionalen Entwicklung beitragen.
- Analyse der visuellen Semantik in Catull 64, 52–57
- Unterscheidung zwischen rationaler und geistiger Wahrnehmung
- Erforschung der Wechselwirkung von Emotion (Leidenschaft) und Verstand
- Untersuchung der emotionalen Schockstarre und deren Überwindung
- Interpretation der Ekphrasis als dynamisches statt statisches Abbild
Auszug aus dem Buch
c) Analyse und Interpretation von Cat. 64, 52–57
Wie die Übersetzung der Verse bereits andeutet, handelt es sich bei den von Catull gewählten visuellen Begriffen um bewusst gewählte Ausdrücke, die verschiedene Nuancen und Phasen des Sehens in den Mittelpunkt stellen. Aufgrund der Analogie zwischen den visuellen Verben und Ariadnes Gefühlswelt, müssten sich auch die Emotionen Ariadnes zeitlich ändern und qualitativ unterscheiden.
Die Verse 52 und 53 bilden die erste inhaltliche und syntaktische Einheit. Durch das Hyperbaton fluentisono litore wird prospectans als zentrales Wort des Verses 52 gerahmt. Die Verbalhandlung, Ariadnes sinnliche Wahrnehmung, rückt hier deutlich in den Vordergrund. Bei Prospectans handelt es sich ethymologisch um ein Kompositum aus pro und spectare. Das Präfix pro impliziert einen räumlich weitlaufenden und zugleich einen zeitlich anhaltenden Blick. Als Intensivum von prospicere wird dabei die Qualität des Blickes gesteigert. Die Nuancierung des Erfolges liegt im Vergeblichen. Prospectans meint also das über einen längeren Zeitraum gründliche, aber zunächst vergebliche, Ausschau halten (nach Theseus). Auch wenn die äußere Beschreibung vom Sehprozess im Vordergrund steht, expliziert Catull darüber auch Ariadnes komplexe Gefühlswelt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik der Ekphrasis bei Catull ein und formuliert die Forschungsfrage bezüglich des Wortfeldes „Sehen“ als Spiegelbild emotionaler Dynamik.
2. Hauptteil: Der Hauptteil ordnet das Gedicht literaturgeschichtlich ein, bietet eine eigene Übersetzung der relevanten Verse und analysiert detailliert die semantischen Unterschiede der visuellen Verben im Hinblick auf Ariadnes Gemütszustand.
Schlüsselwörter
Catull, Carmen 64, Ekphrasis, Ariadne, Wortfeld Sehen, Emotionspsychologie, visuelle Verben, Theseus, Wahrnehmung, lateinische Philologie, Epyllion, rationale Wahrnehmung, emotionale Dynamik, Schockstarre, Textinterpretation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Ekphrasis der verlassenen Ariadne im 64. Gedicht von Catull und untersucht dabei spezifisch die Darstellung ihrer Gefühle durch visuelle Verben.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themenfelder sind die lateinische Philologie, die Analyse poetischer Technik bei Catull sowie die Verschränkung von visueller Semantik und emotionaler Entwicklung.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das primäre Ziel ist es, nachzuweisen, dass das „Sehen“ bei der Darstellung der verlassenen Ariadne kein statisches Element ist, sondern ein dynamisches Spiegelbild für ihre emotionalen Prozesse darstellt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine philologische und textanalytische Methode angewandt, die auf der semantischen Untersuchung spezifischer lateinischer Begriffe im Verszusammenhang basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Kontextualisierung des Epyllions, die Bereitstellung einer neuen Übersetzung der Verse 52–57 sowie eine detaillierte zeilen- und begriffsbezogene Interpretation.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie „Ariadne“, „catullisches Epyllion“, „visuelle Semantik“, „emotionale Dynamik“ und „Wortfeldanalyse“ charakterisiert.
Inwiefern ist das „Sehen“ bei Ariadne dynamisch?
Die Dynamik ergibt sich aus der zeitlichen Sukzession der visuellen Verben, die eine Entwicklung vom realen Ausschauhalten (prospectans) bis hin zur mentalen und emotionalen Verarbeitung des Erlebten abbilden.
Welche Rolle spielt der Schafzustand der Ariadne für die Interpretation?
Der gerade beendete Schlaf der Ariadne wird als Grund für eine zeitweilige Sinnestäuschung herangezogen, welche den Konflikt zwischen rationalem Erkennen und emotionalem Widerstand verschärft.
- Arbeit zitieren
- Arthur Kutzmann (Autor:in), 2019, Catulls Ekphrasis der verlassenen Ariadne (Catull 64, 52-57), München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/1382247