Diese Arbeit strebt an, das Verhältnis zwischen Sigmund Freuds Psychoanalyse und der Literaturwissenschaft zu beleuchten. Dabei wird die Arbeit zuerst Freuds psychoanalytische Kategorien erläutern, dann seine literaturwissenschaftlichen Untersuchungen darstellen und schließlich die Auswirkungen und Rezeptionen seiner Theorien diskutieren, um letztendlich die Frage zu beantworten, ob Freuds Ansätze zur Literaturanalyse einen Mehrwert bieten oder nicht.
Sigmund Freud kennen die meisten in erster Linie als Psychoanalytiker. Allerdings: Er wandte seine Theorien auch auf die Literatur an und formte damit die psychoanalytische Literaturwissenschaft. Von vielen wurde diese zunächst nicht ernst genommen, eine Auseinandersetzung mit Freuds literaturwissenschaftlicher Arbeit lohnt sich aber. Diese Hausarbeit widmet sich der Frage, ob die psychoanalytische Literaturwissenschaft einen Mehrwert innerhalb der Literaturtheorien leistet - oder ob sie willkürlich und abwegig ist.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die wichtigsten psychoanalytischen Kategorien
2.1 Bewusst, unbewusst und vorbewusst
2.2 Es, Über-Ich und Ich
2.3 Die frühkindliche Sexualität
2.4 Traumdeutung
3. Psychoanalytische Literaturwissenschaft
3.1 Sigmund Freud: Bildende Kunst und Literatur
3.2 Die Rechtfertigung einer psychoanalytischen Literaturwissenschaft bei Freud
3.3 Andere Stimmen
4. Fazit
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Diese Arbeit untersucht das Potenzial und die Legitimität der psychoanalytischen Literaturwissenschaft, indem sie prüft, ob die Anwendung psychoanalytischer Kategorien auf literarische Texte lediglich willkürlich erfolgt oder einen tatsächlichen Mehrwert für das Verständnis von Werken, Figuren und ihrer Wirkung auf den Leser bietet.
- Grundlagen der psychoanalytischen Lehre nach Sigmund Freud
- Übertragung psychoanalytischer Verfahren auf literarische Analyse
- Freuds eigene Rechtfertigung der Beschäftigung mit Literatur
- Kritische Rezeption und Gegenperspektiven
- Verhältnis zwischen Autorbiografie, Werkinhalt und unbewussten Trieben
Auszug aus dem Buch
3.1 Sigmund Freud: Bildende Kunst und Literatur
In dem Band BILDENDE KUNST UND LITERATUR der Studienausgabe Freuds sind ganz unterschiedliche Abhandlungen über Kunst und Literatur vereint. Da ich mich in meiner Arbeit auf die Literaturwissenschaft beschränke, werde ich auf die Kapitel zur Kunst nur kurz und insofern eingehen, als dass sie auch auf die literaturwissenschaftliche Arbeit Freuds zu übertragen sind.
Zunächst steht eine Analyse des Textes GRADIVA von Wilhelm Jensen. Eine kurze inhaltliche Zusammenfassung:
„Norbert Hanold, ein junger deutscher Gelehrter, dem die Archäologie alles bedeutet und die Frauen und die Liebe wenig, wird eines Tage im Monat Mai von großer Unruhe befallen. Nachts träumt er vom Ausbruch des Vesuvs im Jahre 79 n. Chr., wobei ihm eine reizvolle junge Frau erscheint, die eigentümlich ihren linken Fuß aufsetzt. Am Morgen weiß er, daß er von der Gradiva geträumt hat. >Gradiva<, >die Vorschreitende<, hat er das Reliefbild einer jungen Pompejanerin getauft, das an einer Wand seines Arbeitszimmers hängt und für ihn eine intensive – für wissenschaftlich gehaltene – Attraktion besitzt. Plötzlich wird der Drang, dem Schicksal der jungen Pompejanerin nachzuforschen, in Hanold unwiderstehlich. Er reist nach Italien, hier von Rom nach Neapel, dann landet er wie unabsichtlich in Pompeji. Begleitet und dirigiert wird seine Reise von einer Reihe von Träumen, teils deutlich erotischen Charakters. Hanold gerät in Pompeji in einen wahnhaften Zustand, der sich noch verstärkt, als er in den Ruinen tatsächlich auf die Gradiva trifft, die offenbar Urlaub vom Hades hat. Wirklichkeit und Phantasie treten ihm jetzt gefährlich zusammen. Mit Hilfe aufdeckender Träume und des psychagogisch sehr geschickten Verhaltens der jungen Frau wird Norbert Hanold schließlich von seinem Wahn befreit und kann den wahren Sachverhalt erkennen: Die vermeintliche Gradiva in Pompeji ist in Wirklichkeit seine Kindheitsfreundin Zoe Bertgang, an der einmal seine ganze Liebe hing, bevor er sie der Wissenschaft opferte. Diese Liebe ist jetzt wieder erwacht – wie Pompeji >aus der Verschüttung wieder ausgegraben<. Hanold wird gesund, ist mit Zoe wieder dem Leben zugewandt und wird sie vermutlich bald heiraten.“
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Hier wird das Thema der Psychoanalyse in Bezug auf Literatur eingeführt und die Forschungsfrage formuliert, ob dieser Ansatz willkürlich ist oder einen Mehrwert bietet.
2. Die wichtigsten psychoanalytischen Kategorien: Dieses Kapitel erläutert die Grundbegriffe der Freudschen Lehre wie das Unbewusste, das Instanzenmodell (Es, Ich, Über-Ich), die frühkindliche Sexualität und die Traumdeutung.
3. Psychoanalytische Literaturwissenschaft: Hier wird dargestellt, wie Freud Literatur analysierte und wie er deren Erforschung legitimierte, ergänzt um kritische Stimmen zur Methodik.
4. Fazit: Das Kapitel schließt mit der Erkenntnis, dass die psychoanalytische Literaturwissenschaft zwar umstritten ist, aber einzigartige Einblicke in literarische Prozesse gewähren kann.
Schlüsselwörter
Psychoanalyse, Literaturwissenschaft, Sigmund Freud, Unbewusstes, Traumdeutung, Ödipuskomplex, Triebtheorie, Sublimierung, Literaturkritik, Hermeneutik, Rezeption, Narration, Psychologie, Autorbiografie, Identifizierung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Verhältnis zwischen der Psychoanalyse nach Sigmund Freud und der Literaturwissenschaft, insbesondere die Frage, ob psychoanalytische Deutungsmuster einen Erkenntnisgewinn bei der Analyse literarischer Werke ermöglichen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentral sind die theoretischen Grundlagen der Psychoanalyse, deren Übertragung auf fiktionale Texte, Freuds praktische Fallstudien an literarischen Werken sowie die wissenschaftstheoretische Kritik an dieser Methode.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Hauptziel ist es zu klären, ob die psychoanalytische Betrachtungsweise von Literatur als willkürlich abzutun ist oder ob sie einen tatsächlichen Mehrwert für ein tieferes Verständnis von literarischen Werken leistet.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Analyse, die primär auf der Auswertung von Freuds Schriften sowie der Auseinandersetzung mit fachwissenschaftlicher Kritik an seinem Ansatz basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Einführung in psychoanalytische Kategorien, Freuds konkrete Anwendung derselben auf Kunst und Literatur sowie die Reflexion durch andere Literaturwissenschaftler.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit fokussiert auf Begriffe wie Psychoanalyse, Literaturwissenschaft, Unbewusstes, Traumdeutung, Triebtheorie und die Rezeptionsgeschichte der Freudschen Theorie in der Literatur.
Wie bewertet Freud den Zusammenhang zwischen dem Dichter und dem Träumer?
Freud vergleicht den Dichter mit einem „Tagträumer“, der seine unbewussten Wünsche in eine soziale und ästhetische Form bringt, was dem Leser ermöglicht, diese Wünsche durch die Lektüre indirekt mitzuerleben.
Welche Rolle spielt der Ödipuskomplex in den Analysen?
Der Ödipuskomplex bildet ein zentrales Erklärungsmodell für Freuds Analysen, insbesondere um familiäre Dynamiken, Todesängste oder die Motivation von Charakteren in literarischen Werken und Biografien zu deuten.
- Arbeit zitieren
- Stefanie Müsse (Autor:in), 2010, Sigmund Freud und die Literaturwissenschaft. Eine Untersuchung der Psychoanalyse als Werkzeug der Literaturanalyse, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/1373932