Diese Arbeit zielt darauf ab, die Verbindungen und Einflüsse zwischen monastischer Theologie, den Wüstenvätern und zwei deutschen Mystikern des 14. Jahrhunderts, Heinrich Seuse und Johannes Tauler, zu untersuchen und zu erklären. Dabei wird ein besonderes Augenmerk auf das Kreaturgefühl und seine Rolle als Verbindungspunkt zwischen diesen spirituellen Strömungen gelegt.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Der Glaube ohne rationale Rechtfertigung
2.1 Die monastische Theologie
2.2 Heinrich Seuse und modus spiritualis
3 Das Kreaturgefühl und Das Fünklein in der Seele
3.1 Das Kreaturgefühl
3.2 Das Fünklein in der Seele
4 Schluss
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht das Traktat "Das Fünklein in der Seele" innerhalb der Tradition der monastischen Theologie, um aufzuzeigen, dass die Intensivierung des religiösen Kreaturgefühls das primäre Ziel dieses mystischen Textes darstellt.
- Die Differenzierung zwischen monastischer Theologie und Scholastik
- Die Rolle der Wüstenväter als Bindeglied zur dominikanischen Mystik
- Rudolf Ottos Konzept des Kreaturgefühls als religiöses Erlebnis
- Die Bedeutung von Heinrich Seuses Begrifflichkeit des modus spiritualis
Auszug aus dem Buch
3.1 Das Kreaturgefühl
Was beide Erfahrungen miteinander gemein haben, ist das Kreaturgefühl, durch dessen Intensivierung eine nicht mystische religiöse Erfahrung zu einer mystischen Art übersteigern lässt. Im dritten Kapitel seiner Schrift Das Heilige diskutiert Rudolf Otto das Gefühl einer religiösen Ergriffenheit, das er als Kreaturgefühl bezeichnet. Otto bezieht sich hier explizit auf Schleiermachers Überlegungen zum religiösen Gefühl als Gefühl schlechthinniger Abhängigkeit. Im Gegensatz zu Schleiermacher bestimmt Otto das Kreaturgefühl als ,,zugleich qualitativ etwas anderes […] als alle natürlichen Abhängigkeitsgefühle. Ich suche nach einem Namen für die Sache und nenne es Kreaturgefühl – das Gefühl der Kreatur die in ihrem eigenen Nichts versinkt und vergeht gegenüber dem was über aller Kreatur ist.“
Dabei empfindet sich das Subjekt als Nichts, als nichtig, und folglich als kontingent, also als Geschöpf: Es kommt nicht aus sich selbst, ist nicht über sich selbst mächtig, nicht notwendig, sondern existiert zufällig, nicht ewig, sondern vergänglich. Das Kreaturgefühl und Kontingenzerleben fallen hier zusammen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Differenzierung zwischen Leib und Körper sowie Erfahrung und Erlebnis ein und umreißt die Zielsetzung der Arbeit sowie deren methodische Einordnung.
2 Der Glaube ohne rationale Rechtfertigung: Hier werden die Grundlagen der monastischen Theologie und deren Abgrenzung zur Scholastik sowie die bedeutenden Einflüsse durch die Wüstenväter für das 14. Jahrhundert erörtert.
2.1 Die monastische Theologie: Dieses Kapitel erläutert den soziologischen und inhaltlichen Kontext der monastischen Theologie als eine aus der spirituellen Praxis der Klöster entstandene Theologie.
2.2 Heinrich Seuse und modus spiritualis: Es wird die Verbindung zwischen der Vätertheologie und der Gottesfreundliteratur untersucht, wobei Heinrich Seuses theologische Ausrichtung innerhalb der Tradition der Wüstenväter hervorgehoben wird.
3 Das Kreaturgefühl und Das Fünklein in der Seele: Dieses Kapitel analysiert das Traktat "Das Fünklein in der Seele" vor dem Hintergrund des zuvor definierten Rahmens der monastischen Theologie und des religiösen Erlebnisses.
3.1 Das Kreaturgefühl: Es wird das theoretische Fundament des Kreaturgefühls nach Rudolf Otto dargelegt, welches als unmittelbares, vorreflexives religiöses Erleben charakterisiert wird.
3.2 Das Fünklein in der Seele: Die Analyse konzentriert sich hier auf die Rolle des "Seelengrundes" in Taulers Lehre und die praktische Anwendung bei der Intensivierung des Kreaturgefühls im untersuchten Traktat.
4 Schluss: Die Untersuchung kommt zu dem Ergebnis, dass die Intensivierung des Kreaturgefühls das eigentliche Ziel des Traktates darstellt und resümiert die Gemeinsamkeiten der betrachteten theologischen Ansätze.
Schlüsselwörter
Monastische Theologie, Gottesfreundliteratur, Kreaturgefühl, Rudolf Otto, Seelengrund, mystische Erfahrung, Heinrich Seuse, Johannes Tauler, Wüstenväter, Offenbarung, modus spiritualis, Kontingenzerleben, religiöses Erlebnis, Askese, Theologiegeschichte.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es grundsätzlich in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit analysiert das mittelalterliche Traktat "Das Fünklein in der Seele" aus der sogenannten Gottesfreundliteratur und setzt es in Bezug zur monastischen Theologie und den mystischen Strömungen des 14. Jahrhunderts.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Themenfelder umfassen die Unterscheidung zwischen dem Erleben und der Erfahrung des Göttlichen, die Bedeutung der benediktinischen Altvätertradition sowie die theologischen Konzepte von Heinrich Seuse und Johannes Tauler.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, nachzuweisen, dass im untersuchten Traktat nicht die mystische Verzückung selbst, sondern die Intensivierung des sogenannten Kreaturgefühls den zentralen Zweck der spirituellen Bemühungen bildet.
Welche wissenschaftliche Methode wird zur Analyse verwendet?
Es handelt sich um eine theologiegeschichtliche Analyse, die den Text "Das Fünklein in der Seele" innerhalb der Tradition der monastischen Theologie verortet und mit Konzepten der Religionsphilosophie, insbesondere von Rudolf Otto, in Verbindung bringt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Begründung des Glaubens ohne rationale Rechtfertigung, die Einbindung der Wüstenväter in die mittelalterliche Theologie sowie die detaillierte Analyse der Begriffe Kreaturgefühl und Seelengrund.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?
Wichtige Begriffe sind insbesondere die monastische Theologie, das Kreaturgefühl, die Gottesfreundliteratur, der Seelengrund sowie die Unterscheidung zwischen Leib und Körper.
Welche Bedeutung kommt dem "Kreaturgefühl" nach Rudolf Otto zu?
Das Kreaturgefühl wird als ein unmittelbares, vorreflexives Gefühl beschrieben, bei dem sich der Mensch als kontingentes Geschöpf begreift, das in seinem Nichts vor dem numinosen Objekt steht.
Wie unterscheidet sich der Ansatz des Traktats von der üblichen mystischen Literatur?
Das Traktat verzichtet weitgehend auf eine bildhafte oder ausführliche Beschreibung der Verzückung (Ekstase) und fokussiert stattdessen auf seelsorgerliche Gespräche und den Weg, wie der Mensch das göttliche Fünklein in sich kultivieren kann.
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- Mohammad Hassan Heshmatifar (Author), 2023, Das Fünklein in der Seele. Das religiöse Erlebnis und das Kreaturgefühl in der monastischen Theologie und der deutschen Mystik des 14. Jahrhunderts, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/1378222