Dieser Arbeit liegen folgende Fragen zugrunde: Wodurch erklärt sich die "Scheu" der Komponisten vor Hamlet als Opernstoff? Welche für Hamlet charakteristischen Aspekte könnten einer Vertonung für die Oper im Wege stehen? Hierfür wird auf die Charakteristika des Stücks und die spezifischen Voraussetzungen des Musiktheaters ebenso einzugehen sein, wie auf die dokumentierten Opernprojekte, die unvollendet geblieben sind.
Im Anschluss daran soll im zweiten Teil dieser Arbeit ein Überblick über markante Werke der Musikgeschichte geleistet werden, die Hamlet zum Thema haben. Dies kann im Rahmen dieser Arbeit nur eine Auswahl sein. Aus den zahlreichen Schauspielmusiken werden die Beiträge von Tschaikowsky und Schostakowitsch herausgegriffen.
Inhaltsverzeichnis
1 Erster Teil
1.1 Einleitung
1.2 Hamlet und das Musiktheater
1.3 Hamlet – unvollendet
2 Zweiter Teil
2.1 Schauspielmusik
2.2 Sinfonische Dichtung
2.3 Filmmusik
2.4 Oper
3 Ergebnis und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die musikalische Rezeption von Shakespeares Tragödie "Hamlet", wobei der Fokus auf dem Spannungsfeld zwischen dem literarischen Stoff und dessen Umsetzung in verschiedenen musikalischen Gattungen liegt. Leitend ist dabei die Forschungsfrage, wie das "Indirekte" in der Musik – insbesondere im Vergleich zur direkten Vertonung in der Oper – zur Konstruktion und Interpretation des Hamlet-Stoffes beiträgt.
- Thematisierung des Hamlet-Stoffes in verschiedenen Gattungen (Schauspielmusik, Sinfonische Dichtung, Filmmusik und Oper)
- Analyse der indirekten versus direkten musikalischen Repräsentation literarischer Vorlagen
- Untersuchung von Kompositionsstrategien und musikdramaturgischen Konzepten
- Hinterfragung der Gründe für das Scheitern oder die Seltenheit von Hamlet-Opern
Auszug aus dem Buch
1.1 Einleitung
Die vier literarischen Gestalten Don Juan, Faust, Don Quichote und Hamlet dürfen als paradigmatische Mythen der Neuzeit gelten. Sie haben nicht nur zahlreiche Werke der Literatur, der Bildenden Kunst und des Films inspiriert, sondern auch Eingang in die Musik gefunden. Die Reihe der Opern, Schauspielmusiken und Sinfonischen Dichtungen, die einen dieser Stoffe zum Thema haben, ist unübersehbar. Aber während der Faust-Stoff namhafte Werke des Musiktheaters wie Berlioz' La Damnation de Faust (1846), Gounods Faust (1859), Boitos Mefistofele (1868) und Busonis Doktor Faust (1924) hervorgebracht hat und die Geschichte der Oper ohne Mozarts Don Giovanni (1787) schlicht nicht denkbar ist, gibt es keine Hamlet-Oper, die sich in ihrem künstlerischen Rang und in ihrer Popularität mit den genannten Werken, aber auch mit herausragenden Shakespeare-Opern wie etwa Verdis Otello (1887) und Falstaff (1893) messen lassen könnte. Kurzum: Hamlet ist auf der Opernbühne nicht präsent - was bedeutet, dass Shakespeares Tragödie The Tragical History of Hamlet, Prince of Denmark (1603) bemerkenswert selten für die Oper vertont worden wäre.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Erster Teil: Führt in das Thema der Hamlet-Rezeption in der Musik ein, beleuchtet das ambivalente Verhältnis zwischen dem Hamlet-Stoff und dem Musiktheater und thematisiert das Phänomen der unvollendeten Hamlet-Projekte.
2. Zweiter Teil: Analysiert detailliert, wie der Hamlet-Stoff in den vier Gattungen Schauspielmusik, Sinfonische Dichtung, Filmmusik und Oper jeweils unterschiedlich musikalisch verarbeitet und interpretiert wird.
3. Ergebnis und Ausblick: Bilanzierend stellt dieses Kapitel fest, dass der Hamlet-Stoff bevorzugt in Gattungen erscheint, die ihn nur indirekt präsentieren, da direkte Opernvertonungen oft an den spezifischen dramaturgischen Anforderungen der Vorlage scheitern.
Schlüsselwörter
Hamlet, Shakespeare, Oper, Musiktheater, Schauspielmusik, Filmmusik, Sinfonische Dichtung, Kompositionstechnik, Gattungstransformation, Musikdramaturgie, indirekte Repräsentation, Programmmusik, Rezeptionsgeschichte, Klanggestaltung, Libretto.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit befasst sich mit der musikalischen Rezeption von Shakespeares "Hamlet" und untersucht, wie der Stoff in verschiedenen kompositorischen Gattungen verarbeitet wird.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Zentral sind die Gattungen Schauspielmusik, Sinfonische Dichtung, Filmmusik und Oper im Hinblick auf deren Umgang mit Shakespeares Drama.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, das "Primat des Indirekten" in der musikalischen Hamlet-Rezeption aufzuzeigen und zu analysieren, warum direkte Opernvertonungen des Stoffes selten erfolgreich waren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine komparative und musikdramaturgische Analyse, um Gattungsunterschiede und kompositorische Strategien in Bezug auf die literarische Vorlage herauszuarbeiten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in Analysen der verschiedenen musikalischen Gattungen, wobei jeweils spezifische Werke (z. B. von Tschaikowsky, Walton oder Liszt) untersucht werden.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren diese Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Hamlet, Musiktheater, indirekte Repräsentation, Musikdramaturgie und Gattungstransformation.
Warum gilt der Hamlet-Stoff als schwierig für die Oper?
Die Arbeit arbeitet heraus, dass der Stoff aufgrund seiner hohen Textdichte und der nach innen gerichteten Psychologie der Figur Hamlet als "unoperabe" oder zumindest als für konventionelle Opernstrukturen problematisch empfunden wurde.
Wie prägt die Filmmusik Hamlets Wahrnehmung laut dieser Untersuchung?
Die Filmmusik, besonders bei William Walton, dient oft dazu, psychologische Zustände und Stimmungen indirekt zu unterstreichen ("Punktierung"), anstatt den Text direkt zu vertonen.
- Arbeit zitieren
- Dennis Roth (Autor:in), 2009, Primat des Indirekten. William Shakespeares "Hamlet" in der Musik, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/1369815