Diese Arbeit befasst sich mit Kinderbüchern und der Lesekompetenz von Kindern. Die Lesekompetenz spielt eine wesentliche Rolle für die allgemeine Bildung, nicht zuletzt legen Bildungsstandards besonderen Wert auf die Fähigkeit, Texte zu verstehen, zu analysieren und zu reflektieren. Diese Arbeit richtet den Fokus darauf, welche Inhalte zum Gegenstand der Lektüre gemacht werden sollten. Insbesondere in Anbetracht dessen, dass Literatur zur Persönlichkeitsentwicklung beitragen kann, sollten sich sowohl Eltern als auch Bildungseinrichtungen intensiv damit befassen, welche literarischen Inhalte den Kindern nahegelegt werden. Dient ein Kinderbuch der reinen Unterhaltung und Ablenkung oder verfolgt es vielmehr einen erzieherischen, gesellschaftsrelevanten Zweck? Dieser Frage wird vor dem Hintergrund der Engagierten Literatur nachgegangen und anhand von zwei konkreten Beispielen untersucht.
Die vorliegende Arbeit fokussiert sich auf das Zusammenspiel zwischen dem Begriff Engagierte Literatur und der Sinnhaftigkeit von Kinderbüchern. Das Ziel der Arbeit ist die Verknüpfung des Begriffs der Engagierten Literatur und Kinderbüchern sowieso die Bedeutung von engagierten Texten für die Bildung von Kindern. Für dieses Ziel wird der Begriff der Engagierten Literatur zunächst genauer definiert. Neben der Heranziehung verschiedener Lexika wird er dem Begriff der politischen Dichtung gegenübergestellt. Die Definitionen sollen so weit ausgearbeitet werden, dass sie im Nachfolgenden konkret auf die literarischen Beispiele angewendet werden können. Außerdem wird die Kritik des Begriffs dargestellt, um dessen mögliche Präsenz in der anschließend zu analysierenden Kinderliteratur zu verorten.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1. Ziel und Aufbau der Arbeit
1.2. Engagierte Literatur – Definition
2. Raffi und sein pinkes Tutu
2.1. Einordnung des Kinderbuchs in Geschlechtertheorien
2.2. Inhaltliche Darstellung der Geschlechtsdiversität
2.3. Einordnung als Engagierte Literatur
3. Mein schwarzer Hund
3.1. Allgemeines
3.2. Darstellungsebenen der Depression
3.2.1. Textebene
3.2.2. Bildebene
3.3. Einordnung als Engagierte Literatur
4. Bedeutung von Engagierte Literatur für Kinder
5. Fazit
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht das Potenzial von Kinderliteratur als „Engagierte Literatur“. Dabei wird analysiert, wie ausgewählte Werke nicht nur unterhalten, sondern durch die Thematisierung gesellschaftsrelevanter Diskurse – wie Geschlechterdiversität und psychische Erkrankungen – aktiv zur Bildung und Persönlichkeitsentwicklung von Kindern beitragen können.
- Definition und theoretische Einordnung des Begriffs „Engagierte Literatur“.
- Analyse der inhaltlichen und bildlichen Gestaltung von „Raffi und sein pinkes Tutu“.
- Untersuchung der Metaphorik und Aufklärungsfunktion von „Mein schwarzer Hund“.
- Kriterien für vorteilsbewusste Bildung in der Kinderliteratur.
- Evaluation des Mehrwerts von engagierten Inhalten in Bildungseinrichtungen.
Auszug aus dem Buch
3.2.1. Textebene
In Johnstones Buch geht es vordergründig um die Metapher des schwarzen Hundes als Sinnbild für die Krankheit Depression. Diese sinnbildliche Betrachtung existiert jedoch nicht erst durch die Darstellung in Johnstones Text. Im Vorwort des Buches beschreibt die geschäftsführende Direktion des Black Dog Institutes die Verbreitung des Begriffs des schwarzen Hunds bis hin in keltische Zeiten. An Popularität gewann der Ausdruck durch den Psychologen Anthony Storr, der in einem Artikel über den britischen Premierminister Winston Churchill Depressionen diagnostizierte. Anhand des Titels „Chruchill’s Black Dog and Other Phenomena of the Human Mind” rückt der Ausdruck des schwarzen Hundes in den Vordergrund. (Anthony M Daniels, J. Allister Vale 2018) Die Philosophin Niebler erkennt die Symbolik des schwarzen Hundes bereits um 1000 v. Chr., zur Zeit der ägyptischen Hochkultur. Sie sieht Parallelen zu Anubis, dem altägyptischen Gott des Totenreichs und zur griechischen Mythologie, in der der 3-köpfige Höllenhund die Pforten des Hades bewacht. (Niebler 2020) Bei jeder Begriffsherleitung ist der schwarze Hund negativ konnotiert. Neben der Synonymität für eine Krankheit ist er mit Begriffen wie Tot, Furcht und Angst belegt.
Nicht so in Johnstones Kinderbuch. Gegen die allgemeine Erwartung zeichnet sich der schwarze Hund nicht als böser Dämon aus, sondern durch seine Treue. Ziel der Geschichte ist es nicht, den schwarzen Hund aus dem Leben des Betroffenen zu verbannen. Vielmehr soll der Betroffene in Einklang mit dem Hund als Begleiter leben. Johnstone erzählt die Geschichte eines jungen Mannes, der sein Leben lang vom schwarzen Hund begleitet wird. Zu Beginn der Geschichte ist der Hund eine solche Last für den Protagonisten, dass er weder in der Lage ist das Haus zu verlassen noch seiner alltäglichen Routine nachzukommen. „Während alle anderen das Leben zu genießen schienen, sah ich es durch die Schwarze Hundebrille“ (Johnstone, S. 5).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Bedeutung von Kinderliteratur für die Sozialisation und Persönlichkeitsentwicklung und führt in die Fragestellung ein, ob Kinderbücher gesellschaftsrelevante Zwecke verfolgen können.
2. Raffi und sein pinkes Tutu: Dieses Kapitel analysiert das Werk von Riccardo Simonetti im Hinblick darauf, wie es Geschlechterklischees thematisiert und das Konstrukt „Gender“ dekonstruiert.
3. Mein schwarzer Hund: Hier wird Matthew Johnstones Buch untersucht, wobei besonders die Metapher des „schwarzen Hundes“ zur Aufklärung über Depressionen und die Rolle der Bildebene im Vordergrund stehen.
4. Bedeutung von Engagierte Literatur für Kinder: Dieser Teil bewertet das didaktische Potenzial engagierter Kinderliteratur anhand von vorab definierten Kriterien für vorteilsbewusste Erziehung.
5. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und unterstreicht die Notwendigkeit, engagierte Literatur verstärkt in institutionellen Bildungskontexten einzusetzen.
Schlüsselwörter
Engagierte Literatur, Kinderliteratur, Geschlechterdiversität, Depression, Bilderbuch, Aufklärung, Stereotypisierung, Bildungsstandards, Sozialisation, Persönlichkeitsentwicklung, Genderforschung, Metapher, Autonomie, Diskriminierungsprävention, Literaturästhetik.
Häufig gestellte Fragen
Was ist das grundsätzliche Anliegen dieser Arbeit?
Die Arbeit untersucht, ob und wie Kinderliteratur als „Engagierte Literatur“ fungieren kann, um gesellschaftlich relevante Themen wie Diversität und psychische Gesundheit zu vermitteln.
Welche Themenfelder stehen im Zentrum der Analyse?
Die Arbeit fokussiert sich primär auf die Geschlechterdiversität in Riccardo Simonettis „Raffi und sein pinkes Tutu“ und die Darstellung von Depressionen im Werk „Mein schwarzer Hund“ von Matthew Johnstone.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die Verknüpfung zwischen politischem/sozialem Engagement in Texten und deren Bedeutung für die kindliche Bildung sowie die Persönlichkeitsentwicklung näher zu beleuchten.
Welche methodische Vorgehensweise wird gewählt?
Es werden zwei Kinderbücher anhand von inhaltlichen und bildlichen Analysemethoden untersucht und mit theoretischen Definitionen „Engagierter Literatur“ (z.B. von Sartre und Adorno) in Bezug gesetzt.
Welcher Inhalt wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Vorstellung der Werke, die detaillierte Analyse der Text- und Bildebenen sowie die Prüfung, ob diese Werke die Kriterien „Engagierter Literatur“ erfüllen.
Wie lässt sich die Arbeit durch Schlüsselwörter charakterisieren?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Engagierte Literatur, Kinderliteratur, Geschlechterdiversität, Depression und vorteilsbewusste Erziehung definieren.
Inwiefern bricht Simonettis „Raffi und sein pinkes Tutu“ mit gesellschaftlichen Normen?
Das Buch zeigt einen Jungen, der weiblich konnotierte Kleidung trägt, und hinterfragt damit erfolgreich starre Rollenklischees, was zu einer Auseinandersetzung mit dem Konstrukt „Gender“ anregt.
Wie gelingt es Johnstone, das schwierige Thema Depression in einem Kinderbuch aufzubereiten?
Johnstone nutzt eine klare Textstruktur und insbesondere die Metapher eines schwarzen Hundes, die durch eine begleitende Bildsprache unterstützt wird, um Kindern komplexe emotionale Zustände begreifbar zu machen.
- Arbeit zitieren
- Johanna Molter (Autor:in), 2022, Die Rolle der Kinderbücher in der Lesekompetenz bei Kindern, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/1372081