Die Beziehungen zwischen den USA und der islamischen Republik Pakistan zeigten sich in den vergangenen Dekaden als wechselhaft und inkonsistent. Phasen enger Partnerschaft wechselten sich mit Phasen der Anspannung und Sanktionspolitik ab. Im Zuge des nach dem 11. September von George W. Bush ausgerufenen „Kriegs gegen den Terror“ und der Invasion und Besetzung Afghanistan durch die NATO wurde Pakistan zum „major non-Nato ally“ der USA und zum Fronstaat im Kampf gegen den Terrorismus. Auch für die neue Obama-Administration hat Pakistan eine enorme strategische Bedeutung. Nicht nur im Kontext einer möglichen Lösung für die heute desolate Lage in Afghanistan, sondern auch in Bereichen wie der Nonproliferation sind amerikanischen Interessen von der politischen Lage in Pakistan betroffen. Die Region Afghanistan-Pakistan gehört heute zu den instabilsten der Welt und ist ein Rückzugsgebiet global operierender Terrorgruppierungen, welche die Sicherheit westlicher Nationen bedrohen. Diese Arbeit analysiert die historisch belasteten Beziehungen der beiden Staaten, unter Zuhilfenaheme eines historiographisch-diskursanalytischen Ansatzes. Im Mittelpunkt stehen dabei die Wendepunkte der Beziehungen und ihre analytische Einordnung. Die Arbeit leistet einen Beitrag dazu, die heutigen Beziehungen zwischen den USA und der islamischen Republik Pakistan besser verstehen zu können und bietet weiter einen, in dieser Form in deutscher Sprache nicht zugängliche, Quellensammlung im Anhang und nahezu vollständige Bibliographie zum Thema (Stand Mitte 2009), welche in dieser Form im deutschen Sprachraum nicht zu finden ist.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Bemerkungen zur Methodik, theoretischen Herangehensweise und erkenntnisleitenden Motiven
2. Die Beziehungen zwischen den USA und Pakistan: Ein historischer Überblick
2.1. Die Beziehungen zwischen den USA und Pakistan: Einleitende Bemerkungen
2.2. Von der Unabhängigkeit Pakistans bis zur Invasion der Sowjetunion in Afghanistan 1979
2.3. Hochphase und Abkühlung: Der Einmarsch der Sowjetunion in Afghanistan 1979 und die Sanktionspolitik der USA nach dem Abzug der Sowjetunion
2.3.1. Hochphase: Pakistan als Frontstaat im Afghanistan-Konflikt
2.3.2. Abkühlung: Abzug der Sowjetunion und Sanktionspolitik
2.4. „War on Terror“ – Die Beziehungen der USA zu Pakistan nach 9-11
2.4.1. Pakistan als „Major non-Nato ally“
2.4.2. Mangelnde Effektivität und Misstrauen
3. Perzeptions- und Wahrnehmungsmuster in den Beziehungen USA – Pakistan
Schlussfolgerungen
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die wechselhaften und oft von gegenseitigem Misstrauen geprägten bilateralen Beziehungen zwischen den USA und der islamischen Republik Pakistan. Ziel ist es, durch eine historisch-diskursanalytische Betrachtung zu erklären, wie vergangene Ereignisse Perzeptions- und Wahrnehmungsmuster geformt haben, die das heutige außenpolitische Handeln beider Staaten maßgeblich beeinflussen.
- Historische Entwicklung der US-pakistanischen Beziehungen seit 1947
- Analyse von Perzeptions- und Wahrnehmungsmustern als Deutungsfolien
- Die Rolle von Interessenslagen und innergesellschaftlichen Akteuren
- Der Einfluss des „Kriegs gegen den Terror“ auf die strategische Partnerschaft
- Die sicherheitspolitische Problematik des pakistanischen Atomprogramms
Auszug aus dem Buch
2.2. Von der Unabhängigkeit Pakistans bis zur Invasion der Sowjetunion in Afghanistan 1979
Pakistan wurde am 14. August 1947 von den britischen Kolonialherren in die Unabhängigkeit entlassen. Westpakistan umfasste das heutige Staatsgebiet während Ostpakistan auf das Gebiet des heutigen Bangladeschs begrenzt war. Beide Teile Pakistans waren durch das Staatsgebiet Indiens voneinander getrennt.
Die Außenpolitik der USA gegenüber Pakistan in den 1950er Jahren muss im Kontext des aufkommenden Kalten-Krieges und der Politik der USA gegenüber der Sowjetunion gesehen werden. Noch 1947/48, während des ersten pakistanisch-indischen Krieges, konnte die Haltung der USA gegenüber Pakistan als indifferent und desinteressiert bezeichnet werden. Die USA bezogen hier weder für die pakistanische Seite, noch für die Indische Position. Erst 1953, im Kontext des von den USA als Instrument einer expansionistischen Politik der Sowjetunion wahrgenommen Korea-Krieges, änderte sich diese Haltung grundlegend. So herrschte bei den Akteuren in den USA die Befürchtung vor, dass die Sowjetunion ihren Einflussbereich in Zentralasien ausdehnen könnte.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Diese Einleitung führt in die wechselhafte Geschichte der bilateralen Beziehungen zwischen den USA und Pakistan ein und definiert das erkenntnisleitende Konzept der „Perzeptions- und Wahrnehmungsmuster“.
1. Bemerkungen zur Methodik, theoretischen Herangehensweise und erkenntnisleitenden Motiven: Hier wird der historisch-diskursanalytische Ansatz erläutert, der untersucht, wie vergangene Ereignisse die heutige Wahrnehmung der Akteure in den zwischenstaatlichen Beziehungen prägen.
2. Die Beziehungen zwischen den USA und Pakistan: Ein historischer Überblick: Dieses Kapitel zeichnet die komplexen Entwicklungslinien der Beziehungen nach, von der Gründung Pakistans über die Kooperation im Kalten Krieg bis hin zu den Auswirkungen der Ereignisse des 11. Septembers.
3. Perzeptions- und Wahrnehmungsmuster in den Beziehungen USA – Pakistan: In diesem Kapitel werden die aus der Historie abgeleiteten Perzeptionsmuster zusammengeführt, um zu erklären, warum das gegenseitige Misstrauen trotz neuer strategischer Partnerschaften fortbesteht.
Schlussfolgerungen: Das Fazit fasst zusammen, dass die Wirkungsmacht der Geschichte und die tief verankerten Wahrnehmungsmuster einer schnellen Normalisierung der bilateralen Beziehungen entgegenstehen.
Schlüsselwörter
USA, Pakistan, Außenpolitik, Kalter Krieg, War on Terror, Perzeptionsmuster, Wahrnehmungsmuster, Historische Diskursanalyse, Afghanistan, Atomprogramm, Geostrategie, Misstrauen, Militärkooperation, Regionale Sicherheit, bilaterale Beziehungen
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die komplizierte und wechselhafte Geschichte der zwischenstaatlichen Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und Pakistan unter dem theoretischen Fokus historisch gewachsener Perzeptions- und Wahrnehmungsmuster.
Welche thematischen Schwerpunkte werden behandelt?
Zentrale Themen sind die strategische Bedeutung Pakistans im Kalten Krieg, die Auswirkungen der Invasion in Afghanistan 1979, der „Krieg gegen den Terror“ nach 9/11 sowie die Rolle des pakistanischen Militärs und des Atomprogramms.
Was ist das primäre Forschungsziel?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie historische Ereignisse auf beiden Seiten zu Deutungsfolien wurden, die das aktuelle politische Handeln und das gegenseitige Misstrauen auch heute noch massiv beeinflussen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Autorin oder der Autor verwendet eine historisch-diskursanalytische Methode, um die Beziehungen zwischen den Staaten als einen fortwährenden Prozess zu begreifen, der durch historische Sozialisation geprägt ist.
Was wird im Hauptteil der Arbeit analysiert?
Der Hauptteil gliedert sich in einen historischen Überblick und eine analytische Aufarbeitung, wobei insbesondere Wendepunkte wie die Zeit nach 1979 und nach 2001 intensiv beleuchtet werden.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?
Neben den Hauptakteuren USA und Pakistan spielen Begriffe wie „Perzeptionsmuster“, „Geostrategie“ und „historische Tradition“ eine entscheidende Rolle für das Verständnis des Diskurses.
Warum wird Pakistan in der Arbeit als „Staat im Staate“ bezeichnet?
Diese Bezeichnung bezieht sich auf die außergewöhnliche Autonomie und den politischen Einfluss des pakistanischen Militärs und des Geheimdienstes ISI, die oft unabhängig von zivilen demokratischen Kontrollmechanismen agieren.
Welche Rolle spielt das A.Q. Khan-Netzwerk für das heutige Vertrauensverhältnis?
Das Netzwerk symbolisiert für die US-Seite eine massive sicherheitspolitische Gefahr und ist ein zentraler Grund für das anhaltende Misstrauen Washingtons gegenüber pakistanischen Zusagen im Bereich der Nichtverbreitung von Nuklearwaffen.
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- B.A. Jan-Frederik Kremer (Author), 2009, USA - Pakistan - „An Awkward Partnership“, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/136697