Die vorliegende Perikope ist wohl eine der faszinierendsten des Markusevangeliums. Sie ist für heutige Leser herausfordernd und nicht auf den ersten Blick verständlich, zumal sie zwischen zwei Leidensankündigungen Jesu steht und damit stark kreuzestheologisch geprägt ist. Diesem Umstand verdankt sie, dass sie von vielen Kirchenvätern auf das Kreuz hin interpretiert wurde. Trotzdem lässt sie den Leser verwundert zurück, vielleicht sogar noch mehr, da die Herrlichkeit Jesu, die deutlich wird, auf den ersten Blick nichts mit seinem späteren Kreuzestod zu tun hat. Mit diesen Problemen wird sich diese Hausarbeit beschäftigen, genauer mit der Frage, welches Messiasbild in dieser Perikope deutlich wird und ob hier womöglich eine andere Nachfolge gefordert wird, als im unmittelbaren Kontext des Markusevangeliums. Hierfür ist es nötig, zuerst die exegetischen Methoden anzuwenden, diese werden dann unter Mithilfe der derzeitigen exegetischen Strömungen genutzt um die Fragestellung zu beantworten.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Kontextanalyse
2.1 Jesus im Markusevangelium
2.2 Unmittelbare Kontextanalyse
3 Sprachliche Analyse
3.1 Semantische Analyse
3.2 Die Ereignisfolge
3.3 Textabgrenzung
4 Aktantenbeschreibung
4.1 Mose
4.2 Elia
4.3 Petrus, Johannes und Jakobus
4.4 Aktantenanalyse
5 Synoptischer Vergleich
6 Form und Gattungskritik
7 Redaktionskritik
8 Interpretation
9 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht exegetisch die Perikope der Verklärung Jesu im Markusevangelium, um das darin vermittelte Messiasbild zu entschlüsseln und zu prüfen, ob dieses eine spezifische Form der Nachfolge fordert, die sich vom direkten Kontext des Evangeliums unterscheidet.
- Analyse des markinischen Jesusbildes im Kontext der Leidensankündigungen.
- Untersuchung der Rolle der "drei Jünger" (Petrus, Johannes, Jakobus) als Zeugen und Lernende.
- Synoptischer Vergleich der Verklärungserzählung bei Markus, Matthäus und Lukas.
- Gattungskritische Einordnung sowie redaktionsgeschichtliche Untersuchung der Spannungsbögen im Text.
- Reflexion über das Verhältnis von Göttlichkeit und Kreuzesnachfolge für das Verständnis des Messias.
Auszug aus dem Buch
3.1 Semantische Analyse
Die zu behandelnde Perikope weißt sprachlich einige Besonderheiten auf. Auffällig ist vor allem, der Tempuswechsel im Vers 2: Die Einleitung, also das Petrus, Johannes und Jakobus auf einen Berg Mitnehmen durch Jesu, wird im Präsenz geschildert, hiernach wird jedoch das Tempus gewechselt und die gesamte folgende Handlung geschieht, mit Ausnahme der wörtlichen Rede, im Aorist.
Wichtig ist in diesem Vers zudem, dass μετεμορφώθη passivisch ist, vor allem aber, dass es im neuen Testament sowohl für eine äußere, als auch für eine innere Umgestaltung, bzw. Verwandlung verwendet wird. Auch aus dem folgenden Vers wird nicht deutlich, um welche Form der Verwandlung es sich hier handelt. Es kann, aufgrund des Verlaufs der Perikope und dem synoptischen Vergleich, allerdings von einer äußeren Verwandlung ausgegangen werden.
Der Vers 3 beschreibt das „Glänzend-werden“ des Gewandes Jesu, wodurch unter anderem die vorhergehende Annahme gestützt wird. Jedoch kann durch die Verknüpfung mit καὶ auch die These postuliert werden, die davon ausgeht, dass es sich bei dem Weiß-werden des Gewands um eine zweite und erst auf das μετεμορφώθη folgende Begebenheit handelt.
Der nun folgende Vers erzählt das Erscheinen Elias mit Mose (Ἠλίας σὺν Μωϋσεῖ). Dies ist für die Juden eine ungewöhnliche Reihenfolge und Verknüpfung (σὺν). Es kann durchaus gefolgert werden, dass dies daran liegt, dass der Autor die Propheten, als Vorboten des Messias, als wichtiger als das Gesetz des Mose, über das der Menschensohn Herr ist (Mk 2,28), ansieht.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Einstieg in die Thematik und Formulierung der Fragestellung bezüglich des Messiasbildes und der Nachfolge im historischen Kontext.
2 Kontextanalyse: Untersuchung des Jesusbildes innerhalb des Markusevangeliums und Einbettung der Perikope in den unmittelbaren textlichen Rahmen.
3 Sprachliche Analyse: Detaillierte Betrachtung des griechischen Originaltextes inklusive Tempuswechsel sowie zeitlicher und struktureller Analyse der Perikopenabschnitte.
4 Aktantenbeschreibung: Charakterisierung der Akteure (Mose, Elia, Jünger) und Analyse des Wechsels der Personenkonstellation während der Perikope.
5 Synoptischer Vergleich: Gegenüberstellung der drei synoptischen Evangelien hinsichtlich Chronologie, Wortwahl und inhaltlicher Akzentuierung.
6 Form und Gattungskritik: Einordnung des Textes in das Schema der Theophanie unter Berücksichtigung wissenschaftlicher Gattungsdiskussionen.
7 Redaktionskritik: Untersuchung der redaktionellen Spannungen und Brüche sowie deren Interpretation als bewusste Leserlenkung.
8 Interpretation: Reflexion über exegetische Deutungsmuster und das Verständnis der Verklärung im Lichte von Leiden und Auferstehung.
9 Fazit: Zusammenfassende Erkenntnis über das Doppelbild des Messias und die Bedeutung der Perikope als Lehrstunde für die Kreuzesnachfolge.
Schlüsselwörter
Verklärung Jesu, Markusevangelium, Kreuzesnachfolge, Messiasbild, Exegese, Synoptischer Vergleich, Jüngerunverständnis, Theophanie, Leidensankündigung, Menschensohn, Aktantenanalyse, Redaktionskritik, Elia, Mose, Nachfolge.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit widmet sich der exegetischen Untersuchung der Verklärungsperikope im Markusevangelium (Mk 9,2-13) und analysiert das darin vermittelte Messiasverständnis.
Welche Themenfelder stehen dabei im Mittelpunkt?
Zentrale Aspekte sind der literarische Kontext, die sprachliche Analyse des griechischen Textes, die Bedeutung der Akteure (Mose, Elia, die Jünger) sowie die Einordnung in gattungstheoretische Konzepte.
Was ist das primäre Forschungsziel?
Es soll geklärt werden, wie das in der Verklärung erscheinende Messiasbild korrigiert oder erweitert wird und inwiefern der Text eine spezifische Form der Kreuzesnachfolge als notwendig erachtet.
Welche wissenschaftliche Methode wird angewandt?
Die Arbeit nutzt klassische exegetische Methoden, darunter die synchrone Sprachanalyse, Aktanten- und Ereignisanalyse sowie form- und redaktionskritische Verfahren.
Was behandelt der Hauptteil der Arbeit?
Er umfasst die detaillierte Kontext- und Versanalyse, den Vergleich mit den anderen Synoptikern (Matthäus, Lukas) sowie eine kritische Auseinandersetzung mit verschiedenen theologischen Interpretationsansätzen.
Was sind die charakteristischen Schlüsselwörter dieses Dokuments?
Wesentliche Begriffe sind Verklärung Jesu, Markusevangelium, Kreuzesnachfolge, Messiasbild, Theophanie und das markinische Jüngerunverständnis.
Warum spielt das "Stillschweigegebot" für den Autor eine besondere Rolle im Text?
Es fungiert als ein gezieltes Instrument der Leserlenkung und deutet darauf hin, dass die Jünger den wahren Charakter des Messias (als Leidender) erst nach der Auferstehung erfassen können.
Wie unterscheidet sich die Darstellung in Markus im Vergleich zu den anderen Synoptikern?
Der Autor des Markusevangeliums betont stärker als die anderen Synoptiker das Unverständnis der Jünger und die inhaltliche Verknüpfung der Verklärung mit der Lehre von der Kreuzesnachfolge.
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- Florian Stern (Author), 2014, Die Frage nach dem Messias und die Nachfolge. Exegese von Mk 9,2-13 parr., Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/1371492